Verhindern der Bildung eines BR durch die Belegschaft?
Hallo, unser Betrieb ist eine 100%-Tochter eines grossen Konzerns. Da wir keinen BR haben, eröffnete dies uns einen Vorteil am Arbeitsmarkt und sicherte unsere Arbeitsplätze (die mit BR nicht gehalten werden könnten, da Betriebe mit BR in unserer Brache keine/weniger Aufträge bekommen). Das klingt jetzt paradox, ist aber so. Nun gab es Bestrebungen, auch in unserem Betrieb einen BR zu installieren. Bei der Veranstaltung zur Wahl der Wahlvorstände (...) hat die Belegschaft eindeutig durch das Wahlergebnis zu verstehen gegeben, dass kein BR erwünscht ist. Es wurden kein Wahlvorstand gewählt.
Jetzt kommt's: Der BR des Konzern hat sich nun gemeldet und angekündigt, dass nun von Oben ein BR eingesetzt werden würde.
Frage: Welche Möglichkeiten hat die Belegschaft, sich gegen die zwangsweise Einführung eines BR zu wehren, bzw. gegen einen BR vorzugehen? Wir gehen davon aus, dass unser hauchdünner Wettbewerbsvorteil durch das Einsetzen gegen den erklärten Willen der Belegschaft unserer Arbeit und den Arbeitsplätzen schwer schaden wird.
Community-Antworten (25)
13.10.2008 um 14:17 Uhr
Hallo, so einen Quatsch habe ich ja noch nie gehört. was für Wettbewerbsvorteile sollen das sein? Euer Arbeitgeber hat wohl ganze Arbeit geleistet.
13.10.2008 um 14:49 Uhr
Hallo speckwürfel,
Du schreibst: "Nun gab es Bestrebungen, auch in unserem Betrieb einen BR zu installieren." von wem gingen denn die Bestrebungen aus, wenn nicht von der Belegschaft? Wer hat denn die Veranstaltung zur Wahl des Wahlvorstandes organisiert?
Der GBR kann eine BR-Wahl initiieren:
"Nach § 17 BetrVG kann der Gesamtbetriebsrat in bisher betriebsratslosen Betrieben eine Betriebsratswahl initiieren. Das Landesarbeitsgericht stellte auf dem Boden der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum Informationsanspruch nach § 80 Absatz 2 BetrVG ausdrücklich fest, dass der Gesamtbetriebsrat die begehrten Auskünfte benötige, um seinen gesetzlichen Aufgaben nachkommen zu können"
13.10.2008 um 15:19 Uhr
@Speckwuerfel:
ich hoffe mal schwer, dass Ihr Euren Betriebsrat auf jeden Fall bekommt. Und sei es von oben durch den GBR. Was Du schreibst, ist wirklich finsterste AG-Propaganda. Ich stimme mainpower voll und ganz zu.
Gruß khel
13.10.2008 um 15:22 Uhr
@Speckwuerfel es wird nicht so bleiben wie es ist; euer hauchdünner Wettbewerbsvorteil muß immer von euch, den AN, gesichert werden; seht das auch ein, wenn euer AG die 48 Std.Woche plus unbezahlte Überstunden und das bei Mindestlohn von euch fordert; das sichert ihm nämlich als nächstes den hauchdünnen Wettbewerbsvorteil; weiter so...sehr vorbildlich
13.10.2008 um 17:10 Uhr
Hallo Allerseits, danke für Eure Antworten. Anstelle eines BR haben wir ein Vertrauensmanagement, das aus mitarbeitenden Vertrauensleuten besteht. also aus Leuten, die mehr oder weniger am selben Arbeitsplatz tätig sind wie die Mitarbeiter. Die wissen, um was es geht, und können wirklich mitreden. Die BR, die ich z.B. vom GBR kenne fahren dicke Schlitten, haben reservierte Parkplätze und schlendern den ganzen Tag von einer Besprechung in die andere.
Sorry, von solchen Leuten erwarte ich nicht, dass sie meine Probleme verstehen, und deren Aussagen kann ich auch nicht ernst nehmen.
