W.A.F. LogoSeminare
Dieser Beitrag ist vor 8 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Bezeichnung "Sekretärin"

L
Lady77
Apr 2018 bearbeitet

Ich bin Akademikerin, habe die letzten 12 Jahre als Führungskraft gearbeitet und bekleide seit kurzem einen Bürojob in einer Institution des öffentlichen Dienstes. Ich sitze mit der Assistentin des Geschäftsführers im Vorzimmer und mache alles und nichts. Man bezeichnet mich immer als "Sekretärin". Das passt mir nicht. Erstens steht es nicht in meinem Arbeitsvertrag, zweitens gibt es keine Stellenbeschreibung, drittens erledige ich überwiegend Aufgaben, die nicht zum "klassischen" Sekretärinnenprofil gehören (wie Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsorganisation, Einkauf etc.). Ich habe diesen Job nur angenommen, weil ich nichts besseres gefunden habe (bin 55 Jahre) und mich seit Jahren von einem befristeten Job zu nächsten hangeln muss. Meine letzte Position als Führungskraft (Sachgebietsleiterin mit Personalverantwortung) war ebenfalls befristet und ich musste gehen, als die Stelleninhaberin wiederkam. Auch meine jetzige Stelle ist wieder nur befristet und ich befürchte, dass ich im Anschluss überhaupt nichts Gescheites mehr bekomme, wenn ich jetzt nur als Sekretärin wahrgenommen werde. Kann ich mich gegen diese Bezeichnung wehren und eine andere Bezeichnung verlangen? Wenn ja, wie gehe ich vor? Meinem Chef gegenüber habe ich das Thema schon mal anklingen lassen, aber er lässt die Angelegenheit auf sich beruhen, zieht sich sozusagen aus der Affäre, da er keinen Ärger mit seiner "Assistentin" (normale kfm. Ausbildung) haben möchte, die sehr darauf bedacht ist, dass sie die "erste Kraft" bleibt. Mir geht es vor allem um meine Wirkung im Außenverhältnis, um Bewerbungen anderswo nicht zu erschweren, weniger um die Aufgabenverteilung bzw. Stellung intern. Bin für jeden Rat dankbar.

1.475011

Community-Antworten (11)

C
Challenger

18.04.2018 um 14:49 Uhr

Zitat : ..............und bekleide seit kurzem einen Bürojob in einer Institution des öffentlichen Dienstes.

Welche Berufsbezeichnung und/oder Tätigkeitsbeschreibung steht denn im Arbeitsvertrag ?

Zitat : Ich habe diesen Job nur angenommen, weil ich nichts besseres gefunden habe (bin 55 Jahre) und mich seit Jahren von einem befristeten Job zu nächsten hangeln muss.

Hierfür kannst Du Dich bei den Konstrukteuren der Agenda 2010, Schröder, Steinmeier, Clement usw. bedanken.

P
paula

18.04.2018 um 14:58 Uhr

Du hast sicher viel Frust im Leben wegen Deiner Arbeit gehabt. Aber was mal war und wie viel Leute du geführt hast ist vorliegend völlig unerheblich. Ich kenne Unternehmen, da ist der Titel für jede Sekretärin eine Assistenz. es gibt aber auch Unternehmen, da ist alles Sekretariat. Bei uns gibt es hoch bis zum Vorstand z.B. nur Sekretärinnen. Da ist es egal, ob die eine reine Schreibarbeiten macht, oder der Vorstand einen BWL einstellt, der weitergehende Aufgaben übernimmt. Das ist hier einfach so.

Ob Du Dich dagegen wehren kannst, ist sicher von den Umständen abhängig. Wird bei Euch im Unternehmen hier unterschieden? Versuchen Dich Kollegen herabzusetzen, durch eine falsche Bezeichnung? Erst wenn eine solche Wertung damit verbunden ist, hast Du einen echten Ansatzpunkt. Für mich persönlich ist Sekretärin eine sehr wichtige und geschätzte Tätigkeit mit der ich keine Herabsetzung verbinde. Für mich ist aber eben auch aus der Handhabung unseres Unternehmens heraus Sekretärin sehr unterschiedlich belegt und bei uns sind Assistenzen von der Vergütung/Wertigkeit deutlich unter der Sekretärin, da es bei uns im Haus regelmäßig für abgespeckte Aushilfsberufsbilder genutzt wird (Assistenz Controlling; Assistenz Marketing etc)

C
Challenger

18.04.2018 um 15:31 Uhr

Besser wie paula kann man es nicht ausdrücken.

L
Lady77

18.04.2018 um 16:37 Uhr

Es steht keine Bezeichnung im Arbeitsvertrag und es existiert keine Stellenbeschreibung, wie schon ausgeführt. Es geht mir auch nicht darum, welcher Begriff nun "höherwertiger" ist, Assistentin oder Sekretärin. Ich möchte weder das eine noch das andere sein. Insofern sind natürlich auch Betrachtungen, welche Stellung solche Damen in einzelnen Unternehmen haben, für mich zunächst mal obsolet. Ich bin Akademikerin und Führungskraft und möchte baldmöglichst auch wieder als solche irgendwo eingestellt werden - und da ist eine Sekretärinnenposition in der Vita wahrscheinlich nicht gerade förderlich. Es geht darum, welche Möglichkeiten ich habe, eine anderslautende Dienstbezeichnung zu verlangen, solange nichts gegenteiliges in den Vertragsunterlagen steht. Das ist der Punkt.

