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Dieser Beitrag ist vor 3 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Kurzfristiger Urlaub/Freistellung aufgrund familiärem Notstands

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Basti21
Mrz 2023 bearbeitet

Tagchen, ich bin Vorsitzender eines frisch gewählten Betriebsrates und wir hatten bislang noch keine Schulung, weshalb ich in vielen Dingen noch keine Wissensbasis habe. Zum Fall: Eine Arbeitnehmerin benötigt dringend und sehr kurzfristig frei auf unbestimmte Zeit, weil Ihr Sohn (5 Jahre alt) aus seiner Kita geworfen wurde. Der Ehemann beginnt kommende Woche eine neue Stelle und kann hier nicht fehlen. Dementsprechend muss unsere Kollegin zu Hause sein. Wir haben ebenfalls eine Homeoffice-Regelung, das Kind benötigt jedoch viel Aufmerksamkeit, weshalb tatsächliches Arbeiten schwierig wird. Die Kollegin benötigt also schnellstmöglich frei und sucht nun nach Möglichkeiten. Urlaub ist verplant und kann zwar gegebenenfalls umgelegt werden, allerdings ist nicht bekannt, wie lange das Kind zu Hause ist. Der übrige Jahresurlaub wird also nicht genügen. Elternzeit wäre eine Option, bei einer Frist von 13 Wochen aber zu spät.

Der Arbeitgeber (bzw die Personalabteilung) sieht bezüglich Sabatical keine Optionen außer einer Kündigung bzw. eines Aufhebungsvertrages und Neueinstellung (was ich mir beim besten Willen nicht als den richtigen Vorgang vorstellen kann) Die Kollegin hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag außerhalb der Probezeit und ist obendrein BR Nachrückerin. Alles Gründe hier den Betrieb nicht einfach zu verlassen und irgendwann wiederzukommen (wenn das überhaupt rechtens ist)

Nun meine Frage: Welche Optionen gäbe es hier noch? Kann man Elternzeitfristen verkürzen, wie ist es mit Anrecht auf unbezahlten Urlaub etc. ? Wenn doch Aufhebungsvertrag, bekäme man die Kollegin problemlos wieder eingestellt oder fände hier eine Unrechtmäßigkeit (Bevorzugung o.Ä.) statt? Der Arbeitgeber ist sehr Arbeitnehmerfreundlich in solchen Belangen, kennt sich aber selbst im Standort Deutschland und unserem Arbeitsrecht jedoch scheinbar nicht so gut aus und weiß teilweise selbst noch nicht so ganz, "wie der Hase läuft"

Ich (und meine Kollegin) bedanke mich für jegliche Hilfe und wünsche allen ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße aus Berlin

32006

Community-Antworten (6)

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RudiRadeberger

31.03.2023 um 18:50 Uhr

Kann man Elternzeitfristen verkürzen - nein Anrecht auf unbezahlten Urlaub - gibt es nicht Wenn doch Aufhebungsvertrag - dann ist sie raus und ob sie wieder reinkommt, entscheidet größtenteils der AG

Sie kann sich um private Kinderbetreuung bemühen. Kostet natürlich Geld.

Off Topic: wieso fliegt man aus der Kita???

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celestro

31.03.2023 um 19:07 Uhr

"Der Arbeitgeber (bzw die Personalabteilung) sieht bezüglich Sabatical keine Optionen außer einer Kündigung bzw. eines Aufhebungsvertrages und Neueinstellung (was ich mir beim besten Willen nicht als den richtigen Vorgang vorstellen kann)"

Hö? Der AG könnte Ihr einfach unbezahlten Urlaub geben und gut ist.