Wir sind als Dienstleistungsfirma vom Konzern gegründet worden. U.A. um deren MA aufzufangen, weil man diese freisetzen musste. Dinge wie Arbeitszeitregelung, Lohnkosten, Betriebsrente uswusw haben die eigenen MA so teuer gemacht, dass man die Arbeit (hochqualifizierte Ingenieurstätigkeiten!) nach draussen geben musste. Die Situation ist also nun so, dass 70% der Arbeitskräfte in einer Abteilung Fremdarbeiter sind, die (billiges Beispiel) nur Anspruch auf einen halb so grossen Schreibtisch haben, als es die Konzernrichtlinie für Angehörige vorschreibt. Vom ganzen Betriebsrente-Vorzugsaktion-Mitarbeiterkauf-Zeug mal ganz abgesehen.
Die Fremdarbeiter dürfen nicht an den ganzen Beprechungen teilnehmen - was ihnen mehr Zeit für die tatsächliche Arbeit gibt. Klar - die Sache mit den 10h tägliche Arbeit und Überstundenausgleich ist bei Fremdarbeitern auch wesentlich unkomplizierter (da vereinzelt nicht vorhanden).
Das macht einen nunmal für den Auftraggeber attraktiv und in dem Segment tummeln sich sehr viele Firmen. In jeder Abteilung rangeln 4-5 Fremdfirmen um jede frei werdende Stelle, wo ein Konzernmitarbeiter durch einen effektiveren Fremdarbeiter ersetzt wird.
OKok, die IGM und der BR schlagen jetzt vielleicht Saltos.
Aber sehen wir es mal andersherum: Wir haben die Wahl zwischen einem ordentlich bezahlten Job beim Dienstleister oder garkeinem Job im Konzern.
Sicherlich ging die Initiative zur Einrichtung eines BR von irgendwelchen Idealisten in der Belegschaft aus. Fakt ist aber, dass in keiner der anderen Fremdfirmen ein BR existiert und Mitgliedschaft in irgendeiner Gewerkschaft ist unter der Hand ja auch ein Kündigungsgrund. Wenn wir nun plötzlich einen BR hätten, wären wir von vorneherein >raus
13.10.2008 um 17:24 Uhr
Mainpower trifft es schon ziemlich deutlich, sowas kann man sich eigentlich heute nicht mehr vorstellen. Das passt so eher in die Zeit weit vor der Gründung der ersten Gewerkschaften, also so ins späte 19. Jahrhundert. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft kann kein Kündigungsgrund sein, denn der AG weiß in der Regel nichts davon. Aber bei Euch wird so einer wohl angezeigt, wegen der Aufträge. Von einem Vertrauensmanagement habe ich auch noch nichts gehört, da arbeiten bestimmt auch nur solche mit, die der Firma hingebungsvoll vertrauen. Kein Wunder, wenn Arbeitnehmerinteressen und Moral immer weiter den Bach runtergehen!
13.10.2008 um 17:27 Uhr
@Speckwürfel ich bin jetzt noch mehr beeindruckt von soviel Verständnis auf der Galeere; ihr habt bereits alles verloren; ja, es ist ein Skandal, dass Arbeitszeit, Lohn, Arbeits- und Gesundheitsschutz auch noch Geld kosten; da müssen die Konzerne die MA ja abstoßen; am billigsten und unkompliziertesten wäre der völlig unkostenfreie, sich selbst regenerierende, Malocher - noch besser : der grundsätzlich rechtlose Fremdarbeiter;
13.10.2008 um 17:42 Uhr
Hallo Speckwürfel,
ich will eure Angst um euere Arbeitsplätze nicht herunterspielen, aber ich glaube, dass ihr Opfer von AG-Propaganda seid.
Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass eure Vertrauensleute sich in den BR wählen lassen. Sie hätten dann zusätzlich noch den Schutz und die Mittel des BtrVG um eure Interessen zu vertreten und wären nicht auf den guten Willen des AG angewiesen.
Es war vielleicht Taktik des AG Tochtergesellschften zu gründen, um so zu Betrieben ohne BR zu kommen.
Und bei den Leiharbeitern dürfte der BR auch ein Wörtchen mitzureden haben, vorallem wenn sie in den betrieblichen Ablauf eingebunden sind. zB könnten sie sich daruf hin arbeiten, dass leiharbeiter nicht mehr so viel atraktiver sind als die Stammbelegschaft. Denn nach dem was du geschrieben hast, scheint der AG die Stammbelegschaft ja Stück für Stück auszudünnen. Eure Arbeitsplätze sind so unsicherer als mit einem BR.
