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Krise im Anmarsch: So handeln Sie als Betriebsrat!

4 Minuten Lesezeit

Überall hören wir von wirtschaftlichen Problemen – im Radio, in den Nachrichten oder beim Gespräch unter Kollegen. Die Folge: Immer mehr Firmen melden Insolvenz an und viele Arbeitgeber denken über Einsparungen nach. Die deutsche Wirtschaft strauchelt und steuert auf schwierige Zeiten zu. Doch gerade im Wirtschaftsabschwung und der daraus folgenden Schieflage von Unternehmen sind Betriebsräte gefragter denn je. Was bedeutet das konkret für Ihre Funktion? Wenn das Wort „Krise“ fällt, ist es Zeit zu handeln, statt abzuwarten. Wer zu lange zögert, verpasst die Chance, etwas zu bewirken.

Schreibmaschine mit dem Begriff Krise

Schieflage der Wirtschaft

Die Zahlen sind ernüchternd: Im Jahr 2023 sind laut Statistischem Bundesamt 22,1 Prozent mehr Firmen pleitegegangen als im Jahr davor. Experten sagen, es könnte noch schlimmer werden. Mittlerweile wird auch nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent für das Jahr 2024 prognostiziert. Aber was kann der Betriebsrat tun? In unsicheren Zeiten wie diesen ist Ihre Funktion wichtiger denn je, denn es geht um die Zukunft der Arbeitsplätze.

Worauf Betriebsräte achten sollten

Der erste Schritt ist, frühzeitig zu erkennen, wenn etwas schiefläuft. Das bedeutet, Sie als Betriebsrat müssen die Anzeichen einer wirtschaftlichen Krise frühzeitig sehen und richtig deuten können. Dafür ist es hilfreich, ein gutes Verständnis für die Wirtschaft zu haben. Auch wenn es gerade keine Krise gibt oder Sie in einer Branche arbeiten, die als sicher gilt.

Wichtigkeit des Wirtschaftsausschusses

Wenn Ihr Unternehmen einen Wirtschaftsausschuss hat, ist das ein großer Vorteil. Dieser Ausschuss sollte regelmäßig und ausführlich über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens informiert werden. Das hilft dem Betriebsrat, auf dem Laufenden zu bleiben und bei Bedarf schnell zu handeln. Ein Wirtschaftsausschuss ist kein Luxus, sondern eine gesetzliche Notwendigkeit, wenn die Bedingungen dafür erfüllt sind.

Durch den Wirtschaftsausschuss behält der Betriebsrat kontinuierlich den Überblick über die finanzielle Situation des Unternehmens. Die Mitglieder werden vom Betriebsrat ausgewählt. Sie sollten Fachleute sein, die nicht nur wirtschaftliche Daten verstehen, sondern auch analysieren können. Dank ihres Fachwissens kann der Betriebsrat frühzeitig auf Veränderungen und mögliche Abwärtstrends reagieren.

Was tun ohne Wirtschaftsausschuss?

Auch ohne einen Wirtschaftsausschuss können Sie als Betriebsrat aktiv werden. Je früher Sie eine Krise erkennen, desto schneller können Sie reagieren. Es ist wichtig, dass jedes Betriebsratsmitglied grundlegendes Wirtschaftswissen hat. So können Sie die Entscheidungen des Arbeitgebers besser verstehen und eigene Vorschläge machen.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen anhaltender Krisen ziehen weitreichende betriebliche Veränderungsprozesse nach sich. Betriebsräte sollten in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren und qualifiziert mitbestimmen, um den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen erfolgreich abzuwenden. Lernen Sie in diesem Seminar zudem, betriebliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und verschaffen Sie sich einen Überblick über die unterschiedlichen Erscheinungsformen.
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Mitentscheiden in Krisenzeiten

Gute Nachrichten gibt es auch: Bei vielen Maßnahmen, die ein Unternehmen in der Krise ergreifen möchte, muss der Betriebsrat zustimmen. Dazu zählen beispielsweise Kurzarbeit oder Entlassungen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich schulen lassen, sich externe Hilfe holen und so Ihre Mitbestimmungsrechte nutzen.

Kurzarbeit und Kündigungen

Kurzarbeit ist oft die erste Maßnahme, zu der Arbeitgeber greifen, um eine geringere Auftragslage abzufangen. Das bedeutet, dass Mitarbeiter vorübergehend weniger arbeiten und einen Teil ihres Lohns von der Arbeitsagentur bekommen. Der Betriebsrat kann mitentscheiden, ob und wie Kurzarbeit umgesetzt wird. In einer sich anbahnenden Schieflage kann der Betriebsrat auch selbst eine Kurzarbeit vorschlagen.

Wenn sich die Krise verschlimmert, greift der Arbeitgeber oft zu Sparmaßnahmen und spricht über Stellenabbau. Betriebsbedingte Kündigungen sind nur unter strengen betrieblichen Bedingungen zulässig. Vor der Durchführung einer solchen Kündigung muss der Betriebsrat angehört werden.

Wenn es um die Schließung oder Verlegung von Betrieben oder Betriebsteilen mit mehr als 20 Mitarbeitern geht, sind ausführliche Gespräche mit dem Betriebsrat gesetzlich vorgeschrieben. Das Ziel ist es, eine schriftliche Vereinbarung zu erreichen, die als Interessenausgleich bekannt ist. Im Rahmen dieser Vereinbarung werden die Auswirkungen der Maßnahmen im Sozialplan behandelt. Dabei geht es um mögliche Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen zur Kompensation von Nachteilen

Betriebsrat als Innovator

Bevor harte Entscheidungen getroffen werden, sollte der Betriebsrat alle Möglichkeiten prüfen. Manchmal können Ideen von den Mitarbeitern kommen, die dabei helfen, Kosten zu sparen oder neue Aufträge zu bekommen. So kann der Betriebsrat dabei unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern.

Weiterbildung fördern

Ein wichtiger Punkt ist auch die Weiterbildung der Mitarbeiter. Wer früh anfängt, sich um Weiterbildung zu kümmern, kann vielen Kollegen helfen, sich auf neue Aufgaben vorzubereiten. Das ist besonders wichtig, wenn sich eine wirtschaftliche Schieflage schon länger abzeichnet.

Betriebsräte spielen insgesamt eine wichtige Rolle dabei, Firmen durch schwierige Zeiten zu helfen. Durch aktives Handeln, gutes Wirtschaftswissen und das Nutzen aller Möglichkeiten können sie einen großen Unterschied machen.

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