Tarifverhandlung
Hallo, bei uns laufen zur Zeit die Tariefverhandlungen zwischen IGM/Betriebsrat und Arbeitgeber. Nun ist es so das nur die Abreitnehmer, die auch in der IGM Mitglied sind, über die laufenden Verhandlungen informiert werden und Mitbestimmungsrecht, in Fragen Streik und so, haben. Meine Frage dazu ist das rechtens? Weil die mehrzahl der Arbeitnehmer ist nicht in der IGM Mitglied werden aber trotzdem nach Tarief bezahlt und die gehen dann die Verhandlungen doch auch etwas an - oder? Würde mich über eine Antwort sehr freuen. Danke! Gruß K.
Community-Antworten (11)
22.07.2011 um 10:05 Uhr
Wenn sie mitreden wollen, dann sollen sie in die Gewerkschaft eintreten und für ihre Rechte kämpfen.
Normalerweise gelten Tarifvereinbarungen nur für die Gewerkschaftsmitglieder. AG zahlen die dort aufgeführten Löhne aber meistens auch den nicht organisierten Arbeitnehmer, weil sie verhindern wollen, dass alle in die Gewerkschaft eintreten.
22.07.2011 um 11:20 Uhr
Ganz klare Antwort; wer kein Mitglied ist, also dei Arbeit der Gewerkschaft eben nicht durch Beiträge unterstützt hat auch KEINEN Anspruch auf Unterstützung oder Info durch diese. Man nennt diese AN auch zu Recht "Trittbrettfahrer"
22.07.2011 um 11:25 Uhr
@Kurzarbeiter Das ist eine sehr antiquierte, fast schon inquisitorische Ansicht. Wenn sich die Macht einer Gewerkschaft nur noch auf das Verhandlungsmonopol zu TV bezieht, dann ist das ein Armutszeugnis. Es ist dringend geboten, dass sich das TVG in dieser Hinsicht ändert. 'Trittbrettfahrer' sollten zwingend eine Mitsprache genießen. Und die gewerkschaftlichen Errungenschaften/Negativbeispiele kann man ja auch mal nennen: TVöD und ZuSi, ERA und Absenkungs-TV usw...
Und bevor jetzt wieder Unkenrufe kommen: Ich bin selbst Gewerkschaftsmitglied.
22.07.2011 um 12:03 Uhr
Kölner
auch ich habe und kritisiere mal die Gewerkschaften. Also auch ich bin nicht mit allem einverstanden.
Doch wo wären wir heute ohne Gewerkschaften. Jedem ernsthaften Gewerkschaftler ist die Geschichte der Gewerkschaft als auch wie und warum sind sie entstanden bekannt.
Es ist nun einmal so, mitsprache kann man immer nur in Vereinen usw. also auch in Gewerkschaften nur erwarten wenn man zahlendes Mitglied ist. Gleiches gilt für Infos.
Das heute für viele vieles bei gewerkschaften nicht mehr so läuft wie sie es gerne hätten, liegt auch an den zurückgehenden Mitgliederzahlen. Das nutzen leider auch AG.
22.07.2011 um 12:47 Uhr
wenn ich richtig lese , nimmt hier auch der BR an den Verhandlungen teil,und der BR ist AN-Vertreter. Vertreter aller AN , nicht nur die die in der GEW sind,hat also auch eine Informationspflicht gegenüber den Nichtmitgliedern.
Ist meine Meinung als BRV und Trittbrettfahrer
22.07.2011 um 13:21 Uhr
Ja zumal, sollte es wirklich so weit kommen das wir Streiken wird auch von uns NICHT Mitgliedern verlangt das wir mitmachen. Haber ich weiß ja dann im Prinzip noch nicht mal wofür ich "kämpfe"!!!!
22.07.2011 um 13:23 Uhr
nimmt hier auch der BR an den Verhandlungen teil
Der BR als solches hat dort aber nichts zu suchen. Nur manchmal gibt es Konstellationen, dass die Mitglieder der Tarifkommission "zufällig" auch noch das Ehrenamt eines BR-Mitglieds ausüben. Es sind zwei völlig verschiedene Ehrenämter - und die dürfen die betreffenden auch gern auseinanderhalten. Die Infos, die sie als BR erhalten, haben sie an alle ArbN weiterzugeben. Und die Infos, die sie als VK der Gewerkschaft erhalten, geben sie an die GEW-Mitglieder weiter.
Oder uss der Betriebsrat zukünftig auch Zwischenergebnisse aus Koalitionsverhandlungen weitergeben, nur weil ein paar BR-Mitglieder zufällig auch noch Abgeordnete im Gemeinderat sind?
22.07.2011 um 13:26 Uhr
@Kölner
..... ERA
Also ERA kann man als Negativbeispiel NICHT (zumindest nicht grundsätzlich) aufführen. Faktisch ist ERA bei vielen Betrieben zwar tatsächlich auf die eine oder andere Art und Weise "in die Hose" gegangen, aber NICHT wegen einer grundsätzlich den AN zum Nachteil gereichenden Ausgestaltung, sondern allein deshalb weil viele AG (und BR!) sich VOR ERA nicht an die tariflichen Regeln gehalten haben und mit ERA den "Fehler" begangen haben sich auf die tariflichen Regeln zurückzubesinnen....