"aus Leuten, die mehr oder weniger am selben Arbeitsplatz tätig sind wie die Mitarbeiter. Die wissen, um was es geht, und können wirklich mitreden." Das ist bei allen BRM die ich kennen gelernt habe der Fall.
"Die BR, die ich z.B. vom GBR kenne fahren dicke Schlitten, haben reservierte Parkplätze und schlendern den ganzen Tag von einer Besprechung in die andere" Gut, ich kenne nur BRMs aus nicht allzugroßen Betrieben, keiner fuhr einen dicken Schlitten (hatten aber AGs, die gerne mit ihnen Schlitten gefahren wären), sondern waren eben jene Idealisten, die wie bei euch enen BR gründen wollten.
P.S. Speckwürfel, bei den Arbumenten, die du i, ersten Post gebracht hast, hatte ich vermutet, dass du kein An bist, sondern der AG, der gerne hier im Forum Tipps bekommen hätte, wie er einen BR verhindern kann
13.10.2008 um 17:42 Uhr
@speckwürfel Ihr fangt also bei Euch mehr oder weniger die MA´S auf, die der große Konzern nicht mehr haben will. Daraus entsteht wohl auch das Denken, das ihr froh sein könnt noch einen Job zu haben. Du hast recht, als BR zieht sich beim Lesen alles zusammen und man kann so ungefähr erahnen, gegen wieviel Gesetze bei Euch verstoßen wird. Traurig daran ist nur, das wenn es den Anzutragenden gefällt, die Euch wie eine heiße Kartoffel fallen lassen können und auch werden und was dann? Was bei Euch läuft ist Ausbeutung und am Ende wird es Euch nix nützen, denn Euer Bereich ist nachdem was Du schreibst wie ein "Restpostenlager" was leergeräumt werden muss, damit was neues entstehen kann. Denkt mal darüber nach, Euch eine andere Arbeit zu suchen.
13.10.2008 um 18:10 Uhr
die Diskussion ist schon interessant und auch die Vorurteile die Ihr gegen den BR habt!
Wenn Ihr so marktorientiert seid und das Beste für Euch und das UNternehmen wollt, dann werdet Ihr doch auch den richtigen BR für Euch wählen. Der diesen wettbewerbsvorteilt auch wahren kann. Wer sagt denn dass es mit BR alles schlechter wird. Ich kenne viele Callcenter in denen der BR auch genau die Anforderungen der Branche kennt. Da hat doch auch niemand etwas dagegen. aber es gibt wichtige AN-schutzgesetze und andere Fragen die man auch beachten und überwachen muss. Es geht hier auch um die MA und deren Geseundheit und Rechte.... da kann ein BR Wunder bewirken
13.10.2008 um 21:09 Uhr
@speckwürfel Eigentlich haben meine Vorredner schon so weit alles gesagt was zu sagen ist. Bei Deiner Argumetation aber rollen sich mir die Fußnägel auf. Hast Du Dir eigentlich mal überlegt wo wir heuzutage ohne unsere GEW deren Mitglieder und den Ganzen BR´s hier in unserem Lande wären. Dein ach so toller Stundenlohn wäre wahrscheinlich nicht höher als der eines Leiharbeiters. Und Dein ach so sicherer Job, wer sorgt denn dafür das ein Arbeitgeber nicht jeden MA so mir nichts dir nicht auf die Straße setzen kann. Bei euch scheinen Zustände zu herrschen wie früher auf den Galeeren unserer Weltmeere. Es fehlt ja nur noch einer der per Trommelschlag den Takt angibt.(Upps, hoffentlich ließt das nicht unser alter Seebär der pirat, sonst lande ichauch noch da) Vertauensmanangement und Vertrauensleute . Sind das wirkich die MA die die eigentlichen Tätigkeiten ausführen oder sind das die die immer eine oder mehrere Etagen über das normale Fußvolk sitzen. Und was heißt BR´s mit dicken Autos. Jedes BRM ist das Mitglied das von seiner Belegschaft gewählt wurde. Es wird nie nach Automarke gewählt. Ich kann nur hoffen das Dein Traed nur ein Joke ist, denn so etwas kann es nicht wirlich in unserem Zeitalter geben.
