Offenlegung von Umsatzzahlen der Firma
Bisher war es so, daß alle Mitarbeiter der Verwaltung und des Außendienstes täglich über die erreichten Umsätze der Firma gesamt, Vergleich zum Vorjahr, der einzelnen Bereiche und der einzelnen Produktgruppen per E-Mail informiert wurden. Ziel war es, daß ein Wettbewerb der einzelnen Bereiche untereinander besteht, um das Monatsergebnis ständig zu verbessern. Alle Mitarbeiter fanden diese Information sehr gut und haben gefiebert, die Besten zu sein. Nun haben wir einen neuen Vertriebsdirektor für den schwächsten Bereich bekommen. Er hat sich bei der Geschäftsleitung gegen diese Offenheit der Umsatzzahlen ausgesprochen - was verständlich ist - da alle mitverfolgen können, wie sich der Umsatz in seinem Verantwortungsbereich entwickelt. Der Geschäftsführer hat nun - ohne die Mitarbeiter und den BR davon in Kenntnis zu setzen, die Umsatzinformationen eingestellt. Es erhalten nur noch 2 leitende Mitarbeiter 1 x im Monat die altbewährte Umsatzauswertung.
Ich habe nun den GF gebeten, mich als BRV mit in diesen Verteiler aufzunehmen, damit ich über die Umsatzentwicklung informiert bin. Nach 2 Wochen habe nun die Antwort erhalten, daß er das ablehnt. Diese Zahlen haben den Betriebsrat nicht zu interessieren. Wenn ich dennoch Interesse an den Zahlen habe, könnte ich mir diese selber aus dem System ziehen und für mich auswerten. Sollte ich dazu nicht in der Lage sein, würde er es mir zeigen. Ich würde es auch gerne tun, aber das ist für mich ein Zeitaufwand, den ich nicht zur Verfügung habe. Er hat angeboten - quartalsweise eine Information über den Stand der Finanzen zu geben. Das haben wir schon praktiziert - aber es wurde uns nie die Wahrheit mitgeteilt. Es geht unserer Firma seit langem nicht gut - aber nach außen hin darf darüber nicht gesprochen werden. Aber auch dem Betriebsrat wird jede Information darüber, wie es wirklich um uns steht verweigert. Deshalb denke ich, wäre es schon sehr wichtig, daß auch der Betriebsrat wenigstens über die Umsatzentwicklung informiert wird um reagieren zu können. Unser GF lehnt uns als BR generell ab. Wie kann ich argumentieren, um doch an die Umsatzinformationen zu kommen? Ist dieser Anspruch gerechtfertigt?
Community-Antworten (8)
01.03.2012 um 12:52 Uhr
...aber das ist für mich ein Zeitaufwand, den ich nicht zur Verfügung habe.
Das stimmt nicht!! Denn Du hast ggf. die Gesamte Arbeitszeit und man kann ja auch weitere BRM heranziehen für BR-Arbeit.
Der Grund ist dann doch wohl, es ist Dir zuviel dich selbst zu bemühen. Du hättest es gerner serviert.
Das BetrVG sieht das Thema "Info des BR und WA" ja vor.
01.03.2012 um 13:30 Uhr
Hallo,
Streikposten liefert Dir ja schon die Argumentation, wenn Eurer GF Dir das so nicht geben will dann brings Dir bei und verwende Deine ganze Arbeitszeit damit, dann wird der GF evtl einsichtig denn er will ja nicht zusätlzich jemanden bezahlen der Deine Arbeit macht. Wie groß ist Eurer Betrieb denn überhaupt?
01.03.2012 um 14:02 Uhr
Ich sehe es fast noch schärfer als die Vorredner:
- Ob die Veröffentlichung in der Vergangenheit datenschutzrechtlich erlaubt war, ist erstmal anzuzweifeln. Von daher hätte es eigentlich das Bestreben des BR sein müssen, was der neue Vertriebsdirektor jetzt durchgesetzt hat. Schön, wenn die Führungskräfte die Arbeit des BR machen.
- Mal vorausgesetzt, ihr habt keinen WA, ist das Angebot "quartalsweise eine Information über den Stand der Finanzen zu geben" so in etwa der Anspruch aus §110, dem er nachkommt.
- Den Verdacht "es wurde uns nie die Wahrheit mitgeteilt" könnt ihr ja selbst bestätigen oder entkräften - Systemzugriff ahbt ihr ja (vermutlich im Unterschied zum überwiegenden Teil der BR-Gremien in Deutschland).
- Zum Fehlen der Zeit haben sich die Vorschreiber schon geäußert.
- Schulung wurde auch angeboten...
