Wiedereingliederung gekoppelt an Arbeitszeitreduktion/Gehaltserhöhung
Ich bin seit 8 Wochen krank geschrieben und in den letzten Jahren schon wiederholt ausgefallen, weil ich psychisch überlastet war. Ich habe daher bereits vor Jahren auf eine 24h/Woche reduziert, seit 2020 arbeite ich im Home Office. Ich habe aktuell eine Post-Covid-Symptomatik entwickelt, aber wegen ähnlicher, seit Jahren bekannten Symptomen steht auch der Verdacht im Raum, dass es sich um ME/CFS handelt, welches durch Covid nur verschlimmert wurde. Eine Burnout-Symptomatik setzt sich auf alles oben drauf. Mein Gesundheitszustand ist wechselhaft, aber so 2h/Tag würde ich aktuell schon schaffen. Ich kann nur schwer abschätzen wie es sich entwickelt. Sowohl von Seiten der Ärzte als auch der Krankenkasse werde ich gefühlt zur Wiedereingliederung gedrängt. Auch mein Arbeitgeber hakt immer wieder nach nach einer Prognose. Ich arbeite in einem kleinen Betrieb von 18 Mitarbeitenden, der unter der Wirtschaftskrise leidet. Nachdem in 2022 zwei Leute aus meiner Abteilung gekündigt haben und nicht ersetzt wurden, bin ich ohne Gehaltserhöhung (wegen Krise) de facto zur Abteilungsleitung geworden, und das bei nur 24h/Woche. Ich habe zwar nicht den Titel "Leitung", die letzte Entscheidungsverantwortung trägt der Firmenchef, aber letztlich entwickel ich seither alle strategischen Konzepte der Abteilung, was vorher nicht meine Aufgabe war und übernehme viel Verantwortung. Meine Überlastung entstand als definitiv auch arbeitsbedingt. Ich gehöre seit 10 Jahren dem Betrieb an und bin damit für die 24h und die Verantwortung stark unterbezahlt. Aufgrund der Unterbezahlung wuchs in 2022 zudem eine starke Existenzangst, weil ich durch die Inflation finanziell kaum noch über die Runden kam. Nun stehe ich also vor der Frage, ob ich meine neu gewonnene Energie wieder sofort in die Arbeit investiere oder wie es weitergeht. Langfristig möchte ich mich in eine ganz andere Branche entwickeln und selbstständig machen. Ich merke allerdings, dass der Schritt aktuell aus der Krankheit heraus überfordernd wäre und zu starken Existenzdruck machen würde. Es wäre besser, mich langsam über Monate oder Jahre nebenberuflich selbstständig machen zu können, ohne viel Existenzdruck. Daher tendiere ich dazu, eine langsame Wiedereingliederung anzustoßen (angefangen bei 2h/Tag und sehr achtsam steigernd über ca 8 Wochen), möchte diese aber um einen sofortigen Rückfall zu vermeiden, gerne an Vertragsverhandlungen knüpfen: Ich stelle mir vor, dass mein Gehalt deutlich angehoben wird, auf das übliche Niveau meiner Position und Berufserfahrung (meine Recherche hat ergeben, dass dies etwa 30% sein müssten). Ausserdem könnte ich mir vorstellen meine Arbeitszeit weiter zu reduzieren auf zB 18h, so dass die reale Gehaltserhöhung dann dementsprechend weniger wäre. Zu verhandeln wäre dann noch der Verantwortungsbereich, da ich natürlich auch auf Dauer nicht alleine in Teilzeit eine Abteilung managen kann. Ich denke also ein Mitarbeitergespräch und generell ein Überdenken der Abteilung zusammen mit dem Chef wäre sinnvoll.
Ist es denn rechtlich möglich, dass ich so ein Gespräch führe und falls das Gespräch nicht fruchtet, ich die Wiedereingliederung ablehne und weiterhin krank geschrieben bleibe? Und ist es überhaupt möglich unter einer Wiedereingliederung den Vertrag anzupassen? Falls das Gespräch scheitert, wäre es natürlich auch für meinen Arbeitgeber dann eine Steilvorlage zur Kündigung... Dennoch steht für mich eigentlich fest, dass ich unter den alten Konditionen nicht wieder einsteigen kann. Welchen Rat können Sie mir für mein Vorgehen erteilen?
Community-Antworten (2)
20.11.2022 um 13:51 Uhr
Ich würde raten die Gesundung in den Vordergrund zu stellen um überhaupt erst mal in eine adäquate Verhandlungsbasis zu kommen. Stunden zur Widereingliederung mit dem behandelnden Arzt besprechen. Es ist nie ein guter Ratgeber alles auf einmal zu wollen.
20.11.2022 um 21:23 Uhr
Warum sollte dein AG mit dir verhandeln? So hart es klingt: ich sehe nichts was dich in die Position bringt zu verhandeln.
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