13.10.2008 um 22:02 Uhr
HEHO Rainer w, IMHO... ich denke Vorurteile sind so alt wie die Menschheit selbst, und auch ich bin nicht ganz frei davon... ich glaube aber, dass Vorurteile sehr viel mit Unwissenheit und Angst zu tun haben. Meiner Erfahrung nach letzteres. Die MA haben sich so sehr in ihrem Dasein in einer Leibeigenschaft /Zwangsgesellschaft eingerichtet, dass viele schon gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass Mitbestimmung ein Kernelement gesellschaftlicher,demokratischer Teilhabe ist. BR müssen sich heute nicht selten mit existenziellen wirtschaftlichen Herausforderungen befassen. Regelungsbereiche wie Arbeitszeit, Arbeitsentgelt, Tarifpolitik...erfordern intelligente betriebliche Umsetzungslösungen. Heirbei gibt es nur eine Alternative.... Betriebsräte.Um so mehr verwundert es mich, dass noch immer Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der Institution BR existieren. Es gilt dieses Sammelsurium an eklatanten Vorurteilen, Misstrauen und gesteuerte /gewollte Interpretationsfehlern zu überwinden um ein Umdenken zu erreichen.
Geschrieben im Jahre des Herrn Anno Domini 2008.
13.10.2008 um 23:15 Uhr
Speckwuerfel Irgendwann kommt die Zeit, dann werden auch die restlichen festen Mitarbeiter durch Fremdarbeiter ersetzt. Dann bist auch DU dran. Hättet ihr einen cleveren BR, dann wäre es gar nicht soweit gekommen.
Wenn in der Wahlversammlung kein Wahlvorstand gewählt wurde, kann der GBR die Einsetzung eines Wahlvorstandes beim Arbeitsgericht beantragen.
14.10.2008 um 11:04 Uhr
Hallo Allerseits, danke nochmals für die Aufmerksamkeit.
EIN, meine Anfrage ist kein Joke!!
14.10.2008 um 11:08 Uhr
Schade...meine Antwort wurde abgeschnitten/gekürzt. Ich bin schon seit 1998 inder Automobilbranche tätig, da gehören Fremdarbeiter seit jeher dazu. Inzwischen kommen auf 1 Konzernagehörigen ca. 20 Fremdarbeiter. Die FAK arbeiten, während die Konzernies in Besprechungen sitzen, Fortbildung haben oder Resturlaub abbarbeiten. Wenn ihr das nicht wisst, ist der BR blind und taub.
nicht aufregen, Speckwuerfel
14.10.2008 um 15:06 Uhr
Hallo Speckwürfel,
nein, ich rege mich nicht auf, aber ich bin erschüttert. Ohne Idealisten, die, wie bei euch einen BR gründen wollten, sich in Gewerkschften organisiert haben, die gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen vorgegangen sind hätten wir immer noch die Leibeigenschaft oder Zustände wie zu Anfang der Industralisierung. Freiwillig hätten die Gut-, Land- oder Fabriksbesitzer nie auf ihre Privilegien verzichtet.
"Auf 1 Konzernagehörigen ca. 20 Fremdarbeiter." Es klingt irgend wie so, als würdest du den BR dafür verantwortlich machen, so nach dem Motto: "ohne BR hätten wir kein Recht auf Fortbildung, Krankengeld und bezahlten Urlaub, dann wären wir billiger und unsere Arbeitsplätze sicherer."
Bei dir klingt es als wäre es etwas schlechtes in "Besprechungen zusitzen, Fortbildung haben oder Resturlaub abbarbeiten." weniger als 10 Stunden täglichzu arbeiten, Überstundenausgleich und eine Betriebsrente zu erhalten
Oder, noch deutlicher: "die ich z.B. vom GBR kenne fahren dicke Schlitten, haben reservierte Parkplätze und s c h l e n d e r n den ganzen Tag von einer Besprechung in die andere." Du scheinst nicht zu wissen, was der GBR macht, weißt vielleicht nur, dass er Besprechungen hat und greift ihn dafür unsachlich an.