- Die Behauptung "dem Betriebsrat wird jede Information darüber, wie es wirklich um uns steht, verweigert" würde ich angesichts der Punkte 1-5 bestenfalls als Unsinn bezeichnen.
Falls ihr einen WA habt, ändert sich Punkt 2 dahingehend, dass ihr die Info monatlich bekommt - mündlich. Die erforderlich Unterlagen habt ihr ja vorliegen: passwortgeschützt im System.
01.03.2012 um 14:15 Uhr
Wir sind ein kleiner Betrieb - 50 Mitarbeiter. Ich habe einen Vollzeit-Job und erledige die Betriebsrats-Arbeit in der Regel nach Feierabend von zu Hause aus. Ich habe ein Arbeitsgebiet, wo ich täglich alleine 50 % des Firmenumsatzes mache. Aufgrund unserer angespannten Lage wird das von mir auch erwartet und ich tue es auch gern. Erschwerend kommt dazu ich habe für meinen Arbeitsplatz keine Vertretung, da wir seit Jahren nur mit Mindestbesetzung fahren.
Leider sind die restlichen Betriebsratsmitglieder im Produktionsbereich tätig und verfügen kaum über EDV-Kenntnisse, haben keine Zugangsrechte, kennen das System und die Auswertungsmöglichkeiten nicht. Es ist keine Bequemlichkeit von mir - sondern tatsächlich ein echtes Zeitproblem. Das ich mir die Zeit für das Forum nehme macht mir ein schlechtes Gewissen und kostet mich eine Überstunde, aber es ist für mich die einzige Möglichkeit mir von alten oder auch jungen Hasen, Informationen zu holen. Danke daß Ihr Euch meldet.
01.03.2012 um 14:29 Uhr
Inpulse
.....die Betriebsrats-Arbeit in der Regel nach Feierabend von zu Hause aus. Damit kannst Du dich ggf. sogar strafbar machen. Denn man kann unterstellen, dass z.B. der Datenschutz nicht immer wirkliche gesichert ist, da zu Hause ja Unberechtigte etwas mitbekommen können.
Der AG könnte hier ggf. auch mit einem § 23 Verfahren handeln. Denn Du nimmst zum Einen Betriebsinterna und hier auch Dinge/Unterlagen welche dem Datenschutz und ggf. besonderen sozial Datenschutz unterliegen mit aus dem Betrieb.
Aber ggf. auch ein betroffener AN könnte sowohl straf- wie auch zivilrechtlich gegen dich vorgehen, wenn der Datenschutz durch Dein Handeln verletzt wird.
Das BRM die notwendigen Kenntnisse nicht haben ist auch kein Grund und kann es nicht geben. Denn dafür sorgt das BetrVG mit dem § 37 (6).
01.03.2012 um 14:36 Uhr
Nunja, da stand ja Inpulse ist der einzige, der die Arbeit machen kann und der Firma geht es schon seit längerem nicht gut. Selbst wenn ich menschlich urteilend behaupte, dass es verständlich sei wenn ein BR dann nicht auch noch Geld für Seminare ausgibt und Arbeit liegen lässt. Ein Richter würde das wohl nicht wirklich so sehen und wohl eher kein Verständnis für Unkenntnis haben. Du bist verpflichtet, dir das erforderliche Wissen anzueignen. Außerdem, was passiert mit deiner Abteilung wenn du Urlaub hast, krank wirst etc?
Man ist immer nur so alt wie man sich fühlt, nur nie so wichtig! Du glaubst doch nicht wirklich, dass nicht in kürzester Zeit Ersatz für dich da wäre, wenn du länger ausfällst
01.03.2012 um 18:08 Uhr
@Streikposten Strafbar? ?
01.03.2012 um 18:53 Uhr
Aufgrund unserer angespannten Lage wird das von mir auch erwartet und ich tue es auch gern.<
Die AN haben die Erwartung, dass Du ihre Interessen vertritst.
Erschwerend kommt dazu ich habe für meinen Arbeitsplatz keine Vertretung, da wir seit Jahren nur mit Mindestbesetzung fahren.<
Der AG ist verpflichtet, dem BR den Rücken frei zu halten und ggf. für eine Vertretung zu sorgen.
Ich denke, Du musst erst einmal in Dich gehen, ob Du wirklich konsequent BR-Arbeit leisten willst und auch bereit bist, Deine eigenen Rechte durchzusetzen, die Voraussetzung für eine BR-Arbeit sind. Dann musst Du mit dem AG über den notwenigen Freiraum reden.
Aber mal so nebenbei: Braucht der BR wirklich die täglichen Umsätze? Und hat nicht der tägliche Wettbewerb auch einen nicht übersehbaren "Stressfaktor" zur Folge?
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