Die Rede auf der Betriebsversammlung

Auf Betriebsversammlungen kann der Betriebsrat mit einer guten Rede Arbeitgeber und Belegschaft von sich überzeugen und begeistern. Deshalb sollten Sie Ihre Rede so gestalten, dass diese nicht nur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch beim Zuhörer im Gedächtnis bleibt sowie Begeisterung und Zustimmung hervorruft.

Als Betriebsratsmitglied vertreten Sie die Interessen der Belegschaft gegenüber dem Arbeitgeber und repräsentieren die getroffenen Entscheidungen und Beschlüsse, die sowohl den Anforderungen des Betriebs als auch den Erwartungen der Belegschaft entsprechen sollten. Deshalb sollten Sie die Chance nutzen und die Teilnehmer der Betriebsversammlung für sich gewinnen.

Wie Ihnen das gelingt, erfahren Sie in diesem Artikel!

Aufbau der Rede

Grundsätzlich gilt:

Sie halten stets Ihre eigene Rede, nicht eine bereits gehaltene Rede irgendeiner anderen Person.

Die perfekte Rede wird erreicht durch eine fleißige Vorbereitung, eine logische und wirkungsvolle Gliederung und letztlich durch eine veranschaulichende Sprache. Die Vorbereitung des richtigen Aufbaus einer Rede ist die „halbe Miete“. Alles andere macht Übung und Routine.

Als Faustregel für einen kompletten Redeaufbau gilt das folgende Schema für eine klassische Rede bei einer Betriebsversammlung.

Die Fünf-Schritt-Rede

Warum rede ich?

Sagen Sie Ihrem Publikum, was Ihr Thema mit den Zuhörenden zu tun hat. Wählen Sie einen situationsbezogenen Einstieg.

Wie ist die Situation?

Beschreiben Sie, wie eine Situation aussieht und evtl. auch, wie es dazu kommen konnte.

Was soll erreicht werden?

Beschreiben Sie, was Sie erreicht sehen wollen und wie eine verbesserte Situation dann aussieht.

Wie kann das erreicht werden?

Sagen Sie mit welchen Maßnahmen dieses Ziel, Ihrer Meinung nach, zu erreichen wäre.

Das will ich von Euch!

Teilen Sie mit einem Zwecksatz den Zuhörenden mit, was diese persönlich tun können, damit das angestrebte Ziel erreicht wird.

Um diese fünf Schritte einer Rede mit Leben füllen zu können, legen Sie sich ein Stichwortkonzept an und überarbeiten dies, bis Sie auf vier bis zehn Karteikarten, je nach Länge des Vortrags, die wichtigsten Schlagwörter vermerkt haben. Lesen Sie keine ausformulierten Texte ab. Üben Sie den Vortrag mit den Karteikarten vorab mehrerer Male. Wählen Sie einen festen Standpunkt und halten Sie gleichmäßigen Blickkontakt. Reden Sie nicht so schnell. Ungeübtere Redner neigen dazu, die Sache durch „Herunterrattern“ schnell hinter sich bringen zu wollen. Machen Sie Pausen an wirkungsvollen Stellen. Wählen Sie keine verschachtelten Bandwurmformulierungen und bekämpfen Sie Ihr Lampenfieber durch Übungen in der Praxis, denn:

Reden lernt man nur durch Reden!

So halten Sie spannende Reden

Freies Formulieren setzt voraus, dass der Redner sattelfest im Thema ist. Das Wissen zu dem Thema muss vielschichtiger vorhanden sein, als es vorgetragen wird. Durch inhaltliche Sicherheit entsteht das Auftreten eines souveränen Redners. Aus einer guten Vorbereitung resultieren auch eine in sich schlüssige Struktur und der richtige Tonfall an den wichtigen Stellen.

Notizen machen

Machen Sie sich in der Vorbereitung und für die Übung des Freisprechens Notizen:

  • Möglichst keinen Fließtext, Notizen sind kurz und prägnant (Voraussetzung ist eine gute inhaltliche Vorbereitung).
  • Notizen sind groß und deutlich und auf einen Blick zu erkennen.
  • Notizen werden in einer Struktur (wie Überschriften-Ebenen einrücken o.ä.) dargestellt, um die Struktur und Zugehörigkeit zu verdeutlichen.
  • Kernbotschaften oder wichtige Aussagen werden mit Symbolen versehen oder eingerahmt, um Unterscheidungen zu schaffen.
  • Merker zu persönlichen Fällen und Anekdoten.
  • Mit den Hilfsmitteln vorab einmal üben.

