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Dieser Beitrag ist vor 11 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Mitarbeiter kommt ständig in seinem Urlaub zur Arbeit

J
jaypar
Jan 2018 bearbeitet

Hallo,

heute habe ich mal eine Frage zum Verhalten eines Mitarbeiters. Er ist verantwortlich für die Buchhaltung sowie die Finanzen der kleinen Stiftung.

Nun war es schon mehrfach so, dass er Urlaub nimmt und dann an verschiedenen Tagen doch auf der Arbeit auftaucht... oft auch über einen halben oder gar ganzen Tag.

Nun sprachen mich schon mehrere Mitarbeiter-/innen darauf an, da sie befürchten, dass der Chef dies nun als selbstverständlich erachtet und sie fühlen sich nun dadurch etwas unter Druck gesetzt, dass der Chef dies auch von ihnen verlangen könnte (auch wenn er das nicht unbedingt sagt...).

Hat man als Betriebsrat die Möglichkeit (oder gar eine rechtliche Grundlage hierfür), diesen Mitarbeiter zu stoppen, bzw. ihm zu sagen, dass er andere Mitarbeiter unter Druck setzt, wenn er ständig innerhalb seines Urlaubes zur Arbeit erscheint?

Danke und Gruss, jaypar

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Community-Antworten (12)

G
gironimo

21.01.2015 um 11:09 Uhr

Der BR hat die Aufgabe, darüber zu wachen, dass die zum Wohle der AN geltenden Gesetze angewendet werden. Der AG trägt hierzu die Verantwortung. Also wendet Euch an den AG und verlangt von diesen, dass er für Ordnung sorgt.

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jaypar

21.01.2015 um 11:31 Uhr

Danke für die schnelle Antwort.

Der AG wird diesen Mitarbeiter wohl kaum "in die Schranken weisen", wenn dieser Mitarbeiter in seinem Urlaub Dinge erledigt, die dem Chef vielleicht wichtig sind... oder passen.

Daher war ja meine Frage auch nach einer rechtlichen Grundlage für ein eventuelles Vorgehen bzw. einer Intervention des Betriebsrates.

Worauf kann sich der BR beziehen, wenn er den AG darauf aufmerksam macht, dass das Verhalten dieses Mitarbeiters - am Ende sogar den Betriebsfrieden stört... oder was auch immer.

Danke und Gruss, jaypar

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xumuimhxer

21.01.2015 um 12:03 Uhr

Fordert den AG zuerst auf, das Bundesurlaubsgesetz einzuhalten. Tut er das nicht, lasst es ihm von einem Arbeitsrichter erklären. Üblicherweise beauftragt man als BR einen Anwalt damit, seine Interessen durchzusetzen...

P
Pickel

21.01.2015 um 12:09 Uhr

Gironimo: "Der BR hat die Aufgabe, darüber zu wachen, dass die zum Wohle der AN geltenden Gesetze angewendet werden"

und in welchem Gesetz steht, dass ein AN nicht ihm nach eigenem Ermessen zumutbare Tätigkeiten ausführen kann, die dem Genesungsprozess nicht entgegenstehen und dass diese Entschdeidung nicht zuerst einmal alleine vom AN einzuschätzen ist?

P
paula

21.01.2015 um 12:12 Uhr

Pickel: Genesung?

xumuimhxer: BUrlG hat aber in der Regel einen anderen Urlaubsanspruch. Und kann der BR hier klagen?

J
jaypar

21.01.2015 um 12:16 Uhr

Danke Euch bis dahin...

Ich finde nur im BUrlG keinen Hinweis, auf was ich mich bei einem Hinweis an den AG beziehen könnte.

Wo im BUrlG steht denn, dass der AG hier etwas duldet, dass er nicht dulden darf?

Danke und Gruss, jaypar

M
metallica

21.01.2015 um 13:35 Uhr

§ 8 Erwerbstätigkeit während des Urlaubs

Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.

