W.A.F. LogoSeminare
Dieser Beitrag ist vor 6 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Langzeitkrank - Dauer Kurzkrank - BEM - Krankengespräch - und 1000 Gedanken

O
Ocrim
Jan 2020 bearbeitet

Hallo zusammen,

muss einfach mal Text loswerden und erwarte keine Antwort, da ich auch nicht wirkliche eine Frage habe. Es sind viel mehr viele Gedanken zu diesem Thema in meinem Kopf.

Seit gut einem Jahr nehme ich als Betriebsrat regelmäßig an BEM Gesprächen teil und stelle mal vier Fälle heraus, die immer wieder vorkommen.

  1. Kollege verletzt sich privat (Beinbruch, etc.), fällt aus, kommt zur Reha, macht ein BEM Gespräch, macht ggf. eine Wiedereingliederung --> alle sind glücklich

  2. Kollege ist mehrfach im Jahr Kurzeitkrank und kommt auf die Tage, die ein BEM veranlassen. Dies wiederholt sich jährlich / alle zwei Jahre. --> hier wird der Ton vom AG schon ernster und oftmals kippt das BEM um, in ein Personalgespräch, welches ich dann auch schon mal abgebrochen habe, da es völlig den Sinn verfehlt hat. Ich verstehe den AG. Er will sich keinen "Blaumacher" halten. Aber dann muss er ein Personalgespräch führen, meiner Meinung nach.

  3. Ähnlich wie 2., aber der Kollege ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und hat sich nie was zu Schulden kommen lassen, jedoch in den letzten 2 Jahren häufig kurze Krankenscheine gehabt, weil langsam die Wehwehchen beginnen. --> auch hier wird der Ton des AG rauer. "Was sollen wir mit Ihnen noch anfangen?"

Da bin ich immer wütend, da der Kollege sich mehr als 40 Jahre krumm gemacht hat und immer vorne mit dabei war und dann bekommt er zum DANK nen Arschtritt

  1. Ein jüngerer Kollege fällt für etwa 1 Jahr aus, da er sich eine Verletzung zu gezogen hat, die einfach nicht heilen will (laufen von Arzt zu Arzt und erstmal einen vernünftigen finden). --> auch hier ist der Ton des AG rau. "Der ist noch so jung und jetzt schon so krank. Was kommt da in den nächsten Jahren auf uns zu?"

Auch hier bin ich immer wieder wütend, da man es ja von sich selbst auch kennt. 3 Ärzte = 3 Meinungen und jeder weiß es besser. Und bevor man bei einem Spezialisten einen Termin bekommt, feiert man schon mal 3- 6 Monate krank, ohne eine wirkliche Diagnose.

Nur in wenigen BEM Gesprächen habe ich das Gefühl, dass die Kollegen "Blau" machen. Viele fühlen sich mit der Situation selbst nicht wohl. Haben teilweise ein schlechtes Gewissen, den Kollegen gegenüber. Gehen lieber arbeiten, als krank zu sein. Einige können sich krank sein, schlichtweg auch nicht dauerhaft finanziell leisten.

Manchmal frage ich mich, welche Pflicht hat eigentlich ein Arbeitgeber??? Gefühlt, in diesen Fällen Keine. Aller Balast muss weg. Verheizen und raus. Der Nächste bitte.

Dabei kann es jeden von uns ganz schnell treffen. Solche Gespräche sind frustrierend.

77003

Community-Antworten (3)

K
kratzbürste

24.01.2020 um 15:07 Uhr

Vielleicht redest du in der betrieblichen Öffentlichkeit (z.B. Betriebsversammlung) einmal darüber.

Ausserdem - der AG hat eine Rolle im Betrieb - der BR auch. Die Positionen sind oft sehr unterschiedlich.

Ausserdem: Es gibt unzählige "Kurzerkrankungen" . Man macht deshalb nicht "blau". Blase nicht in das Horn des AG.

P
Pjöööng

24.01.2020 um 16:13 Uhr

Bist Du Dir sicher dass Du an den BEM-Gesprächen "teilnimmst"? Das sind doch jeweils Verhaltensweisen des Arbeitgebers bei dem man ihn auf den Sinn und zweck des BEM verweisen muss und das Gespräch wieder auf die BEM-Schiene heben muss.

Auch verwundert mich dass Du Dir das Recht herausnimmst, das BEM Gespräch abzubrechen! Dieses Recht steht Dir nicht zu!

S
stehipp

24.01.2020 um 18:09 Uhr

Da höre ich sehr viel Frust raus. Ja BR-Arbeit ist manchmal sehr aufreibend und ich denke vielen von uns ist es schon mal so ergangen, dass er am liebsten alles hingeschmissen hätte. Es ist häufig ein Kampf gegen Windmühlen. Ich denke aber, es lohnt sich auch, jeden einzelnen Kampf anzunehmen. Sich auf die Seite des Mitarbeiters zu stellen und immer wieder vom Neuem zu versuchen, das Beste zu erreichen. Ist es aufreibend? definitiv Erreicht man immer was man für richtig hält? wohl eher nicht Aber auf alle Fälle ist es die Sache wert.

Also überleg dir für dich selbst, ob du weiterhin die Energie hast, für deine Kollegen da zu sein. Sie haben eine 100%ige Unterstützung verdient. Wenn du die gerade nicht mehr leisten kannst, und das ist kein Vorwurf, lass lieber andere rann. Ansonsten, Kopf hoch und auf ins Gefecht mit Gebrüll :-))

Ihre Antwort