Ok, der Konzern hat euch "ausgelagert", weil er euch nicht mehr haben wollte, weil ihr ihm zu teuer wart - am liebsten hätte er euch sicherlich ganz gekündigt und ohne Abfindung von heute auf morgen auf die Straße gesetzt.
Die Frage ist nur, warum er es nicht getan hat? Hat ihn sein gutes Herz davon abgehalten? Weil er euch doch lieb hat und euer wohlergehen ihm am Herzen liegt? Oder hat euer GBR das verhindert? Und wenn es nicht der GBR war, dann Aufgrund der Gesetzte, die Gewerkschaften und andere Idealisten erstritten haben.
Speckwürfel, ich kann deine Angst verstehen, den Job zu verlieren. Aber ich kann deine Einstellung nicht verstehen. Wenn du nicht selber für eine gerechte Arbeitwelt einstehen willst ist das deine Sache, aber ich finde es schlimm,wenn man verhindern will, dass andere es tun.
Wie gasagt, wo wären wir ohne Idealisten?
Viele Grüße Magenta
14.10.2008 um 16:57 Uhr
Hallo Magenta.
Ich habe kein Interesse daran, dass das jetzt unsachlich wird, oder hier irgendjemand irgendwem eine Schuld an irgendwas zuschiebt. Ich wurde nicht "ausgelagert". ich wollte vom grossen Zulieferer zum Auftraggeber wechseln. Da dies wegen Einstellungsstopp nicht ging, bin ich zum Dienstleister gegangen. Fremdarbeiter durften im Konzern des Auftraggebers beauftragt werden - sicherlich, weil man die zum Projektende elegant wieder los wird. das ist mir klar. Es ist nunmal so, dass im Konzern ständig Einstellungsstopp herrscht, aber die Arbeit und der zeitdruck zunehmen. Also wird die Arbeit fremdvergeben, und die Stamm-Mitarbeiter verwalten nur noch.
Fragwürdig ist für mich nunmal, wie mit der Meinung der MA umgegangen wird. Ihr habt keinen Wahlvorstand gewählt - also wird einer vom GBR vor die Nase gesetzt - zack!
Aus meiner Zeit, als ich beim Zulieferer als "echter" MA angestellt war, erinnere ich mich noch mit Grausen an die vielen Termine und Besprechungen. Endlose Abstimmungsrunden (in denen die Arbeit verteilt wurde), Strategiesitzungen (in denen diskutiert wurde, ob wir das überhaupt machen wollen), Teamrunden (in denen man beraten hat, wie man vorgeht wenn man nicht rechtzeitig fertig wird) dann noch eine Besprechung, wie man dem Kunden klarmacht, dass man damit nicht fertig wurde. tatsächlkich am Thema gearbeitet hat man eher nur noch nebenher. Letztendlich habe ich bestimmt 50% meiner Arbeitszeit in Besprechungen verbracht. Und wichtige Personen, know-how-Träger mussten immer in Krisensituationen ihren Resturlaub zwangs-abbauen, so dass man alleine dastand. OK, mit richtiger Planung hätte man das in den Griff kriegen sollen....hat man aber nicht.
Als Fremdarbeiter beobachte ich jetzt, wie die Konzernies in Versammlungen die Zeit totschlagen müssen. In den vorderen Reihen werden interessierte Masken aufgesetzt, hinten blättert man in der BILD oder spielt Skat.
Hey, mal ehrlich, wer von den Rednern sitzt denn ganz hinten?
Mich nervt es, wenn mitten im Fachgespräch ein Chef hereinplatzt und die Konzernangehörigen herausholt, weil irgend eine Teamrunde mit Anwesenheitspflicht ist. Glaubt's oder glaubt's nicht. Ich habe in der Werkstatt auch schon den Satz gehört (Konzerni zum Fremdarbeiter): "Mach das mal fertig, ich muss in die Pause."