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DummerHund

31.03.2023 um 19:30 Uhr

Basti21 Warum das Kind aus der Kita geflogen ist, ist für uns irrelevant. Ich würde mich in dem Fall aber mal umgehend mit der Zuständigen Krankenkasse in Verbindung setzen Lese dazu mal hier: https://www.merkur.de/leben/karriere/kinderkrankentage-aufstockung-anspruch-kinderbetreuung-homeoffice-kita-schule-geschlossen-zr-90168822.html

Eine Begründung und Möglichkeit könnte auch hier drin zu finden sein (man beachte die§§). In den 2. Artikel geht es zwar um die Pandemiezeit, aber der benannte § exestierte ja auch schon davor.

https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/freistellung-zur-kinderbetreuung-bei-schulschliessung_76_511796.html

Sollte nach allen Bemühungen keine kurzfristige Lösung zur Betreuung des Kindes möglich sein, sollte man über ein ruhendes Arbeitsverhältnis nachdenken. Aufhebungsvertrag oder ähnliches würde ich nur nach Rücksprache mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht in Betracht ziehen

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RudiRadeberger

31.03.2023 um 19:43 Uhr

In dem Artikel ist überhaupt nichts zur Situation der Fragestellerin passendes vorhanden. Das Kind ist weder krank, noch ist die Einrichtung geschlossen.

"Sollte nach allen Bemühungen keine kurzfristige Lösung zur Betreuung des Kindes möglich sein, sollte man über ein ruhendes Arbeitsverhältnis nachdenken."

Ja, nachdenken ist prima. Wenn der AG da aber nicht mitspielt und sie am Montag bei der Arbeit erwartet....sollte man vielleicht doch zuerst den Jahresurlaub ins Spiel werfen.

B
Basti21

31.03.2023 um 20:01 Uhr

Hallo, vielen Dank erstmal für die Antworten bisher. Es handelt sich hier nicht um einen Krankheitsfall oder eine Schließung. Das Kind wurde wohl wegen Verhaltensauffälligkeiten nicht weiter betreut. Der Kitaplatz war recht neu und unter dem Vorwand einer Vertragsanpassung wurden alle Kopien des Vertrages einbehalten und das Kind dann ausgeschlossen. Die Kollegin hat nicht mit so einer Aktion gerechnet und leider keine eigenen Kopien angefertigt. Ich würde mit sowas ehrlich gesagt auch nicht rechnen. Passt auf keine Kuhhaut. Was da abging steht auf einem völlig anderen Blatt und ist auch rechtlich eine ganz eigene Kiste, aber nicht meine Baustelle. Die Eltern haben jedenfalls stand jetzt nichts in der Hand und das Kind ist erstmal daheim. Mit rechtlichen Schritten gegen die Kita, wenn meiner Meinung nach auch angebracht, haben sie so schnell auch keine Lösung. Über das Krankengeld könnte man eventuell mit einer Diagnose gehen, aber ein fünfjähriges Kind wegen Verhaltensauffälligkeiten zum Arzt / Neurologen / Psychologen etc. zu schleppen ist sicher nichts, was ich als BR meiner Arbeitnehmerin zumuten oder empfehlen möchte und übersteigt obendrein auch meine Kompetenzen.

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DummerHund

31.03.2023 um 20:12 Uhr

@ RudiRadeberger Wenn du den einen Artikel aufmerksam liest erkennst du das ein Kind nicht zwangsläufig Krank sein muss um die Krankentage zu bekommen. Und ja mir ist bewusst das es dort um Schließung der Kita geht; hatte ich ja in etwa versucht an zu deuten. Ist mir wohl misslungen. Aber man sollte dennoch dort anrufen um aus zu loten wie weit der Spielraum bei der KK ist. Ich denke das dies ein Bereich ist wo wir alle zusammen keinen Einblick haben. Ich weiß aber aus den letzten Jahren aus eigener Erfahrung das dort Dinge möglich sind die man so garn nicht weiß als Ottonormalverbraucher. Sicherlich ist auch Jahresurlaub eine Option...aber danach sollte das Problem noch nicht gelöst worden sein. Krankentage, Urlaub...kann alleskurzfristig helfen. Man sollte aber auch langfristig denken. So mein Denken.

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