Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Corona-Krise

Mehrere Länder wagen die ersten Lockerungen ihrer in der Corona-Krise getroffenen Maßnahmen und in einigen Betrieben wird langsam wieder die Arbeit hochgefahren. Viele Arbeitnehmer und Betriebsräte fragen sich nun, wie die Rückkehr zu einer Art normalem Alltag nach der Corona-Pandemie am besten gelingen kann?

Von zentraler Bedeutung ist hierbei, wie ein achtsamer Umgang untereinander und speziell mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten in den Betrieben aussehen kann. Was Sie als Betriebsrat wissen müssen, erfahren Sie hier.

Das Gesundheitsmanagement in Corona-Zeiten

Der Betriebsrat hat vielfältige Mitbestimmungsmöglichkeiten beim Gesundheitsschutz. Gesundheitsmanagement bedeutet letztendlich nichts anderes als die betriebliche Gesundheitsförderung mit dem Ziel der Verbesserung von Arbeitsbedingungen.

Ein Gesundheitsmanagement lohnt sich für jeden Arbeitgeber

Der Arbeitgeber hat seiner Fürsorgepflicht nachzukommen, insbesondere in der Corona-Zeit. Im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sind die angebotenen oder vermittelten notwendigen Gesundheitsdienstleistungen zum Zwecke der Erhaltung der Arbeitskraft mit Synergieeffekten gebündelt.

Die Vorteile für den Arbeitgeber:

  1. Corona wird besser beherrscht.
  2. Ein Lockdown für den Betrieb kann abgewendet werden.
  3. Die Fehlzeitenquote nimmt mittelfristig ab, denn Mitarbeiter bleiben länger gesund und damit arbeitsfähig.
  4. Das Unternehmen wird als guter Arbeitgeber bekannt und zieht so Top-Arbeitskräfte an.
  5. Gesunde Mitarbeiter sind motivierte Mitarbeiter.
  6. Es gibt ein positiveres Betriebsklima, die Arbeitszufriedenheit wird gesteigert.

So sichert sich der Betriebsrat die Mitbestimmung

Beim Arbeits- und Gesundheitsschutz hat der Betriebsrat ein gesetzliches Mitbestimmungsrecht, das in § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG geregelt ist. Konkret räumt diese Vorschrift eine Mitregelungsbefugnis bei der betrieblichen Umsetzung der Vorschriften des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ein.

Organisation ist wichtig

Wesentlich für den Erfolg des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist die richtige Organisation. Dazu gehört u.a., sämtliche relevanten Unternehmenseinrichtungen (z.B. auch die Schwerbehindertenvertretung) und die gesamte Belegschaft mit einzubeziehen. Die Verantwortung und Kompetenz sollten dann auf einen Verantwortlichen übertragen werden.

Beziehen Sie sämtliche Beteiligte ein

Der Arbeitgeber und der Betriebsrat sollten das Zusammenwirken aller für den Arbeitsschutz und die Gesundheitsförderung Verantwortlichen sowie der betroffenen Mitarbeiter fördern. Konkret sollten an den einzelnen Maßnahmen des Gesundheitsmanagements von Anfang an folgende Personen beteiligt sein, die dann einen Gesundheitsausschuss bilden:

  • Unternehmensleitung
  • Personalabteilung
  • Führungskräfte
  • Betriebsrat
  • Schwerbehindertenvertretung
  • Betriebsarzt und Fachkräfte für Arbeitssicherheit
  • Vertreter der Krankenkassen
  • Vertreter der Berufsgenossenschaft

Benennung eines projektverantwortlichen Koordinators

Jedes Gesundheitsmanagement benötigt eine Führungskraft, die sich um die Leitung des Gesundheitsausschusses und die Koordination weiterer Arbeitskreise kümmert und deren Arbeit gezielt unterstützt. Es sollte ein Mitarbeiter gewählt werden, der die Zeit und die Kompetenz für diese Aufgabe hat.

Gesundheitsmaßnahmen systematisch einführen

Wie die erfolgreiche Behandlung eines Patienten beginnt auch ein planvolles Gesundheitsmanagement mit der Diagnose Ihres betrieblichen Ist-Zustandes. Das heißt: Es sollte zunächst eine Bestandsaufnahme der speziell in Ihrem Betrieb bereits bestehenden Gesundheitsmaßnahmen erfolgen.

