W.A.F. LogoSeminare
Dieser Beitrag ist vor 6 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Betriebsvereinbarung über eigenverantwortliche Pausen

N
Newone12
Feb 2020 bearbeitet

Moin, wir sind ein Unternehmen, welches im privaten Krankentransport aktiv ist. die bisherige Pausenregelung mit Pausenkorridor ist irgendwie nicht zielführend. durch die Einsätze und dem Korridor, kommt es häufig zu Teilpausen.

Jetzt haben wir, BR und GL, überlegt das wir die Pausen eigenverantwortlich in die Hände der Mitarbeiter legen wollen. Dies bedeutet das die Teams auf dem Krankenwagen wissen, wann ihr nächster Folgeauftrag beginnt und können sich daraufhin in die Pause begeben. Die Mitarbeiter haben wir zu diesem Vorgehen ebenfalls befragt und auch diese sind damit einverstanden. Jetzt möchten wir dies gerne in eine BV Pausenregelung fassen. Gibt es hier Erfahrungen oder Tipps?

Kollegiale Grüße

571020

Community-Antworten (20)

P
Pjöööng

24.02.2020 um 16:19 Uhr

"Dies bedeutet das die Teams auf dem Krankenwagen wissen, wann ihr nächster Folgeauftrag beginnt ..."

Woher "wissen" die Teams wann der nächste Folgeauftrag kommt?

N
Newbie123

24.02.2020 um 16:29 Uhr

Die Fahrzeuge verlassen meist morgens ihre Wache und kommen erst zum Feierabend zurück. Unterwegs gibt es dann eine elektronische Auftragsabwicklung. Die Einsätze sind in unserem Gewerbe "relativ" planbar. Das Problem liegt meist in den 6h,nach Schichtanfang. diese Zeiten stoßen sich oft mit festen Touren (Praxen mit Infusionen oder Dialysen usw)

P
Pjöööng

24.02.2020 um 17:05 Uhr

Wenn das alles "relativ planbar" ist (ich denke die Einsätze werden ja auch von einer Leitstelle oder ähnlichem geplant), warum planen die die Pause nicht? Das wäre doch das Einfachste? "Nach diesem Auftrag nehmt Ihr Eure Pause!"

K
kratzbürste

24.02.2020 um 17:14 Uhr

Ich finde eine derartige Vereinbarung alles andere als ok. Der AG will sein planerisches Unvermögen vertuschen und sich aus seiner Verantwortung stehlen. Ich würde dem AG klipp und klar sagen, dass er dafür verantwortlich ist, dass die Pausen möglich sind.

D
DummerHund

24.02.2020 um 18:25 Uhr

@Kratzbürste Ich bin eigentlich auch kein Freund von solchen Vereinbarungen. Für meine letzten 19 Chemotherapien nutze ich gerade selber so ein Krankentransport und kann daher nachvollziehen das der BR hier die MA mit in die Eigenverantwortung nehmen will. Das hat dann noch nicht mal was mit unzureichender Planung zu tun. Zum einem ändern sich Touren täglich. Zum anderen liegt es hin und wieder auch an den Patienten. Sei es das man Patienten aus einem Seniorenheim, Behindertenheim oder von einer Privatadresse fahren soll, die dann aber kurzfristig nicht Transportfähig sind und die Tour ausfällt. Hin und wieder liegt es dann auch einfach am Verkehr in Großstädten oder gesperrten Straßen auf dem Land. Alles Sachen die nicht vorhersehbar sind. Von daher bin ich hier voll bei dem Ansinnen des Fragestellers.

N
Newone12

24.02.2020 um 19:52 Uhr

Also, es gibt ja aktuell Pausen im besagten Korridor! Damit sind aber alle Beteiligten nicht wirklich glücklich. Daher meine Frage ob es da Erfahrungen gibt um es besser zu machen.

N
nicoline

24.02.2020 um 20:13 Uhr

Dummerhund, ich wünsche dir wirklich alles Gute aber ich glaube auch, dass jetzt alle ausreichend über deine Chemotherapien informiert sind.