Natürlich hatte ich schon mit Betriebsräten zu tun. Fall1: An den Arbeitsplätzen war es sehr laut und heiss. Wir mussten manuell 20kg Schwere Geräte aus einem Regal auf ein Fliessband hieven. Es gab zwar Hebevorrichtungen, die wir aber aus Zeitgründen nicht nehmen "sollten". Ich bitte den BR zu einem Gespräch. Der grinst immer nur und redet jeden mit Du und Nachnahmen an. Vom BR bekomme ich den Tipp, wenn mir der Rücken wehtut soll ich zum Arzt gehen. Es wird ein Klimamessgerät aufgestellt, das aber nie einer abgelesen hat (so ein Teil mit Papier auf einer Rolle). Die Hebevorrichtungen sind irgendwann verschwunden, das Klimagerät war irgendwann nach Monaten plötzlich weg, passiert ist nie was.
Fall2: Ich bekomme eine Broschüre vom Konzern-BR. Hinten steht, dass man sich jederzeit vertraulich an diese bestimmte Mailadresse wenden könne. Das habe ich getan. Fazit: Die Abteilungssekretärin spricht mich auf die Mail an den Betriebsrat an. Am selben Tag habe ich ein einstündiges Einzelgespräch beim Abteilungsleiter in dem er mit beibringt, dass alle Äusserungen an den BR zuerst mit ihm abgestimmt werden müsssen. Pha- von wegen vertraulich!
Ich will keinen der Leute, die hier geantwortet haben angreifen. Aber eure Reaktionen bestätigt mir nur noch mehr, dass der Betriebsrat zumindest in grossen Betrieben keinen Schimmer hat, wie es in einer Firma zugeht. Gegenüber em Betriebsrat und auch der Geschäftsführung wird doch nur schöngeredet und vorgeflunkert. "wenn das der BR wüsste", "solange der BR das nicht mitkriegt, geht das..." sind doch gängige Phrasen. Vielleicht sollte mal ein BR undercover in den Abteilungen mitarbeiten um zu sehen wie die Realität aussieht. Ich habe echt nicht wahrhaben wollen, dass die BR nicht von selber merken, dass sie an der Nase herumgeführt werden. Aber was ich hier lese bestätigt alle meine Befürchtungen. Mit einem Kollegen habe ich gestern nochmal über die Idee, einen BR zu verhindern gesprochen. Er meinte nur "Ach, die machen doch sowieso nur, was sie wollen!"
Sorry, Mittelalter hin oder her: Solange ein BR mir nicht in die Arbeit pfuscht, können die machen was sie wollen.
Gruß, Speckwuerfel
15.10.2008 um 00:21 Uhr
Hallo Specki ich kann dich voll verstehen.Der BR ist doch nur ein Verein aus "Verhinderer, Blockierern & Querulanten"! Ein Glück, dass sie sich, zumindestens in unserer Bude, immer versuchen für die Belange der Mitarbeiter einzusetzen & sich dabei oft genug ziemlich weit aus dem Fenster lehnen müssen, um das im Gesetzestext/Tariftext geschriebene Recht durchzusetzen. ... & welch ein Glück, dass diese "Penner" voll mitmalochen müssen... denn sie haben nur einen Freigestellten, der auch noch KonzernBRV ist & die mitarbeitenden A...lö.. dadurch teilweise auf 2 Hochzeiten tanzen...da der KBRV zig Brände löschen darf... & noch was zu deinen "Fremdarbeitern" 1.ist das nicht NS-Jargon? ...kotz,brech,würg.. 2. bekommen die den gleiche oder besser noch nach holländischem o. dänischem Vorbild 105 bzw 110% Lohn der "Konzernis"? glaub ich eher nicht...3. ist der BR Schuld an organisatorischen Unzulänglichkeiten seitens der "Führerschaft"?4. Hast du dir mal die Auswüchse der Arbeitnehmerüberlassung in der Fleischindustrie angeschaut?z.B. VION 7% Stamm,Rest ausländische ANÜ ->Bezahlung nach Heimatlohn!!!! google mal Matthias Brümmer NGG Oldenburg, der war schon öfter in der Tagesschau zu dem Thema ... & die Profitgier des Kapitalisten freut's... gute Nacht
15.10.2008 um 13:00 Uhr
Hallo, naja, vielleicht sollte man sich auch fragen, wie's dazu gekommen ist. Die AG sind ja auch nicht blöd, und sehen, wer ständig seine Tarifpause machen muss, und wer in der Zwischenzeit was arbeitet. Klar ist das für die einheimischen MA blöd, wenn deren Arbeit von billigeren Leiharbeitern gemacht wird. Allen ist klar, dass damit das tolle soziale Gebilde der Arbeitnehmervertreter umgangen wird. Aber - ehlich - ist dann dieses System zielführend, wenn die Arbeiter zwar einen schönen Arbeitsschutz haben, aber dafür arbeitslos sind? Drum will ich ja verhindern dass es bei uns auch so kommt. Der Anteil an Kollegen mit herbem osteuropäischem Dialekt nimmt auch jedes Jahr zu, von den Indern und Chinesen die hier vermehrt auftauchen ganz zu schweigen.