Bsp: In vielen Firmen wurden gewerbliche AN gerne "unter" Tarif eingruppiert, viele Angestellte "über" Tarif (gemessen an den tariflichen Eingruppierungsbestimmungen. Mit Einführung ERA wurden (im besten anzunehmenden Fall) die gewerblichen "richtig" Eingruppiert mit der Folge vollkommen überhöhter Kosten, umgekehrt angestellte AN ebenfalls "richtig" Eingruppiert mit der Folge Einkommensverlust und auch wieder überhöhten Kosten. Wäre die AN VOR ERA tarifgerecht eingruppiert gewesen, wäre ERA auch grundsätzlich sowohl von den Kosten also auch von der Entlohnung der AN her aufgegegangen.
Auch die Geschichte das der Leistungslohn jetzt auf 28% eingedampft ist und damit vielerorts zu Lohneinbußen geführt hat ist ebenfalls wieder eine Folge "missverstandener" tariflicher Regeln. Auch die alten TV hatten keine Leistungszulagen von über 80% als Ziel.....
Das am Ende tatsächlich handwerklich gepfuscht wurde - in der Art das viele Regelungen so unverständlich formuliert sind das sie vor Gericht ausgehen wie das Hornberger Schießen - steht auf einem anderen Blatt und damit stehen die Tarifparteien ja auf einer Ebene mit der Regierung.....
@docpille
hat also auch eine Informationspflicht gegenüber den Nichtmitgliedern.
Korrekt. Der BR muss die Nichtmitglieder NACH Abschluß der Verhandlungen über das Ergebnis informieren und das Ergebnis betrieblich umsetzen. Aber mit Verhandeln, dazu hat er keine grundsätzliches Recht, auch nicht aus der Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften.
Ach ja: BTW Kölner,
Es ist dringend geboten, dass sich das TVG in dieser Hinsicht ändert. "Trittbrettfahrer" sollten zwingend eine Mitsprache genießen.
Das Thema hatten wir schon. Und ich will es nochmal darlegen:
WER Verhandelt am Ende mit dem AG? Der Dreher Heinz Müller ? Wohl kaum. Diesem sind sowohl vom Wissen als auch von der Akzeptanz als Verhandlungspartner her kaum Chancen einzuräumen das er beim AG irgendwas erreicht. Faktisch tanzen hier Leute der Gewerkschaft an, die auf Augenhöhe mit dem AG verhandeln können. Also irgendein Dr. Dr. jur. oder so was.... Oder zumindest haben die Verhandlungspartner der GEW so jemand in der Hinterhand. Und hier kommen wir zum "historischen" Problem: Vielleicht war es vor 40 Jahren möglich das Dreher Heinz Müller NACH seiner Arbeitszeit EHRENAMTLICH (also für Lau) sich für die Kollegen eingesetzt hat und mit dem AG über TV verhandelt hat. Aber die Zeit ist vorbei. Gerade Nicht-Mitglieder wollen zwar mitreden, aber wenn es heißt private Zeit für so was zu opfern hört der Spaß auf. Nein, da WIRD auch von denen erwartet, das da jemand kommt der das für sie macht. UND WER BEZAHLT DIESE LEUTE? Ach, die GEWERKSCHAFT, also die Kollegen die Mitglied sind? Ja? Nett von Euch Nicht-M, das ihr ein paar Dumme gefunden habt die für EUCH mitbezahlen..... OK. Ich mach jetzt einen Deal: Die Nicht-Mitglieder beteiligen sich an der Finazierung dieser Herren die da verhandeln. Wir nehmen also deren Kosten durch die Anzahl der AN und dann legen die Nicht-M diesen Betrag hin, könnte insgesamt auf rund 500-1000 EUR rauslaufen OK? Nein? Warum nicht? Ich wiederhole mich: WER BEZAHLT DIE? Soll das die GEW alleine hinlegen? Also wollen die Nicht-M, das die Gew-M sie da mit durchziehen? Da wären die Gew-M aber SCHÖN BLÖD! Und trotzdem tun sie das...... Sollte man da nicht wenigstens ihnen zugestehen, das die Nicht-M wenigstens NICHTS dazu zu sagen haben wenn sie sich schon nicht an den Kosten beteiligen?
