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Wird die Krankheitsquote niedriger wenn AU nicht ab dem ersten Tag verlangt wird?

H
Haselbacher
Jan 2018 bearbeitet

Hallo Kollegen, bin BR in einem Dienstleistungsunternehmen mit rund 150 Angestellten. Wir haben mit einer sehr hohen Krankheitsquote zu kämpfen, obwohl die Arbeitsbedingungen und das Betriebsklima gut sind. Die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird vom AG ab dem ersten Tag verlangt. Jedes Zipperlein führt zu mehreren Krankheitstagen. ( Ärzte können mehr abrechnen, wenn sie krank schreiben, Ansteckung im Wartezimmer usw.) Möchte bei der Geschäftsleitung anregen, zur Probe für 3 Monate die AU erst ab dem 2. oder 3. Tag zu verlangen. Habt ihr Erfahrungswerte oder auch Statistiken, aus denen ersichtlich ist, ob sich so die Krankheitsquote senken lässt?

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Community-Antworten (14)

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Dame

17.07.2006 um 10:21 Uhr

Hallo Haselbacher, ich arbeite auch in der Dienstleistungsbranche. Unsere KQ ist auch immer sehr hoch, deswegen ist vor ca. 4 Jahren auch die AU ab ersten Tag eingeführt worden. Besser ist es aber dadurch nicht geworden. Wir möchten unserem AG auch wieder davon überzeugen, dass es vielleicht besser ist wieder auf den dritten Tag zu gehen. Unser zusätzliches Argument ist, das man mit einzelnen Mitarbeitern, die immer mal wieder Freitags und Montags "krank" sind, Einzelgespräche führen muß und für diese Leute dann ab ersten Tag AU verlangt wird.

H
Haselbacher

17.07.2006 um 10:28 Uhr

Danke für die schnelle Antwort, suche Zahlen, Fakten und Statistiken, die einen solchen Versuch rechtfertigen. Der AG wird sich wohl nicht auf Mutmaßungen einlassen. Wer weiß, wo ich sowas recherchieren kann? MfG

F
Frank

17.07.2006 um 10:29 Uhr

Hallo Haselbacher, wir sind ein Betrieb von ca. 900 Mitarbeiter. Wir müssen erst ab den 3 Tag eine AU vorlegen. Wir haben sehr gute erfahrungen gemacht. Krankenstand bei 3 Schichtarbeit ca. 3 - 4 %. Einen Versuch bei euch in der Firma solltet ihr machen. Probiert es erstmal für einen Zeitraum von einem Jahr aus. Dann wertet die Daten aus und seht ob es positiv war. MFG Frank

M
Mona-Lisa

17.07.2006 um 10:56 Uhr

@Haselbacher, also irgendwie ist bei euch der Wurm drin! Das passt nicht ganz zusammen! Betriebsklima ist lt. deiner Aussage gut? Warum dann der hohe Krankenstand? Könnte es nicht sein, dass die Gründe vielleicht in Arbeitsüberlastung, Stress, oder Ungleichbehandlung usw. liegen können? Habt ihr da mal nachgeforscht?

Wenn das Betriebsklima bei euch so gut sein soll, würde doch nicht gleich jeder Mitarbeiter bei jedem "Zipperlein" zum Arzt rennen!

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Fayence

17.07.2006 um 10:57 Uhr

Haselbacher,

der "Verdienst" eines Arztes ist völlig unabhängig davon, ob er einen AN für einen oder gleich für mehrere Tage AU schreibt.

Den von Dir gesuchten Zahlenvergleich wirst Du nur in Vergleichsstudien finden, die es auch gibt. Weiterhelfen kann Dir wahrscheinlich der BKK Bundesverband, da dieser hoheitlich für die Erfassung und Auswertung von AU´s zuständig ist.

RI
Ramses II

17.07.2006 um 12:08 Uhr

Erfährt denn der BKK Bundesverband von AUs die nicht von einem Arzt überprüft wurden?

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Kölner

17.07.2006 um 12:23 Uhr

@Ramses II Sehr guter Einwand....

F
Fayence

17.07.2006 um 12:24 Uhr

Dieses Zahlenmaterial liegt natürlich auch der BKK nicht vor, dazu bedarf es einer aktiven Befragung der AG.

Ich halte es nur für sehr wahrscheinlich, dass speziell der Bundesverband der BKKen Kenntnis von solch vergleichenden Studien hat oder diese ev. auch selbst in Auftrag gegeben hat. Deshalb mein Hinweis auf diese Informationsquelle.

P.S. Die von der BKK ausgewerten AU´s -nachzulesen im Gesundheitsreport- beziehen sich auf die, von einem Arzt bescheinigten.