Arbeiten, die rein per Bildschirm gemacht werden können sind von uns als Dienstleister auch schon in unsere Zweigstelle in Prag ausgelagert worden, in sich geschlossene Projekte werden auch schonmal in Shanghai gemacht. Vielleicht sollte man mal überlegen, ob hier in Deutschland zu tode gepflegt und geschützt wird?
Übrigens: Die volle Bezeichnung für uns ist FAK. Fremd-Arbeits-Kräfte. Und wir als FAK stellen noch "Freelancer" ein. Das sind 1-Mann-Firmen, die bei uns einspringen, wenn wir als Dienstleiter nicht schnell genug eigene Leute bekommen.
Wusste einer von Euch, dass es Dienstleiter gibt, die ihren Mitarbeitern eine Prämie bezahlen, wenn sie sich nicht krank melden? 200 Euro gibt's am Ende des Jahres, wenn man statt dessen Urlaub nimmt. Das hat mir ein Kollege von einem anderen Dienstleister erzählt. Er fand das auch noch gut, "denn sonst kriegt man die ganzen Urlaubstage nicht weg". "Geht das denn?" frage ich zurück Er zuckt mit den Achseln "Stand so im Arbeitsvertrag"
Euch stehen die Haare zuberge? Mir auch, wenn ich mir vorstelle wie dick die Watte sein muss, in die die BR gepackt werden.
Entspannten Tag noch, Speckwürfel
15.10.2008 um 13:40 Uhr
@laffo2 Wo hast Du denn die Zahlen aus der Fleischbranche her? Bin mir ziemlich sicher, dass Du da was verwechselst! Zumindest, was die genannte Firma angeht!
16.10.2008 um 19:08 Uhr
Hallo an Speckwürfel,
Mal etwas BÖSE ANTWORTEN:
Tarifpause (häh hab ich nicht, überprüf ich nicht, ich mach meine ArbZG-Pause, die machst du hoffentlich auch sonst haut nämlich vielleicht mal das Gewerbeaufsichtsamt auf den Putz) Fahren dicken Schlitten (Ich fahr Strassenbahn) Laufen von einer Besprechung in die Nächste (Mach ich auch, aber nur weil mein Arbeitgeber sich weigert mit der Gewerkschaft zu reden, im Übrigen arbeite ich auch noch was und das wahrscheinlich noch flexibler als der Rest meiner MitarbeiterInnen) Urlaub ist ein Rechtsanspruch! Du verstösst gegen geltendes Recht wenn du ihn nicht nimmst. 1Mann-Firmen sind scheinselbständig wenn sie nur für einen Arbeitgeber arbeiten. Und nachdem die ja da sind wenn ihr nicht könnt müssen die wohl weisungsgebunden sein oder.
Zum Thema Arbeitsschutz und Arbeitslos. Die Gesetze sind nicht erfunden worden weil der Hr. Marx so böse auf den Tisch gehaut hat. Da hat zumindest im Arbeitsschutz mal jemand den Rechenschieber ausgepackt. Und ich bin lieber Arbeits- als Arm- oder gar Lebenslos.
Schönen Tag noch und ach ja vorsicht pass auf das du nicht an der Maschine einschläfst die deine Arme fressen könnte. Ach ja und die E-Mail muss noch dringend raus in der du deinen Urlaubsanspruch an deinen Arbeitgeberverband abtrittst, der macht sich dann ein neues Büro draus. Auf den Kayman-Inseln, da muss er nämlich mit seinen Steuern nicht die abgewirtschafteten Mitarbeiter unterstützen, die jetzt leider Hartz IV beziehen, weil ihr Burn-Out-Syndrom nicht anerkannt wird, in der gesetzlichen Unfallversicherung ist nämlich kein Geld, das hat dein Arbeitgeber nämlich leider vergessen zu überweisen als er die letzten drei Mitarbeiter raus- und sich dann abgesetzt hat.