C
celestro

18.04.2018 um 16:58 Uhr

"Ich möchte weder das eine noch das andere sein."

Das Leben ist aber nun einmal kein Wunschkonzert. Die Beschreibung der derzeit zu erledigenden Arbeiten klingt sehr nach Assitenz.

"und da ist eine Sekretärinnenposition in der Vita wahrscheinlich nicht gerade förderlich."

Zwingt Dich jemand, in Deine Vita eine interne Bezeichnung rein zu schreiben ? Kann ich mir nicht vorstellen.

"Es geht darum, welche Möglichkeiten ich habe, eine anderslautende Dienstbezeichnung zu verlangen, solange nichts gegenteiliges in den Vertragsunterlagen steht."

Die Dienstbezeichnung sollte sich an der Realität orientieren. Wer derzeit keine Führungsposition innehat, kann kaum erwarten, als Führungskraft betitelt zu werden.

B
BRHamburg

18.04.2018 um 17:08 Uhr

Hallo Lady77 Ich glaube persönlich nicht das es eine Rolle spielt wie die Stelle bezeichnet ist. Es kommt nicht auf die Verpackung an sondern auf den Inhalt, auf die Tätigkeiten die dir übertragen werden. Das größere Problem sehe ich eigentlich in den vielen Wechsel und Befristungen. Den auch wenn man jede Befristung die ausläuft, irgendwie begründen kann ( z.B. das die Kollegin wieder gekommen ist usw. )bleibt immer die Vermutung im Raum " Na so überzeugend kann sie ja nicht gewesen sein, sonst hätte man für Sie ja eine andere Stelle in dem Unternehmen gefunden" Ich hoffe das du verstehst was ich meine und dich nicht angegriffen füllst. Aber in genau diese Richtig läuft es wenn du dich jetzt über die Bezeichnung " Sekretärin oder Assistentin" groß beschwerst.

H
Husmeester

18.04.2018 um 17:26 Uhr

Wenn du in der Verwaltung arbeitest bitte deinen Vorgesetzten doch das auf dem Schild an der Tür Verwaltungsangestellte oder Verwaltungsfachangestellte steht.

L
Lady77

18.04.2018 um 18:23 Uhr

Offensichtlich habe ich mich etwas undeutlich ausgedrückt, Herr Celesto. Natürlich ist das Leben kein Wunschkonzert. Niemand weiß das besser, als ich!

Das Problem ist, dass ich auf einem Arbeitsplatz sitze, der im Stellenplan als "Sekretariat" ausgewiesen ist, da die eigentliche Stelleninhaberin eine teilzeitbeschäftigte Sekretärin im Erziehungsurlaub ist. Ich arbeite aber Vollzeit und erledige nur zu etwa 25% Sekretariatsarbeiten. Mein Chef hat mich u. a. deshalb geholt, weil er mich von meiner letzten Position als Sachgebietsleiterin kannte und wusste, dass ich dort als sehr kompetent galt. Er wollte jemanden haben, der eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit macht, vertrauliche Personalangelegenheiten qualifiziert bearbeiten kann (hat er zuvor selbst gemacht) und ein guter Protokollführer ist. Bekanntlich sind Protokolle vor Gericht Beweismittel.

"Zwingt Dich jemand, in Deine Vita eine interne Bezeichnung rein zu schreiben ? Kann ich mir nicht vorstellen" (Zitat)

Da Sie in einem BR-Forum schreiben, sehr geehrter Herr Celesto, nehme ich an, dass Ihnen auch bekannt ist, dass man in einem Lebenslauf nicht einfach irgendwelche Fantasiebezeichnungen verwenden kann. Die Vita muss ja wahrheitsgetreu sein. Außerdem würde ich mich selbst bloßstellen, verwendete ich eine bestimmte Bezeichnung und im Arbeitszeugnis steht dann, dass man "im Sekretariat" eingesetzt war. Es geht also nicht darum, sich eine Führungsbezeichnung anzueignen, wenn man aktuell gar keine Führungsposition ausfüllt, sondern darum, sich durch eine nicht-konforme Position im Lebenslauf die ohnehin schon nicht sehr rosigen Berufsaussichten nicht noch mehr zu verbauen.

An dieser Stelle möchte ich auch gern auf die Ausführungen von BRHamburg noch kurz eingehen. Ich stimme Ihnen zu, dass es weniger auf die Verpackung denn auf den Inhalt ankommt. Leider widersprechen Sie sich dann aber selbst, indem Sie die gleiche Haltung einnehmen, wie offensichtlich auch viele Arbeitgeber, die meine Bewerbung lesen. Sie unterstellen mir eine Mitschuld daran, dass mir nach Auslaufen meiner Befristungen keine Anschlussverträge angeboten wurden. Schon mal auf die Idee gekommen, dass der Grund dafür genau das sein könnte, was Sie verurteilen: dass nämlich mehr Gewicht auf die Verpackung statt auf den Inhalt gelegt wurde? So nach dem Motto "Jung, formbar, billig gegen alt, erfahren und standfest"?