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xumuimhxer

21.01.2015 um 14:03 Uhr

Es geht hier weniger darum, dass der AN während seines Urlaubs arbeitet. Vielmehr ist jeder Urlaubstag, an dem er dies tut, kein Urlaubstag im Sinne des BUrlG mehr. Am Ende des Jahres wird man dann feststellen, dass der AG dem AN weniger Urlaubstage im Sinne des BUrlG gewährt hat, als gesetzliches Minimum ist.

Als BR kann man dies jetzt entweder abwarten, oder man kann proaktiv tätig werden. Auch an auf den ersten Blick ganz anderen Stellen, so kann man z.B. feststellen, dass die vom AG vorgelegten Komm-/Gehzeiten des betroffenen MAs unvollständig sind.

L
Lurchi

21.01.2015 um 14:21 Uhr

@xumuimhxer: Der AG gewährt ja den Urlaub. Und von gesetzl. Minimum kann hier auch keine Rede sein, denn der AN kann seinen Url.-Anspruich am Jahresende auch verfallen lassen, ohne dass sich der AG hier strafbar o.ä. macht. Ich vermute da wird es keine rechte Handhabe geben und der AN kann in seinem Urlaub tun und lassen was er möchte. Da dies allerdings nicht die Regel sein wird, sehe ich die genannten Bedenken auch eher als unbegründet. Ich bezweifle dass der AG den geschilderten Fall als Standard ansetzen wird. Sollte er dies tun, kann der BR sicherlich tätig werden. Ein Sachverhalt der nur auf den ersten Blick offensichtlich scheint....abe ich vermute hier ist dem AG nichts vorzuwerfen.

J
jaypar

21.01.2015 um 14:34 Uhr

Danke für Eure weiteren Antworten.

Ich dachte eben daran, den AG zunächst einfach mal per Email anzuschreiben. Dabei stelle ich mir beispielsweise einen ähnlichen Text vor, wie diesen hier:


Hallo Herr xxx,

einige Kolleg-/innen und ich als Betriebsrat der Stiftung ebenfalls, sind ein wenig irritiert darüber, dass Herrn yyy während seines Urlaubes bereits an mehreren Tagen in der Stiftung auftaucht und arbeitet. Im Outlook-Kalender ist Herr yyy vom 19. bis zum 23. Januar mit Urlaub eingetragen.

Da der Urlaub eigentlich zur Erholung des Mitarbeiters gedacht ist, entspricht das Verhalten von Herrn yyy nicht dem Bundesurlaubsgesetz (BurlG).

Dort steht in § 8 (Erwerbstätigkeit während des Urlaubs): „Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.“

Ich bitte Sie daher, Herrn yyy darauf aufmerksam zu machen, dass sein Erscheinen im Urlaub nicht mit dem Bundesurlaubsgesetz (BurlG) vereinbar ist.

Wäre das so OK oder doch überflüssig oder sogar "overpaced"? ;-)

Danke und Gruss, jaypar

M
metallica

21.01.2015 um 16:08 Uhr

Rede doch erstmal mit dem Kollegen, was seiner Meinung nach so wichtig ist. Dafür Lösung finden, danach das Schreiben mit eventuellem Lösungsvorschlag (z.B. Vertretungslösung, o.ä.) an eurern AG. Die Befürchtung der anderen Kollegen, dass das zur Regel werden könnte, ist erstmal sekundär, da dies wie gezeigt gesetzlich ausgeschlossen ist.

P
Pickel

21.01.2015 um 17:00 Uhr

Jaypar?

Gibt es irgendwelche Anzeichen dass der AN dies aus (falsch interpretiertem) Zwang bzw. gegen seinen eigentlichen Willen tut?

Wenn nicht, sollte der BR sich auch mal wieder daran erinnern, nicht die Polizei zu sein. Es gibt nunmal leider auch Menschen, deren Privatleben wenig Anreize bietet, den Urlaub genießen zu können und die wiederum in ihrer Tätigkeit auf der Arbeit sich wohl und besser fühlen als allein zu Haus. Bevor solche eMails verschickt werden, die dem Interesse des von euch Vertretenden eklatant entgegenstehen, führt lieber erst einmal mit yyy ein Gespräch.

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