Normalerweise bin ich nicht sooo böse. Aber solche Ignoranz von gesetzlichen Schutzregelungen (AHHHHH!!!)
MfG
Inkognito
17.10.2008 um 10:31 Uhr
@inkognito Wunderbar!!!
17.10.2008 um 12:27 Uhr
Hi inkognito Du schreibst "Auf den Kayman-Inseln, da muss er nämlich mit seinen Steuern nicht die abgewirtschafteten Mitarbeiter unterstützen" Ich schreibe böse zurück: .... dabei könne es in Deutschland so schön sein.
Ihr seid verbittert, weil ich Eure Arbeit nicht lobe, bzw. überall die Errungenschaften des/der BR umgangen wird. Irgend einen Grund muss das ja aber schon haben, ausser, dass die AG alle Spitzbuben sind. Die Welt wird halt nunmal kleiner und man kann schon froh sein, wenn die Arbeit in Europa bleibt.
Kleiner Nachtrag zum Thema regelmässige Schulungen: Ich bin jetzt zu einem 3-tägigen Schulung angemeldet, die von 8:30 bis 21:30 geht. Ich hab nachgefragt, ob das ein Tippfehler ist. Dann hiess es, ich sei der erste den diese Zeiten störten. Ich könne dran teilnehmen, oder auch nicht. (Was sich natürlich negativ auswirkt, wenn ich ein Fortbildungsangebot ablehne). knifflig
Speckwuerfel
17.10.2008 um 14:38 Uhr
@ Speckwürfel
Hättet ihr einen BR, könnte der euren AG klar machen, dass er mit diesem Schulungsangebot gegen 3§ des Arbeitszeitgesetzes versößt und veranlassen, dass sich eure Schulungen an die Gesetzte halten.
Dann brachtst du weder an einer Schulung teilnehem die von 8:30 bis 21:30 geht (und höchtwahrscheinlich ineffektiv ist, da man über einen so langen zeitraum, nicht die Konzentration aufrecht erhalten kann, die nötig ist, um neues zu lernen).
Ach ja, ;) wer Lob für seine Arbeit braucht, der sollte nicht BRM werden. Das ist etwas für Leute, die damit klarkommen , dass sie, je besser sie ihre Arbeit machen um so mehr Anfeindungen ausgesetzt sind. Die - wie wohl bei euch - selbst von den Leuten Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen, für deren Rechte sie sich stark machen. Um das bekannte Sprichwort mal abzuwndeln: "BRM ist man, wenn man's trotzdem macht!"
17.10.2008 um 18:28 Uhr
So noch bösere Antworten stehen aus hab ich so das Gefühl, ich lass es aber mal voll bleiben, denn das erfordert ein hohes Mass an Satire.
Die Welt ist nicht kleiner geworden, nur schneller. Das was du schreibst hat bereits Adam Smith festgestellt und bei dem waren noch Großmastsegler aktuell. Warum ich die Kayman-Inseln genommen habe ist dir hoffentlich klar, nicht weil da das Wetter so gut ist und Fr. Merkel nicht Kanzlerin. Der BR kann nicht umgangen werden, zumindest nicht da wo es einen BR gibt. Denn wir wissen (meistens) was wir tuen. Der Arbeitgeber auch. Der weiß auch was der Anwalt kostet und das Arbeitsgericht, da kann er dann aber keine Dividende mehr von zahlen. Ausserdem bin ich nicht sauer. Meistens zumindest. Weil ich in einer Firma arbeite, wo ich nicht ständig nach dem Privatdektiv gucken muss. Nicht das der nicht hinterherkommt wenn ich die Haustüre verlasse. Und wenn wir wirklich dick in Watte eingepackt wären, dann bräuchte es solche Foren hier wahrscheinlich nicht, wir sind einfach (zu große?) optimistische Realisten.
MfG
Inkognito
P.S. Ich hoffe, das du niemals die Errungenschaften der Arbeiter des 19. Jahrhunderts benötigst, denn wenn die so unterwegs gewesen wären wie du, dann hätten wir echt ein Problem
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