Die 4 Verständlichmacher

Mitteilungen werden leichter verstanden, wenn Sie als Sprecher Ihre Gedanken organisiert und folgerichtig vorbringen. Als Orientierung können Sie die vier Verständlichmacher einsetzen:

  1. Einfache, kurze Sätze mit geläufigen Wörtern verwenden, Fremdwörter und Fachausdrücke ggf. erklären.
  2. Den Sachverhalt in sich gegliedert darstellen, logisch aufbauen, einen roten Faden erkennen lassen.
  3. Die Mitteilung kurz und bündig halten, sich auf das Wesentliche beschränken.
  4. Zusätzliche Anregungen verwenden: Bilder, Vergleiche, Veranschaulichenden (ggf. mit optischen) Darstellungen.

Was macht eine gute Präsentation aus?

Zuhören strengt an! Deshalb ist es eine der wesentlichsten Aufgaben einer guten Präsentation, den Kapazitätsgrenzen der Zuhörer Rechnung zu tragen und alles zu tun, damit ihre Aussagen auch ankommen. Dies können Sie durch mehrere Kniffe erreichen.

Zu Beginn einen Gesamtüberblick geben!

Das menschliche Gehirn sucht bei neuen Informationen zuerst nach dem Überblick und der Struktur - das spart Kapazität. Es geht darum, den Zuhörern und Zuhörerinnen eine "Landkarte" zur Verfügung zu stellen, damit alle wissen, wohin die Reise geht. So orientiert sind die Zuhörerinnen sicher und verirren sich weniger leicht. Stecken Sie die einzelnen Etappen klar ab und kennzeichnen die Übergänge zwischen den einzelnen Etappen.

Präsentationsweise - Was muss "vor Augen" stehen?

Nutzen Sie Visualisierungsmöglichkeiten effizient, das heißt überlegen Sie genau, welche Schlüsselwörter, Kernaussagen etc. auf Folien, Charts, Tafel, Pinnwand, etc.

Achtung: Mit dem Einsatz von Medien wird die Kapazität des Vortragenden doppelt strapaziert. Je umfassender Medien eingesetzt werden, umso intensiver muss die Präsentation inhaltlich und technisch gut geplant sein.

Verständlich bleiben

Einer der häufigsten Fehler ist der sofortige Einstieg in Details. Dabei möchte das menschliche Gehirn zunächst einen kognitiven Rahmen, d.h. es muss zu Beginn in den Köpfen der Zuhörer eine „Weichenstellung” stattfinden, z.B. mit „Sie kennen doch sicher alle/ sicher haben Sie schon erlebt wie” etc.

Im zweiten Schritt müssen Sie sicherstellen, dass die entsprechenden Schubladen im Gehirn ihrer Zuhörer geöffnet werden. Hier treten die Anker in Kraft: „Mir kommt es vor allem auf 3 Punkte an” oder „Ich werde ihnen 5 wichtige Thesen darstellen”.

Im dritten Schritt erst gehen Sie ins Detail.

10 Regeln für die perfekte Rede

Folgende zehn Regeln helfen dabei, damit Ihre Rede ein Erfolg wird:

  1. Struktur festlegen
  2. Gelungenen Einstieg finden
  3. Keine vollgestopften Powerpoint-Präsentationen
  4. Keine Schachtelsätze
  5. Blickkontakt halten
  6. Ruhe bewahren. Auch beim Sprechtempo
  7. Formulieren in der Gegenwartsform
  8. Spicken erlaubt. Ablesen verboten
  9. Nicht zu lange sprechen
  10. Üben, üben, üben

Nichts geht über eine solide Vorbereitung. Und am besten halten Sie Ihre Rede vor der Familie oder vor ein paar Freunden. Das schafft Sicherheit im Text und Sie werden merken, dass Sie dann Ihre Rede viel flüssiger halten können.

Das folgende Video erklärt die 10 goldenen Regeln für Ihre perfekte Rede noch etwas ausführlicher:

Die 10 goldenen Regeln für deine perfekte Rede als Betriebsrat

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