Schritt 1: Analyse der aktuellen Situation

Hier machen Sie sich auf die Suche nach vorhandenen betriebsbedingten Belastungen, zum Beispiel nach potenziellen Krankheitsursachen:

  • Wie ist der derzeitige Gesundheitszustand der Belegschaft?
  • Wie hat sich die Krankenquote in den einzelnen Abteilungen entwickelt?
  • Existieren spezifische betriebliche Belastungen?
  • Gibt es abteilungsbezogene Unterschiede?
  • Gibt es offensichtliche Missstände im Betrieb?
  • Welche Einflüsse auf die Gesundheit der Mitarbeiter lassen sich festhalten?
  • Wie werden die Corona-Maßnahmen umgesetzt?

Arbeitsplatzanalyse vornehmen

Ein nicht ergonomischer Arbeitsplatz, blendende Bildschirme, ungeeignete Sitzmöbel und die Nichtbeachtung der Hygienerichtlinien können zu dauerhaften Gesundheitsschädigungen bei den Betroffenen führen. Dass ein solcher Zustand unverzüglich geändert werden muss, sollte selbstverständlich sein.

Mitarbeiterbefragung starten

Eine aktuelle anonymisierte Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist auch zur Ermittlung von Schwachstellen und für Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchaus von großem Nutzen.

Schritt 2: Festlegung realistischer Ziele und Bestimmen der notwendigen Maßnahmen

Nun wurde viel Material gesammelt. Sie sollten jetzt Schlussfolgerungen daraus ziehen und vor allem klare, realistische und konkrete Ziele setzen: Was wollen und können Sie erreichen? Schauen Sie sich ganz konkret die einzelnen Arbeitsplätze an.

  • Wie können Sie die Fehlzeitenquote verringern?
  • Wie kann vor Corona & Co. noch besser geschützt werden?
  • Welche Arbeitserleichterungen kann es geben?

Es geht darum, die konkreten Maßnahmen zu bestimmen, mit denen Sie und Ihr Arbeitgeber etwaige gesundheitliche Gefährdungen beseitigen und das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter verbessern. Im Rahmen des Gesundheitsmanagements können schon rein organisatorische Maßnahmen viel bewirken. Es kann aber auch eine (aufwendigere) technische Umgestaltung der Arbeitsumgebung angezeigt sein. Und Verhaltensänderungen der Mitarbeiter sind auch nicht tabu.

Gesundheitsförderliche organisatorische Maßnahmen

Organisatorische Maßnahmen bieten oft die Möglichkeit einer kurzfristigen Realisierung. Vorteil: Die Mitarbeiter gewinnen schnell den Eindruck, dass auch tatsächlich etwas geschieht. Dies wiederum erhöht die Bereitschaft, sich aktiv am Gesundheitsmanagement zu beteiligen.

Beispiele organisatorischer Maßnahmen:

  • Einführung neuer Arbeitsmodelle
  • Umgestaltung von Schichtplänen
  • Neue Pausenregelungen
  • Konsequente Durchsetzung des betrieblichen Gesundheitsschutzes wie das Tragen von vorhandener Schutzkleidung und -ausrüstung

Gesundheitsförderliche technische Maßnahmen

Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, bei denen Ihr Arbeitgeber den Arbeitsplatz und die Arbeitsplatzumgebung in den Abteilungen umgestaltet. Dies ist vor allem bei konkret identifizierbaren Gesundheitsbelastungen sinnvoll.

Auch individuelle gesundheitsförderliche Maßnahmen gehören dazu, wie

  • Sportangebote,
  • Ernährungsberatungsangebote oder
  • Suchtprogramme.

Schritt 3: Durchführen der Maßnahmen

Sind die Maßnahmen festgelegt, werden diese von den Projektverantwortlichen durchgeführt. Sollte es beim Erreichen der gesteckten Ziele Schwierigkeiten geben, muss gegebenenfalls eine Zielkorrektur vorgenommen werden.