D
DummerHund

24.02.2020 um 20:49 Uhr

@Newone12 Sicherlich ist es nicht leicht eine Lösung zu finden. Ist ja bei uns LKW Fahrern nicht anders. Wenn ich hier von mir zuhause mit dem LKW los bin Richtung Ruhrgebiet ist auch mein Ziel Rastplatz am Kirchheimer Dreieck. Bis dort hin brauche ich 4,5 Std. Dann bin ich vom Gesetz her verpflichte meine Pause zu machen. Kommt was dazwischen schaffe ich die Strecke halt nicht bis dort und muss vorher anhalten weil die Zeit um ist. Könnt ihr das auch machen wenn ihr Zeiten festlegt und die beiden MA einen Patienten im Auto haben? Denke mal nicht. Deshalb meine ich das ihr ohne einen Korridor bei Pausenzeiten und eine gewisse Eigenverantwortung der MA nicht aus kommt. Aber versucht doch mal die Lenk und Ruhezeiten mit den Pausen und Bereitschaftszeiten euch in der Richtung weiter helfen könnten. Ich werde Donnerstag wieder abgeholt und nach Hause gebracht. Werde mal nachfragen wie die es dort Handhaben. Sollte ich was anders Erfahren als diese Korridorlösung bringe ich es gerne noch hier ein.

C
celestro

25.02.2020 um 10:42 Uhr

"aber ich glaube auch, dass jetzt alle ausreichend über deine Chemotherapien informiert sind."

Also ich lese zum ersten Mal davon und bin ja nun auch schon eine Weile hier.

D
DummerHund

25.02.2020 um 10:59 Uhr

Zum anderem schreibe ich ja auch nicht über meine Chemo, sondern das ich mich in dieser befinde. So viel mal dazu, weil manch einer es hier so genau nimmt. Außerdem lasse ich mir eh nicht vorschreiben was ich zu tun und zu lassen habe hier, es sei denn es kommt vom Admin.

P
Pjöööng

25.02.2020 um 11:13 Uhr

Alle oben genannten Argumente sprechen dafür, die Verantwortung für die korrekte Einhaltung der Pausen in der Leitstelle zu verankern und nicht der Besatzung die Verantwortung für die Nichteinhaltung der Pausen zuzuschieben.

Die Leitstelle plant die Fahrten und vreeinbart die Termine, also hat sie es auch in der Hand ausreichend Zeit einzuolanen und im Störungsfalle Fahrten umzuschichten.

S
seehas

25.02.2020 um 12:51 Uhr

Was ich in der ganzen Diskussion nicht verstehe ist, warum es so problematisch sein soll den Mitarbeitern ein wenig Souveränität über ihre Zeit zu geben. Wenn die Rahmenbedingungen in einer BV vernünftig geregelt sollte es unproblematisch sein die Kollegen entscheiden zu lassen wann sie ihre Pause nehmen möchten.

M
Moreno

25.02.2020 um 13:07 Uhr

Man könnte ja auch mal ne Testphase von z.B 3 Monate machen.

D
DummerHund

25.02.2020 um 14:26 Uhr

@ seehas Da bin ich ganz bei Dir. Zumal es in der Branche manchmal gar nicht anders geht. Beispiel: Tour zu Arbeitsbeginn aus dem ländlichem Raum nach Uniklinik Dresden. Macht 58 km. Pro km wird mit 1,8 gerechnet. Macht rechnerisch 104,4 €. Zeit Hochgerechnet auf 75 min. Patient soll nach der Untersuchung aber auch wieder nach hause gefahren werden. Zeit der Untersuchung 2 Std. Heisst 208,8 € und 2,5 Std Arbeitszeit. Der Fahrer wird innerhalb Dresdens weiter eingesetzt da er die Rücktour machen soll. Innerhalb Dresden kann er aber seine 2 geplante Touren nicht wie vorgesehen einhalten. Er braucht hier 3 Std. (Gründe hier können verschieden sein...Verkehr oder sonstiges). Rechnerisch am Reisbrett sind das 4,5 Std Arbeitszeit. Tatsächlich aber 5,5 Std. Arbeitszeit. Eine BV soll aber besagen das Pause um 11:00 Uhr sein soll. (Dienstbeginn um 06:00 Uhr). Kein AG wird hier einen MA anweisen , stelle dich bitte vorab 45 min mit dem MA an den Straßenrand und mache deine Pause, so wie es der Betriebsrat wollte; weil um 11:00 Uhr ist Pause zu machen. Also einzigste Möglichkeit. Dieser MA könnte die Rücktour gar nicht machen. Leitstelle wäre also gezwungen ein anderes Fahrzeug ein zu setzen. Das blöde ist nur. Diese ist zwar frei, aber leider in Pirna. Pirna sind 19 km bis Dresden. Mal 1,8 sind 34,2€. Heißt, der AG kann hier von den 208,8 € 34,2€ abziehen. Dies wäre dann der Verlust einer Tour. Da ist jetzt noch nicht mal beigerechnet das der Ersatzwagen seine nächste geplante Tour nicht starten kann. Das ist wenn man hier eine BV vom Schreibtisch aus am Reißbrett macht und die Realität vergisst mit zu bedenken. Als AG würde ich hier dem BR schließen wir die BV so ab, unterhalten wir uns als nächstes über das Thema Personalplanung und Kündigungen, denn dies ist dann ökologisch und wirtschaftlich für das Unternehmen nicht tragbar.

