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Lohnpolitik des Arbeitgebers

L
loeschi
Nov 2016 bearbeitet

Wir sind ein Übersetzungsbetrieb mit rund 60 festen Mitarbeitern und zusätzlichen Freiberuflern/Praktikanten. Einen Betriebsrat haben wir ganz frisch seit Frühjahr 2009. Nun haben wir zum ersten Mal Einblick in die Lohn- und Gehaltslisten genommen. Nur was fangen wir mit diesen Zahlen an? Welche Möglichkeiten haben wir überhaupt, evtl. Mißstände abzustellen? Oder liegt das völlig frei im Ermessen des Arbeitgebers, welche Nasenpolitik er betreibt? Wir konnten kein eindeutiges "Verteiler-Muster" erkennen. Wir gehören keiner Gewerkschaft an, es gibt keine Rahmenverträge. Auch keine Stellenbeschreibungen. Einzig und allein das Verhandlungsgeschick der einzelnen Arbeitnehmer bei ihrer Einstellung...

Bitte brauchbare, ausführliche Infos - schnell. Danke

5.26302

Community-Antworten (2)

K
Kriegsrat

05.06.2009 um 16:31 Uhr

Anspruch des Betriebsrats folgt aus § 80 Abs. 2 Satz 2 BetrVG.

Nach dieser Vorschrift sind dem Betriebsrat auf Verlangen jederzeit die zur Durchführung seiner Aufgaben erforderlichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen. In diesem Rahmen sind der Betriebsausschuss oder, wenn ein solcher nicht gebildet werden kann, der Betriebsratsvorsitzende berechtigt, in die Listen über die Bruttolöhne und -gehälter Einblick zu nehmen. Damit steht das Einblicksrecht dem Betriebsrat zwar nur insoweit zu, wie dies zur Durchführung seiner Aufgaben erforderlich ist. Es setzt jedoch nicht voraus, dass ein besonderes Überwachungsbedürfnis konkret vorgetragen werden muss (BAG 30. Juni 1981 - 1 ABR 26/79 - BAGE 35, 342, zu B III 2 der Gründe) . Der nötige Aufgabenbezug ist regelmäßig schon deshalb gegeben, weil der Betriebsrat nach § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG darüber zu wachen hat, dass die zu Gunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze und Tarifverträge durchgeführt werden. Zu diesen zählt auch § 75 Abs. 1 BetrVG. Aus der dort normierten Verpflichtung zur Wahrung der Grundsätze von Recht und Billigkeit folgt die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Beachtung des allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatzes. Das Einblicksrecht in die Bruttoentgeltlisten dient insbesondere der Prüfung, ob der Arbeitgeber dieser Verpflichtung nachkommt.

Der Darlegung eines besonderen Anlasses für die Ausübung des Einblicksrechts bedarf es dabei auch im Hinblick auf individuell vereinbarte übertarifliche Vergütungen nicht. Der Betriebsrat benötigt die Kenntnis der effektiv gezahlten Vergütungen, um sich ein Urteil darüber bilden zu können, ob insoweit ein Zustand innerbetrieblicher Lohngerechtigkeit erreicht ist oder nur durch eine andere betriebliche Lohngestaltung erreicht werden kann (BAG 30. Juni 1981 - 1 ABR 26/79 - BAGE 35, 342, zu B III 2 der Gründe) . Ein Einblicksrecht besteht deshalb auch dann, wenn der Betriebsrat gerade erst feststellen will, welche Arbeitnehmer Sonderzahlungen erhalten und wie hoch diese sind.

Die Grenzen des Einblicksrechts liegen allerdings dort, wo ein Beteiligungsrecht oder eine sonstige Aufgabe offensichtlich nicht in Betracht kommt. Auch wenn es regelmäßig keines besonderen Anlasses für die Einblicknahme in die Entgeltlisten bedarf, ist der Betriebsrat verpflichtet zu prüfen, ob ein sachlicher Grund besteht, Einblick in die Entgeltlisten zu nehmen. Ein willkürliches Einblicksverlangen verstieße gegen das Gebot der vertrauensvollen Zusammenarbeit nach § 2 Abs. 1 BetrVG und wäre rechtsmissbräuchlich (BAG 12. Februar 1980 - 6 ABR 2/78 - AP BetrVG 1972 § 80 Nr. 12 = EzA BetrVG 1972 § 80 Nr. 16, zu II 3 e der Gründe) .

ach ja, bevor ichs vergesse, bevor man sich irgendwas zeigen lässt, ohne zu wissen, was man damit anfangen will oder kann, sollte man vielleicht erstmal das thema "schulungen" auf die tagesordnung setzen....

G
gexxy

06.06.2009 um 08:34 Uhr

@kriegsrat

Dieser text gefällt mir, weil er die "innerbetriebliche Lohngerechtigkeit" anspricht. Woher ist dieser Text ?

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