Schritt 4: Bewertung des Erfolgs

Nach der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen sollte nach einer gewissen Zeit deren Wirkung untersucht werden, insbesondere ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Hierzu würde sich wieder eine Mitarbeiterbefragung anbieten. Lassen Sie sich als Betriebsrat vor allem nicht entmutigen, wenn Ihre Maßnahmen (noch) nicht den gewünschten Erfolg zeigen.

Anforderungen des Arbeitgebers an Hygiene und Schutzmaßnahmen

Infektionsgefährdungen

Der Coronavirus stellt grundlegende Arbeitsschutzanforderungen an die Betriebe. Inzwischen können sich Beschäftigte in zahlreichen Betrieben mit dem Virus infizieren, wenn sie zu eng mit anderen Personen in Kontakt kommen. Das betrifft vor allem Fälle, in denen Menschen noch nicht als infizierte Personen identifiziert sind. Dies ist in der ersten Woche der Infektion durchaus möglich, so dass sich daraus generelle Anforderungen an die Hygiene und die Schutzmaßnahmen in vielen Dienstleistungsbetrieben stellen, denen für diese Anforderungen und Herausforderungen nicht selten professionelle Routine fehlt. Daher sind Anforderungen an ordnungsgemäße Hygiene in der großen Mehrzahl der Betriebe zu beachten.

Grundsätze der Hygiene

Der Grundsatz des präventiven Arbeitsschutzes, dass Gefährdungen so weit wie möglich zu vermeiden sind, hat inzwischen für zahlreiche Branchen Konsequenzen. Welche Anforderungen an die einzelnen Schutzmaßnahmen zu stellen sind, hängt hierbei entscheidend von der beruflichen Tätigkeit ab. Die vom Robert-Koch-Institut auf der Homepage aufgestellten Grundsätze des Infektionsschutzes können hierbei als Leitlinie angesehen werden. Zudem haben verschiedene Branchen eigene Hinweise zum Umgang mit dem Coronavirus veröffentlicht (z.B. BG Bau: https://www.bgbau.de/themen/sicherheit-und-gesundheit/coronavirus/

Schutzbedürftige Personengruppen

Für viele Personengruppen sind ein spezifischer Gesundheitsschutz und eine besondere Achtsamkeit erforderlich. Dies gilt beispielsweise für Schwangere und Stillende, Jugendliche und chronisch kranke und behinderte Menschen. Hier stellen den einzelnen Schutzgesetzen höhere Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz (z.B. §§ 11, 12 MuSchG, § 22 JArbSchG oder § 4 Nr. 6 ArbSchG).

Welche Verpflichtungen hat der Arbeitgeber zum Arbeitnehmerschutz?

Mitbestimmungsrechte als Betriebsrat im Arbeits- und Gesundheitsschutz

Dem Betriebsrat steht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG ein zwingendes Mitbestimmungsrecht im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu. In der Vorschrift des § 3 ArbSchG ist geregelt, dass der Arbeitgeber Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu ergreifen und diese erforderlichenfalls an sich ändernden Gegebenheiten anzupassen hat. Die Regelung ist als gesetzliche Vorschrift im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG anzusehen.
 

Mehr zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz erfahren

Pandemieplan

In der aktuellen Situation ist es für den Arbeitgeber wichtiger denn je, den Betriebsrat bei Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung des Coronavirus einzubinden. Hierbei  ist es empfehlenswert, als Betriebsrat zusammen mit dem Arbeitgeber eine Art „Pandemieplan“ auszuarbeiten, in dem allgemeine Vorgaben und Handlungsempfehlungen für den Einzelfall abstrakt festgelegt werden. Dadurch können späterer Streitigkeiten vermieden werden.

Gemeinsam mit den Unfallversicherungsträgern hat der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. beispielsweise eine Broschüre zur Pandemieplanung veröffentlicht, die als Mustervorlage für den eigenen Betrieb verwendet werden kann. Die Broschüre kann hier kostenlos abgerufen werden. (https://www.vdbw.de/der-vdbw/aktuelles/detailansicht/pandemieplanung-betriebsaerzte-raten-zur-vorsorge/)

Was tun wenn der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter verweigert?

Den Artikel jetzt teilen: