Arbeitszeiterfassung und Pausenpflicht
Hallo Zusammen, die frage wurde hier in der Vergangenheit schon häufiger gestellt, jedoch könnte sich das Gesetz oder die Auffassung dessen ja geändert haben. Bei mir ist das Thema gerade sehr akut, da eine Zeiterfassung eingeführt wird (eingestellt wurde ich mit Vertrauensarbeitszeit mit Kernzeiten, die im Team abstimmbar umgangen werden können).
Meine Personalleitung behauptet nun, dass meine Pausenpflicht nach der Anwesenheitszeit und nicht nach meiner Arbeitszeit berechnet wird. Das wird zukünftig auch das System so abziehen (wir arbeiten bisher mit Excel-Tabellen).
Da meine Kollegin und ich seit Corona in einer Art "Schicht"System arbeiten (jeweils eine ist vor Ort im Büro, die andere im mobilen Arbeiten zu Hause), müssen wir an Büro-Tagen von 8-17 Uhr zwingend anwesend sein. Eine Pause ist uns natürlich erlaubt bzw wird uns aufgrund der rechtlichen Vorgaben auch aufgezwungen. An Tagen mit mobilem Arbeiten gleichen wir diese Mehrstunde aus, indem wir lediglich 6 Stunden arbeiten müssen (wir dürfen natürlich länger, je nach Arbeitslast und damit die Pflichtstunden im Monat aufgehen).
Meine Frage: wenn ich nun an Büro-Tagen von 7:45-17:15 arbeite und 30 Minuten Pause mache, ist meine Arbeitszeit ja 9 Stunden. Also 30 Minuten Pflichtpause. Oder arbeite ich dann 9,5 Stunden und muss 45 Minuten Pflichtpause machen?
Und wenn ich mobil arbeite und "aus Versehen" 6,33 Stunden arbeite.. Und ich mache dann 20 Minuten Pause um zum Beispiel die Wäsche aufzuhängen... Muss ich dann eigentlich 6,5 Stunden aktiv sein, weil ich ja über 6 Stunden anwesend bin und somit 30 Minuten Pause automatisch abgezogen werden müssen?
Aus den bisherigen Antworten hier im Forum habe ich eigentlich geschlossen, dass es sich nach der Netto-Arbeitszeit richtet. Unsere Personalerin und das neue System scheinen aber anderer Meinung zu sein. Andererseits ist sie sich nichtmal sicher, ob man 5:59 Stunden arbeiten darf, oder 6:00...
Ich persönlich möchte nämlich nicht für 4 Minuten, die ich "zu lang" ein Telefonat zu ende geführt habe zur Strafe dann 19 Minuten länger im Unternehmen bleiben müssen, weil ich ja noch 15 Minuten Pause nachholen muss. Ich finde das vollkommen realitätsfern für einen Job wie meinen (verstehe aber natürlich, dass es viele Tätigkeiten und Arbeitgeber gibt, bei denen das Gesetz wichtig ist).
Danke für eine Antwort, mit der ich meine Personalleitung womöglich überzeugen kann, falls mein Verständnis des Ganzen denn richtig ist.
Community-Antworten (6)
14.07.2023 um 19:28 Uhr
Du hast eigentlich alles richtig beschrieben ... und gleichzeitig alle "Probleme" dieses Systems auch schon verdeutlicht.
An der Situation hat sich nichts geändert:
"wenn ich nun an Büro-Tagen von 7:45-17:15 arbeite und 30 Minuten Pause mache, ist meine Arbeitszeit ja 9 Stunden. Also 30 Minuten Pflichtpause."
richtig ... aber wenn das System 9 h, 0 Minuten und 3 Sekunden registriert, zieht es Dir 45 Minuten Pause ab. Darf es eigentlich nicht, wenn Du nur 30 Minuten Pause gemacht hast ... aber dann musst Du ggf. vor Gericht gehen und Dein Recht durchsetzen.
Oder vorher dem AG klar machen .... ich werde immer schon 17:00 mit den Telefonaten aufhören und die restlichen Minuten nur "Ablage machen". Oder eben "mitten im Telefonat aufhören" ... wenn es das ist, was der AG will.
Gibt es einen BR, soll der eine BV abschließen und das Thema darin klären. Dann weißt Du Bescheid, ob Du früher zu telefonieren aufhören sollst, oder Kunden am Telefon abwürgen.
15.07.2023 um 01:36 Uhr
@celestro: danke. Wichtig ist für mich im ersten Schritt, dass tatsächlich die Arbeitszeit gilt und nicht die Anwesenheit. Denn das wird der erste Streit sein, dass ich bei 6 Std Arbeitszeit, aber 6,33 Std Anwesenheit mit entsprechender Pause unter 30 Minuten aber über 15 Minuten nicht 30 Minuten abziehen werde. (bis August arbeiten wir noch mit Excel Tabellen und von mir aus dürfte es sehr gerne so bleiben). Das mit den Sekunden im System verstehe ich. Obwohl es natürlich komplett meschugge ist und man eine Minute Toleranz programmieren sollte. Schade, dass unsere Perso nicht in der Lage ist, das vernünftig und ruhig zu erläutern
15.07.2023 um 02:54 Uhr
"Wichtig ist für mich im ersten Schritt, dass tatsächlich die Arbeitszeit gilt und nicht die Anwesenheit."
Das wusstest Du aber schon und sieht die Perso aber trotzdem anders. Und das, obwohl das Gesetz da ja völlig eindeutig ist und die Perso dies eigentlich wissen müsste:
https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/__4.html
da steht sehr deutlich Arbeitszeit und eine Perso die das nicht weiß, ist maximal inkompetent.
17.07.2023 um 10:16 Uhr
Man könnte es auch so lösen, dass der AG die Arbeit über 6h nicht annimmt. So ist einfach dann bei 6h Schluss.
26.07.2023 um 15:09 Uhr
Hallo Zusammen, vielleicht mag mir nochmal jemand helfen. Unsere Perso fragt nun nach Rechtssprechungen zu dem Thema. Also wenn ich es richtig verstehe: Fälle in denen das Gericht es so bestätigt hat, wie wir es hier verstehen.
Weiß da jemand zufällig was? Danke, ihr seid toll!
27.07.2023 um 02:15 Uhr
ob man da jetzt Rechtsprechungen findet, weiß ich nicht. Denn das Gesetz ist ja so eindeutig, das ich mich wundern würde, wenn da jemand zum Gericht rennt.
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