W
wdliss

25.02.2020 um 15:18 Uhr

@DH: Deine Rechnung zeigt doch, wohin die eigenverantwortliche Pausen führen. Die Zentrale erwartet, dass alle Aufträge ebgearbeitet werden und wenn dann keine Pause gemacht werden kann sinds die Mitarbeiter selbst Schuld. Wie Pjöööng schreibt soll die Leitstelle einfach eine ordentliche gesetzeskonforme Planung zustande bringen. Dass würde ich in erster Linie erwarten.

P
Pjöööng

25.02.2020 um 16:49 Uhr

Diese Rechnung ist doch sowieso eine vollig sinnlose Kombination von einer untauglichen Regelung ("11:00 Pause") und einer ungenannten Lösung (Wann bitte sollen die Mitarbeiter denn nun ihre eigenverantwortliche Pause machen?).

Wie man aus so viel Nichts noch viel mehr Text machen kann...

D
DummerHund

25.02.2020 um 17:24 Uhr

"(Wann bitte sollen die Mitarbeiter denn nun ihre eigenverantwortliche Pause machen?)."

Genau dann wenn er den Patienten wieder zu hause abgeladen hat. Er hat einen Rundlauf gehabt und könnte dann nach 5,5 Std. Pause machen und nicht starr um 11:00 Uhr (Uhrzeit habe ich jetzt fiktiv genommen weil hier eine starre Pausenzeit verlangt wurde). Das erstellen einer BV hat oftmals im Vorfeld noch viel mehr unnützen Text. Mehr Text kann aber Sinn machen wenn man überm Tellerrand hinaus guggt und nicht nur was vom Schreibtisch aus auf dem Reißbrett plant.

Nachtrag Wer von denen die eine eigenverantwortliche Pause hier kritisieren oder ablehnen mußte sich schon mal berufstätig über Jahre auf der Straße rumtreiben oder nachts Fahrzeuge Duzende Fahrzeuge umdisponieren, (aber so das es auch passt). Und wer von denen hat schon mal laufend Krankenfahrten mitmachen müssen (ich habe bis heute in knapp 5 Monaten 38 Fahrten) und hört dabei den Funk und Tele per Freisprecheinrichtung)

Mein angeblich unmögliches Konstrukt oben ist im übrigen fast Originalgetreu. Die km, Euro, und Faktor 1,8 sind zu 100% Original. Hatte nämlich mal nachgebohrt weil meine erste Tour mit Privatwagen war und wir da nur 8, Schagmichtot Euros bekommen hatten.

G
Grizwood

25.02.2020 um 20:16 Uhr

Ich glaube es geht hier nicht darum jemanden die Pause aufzudrücken oder ums Geld. Hier geht es sicher darum, den Kollegen auf dem Krankenwagen die Pausennahme selber zu gestalte und das mal schriftlich festzuhalten?

D
DummerHund

25.02.2020 um 20:35 Uhr

@ Grizwood So isses. Wobei ich klar gesagt habe, ohne Eigenverantwortlichkeit funktioniert das auf Dauer nicht reibungslos

D
DummerHund

29.02.2020 um 17:19 Uhr

@Newone12 Ich hatte ja dann am Donnerstag wie der meine 2 Krankenfahrten. Morgens hin und Nachmittags zurück. Unabhängig von einander hatte ich mit beiden Fahrern darüber gesprochen und Ihnen mal den Ausdruck der Diskussion hier gezeigt. (Fahrer 1 Rentner und fährt noch auf 450€ Basis. Fahrer 2 geht im April in Rente. Beide Fahrer fahren seit den 90iger Jahren. Beide hatten schon mehrere AG wo sie beschäftigt waren) Beide waren erstaunt wie nach ich mit meiner Darstellung hier des Sache kam. Und Beide meinten das sie es mit den eigenverantwortlichen Pausen gar nicht anders kennen und auch auf Dauer nicht möglich wäre. Entscheide also selbst was dann die Beste Sache für euch ist, denn hier sind ALLE nur Amateure und Laien die ihren Senf zu gewissen Themen geben.

Ihre Antwort