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Ein Interview: Die neue Generation Betriebsrat

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Mit nur 26 Jahren gehört Marcel Vogt aus Krefeld zu Deutschlands jüngsten Betriebsratsvorsitzenden. Wir haben mit ihm über die Herausforderungen seiner Tätigkeit gesprochen und über die Chancen, die er in seinem Ehrenamt sieht.

Interview Betriebsratsvorsitzender rot weißer Hintergrund

W.A.F.: Marcel, du arbeitest im medizinischen Bereich der Sterilgutversorgung. Was machst du genau?

MV: Ich bin als technischer Sterilisationsassistent und Stammdatenbeauftragter tätig. Es werden jeden Tag Operationen und ambulante Eingriffe durchgeführt. Dazu benötigt man durch hohe gesetzlich geprüfte Anforderungen sauberes Material und OP-Besteck.

Damit jeder Patient keimfrei ohne Gefährdung zuverlässig behandelt werden kann, geben tagtäglich die Mitarbeiter mit Aufwand und Engagement alles. Sie reinigen in einem Dekontaminations- und Sterilisationsverfahren die entsprechenden Bestecke und stellen sie dem OP und den Ambulanzen zur Verfügung.

Außerdem sorge ich als Stammdatenbeauftragter für einen reibungslosen Ablauf beim Organisieren von defekten und speziellen Instrumenten. Ich pflege die EDV, mit der wir eine komplette Überwachung aller wichtigen Prozesse durchführen können, damit die Sicherheit mit höchster Qualität gewährleistet wird.

W.A.F.: Wie bist du Betriebsrat geworden und wie kam es dazu, dass du den Vorsitz des Gremiums übernommen hast?

MV: Unsere Abteilung wurde wegen eines Betriebsübergangs der Schwestergesellschaft VAMED übernommen, dadurch bekamen wir die Möglichkeit einen eigenen Betriebsrat zu gründen.

Dass ich zum Betriebsrat und dann noch zum Vorsitzenden gewählt worden bin, war spontan. Eine Kollegin wollte mich gerne aufstellen, um genügend Kandidaten zum Wählen zu haben. Ich wollte Ersatzmitglied werden. Dass ich am Schluss die meisten Stimmen bekomme, damit habe ich nicht gerechnet.

In der konstituierenden Sitzung haben wir relativ schnell abgewogen, wer welche Aufgabe übernehmen möchte. Für den BRV wird eine starke Kommunikation vorausgesetzt. Sprechen kann ich ganz gut, manchmal mehr als einem lieb ist. (Lacht)

W.A.F.: Du bist 26 Jahre alt. Damit gehörst du zu den jüngsten Betriebsratsvorsitzenden in Deutschland. Hast du manchmal mit Vorbehalten der Älteren zu kämpfen?

MV: Es gibt natürlich einen Altersunterschied und daraus resultierende Interessenkonflikte. Außerdem sammle ich erst noch Erfahrung und muss gelegentlich mein Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellen.

Insgesamt klappt die Zusammenarbeit mit der älteren Generation sehr gut. Wir sind auf Augenhöhe, gehen konstruktiv miteinander um. Wir sind einfühlsam und profitieren von den unterschiedlichen Perspektiven.

W.A.F.: Welche Erfolge hast du in deinem Amt schon erzielt und was planst du weiterhin für deine laufende Amtszeit?

MV: Wir konnten uns in einem Jahr sehr gut schulen lassen und Sachmittel sowie arbeitsrelevante Voraussetzungen organisieren. Ich habe die gesetzlichen Grundlagen gelernt, um beim Betriebsübergang strukturiert und klar agieren zu können. Es ging ja darum, von Null auf Hundert als Betriebsrat zu funktionieren. Damit sind wir als Gremium schon sehr zufrieden.

Verhandlungen mit dem Arbeitgeber, Überwachung von Arbeitszeit, korrekte Lohnabrechnung und Arbeitsschutz standen bis jetzt auf der Agenda. Mit meiner selbst gestalteten und ausgearbeiteten Betriebsversammlung konnte ich beweisen, dass ich fit bin.

Ich möchte die Struktur im Gremium für den Betrieb weiter organisieren und festigen. Ein eigenes Büro fehlt noch und einige Fortbildungen sind bereits geplant, um noch mehr für die Kollegen da zu sein.

W.A.F.: Würdest du anderen jungen Kollegen das Ehrenamt empfehlen und wenn ja, warum?

MV: Ja unbedingt! Auch junge Kollegen können Verantwortung tragen. Ich selbst konnte ein gutes Selbstbewusstsein und Vertrauen in meine Fähigkeiten entwickeln. Das ist für einen BRV sehr wichtig. Die Schnittstelle für „Alt und Jung“ sollte ebenfalls eine Zielsetzung des jungen Betriebsrats sein. Auch wenn ein Betriebsratsamt Zeit kostet, lohnt sich die Mitwirkung an der Interessenvertretung. Mitspracherecht ist ein sehr wichtiges Recht.

W.A.F.: Was ist aus deiner Sicht wichtig für die Arbeit der Zukunft?

MV: Wichtig ist eine klare Transparenz vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer in jeglichen Bereichen. Damit meine ich eine Kommunikation auf Augenhöhe und eine konstruktive Zusammenarbeit.

Eine zufriedene Mitarbeit bewirkt ein positives Klima und sowohl der Arbeitgeber, als auch der Arbeitnehmer fühlen sich wohl. Eine Abteilung läuft nur so gut, wie das Personal behandelt wird!

W.A.F.: Was ist dem privaten Menschen Marcel Vogt wichtig?

MV: Mir sind die Loyalität und Ehrlichkeit zu sich selbst sehr wichtig. Ich mag Herausforderungen und das gute Gefühl, das sich einstellt, wenn man einen Konflikt zum Wohle aller ausgetragen hat. Manchmal erreicht man zwar nicht das gesteckte Ziel, aber dafür stellt sich ein anderer unerwarteter Erfolg ein.

Für das Vertrauen, dass beide Ebenen in mich setzen bin ich sehr dankbar und freue mich auf weitere Erfahrungen, die ich sammeln werde.

W.A.F.: Danke dir für die interessanten Einblicke und weiterhin viel Energie und Erfolg bei deinem Ehrenamt!

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