KI im Betrieb als JAV und Azubi richtig nutzen
KI-Anwendungen gehören für viele junge Menschen längst zum Alltag. Sie helfen beim Formulieren, Recherchieren und Lernen. Genau darin liegt die Chance. Auszubildende können schneller ins Verstehen kommen und bekommen unmittelbares Feedback. Gleichzeitig entstehen neue Risiken: Inhalte können falsch sein, Daten können ungewollt nach außen gehen, und KI-Tools können das selbständige Denken schmälern. Damit Künstliche Intelligenz in der Ausbildung und der JAV-Arbeit wirklich unterstützt, braucht es klare Spielregeln, gute Anleitung und ein gemeinsames Verständnis, was man darf und was nicht.
KI in der Ausbildung: Wo sie wirklich hilft
KI kann euch in der Ausbildung richtig gut unterstützen, wenn sie als eine Art "Hilfe" eingesetzt wird und nicht als ein Ersatz für das eigene Denken. Einsatzfelder mit hohem Nutzen:
- Lernbegleiter: Zusammenfassungen, Erklärungen in einfachen Worten, Quizfragen, Karteikarten.
- Schreibassistenz: Struktur für Berichte, E-Mails, Präsentationen, Formulierungshilfen.
- Technik: Fehlersuche, alternative Lösungswege, Testfälle.
- Simulation und Training: Rollenspiele für Kundengespräche, Reklamationen, Telefonate.
- Prüfungsvorbereitung: Verständnisfragen, Wiederholungspläne, Abfragen, Übungsaufgaben.
- Sprachunterstützung: Übersetzen, Fachvokabular, Korrektur, Stiltraining.
Umgang mit Künstlicher Intelligenz
Wichtig ist, dass man als Auszubildender oder generell junger Mensch über den Umgang mit solchen Computertechnologien Bescheid weiß. Gerade ihr als JAV spielt in dem betrieblichen Umfeld eine wichtige Rolle.
- Qualität und Verantwortung
KI kann überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen. Legt fest, wie Ergebnisse geprüft werden. Fakten prüfen, Quellen verlangen, dann gegenlesen und Ergebnisse als Entwurf behandeln, nicht als Endprodukt. - Datenschutz und Vertraulichkeit
Viele KI-Dienste verarbeiten Eingaben auf Servern Dritter. Das kann problematisch sein, wenn personenbezogene Daten, interne Dokumente oder Betriebsgeheimnisse eingegeben werden. Die Datenschutzkonferenz hat dazu Orientierungshilfen veröffentlicht, die Kriterien für eine datenschutzkonforme Nutzung von KI-Anwendungen beschreiben. Es gilt: Aufklären, was nicht an die KI weitergegeben werden darf, und, wenn möglich, eine datenschutzrechtlich geprüfte KI verwenden. - Ausbildungsqualität statt Abkürzung
Achtet darauf, dass Azubis weiterhin verstehen, erklären und selbst lösen können. Sinnvoll sind Regeln wie „erst eigener Lösungsversuch, dann KI als Sparringspartner“. Wenn KI Texte vorschlägt, ist das ok, aber die Verantwortung bleibt beim Menschen. Im Zweifel offen kommunizieren, dass mit KI gearbeitet wurde.
- KI erst nach eigener Lösungsidee einsetzen.
- Jede Antwort von einer KI selber erklären und nachvollziehen können.
- Reflexion einbauen: Was hat KI vorgeschlagen, was war gut, was war falsch?
- Kennzeichnen, wenn KI beim Erstellen geholfen hat.
- Klären, was als Eigenleistung zählt und was als Hilfsmittel erlaubt ist.
- Regeln für Bildmaterial und Quellenarbeit festlegen.
Hinweis: Der EU-AI-Act führt Pflichten und Verbote ein und setzt stark auf KI-Kompetenz. Die EU-Kommission führt die Verordnung und ihre Umsetzungsschritte zentral auf. In Deutschland gibt es dazu auch ein Hinweispapier zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung. Für die Ausbildung heißt das: Schulungskonzepte sind kein Nice-to-have, sondern Teil einer sauberen Einführung.
