Alkohol am Arbeitsplatz ganz großes Problem - was tun?
Hallo alle zusammen, ich habe ein ganz besonders kniffeliges Problem bei uns im Betrieb. Bei einem Teilbereich unseres Betriebes sind 4 sogenannte "Telefonisten" beschäftigt. Die Telefonistenstelle ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche besetzt. Somit teilen sich die Kollegen im 12-Stunden-Rhythmus diesen Arbeitsplatz. Einer dieser Kollegen hat massive Alkoholprobleme. Er trinkt während der Arbeitszeit ( nicht nur Nachts ) teilweise soviel, das er bereits einige Male von seinem Arbeitsplatz entfernt werden musste, weil er nicht mehr in der Lage war, seinen Dienst ordnungsgemäß zu verrichten. Bei einer dieser "Entfernungen" war ich per Zufall selbst anwesend ( Ende Dezember letztes Jahr ). Der Kollege sagte, er habe nur eine halbe Flasche Bier getrunken, roch aber nach einer halben Kiste Bier. Der Kollege wurde an dem besagten Tag nach Hause geschickt ( vom Chef persönlich unter der Angabe, der Kollege X sei gerade "unpässlich" )und er sollte seine nächste Schicht am folgenden Tag wieder aufnehmen. Er tat das nicht und meldete sich krank. Es wurde kurzfristig ein "Telefonisten-Rentner" aktiviert ( zum Jahreswechsel-Silvester!!) jedoch geriet die Arbeitsplanung der Kollegen total durcheinander. Die drei festangestellten Telefonisten haben sich jetzt bei mir (BR-Vorsitzender) über das Verhalten des Kollegen X ( mit Recht ) beschwert. Soweit ich weiß, hat Kollege X bei allen Vorfällen ( min. 6 sind bekannt ) "nur" jeweils eine "mündliche Verwarnung" bekommen, sonst ist nichts passiert, keine schriftliche Abmahnung, keine Aufforderung zu einer Entziehungskur.
Jetzt kommt das seltsame:
Ich habe erfahren, das der Kollege X ( an dem Tag an dem ich dabei war ) deswegen vom Arbeitsplatz enfernt wurde, weil er angeblich eine "Kreislaufschwäche wegen einer --Tablettenumstellung--" gehabt haben soll, und das bei der Alkoholfahne !! Seit gestern kenne ich auch den Grund für das Verhalten meines Chefs ! Chef und Kollege X sind "Freimaurer" und gehören derselben Freimaurerloge an. Habe mich im Web über "Freimaurer" informiert und dabei herausgefunden, das ein Freimaurer dem anderen Freimaurer kein Leid zufügt ( also auch nicht entläßt ?? ) Ich habe jetzt das Problem, das ich drei Kollegen habe, die sich über Kollege X beschweren und mich um Abhilfe bitten. Chef und Kollege X sind Freimaurer. Ich muss mich einerseits für die drei Kollegen einsetzen, anderseits auch für Kollege X und ich habe nen Chef, der gegen Kollege X nichts unternehmen wird.
Ganz schön kompliziert, oder ?
Hat einer eine Idee, was ich da machen kann ? Ich dachte an eine Versammlung des ganzen BR ( 3 Mann ) plus die drei Telefonisten plus Kollege X und Chef und das ganze dann in einem Gespräch klären. Aber ich habe keine große Hoffnung, dass das ganze was bringen wird :-((
Community-Antworten (5)
10.01.2007 um 17:35 Uhr
@ Monhull ,
ich kenne das Problem sehr gut -nur bei uns ist´s nicht Freimaurer sondern Bergmannsverein !
Macht eine BV Suchtmittelmissbrauch !
Jeder ist solange unschuldig , bis ihm seine Schuld bewiesen ist !
Könnt ihr ohne Alkoholtester beweisen das es nicht sein Rasierwasser war , das so gerochen hat ? Wohl kaum !
Zu der Versammlung- macht jemand wirklich den Mund auf ? Sagt er dann wirklich seine ehrliche Meinung ? Meine Erfahrung hat gezeigt-wohl kaum !
10.01.2007 um 17:43 Uhr
@monohull Ich kenne da jemanden
10.01.2007 um 22:19 Uhr
Zuerst einmal die Bermerkung, daß Alkoholismus eine Krankheit ist. Helfen kann nur eine professionelle Hilfe, das heißt, eine richtige Therapie - ambulant oder immer besser stationär. Ein Alkoholkranker hält sich meist nicht für einen Alkoholiker, sieht in seinem Alkoholkonsum kein großes Problem. Das Problem wird entweder nicht erkannt, verdrängt oder - wenn er auf sein Alkoholproblem angesprochen wird - ganz konsequent abgestritten. Er erkennt seine Krankheit meist erst dann, wenn es ihm richtig schlecht geht. Und dieses Erkennen ist die Voraussetzung, eine erfolgreiche Therapie anzufangen. Mit dem Decken des Problems durch Kollegen oder Angehörige wird keinem geholfen. Dem Chef muß erklärt werden, daß sein Verhalten keine Hilfe ist. Als Arbeitgeber hat er seinem Mitarbeiter gegenüber auch eine Fürsorgepflicht. Druck und Abmahnungen lösen das Problem des Kranken nicht, schaffen nur die Voraussetzung für eine Kündigung. Gespräche durch Betriebsrat oder Kollegen sind immer schwierig, müssen sachlich aber konsequent geführt werden. Es gibt da einen Test (Jellinektest - im Internet zu finden), der dem Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden könnte mit dem Hinweis, sich ganz unverbindlich einmal damit alleine zu beschäftigen, um mit dem Ergebnis seine Situation zu überdenken. Ich habe bei uns im Betriebsrat eine Liste mit Beratungsstellen im Umkreis erarbeitet, die ich den Kollegen zur Verfügung stelle. Die Recherche im Internet erforderte etwas Zeit. Das ist aber die einzige Hilfe, die der BR anbieten kann. Der Mitarbeiter selbst muß weitere Schritte auf eigenen Wunsch und aus eigenem Antrieb anleiern, sonst hat das ganze keinen großen Erfolg.
10.01.2007 um 22:49 Uhr
@helga Man könnte auch eine "BV-Sucht" erarbeiten...
11.01.2007 um 14:25 Uhr
Hallo Monohull,
wie bereits helga eindringlich informierte und riet, Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit! Hier solltet Ihr Euren Chef tatsächlich auf "Eure Seite holen", um dem Kollegen zu helfen. Denn bei fehlender Hilfe ist zu erwarten, dass der Kollege den Alk.-konsum intensiviert und letztendlich tatsächlich betrieblichen Schaden anrichtet (z.B. Abschrecken von wichtigen Kunden etc.). Nicht ohne Grund haben einzelne Suchtkliniken extra Bereiche für Piloten und Busfahrer sowie Verträge mit den entsprechenden Arbeitgebern. Wir haben in unserem Betrieb eine entsprechende Betriebsvereinbarung. Mit Gruß
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