Überlastung - Welche Möglichkeiten hat der Betriebsrat bei Unterbesetzung der Schichten einzuwirken?
Welche Möglichkeiten hat der Betriebsrat bei Unterbesetzung der Schichten einzuwirken außer über den Dienstplan? Ist es möglich über den Arbeitsschutz z.B. Überlastung von Mitarbeitern Entlastungsanzeigen werden ignoriert Es geht um den Bereich Altenpflege
Community-Antworten (6)
23.05.2007 um 10:50 Uhr
Hallo Fips, der BR müsste zuerst mal prüfen, ob der Personalbestand entsprechend den Pflegestufen passt. Dabei prüfen wir auch immer, ob das IST auf dem Papier dem tatsächlichen IST entspricht. Wenn ein Bereich 10 MA auf dem Papier hat, heißt das noch lange nicht, dass auch so viel zur Verfügung stehen. Wenn von den 10 Leuten 4 Arbeitsunfähig sind, einer zum Lehrgang ist und 2 Urlaub haben, sieht die Sache schon nach Katastrophe aus. In dem Fall könnt Ihr der Leitung androhen, dass Ihr die Heimaufsicht über die Gefahr der gefährlichen Pflege informieren werdet. Dabei aber immer beachten: "wer den Mund spitzt, muss auch pfeifen wollen" - soll heißen, bei Null- Reaktion müsstet Ihr das auch wirklich tun, sonst seid Ihr für alle Zeiten als Hanswurst abgetan. Aber meist muss man gar nicht "pfeifen", sondern die reagieren meist allergisch auf so einen Ankündigung. Besser ist es, wenn man vorher dazu einen konstruktiven Vorschlag unterbreitet. Wir haben z.B. einen Pool von geringfügig Beschäftigten, die jeweils einem Bereich zugeordnet sind (damit sie sich besser auskennen, wenn sie nur gelegentlich geholt werden), und im Bedarfsfall bei Ausfällen angerufen werden können, so dass solche Engpässe gar nicht erst entstehen können. Wäre z.B ein Vorschlag. Erst wenn die Leitung auch darauf nicht reagiert, habt Ihr einen triftigen Grund, externe Stellen einzubeziehen. Aber wie beschrieben - erst prüfen, denn oft ist die gefühlte Überlastung stärker, als die tatsächliche. In einem unserer Heime haben die MA ständig behauptet, sie könnten die Dienste nicht mehr absichern und die Pflege nicht mehr ordnungsgemäß gewährleisten, auch die berühmte "gefährliche Pflege" wurde ständig zitiert. Wir haben geprüft und es hat sich als warme Luft erwiesen - die waren sogar teilweise besser besetzt, als die zwei anderen Heime! Wir haben den Kolleginnen dann sagen müssen, dass sie ihre Arbeit besser organisieren müssen, um sie zu schaffen. Ist nun mal so, denn mehr Personal muss auch bezahlbar sein und da setzen uns die Finanzen einen sehr engen Rahmen. Alternativ (aber nicht ernsthaft) haben wir ihnen angeboten für den halben Lohn zu arbeiten, dann hätten sie auch mehr Personal - na, das wollten sie natürlich nicht! Glaube mir - ich arbeite seit 27 Jahren in der Altenpflege und habe gute und schlechte Zeiten erlebt - gejammert wurde auch in guten Zeiten. Das liegt am Helfersyndrom der Pflegekräfte, die (was sie ja ehrt) das beste für die alten Menschen wollen - aber es muss auch noch bezahlbar bleiben. Und: sind wir mal ehrlich - wer fragt bei einem zu Hause Betreuten danach? Da klingt mir immer noch das Wort von Norbert Blüm, dem Initiator der Pflegekasse im Ohr:"die alten Menschen sollen im Heim nicht besser betreut werden, als zu Hause". Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen . . .
23.05.2007 um 11:07 Uhr
@ Fips
der BR kann beschließen, dass er sich zur Prüfung der Lage einen geeigneten Sachverstand ( Sachverständigen) hinzuzieht.
LG
23.05.2007 um 13:04 Uhr
@ sphinx, was sollte denn dieser Sachverständige herausfinden? Im Bezug auf die Personalausstattung gibt es ziemlich klare Vorschriften wie Pflegevertrag, Heimpersonalverordnung usw. und der BR muss nur prüfen, ob diese auch eingehalten werden. Dafür einen Sachverständigen zu bestellen, würde ich als Arbeitgeber ablehnen. Wenn z.B laut Pflegevertrag vorgegeben ist: Pflegestufe 1 - 1: 4,64 MA Pflegestufe 2 - 1: 2,73 MA Pflegestufe 3+3H - 1: 2,11 MA, PDL - 1:100 Sozialarbeiter - 1:200 dann sollte doch ein Taschenrechner genügen, oder? ;-))
23.05.2007 um 13:53 Uhr
Hallo Wölfchen ! Pflegestufen und Personal passen, aber PDL nicht in der Lage einen ordentlichen Dienstplan zu erstellen wird aber von GL geschützt. Haben jeden Monat Dienstplan abgelehnt es passiert aber nichts. Im Spätdienst 2 3jährige Schüler, eine Hilfskraft und eine Fachkraft für 50 Bewohner auf 5 Stationen.Kollegen waren gestern schon selbst bei CHEF UND HABEN SICH WEGEN üBERLASTUNG BESCHWERT:Es kommen immer nur Ausreden und nichts konkretes. Besteht für uns eine Möglichkeit gegen PDL etwas zu unternehmen er sagt das Personal reicht
Würde mich über Antwort freuen
ll
23.05.2007 um 17:00 Uhr
Das ist leider in vielen Einrichtungen, besonders in hierarchisch geführten, die traurige Realität - dass unfähige Leitungskräfte von der GL auch noch geschützt werden (haben wir auch, eine sind wir erst unlängst durch ein bitterböses Prüfprotokoll der Heimaufsicht losgeworden). Ich würde mich dran machen und aufzeigen, dass die Verteilung der Arbeitskräfte im Plan mangelhaft ist, am besten mit Beispielen aus dem letzten Vierteljahr untermauert, damit offensichtlich ist, dass es kein Einzelfall ist, auf die Überlastungsanzeigen hinweisen und androhen, dass ihr die Heimaufsicht informieren werdet, wenn sich nicht schnellstens (am besten mit Terminsetzung) was ändert. Mögliche Alternativ- Vorschläge Eurerseits:
- die (unfähige) Dame muss ja den Plan nicht unbedingt selbst erstellen, sondern kann diese Aufgabe an jemand delegieren, der das eventuell besser beherrscht. Das kann durchaus erst mal auf Probe gemacht werden.
- Vielleicht braucht sie auch nur mal ein Seminar "Dienstplangestaltung im Pflegedienst".
- oder - jetzt kommt doch der Sachverständige von Sphinx ins Spiel - einen Experten für Dienstplangestaltung bestellen. Solltest du Bedarf an einem solchen haben - ich kann Dir einen nennen - Nachricht an mich genügt. Ich wünsch Euch viel Kampfeskraft, denn ich kenne den langen Weg bis dahin. Aber besser gleich anpacken, als später.
23.05.2007 um 17:05 Uhr
P.S. Natürlich könntet Ihr auch den vorgelegten Dienstplan nicht genehmigen - und dann mal die Sache bis zum Arbeitsgericht durchziehen. Aber das wird die Fronten arg verhärten und - ehrlich - wir sind bisher auch immer vor dieser drastischen Maßnahme zurückgeschreckt, weil die Folgen nicht absehbar sind.
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