H
Haselbacher

17.07.2006 um 12:43 Uhr

Mona-Lisa, klar, berechtigter Einwand, wir forschen permanent nach Gründen für die hohe Krankheitsquote. Aber es geht ja darum, daß die Mitarbeiter bei jedem kleinen "Zipperlein" gezwungen sind, zum Arzt zu gehen, da ja umgehend die AU vorgelegt werden muss! Also auch, wenn der/die Mitarbeiter(in) Mittags nach Hause geht, weil er/sie sich nicht wohlfühlt. Kleinigkeiten, die normalerweise in einem oder zwei Tagen auch ohne Arztbesuch erledigt wären, münden so oft in eine Krankschreibung für den Rest der Woche. Danke an alle für die große Beteiligung an diesem Thema!

RI
Ramses II

17.07.2006 um 13:00 Uhr

Fayence,

ich halte es ehrlich gesagt für sehr unwahrscheinlich dass es überhaupt statistisch nachweisbare Effekte gibt.

Ein einfacher Vergleich von Betrieben mit AU ab 1ten Tage und AU ab 4ten Tag wird auch keine Signifikanz ergeben, da es bei denen mit 1ten Tag immer auch eine Vorgeschichte geben wird, die mit der frühen AU-Bescheinigung also wahrscheinlich die mit dem hohen Krankenstand sind.

Käme noch in Frage zu betrachten, wie sich eine Änderung in den AU-Anforderungen auswirkt. Die kurzfristigen Effekte ("jetzt erst recht" "Vorsicht, der AG hat wohl ein Auge drauf") dürften da kein klares Bild ergeben. Die langfristigen Effekt dürften aber durch zu viel andere statistische Effekte (allgemeine gesundheitliche Entwicklung im Betrieb) auch nicht mehr signifikant feststellbar sein.

Bliebe noch die Möglichkeit, die Verteilung der Krankheitsdauern zu betrachten. Aber auch diese Verteilung selbst wird keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang liefern. (Wenn die "1.Tags AUler" prozentual signifikant weniger Kurzerkrankungen haben, bedeutet dass, dass sie an Tagen wo sie sich früher einfach krank gemeldet haben doch zur Arbeit kommen, oder bedeutet das, dass sie gleich für eine längere Zeit krank geschrieben werden.

Ich gehe davon aus, dass die statistische Nachweisbarkeit sich in der Region der Nachweisbarkeit von Sternzeichen auf die Unfallhäufigkeit bewegt.

Ich würde jedenfalls jede Auswertung zu diesem Thema mit tiefstem Argwohn lesen.

F
Fayence

17.07.2006 um 15:01 Uhr

Ramses II,

es ist völlig richtig, dass solche Statistiken in Bezug auf eine qualitative Aussage sehr genau hinterfragt werden müssen. So ist beispielsweise der Anteil der Kurzzeiterkrankungen (bis 3 Tage) im Laufe der Zeit auf inzwischen ca. 1/3 gestiegen, die absoluten Krankheitstage haben jedoch abgenommen.

Auch der Vergleich Krank bis 3 Tage mit oder ohne AU ist sehr genau zu hinterfragen. Eine wesentliche Rolle spielt hier beispielsweise der Wochentag, an welchem ein AN zum Arzt geht. Und es gibt durchaus Auswertungen, dass die meisten Ärzte unabhängig vom Wochentag eine voraussichtliche AU bis zum Wochenende attestieren und eher selten nur für max. 3 Tage. Vielleicht finde ich diese Zahlen noch.

Aber ich kann den Ansatz von Haselbacher durchaus nachvollziehen!

RI
Ramses II

17.07.2006 um 15:45 Uhr

Fayence,

gefühlsmäßig bin ich voll und ganz bei Haselbacher.

Bezüglich echter Krankheiten wird sich vermutlich eine Verlängerung ergeben.

Bezüglich gefühlter Krankheiten halte ich den Erfolg auch eher für zweifelhaft.

F
Fayence

17.07.2006 um 16:13 Uhr

Ramses II,

da lasse ich doch glatt einmal "Blaue Augen" von "IDEAL" laufen! ;-)

DBI
Der Bielinsk Indianer

18.07.2006 um 21:37 Uhr

Hallo Haselbacher,

ich finde es super toll, dass Du Dir (als BR) darüber Gedanken machst und im Interesse der Arbeitsplätz nach einer Lösung suchst. Welcher BR macht heute schon die Gedanken die eigentlich aus Eigenutz der Arbeigeber haben sollte. Ich werde den Beitrag weiter aufmerksam verfolgen.

Weiter so Der Bielinsk Indianer

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