Auf was müsst ihr als JAV achten
Sobald eine technische Einrichtung geeignet ist, Verhalten oder Leistung zu überwachen, greift die Mitbestimmung des Betriebsrats. Das ist bei vielen KI-Plattformen und Lernsystemen realistisch, weil Nutzungsdaten und Ergebnisse ausgewertet werden können. Bei betrieblicher Berufsbildung hat der Betriebsrat Beteiligungsrechte, zum Beispiel bei der Durchführung von Bildungsmaßnahmen. Damit können Schulungen und Standards zur KI-Nutzung verbindlich gemacht werden. Ihr als JAV arbeitet hier mit dem Betriebsrat zusammen. Eure konkrete Aufgabe:
Azubi-Feedback über Umfragen und Sprechstunde einsammeln.
Welche KI-Tools nutzt ihr bereits?
Wofür genau?
Gab es bereits Konfliktfälle bezüglich KI?
Gibt es Druck, KI zu nutzen?Damit könnt ihr beim Betriebsrat konkrete Maßnahmen anregen.
JAV-Sitzung oder JA-Versammlung veranstalten. Erstellt die Tagesordnung mit dem Thema „Schwerpunkt Künstliche Intelligenz“. Stellt dann einen oder mehr Anträge an den Betriebsrat (§ 70 BetrVG) oder beruft eine JA-Versammlung ein, um die Wünsche, Regeln und Maßnahmen für die KI-Nutzung zu sammeln.
Typische Anträge zum Thema KI:
KI-Leitlinie für Azubis und Ausbildende
No-Go-Liste für Daten
KI-Schulung für alle Azubis
Schutzregel gegen Leistungs- und Verhaltenskontrolle durch ToolauswertungenIn der Betriebsratssitzungen dabei sein, wenn das Thema behandelt wird.
Von eurer Jugend- und Auszubildendenvertretung können nun alle Mitglieder an der Betriebsratssitzung teilnehmen, da es um eine Angelegenheit in Bezug auf jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende geht.
Achtung: Betreffen die zu fassenden Beschlüsse überwiegend jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende, dann hat die JAV auch volles Stimmrecht (vgl. § 67 Abs. 2 BetrVG).Der Betriebsrat verhandelt mit dem Arbeitgeber.
Sobald es besonders um die Jugend/Ausbildung geht, muss euch der BR für Besprechungen zwischen ihm und dem Arbeitgeber hinzuziehen. Wenn die BV unterschrieben und im Unternehmen umgesetzt wurde, müsst ihr als JAV dranbleiben: Rückmeldungen einsammeln, Probleme melden und ggf. Nachverhandlungen anstoßen.
Tipp: Falls der BR etwas beschließt, das Azubi-Interessen stark schadet, könnt ihr als JAV unter bestimmten Voraussetzungen verlangen, dass BR-Beschlüsse ausgesetzt und nochmals beraten werden (§ 66 Abs. 1 BetrVG).
Unsere Empfehlung: Führt ein KI-Regelwerk für euren Betrieb ein zu Tools, Daten, Auswertung, Qualifizierung, Mitbestimmung und Schutzmechanismen. Verankert Schulung und Datenschutz von Anfang an.
Wie kann die KI die JAV-Arbeit unterstützen
KI kann euch als JAV richtig Zeit sparen, wenn sie richtig genutzt wird. Wir haben eine KI speziell für euer Amt als JAV entwickelt. Diese ist für die Arbeit in der Arbeitnehmervertretung geschult und von juristischen Experten getestet. Sinnvolle Use-Cases für euch:
- Fragen zur JAV-Arbeit
- Prüfen von Dokumenten
- Nachschlagen von Gesetzen
- Passende und praktische Arbeitshilfen finden
Wichtig: Trefft die Auswahl der KI-Tools, mit denen ihr in eurem Gremium arbeitet, bewusst. Anonymisiert personenbezogene Daten von Azubis oder jungen Arbeitnehmern und verwendet KI niemals als Grundlage für Bewertungen von Personen, Azubis oder Entscheidungen.
Fazit
KI kann Ausbildung und JAV-Arbeit spürbar verbessern, wenn sie als Lern- und Arbeitsassistenz eingesetzt wird und klare Regeln gelten. Für euch als JAV ist entscheidend, früh bei der Einführung dabei zu sein, Datenschutz und Fairness konsequent einzufordern und eine saubere Trennung zwischen Unterstützung und Überwachung durchzusetzen. Nutzt KI in der JAV pragmatisch für Entwürfe, Struktur und Aufbereitung, aber gebt niemals sensible Daten ein und verlasst euch nicht auf KI-Aussagen. Dann wird Künstliche Intelligenz vom Risiko zum echten Gamechanger für eine bessere Ausbildung und starke Interessenvertretung.