In meiner letzten Führungsposition war ich hoch geschätzt - auch bei meinem Team (siehe oben). Man hätte es auch gern gesehen, wenn ich die Position weiter bekleidet hätte. Nur hatte man leider für die (wesentlich jüngere) Stelleninhaberin angeblich keine anderweitige Verwendung - und da sie "ältere Rechte" anmelden konnte, schaute ich halt mit dem Ofenrohr ins Gebirge.

Bei meiner Stellung davor (Elternzeitvertretung) ging die Rückkehr der Stelleninhaberin mit einer teilweisen Betriebsstilllegung einher, die einen Personalüberhang nach sich zog. Und wieder sind die, die als Letzte gekommen sind, bzw. auf befristeten Verträgen sitzen dann diejenigen, die als erste gehen müssen.

Auf meiner Stelle noch davor war ich jahrelang erfolgreich (Kettenbefristungsvertrag) - bis ein neuer Geschäftsführer kam, der seinen mitgebrachten Spezl auf meinen Platz setzen wollte. Der Betriebsrat hielt sich vornehm zurück.

Sie sehen also, es geht hier um ein echtes Problem und nicht bloß um irgend ein albernes Geltungsbedürfnis.

Vielen Dank für den Tipp von Husmeester! Das wäre evtl. eine Alternative.

P
Pjöööng

18.04.2018 um 18:59 Uhr

Lady77, leider gibt es hier in diesem Forum einige Teilnehmer die sich gar nicht vorstellen können dass es außerhalb ihrer Produktions- oder sonstigen Tätigkeit auch noch andere Berufe gibt, die andere Qualifiaktionen erfordern und auch mit einem ganz anderen Selbstverständnis einhergehen.

Was mich verwundert ist, dass in Deinem Arbeitsvertrag nicht drin steht, als was Du angestellt bist. Es wäre natürlich gut wenn es dort eine Bezeichnung gäbe auf die man sich berufen kann.

Dich jetzt einfach als "Verwaltungsfachangestellte" bezeichnen obwohl Du es doch gar nicht bist, geht natürlich gar nicht!

Bist Du denn schon lange genug dort um ein sinnvolles Zwischenzeugnis zu verlangen? Dann würde ich das tun und mir dieses sehr genau anschauen, was dort z.B. als Arbeitsfeld eingetragen ist. Wenn dieses nicht passt kann man dann gezielt in die Diskussion einsteigen. Derzeit scheint mir auch das Problem zu sein, dass das Thema vor allem mündlich erörtert wird.

P
paula

18.04.2018 um 19:50 Uhr

Man spürt bei dir wirklich viel Frust. Aber du solltest Dich ein wenig von früheren Jobs gedanklich trennen, denn sonst verkämpfst Du Dich.

"Ich bin Akademikerin und Führungskraft...." Offensichtlich arbeitest Du gegenwärtig nicht als solche.

"Das Problem ist, dass ich auf einem Arbeitsplatz sitze, der im Stellenplan als "Sekretariat" ausgewiesen ist, da die eigentliche Stelleninhaberin eine teilzeitbeschäftigte Sekretärin im Erziehungsurlaub ist." Also wirst Du ja wohl richtig so genannt. Du machst zwar teilweise Aufgaben, die DU nicht bei einer Sekretärin verortest, aber das ist eben Deine Sicht. Nach Redensart unseres Hauses wäre das eindeutig die angemessene und richtige Bezeichnung. Das macht jedes Unternehmen anders und jedes Unternehmen darf das auch selber definieren.

Ich habe es oben schon mal gesagt: Du wirst nur etwas unternehmen können, wenn Du wissentlich herabgesetzt wirst (nicht Sekretärin sondern Tippse). Nach dem was Du schreibst sehe ich das nicht. Sorry

D
doritc

24.04.2018 um 16:52 Uhr

Ich sehe hier kein rechtliches so der ein politisches Problem: Wie bewegt man den Vorgesetzt dazu, die Bezeichnung der Stelle zu ändern, ohne jemand anderem auf die Füße zu treten? Ich habe denke, da ist vor allem Geduld gefragt, auch wenn die Zeit begrenzt ist. Und ein klares Ziel: Wie soll die Bezeichnung sein? Ich denke, etwas in Richtung "Stabsstelle" wäre passend. Von da aus kann man schauen, ob nicht jemand anders auch ein Interesse daran haben könnte, die Stelle umzubenennen. Ich persönlich würde es auch ganz offen versuchen, mit dem Verweis auf die Außenwirkung nach Ende der Befristung (ob das hier praktikabel ist, kann ich natürlich nicht beurteilen).

Ihre Antwort