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Übergriff durch Schichtleiter

P
pummelfee
Mrz 2020 bearbeitet

Liebe Forumteilnehmer, ich habe eine Frage, die - wenn ihr euren Lautsprecher aufdreht könntet ihr mich vielleicht schreien hören - mich wütend macht. Vor allem weil ich mich als Betriebsrätin dabei vollkommen machtlos fühle:

Heute kam eine Kollegin zu mir und erzählte mir vertraulich, dass ihr Schichtleiter einen cholerischen Anfall bekommen hatte und sie derartig (Verzeihung das Wort) angeschissen hat, dass sie große Angst vor einem körperlichen Angriff durch ihn hatte. Höhepunkt war, dass er die Türe zugehalten hat, damit sie nicht mehr in ihr Büro konnte. Glücklicherweise gibt es eine zweite Tür zum Flur, durch die sie flüchten konnte. Sie rettete sich auf unsere Krankenstation wo ein massiv erhöhter Blutdruck festgestellt wurde, Ende vom Lied: der Krankenwagen musste kommen. Inzwischen geht es ihr wieder soweit gut, besonders, weil der Schichtleiter derzeit nicht in der Firma anwesend ist. Außer mit mir, hat sie niemandem den Grund für ihren Kollaps offenbart.

Nun das Problem: Sie möchte weder persönlich noch durch den Betriebsrat gegen den Schichtleiter vorgehen, da erstens Aussage gegen Aussage steht, zweitens sie sich noch in der Probezeit (während des Übergriffs wurde ihr selbstverständlich mit der Kündigung gedroht) befindet und drittens fürchtet sie als Ü 50 Arbeitnehmerin und Ausländerin keinen anderen Job zu finden.

Ich habe ihr geraten (neben juristischen oder abteilungstherapeutischen Schritten), dass ihr kein Job der Welt hilft, wenn sie tot umfällt, die Gesundheit also das wichtigste sei. Aber Maul halten und Augen zu kann es doch auch nicht sein. Andererseits fürchtet sie zu Recht um ihren Job, denn der Schichtleiter wird den Vorfall immer abstreiten und der Chef ihm immer glauben, den der gemeine Arbeitnehmer lügt kaum wenn er den Mund aufmacht.

Sorry für mein Geschimpfe......

Habt ihr eine Idee, wie wir/sie gegen den Schichtleiter vorgehen kann (bzw. die Kollegin vor weiteren übergriffen schützen kann - einen Notfallruf haben wir vereinbart), ohne dass die Kollegin ihren Job verliert?

LG pummelfee

2.88804

Community-Antworten (4)

S
stehipp

09.08.2016 um 14:25 Uhr

Tja, was soll man da machen. Eure Kollegin hat euch klar den Auftrag gegeben nichts zu machen.

Ich würde mal mit anderen Kollegen der Abteilung sprechen, sehr allgemein natürlich. Menschen die derart "austicken" tun dies i.d.R. nicht nur einmal. Vielleicht schafft man es so aus einem Einzelfall ein generelles Problem zu machen. Evtl. sind die Kollegen eher bereit gemeinsam gegen eine Führungskraft auszusagen. Hat bei uns schon mal geklappt. Wir haben, in Abstimmung mit der Geschäftsleitung, ein Abteilungstreffen nach der Arbeitszeit organisiert. Natürlich ohne die Führungskraft. Mit der Zeit haben sich die Kollegen geöffnet. Ergebnis: Die Führungskraft ist mittlerweile nicht mehr im Betrieb.

Hierbei ist aber extrem viel Fingerspitzengefühl notwendig, da ihr euch auf sehr dünnen Eis bewegt.

P
Pjöööng

09.08.2016 um 14:57 Uhr

Den klaren Auftrag der Kollegin, hier nichts zu machen, sehe ich nicht. Ich lese dort nur, dass die Kollegein selber nicht "gegen den Schichtleiter" vorgehen will. Ich bin ja ein Verfechter der Abschlussfrage "Was erwartest Du jetzt von uns, was wir machen sollen?", Dann weiß man konkret, was erwartet wird, hat eine Richtlinie für sein Handeln.

Wie man hier agieren kann hängt sehr stark von den innerbetrieblichen Gegebenheiten ab. Sicherlich ist es hier richtig, noch bei ein paar Kollegen vorsichtig nachzuhaken, wie diese die Athmosphäre in der Abteilung, in der Schciht empfinden. Stellt sich dabei heraus, dass das Verhalten dieses Schichtleiters in der Tat regelmäßig grenzwertig ist, dann sollte dies bei dem Arbeitgeber adressiert werden. In allgemeiner Form vorgetragen "Hören wir öfters Klagen ..." kann auch der konkrete Fall "Letztens, so wurde uns berichtet, soll eine Kollegin derart angegangen worden sein, dass der Krankenwagen kommen musste." vielleicht ergänzt um ein "Von der Kollegein sellbst liegt uns allerdings keine Beschwerde vor." hält man auch die Kollegin aus der Schusslinie.

Man könnte natürlich auch einfach mal beim nächsten Monatsgespräch fragen, was denn da los war, dass ein Krankenwagen kommen musste. Sollte die Antwort dann vielleicht "Nichts besonderes, eine ANin hatte Kreislaufprobleme." lauten, so kann man auch nachhaken, dass einem zugetragen wurde, dass es da wohl vorher eine massive Auseinandersetzung gegeben habe, Und es ist ja wohl nicht im Sionne des Unternehmens wenn so etwas passiert. Damit kann man vielleicht einen Veränderungsprozess einleiten.

P
pummelfee

09.08.2016 um 15:20 Uhr

Vielen Dank für die bisherigen Antworten, vielleicht zur Ergänzung ein paar klärende Worte @Pjöööng:

Die Kollegin wünschte ausdrücklich, dass ihre Aussagen absolut vertraulich behandelt werden. D.h. als BR sind wir damit erst mal in unseren Möglichkeiten eingeschränkt. Sicherlich werden wir versuchen, dass die Angelegenheit nicht unter den Tisch gekehrt wird, allerdings heißt es während der Probezeit der Kollegin vorsichtig zu sein, denn der Schichtleiter hat - dies haben wir schon mehrfach feststellen müssen - bei der Unternehmensleitung einen Freifahrtschein. Dies macht es nicht einfacher.

G
gironimo

09.08.2016 um 15:41 Uhr

NaJa, die Probezeit dauert nicht ewig. Da würde ich auf jeden Fall den Wunsch der Kollegin beachten. Aber vielleicht doch ein wenig diskret recherchieren (wie stehipp schreibt).

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