Und noch ein Detail: WARUM sind denn die GEW-Beiträge mit ca. 1% Brutto so hoch wie sie sind? Natürlich: Weil die Kosten wie immer umgelegt werden müssen! Der Staat legt da nix hin, falls das nicht bekannt sein sollte! Im Gegensatz zu unseren Regierungsbeamten (die wir übrigens ALLE ohne eine Wahl zu haben bezahlen) finanzieren sich die GEW selbst! Je weniger Mitglieder es gibt um so höher müssen die Beiträge sein oder im so weniger und geringer qualifiziertes Personal kann sich die GEW leisten... Was glaubt ihr denn warum der Service der GEW und die Qualität der Abschlüsse immer schlechter werden? Weil das Geld wegen zu wenig Mitgliedern fehlt! Noch klammern sich die GEW an ihre Existenz und bauen immer mehr an Personal ab. Aber wenn das so weiter geht wird es in ca. 10 Jahren keine GEW mehr geben die noch Lohnabschlüsse aushandelt. Dann bin ich gespannt wie die, die das verursacht haben reagieren. Wahrscheinlich schimpfen sie dann immer noch auf die GEW die es gewagt hat sich aufzulösen und damit jetzt schuld ist, das es keine Lohnerhöhungen mehr gibt!
Sorry, Kölner, aber irgendwo muss auch mal gut sein. Oder würdest Du vorziehen das §77 (3) BetrVG abgeschafft wird, damit endlich die BR selbst über Löhne verhandeln können? Das läßt sich glaub ich einrichten......
22.07.2011 um 13:34 Uhr
@Steht mit einer Faust - äh, rkoch Man KANN das so sehen, wie Du es in epischer Breite dargestellt hast. Keine Frage! Ich halte es nach wie vor für unangemessen, wenn AN nur wegen Ihrer Parteienzugehörigkeit gemäß Art 9 GG ins zweite Glied rücken müssen. Hier haben sich die Gewerkschaften 'gefälligst' mal so zu bewegen, wie sich das in einer sozialen Marktwirtschaft gehört: Im Wettbewerb stehend, kunden- und marktorientiert, vor allem aber nicht monopolistisch.
BTW: ERA ist in weiten Teilen unausgegoren und spielt fast jedem AG in die Karten. Und wenn wir schon über den Sinn des § 77 Abs. 3 BetrVG und die Verhandlungsgeschicke eines BR philosophieren: Der ist mit ERA schon längst ad absurdum geführt, nicht wahr? ;-)
22.07.2011 um 14:10 Uhr
Ich halte es nach wie vor für unangemessen, wenn AN nur wegen Ihrer Parteienzugehörigkeit gemäß Art 9 GG ins zweite Glied rücken müssen.
Sorry, aber das ist absurd.... Wie viel hat denn ein Mitglied der Grünen oder ein Parteiloser über die Parteipolitik der CDU/CSU mitzureden? Es ist doch eben ein Grundsatz das eben NUR Parteimitglieder über die Richtlinien der politischen Partei der sie angehören mitreden können! Hier ist es nicht anders! Nur Mitglieder der (Partei) GEW können über die Richtlinien derer mitreden. Nach Deiner Theorie müsste jeder AN das Recht haben auch darüber mitzureden welche Richtlinien die (Partei) AG vertritt.... In einem Detail hast Du Recht: Jedem AN steht es frei eine eigene GEW zu gründen und an den Verhandlungen mit dem AG teilzunehmen. Evtl. kann ich mir auch noch vorstellen das es jedem einzelnen AN zustehen müsste mit dem AG zu verhandeln.... Ach so, das ist ja sowieso so.... Warum machen die AN das dann eigentlich nicht sondern wollen bei einer Partei mitreden der sie gar nicht angehören?
Der ist mit ERA schon längst ad absurdum geführt, nicht wahr? ;-)
Geschmackssache.... Faktisch hätten alle BR sich an drei Regeln halten müssen:
- Der AG legt alleine fest welche Aufgaben die einzelnen AN haben
- der BR macht dann seinen Job nach §99 und im Streitfalle eben PaKo, Schlichtung
- Die Frage der Kostenneutralität bleibt außen vor!
Ich gebe Dir aber Recht, das viele BR hier mit ihren AG gefeilscht haben (unter dem Druckpunkt der Kostenneutralität) obwohl ihnen das nach §77 (3) nicht zugestanden hat. Wir haben uns stur and diese Regeln gehalten obwohl das die Kosten recht erheblich nach oben gedrückt hat und wir durften uns von einigen Kollegen auch anhören das die Aufgabenbeschreibungen nicht der Realität entsprechen. Aber wir waren uns klar: Wenn WIR uns auf die Schiene begeben mit dem AG darüber zu feilschen, dann gehen wir unter.... also haben wir das gelassen.
Aber auch dieses Verhalten der BR kannst Du ERA an sich nicht anlasten, bestenfalls der GEW das die da keinen Riegel vorgeschoben oder die BR nicht mehr unterstützt hat. Wobei wir wieder beim Thema wären ........
22.07.2011 um 14:19 Uhr
@rkoch Ich bewundere (aufrichtig!) die Bemühungen von Dir, schwierige und emotional geführte Diskussionen immer und immer wieder zu versachlichen. Das ist eine ganz große Kunst - Respekt!
Ich finde, dass wir die Diskussion an dieser Stelle und mit Deinem Statement sehr gut beenden können.
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