Wegen der Wahrheit am schwarzen Brett wird der Betriebsrat vom Arbeitsgericht Hamburg aufgelöst
Liebe Forumteilnehmer,
es ist unglaublich aber Wahr. Der Betriebsrat einer Eigenständigen Firma am Flughafen Hamburg wurde vom Arbeitsgericht aufgelöst.
Nähere Infos bekommt Ihr auf folgender Seite:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/157476.auf-biegen-und-brechen.html
MfG Brazzo
Community-Antworten (12)
24.10.2009 um 00:19 Uhr
Habe eben versucht da was zu googlen - leider konnte ich ncihts finden. Irgendwie halte ich das für eine Ente - ganz ehrlich.
24.10.2009 um 00:24 Uhr
Hallo DonJohnson,
eine Ente ist es leider nicht. Du kannst ja unter Acciona BR weitersuchen. Ich bin sicher, dass Du da fündig wirst.
Brazzo
24.10.2009 um 00:31 Uhr
Habe ich. Dann habe ich noch so eine ominöse Online Zeitung gefunde die das beschreibt:
Hier etwas was ganz rechts in einem Kästchen steht:
" Liebe Leserinnen und Leser,
Dies ist die Homepage von „Arbeit Zukunft“, der Zeitung der „Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands“.
Aber es soll auch Homepage und Zeitung von und für unsere Leserinnen und Leser sein. Der Titel „Arbeit Zukunft“ ist unser Programm für diese Internet-Seiten und unsere Zeitung. weiter... "
Also tut mir ja Leid, aber so welchen glaube ich nciht ;-)))
24.10.2009 um 00:45 Uhr
Hallo DonJohnson,
ich finde es sehr schade, dass Du diesen Bericht nicht glaubst. Ich war bei den Verhandlungen ( 3 insgesamt ) dabei. Ich habe diesen Beitrag nicht in das Forum gestellt, um die Glaubwürdigkeit des aktuellen Falles bewerten zu lassen, sondern Betriebsräte und Arbeitnehmervertretern zu signalisieren, zu welchen Urteilen heutzutage gewisse Arbeitsrichter fähig sind. Dieser Fall wird demnächst auch in unserer Gewerkschaftszeitung veröffentlicht. In dem Fachbereich unserer Gewerkschaft habe ich sogar die schriftliche Urteilsbegründung des Falles verteilt. Alle Betriebsräte am Airport Hamburg sind fassungslos.
Das gewisse Zeitungen, denen politische Gesinnung ich im Übrigen auch nicht angehöre, diesen Fall Berichten, finde ich zunächst einmal solidarisch. Denn so ein Fall hätte eigentlich bei allen Zeitungen Platz gefunden.
Schöne Grüße Brazzo
24.10.2009 um 02:02 Uhr
Liebe Forumteilnehmer, hier der volle Bericht, der bereits veröffentlicht wurde zum mitlesen.
»Auf Biegen und Brechen« Arbeitsrichter wirft widerständigen Betriebsrat aus dem Amt Von Susann Witt-Stahl
Ein Aushang zur Personalpolitik seines Arbeitgebers am Schwarzen Brett wurde dem Betriebsrat von Acciona Airport Services Hamburg zum Verhängnis. Das Arbeitsgericht löste die Arbeitnehmervertretung kurzerhand auf. Die Betroffenen sprechen von einem »Skandalurteil«. Das Verhältnis des siebenköpfigen Betriebsrats der 171 Beschäftigten des spanischen Bodendienstleistungsunternehmens am Standort Hamburg Airport zur Geschäftsleitung ist seit Langem angespannt: »Für die Zeit, in der wir an BR-Schulungen teilnahmen, hat der Arbeitgeber einfach unsere Löhne einbehalten«, nennt der Vorsitzende Ergün Sert ein Beispiel für die rüden Methoden des Arbeitgebers.
Der Clinch zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber – der 22 Prozent des Services am Flughafen in Hamburg-Fuhlsbüttel bestreitet und dessen Hauptkunde Air Berlin ist –, hatte bereits 2008 begonnen, als aufgrund von Personalmangel immer häufiger kurzfristige Änderungen der Einsatzpläne vorgenommen wurden. Die Anweisung »Komm mal heute Abend zwei Stunden früher«, berichtet Sert, gehörte für viele seiner Kollegen zum Normalfall.
Wie von der Arbeitnehmervertretung gefordert, wäre eine Erhöhung der Stundenzahlen für die Teilzeitbeschäftigten (darunter nicht wenige, in deren Arbeitsverträgen lediglich 65 Stunden monatlich vereinbart sind) nötig gewesen – nicht zuletzt, argumentiert der BR, weil diese Arbeitnehmer außerstande sind, von dem kargen Einkommen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Stattdessen verlangte das Management aber lieber vom Betriebsrat, Neueinstellungen auch von Leiharbeitern abzunicken. Das Gremium jedoch stellte sich quer und verweigerte seine Zustimmung.
An den Haaren herbeigezogen ... Acciona reagierte mit dem Holzhammer und reichte beim Arbeitsgericht Hamburg einen Antrag auf Auflösung des Betriebsrats ein. Dieser habe in grober Weise gegen seine Pflichten verstoßen, so die Begründung der Geschäftsleitung. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht Barbara Ede, die ihn vertritt, ist fassungslos: »Fast alle Versuche des Betriebsrates, seine Mitbestimmungsrechte auszuüben, wurden vom Arbeitgeber als Auflösungsgründe an den Haaren herbeigezogen.«
Der Betriebsrat konterte mit einem Aushang am Schwarzen Brett, wies die Vorwürfe der Geschäftsleitung zurück und kritisierte deren »rabiate und verantwortungslose Personalpolitik«. Sie habe sogar gedroht, prangerten die Arbeitnehmervertreter an, »so weit zu gehen, dass die Einstellungen der Leiharbeiter gegen den Willen des BR getätigt werden. Das heißt also auf Biegen und Brechen.«
Während der ersten Verhandlung vor dem Arbeitsgericht äußerte der zuständige Richter H... zunächst erhebliche Bedenken, den Acciona-Betriebsrat wegen der vom Arbeitgeber angeführten Gründe des Amtes zu entheben. Der Arbeitgeber jedoch blieb hart und schob den Aushang des BR als neuen Auflösungsgrund nach.
Es kam zu einer weiteren Hauptverhandlung, in der, zur Überraschung des Beklagten und seiner Anwältin, gar nicht die vom Arbeitgeber angeführten angeblichen groben Pflichtverstöße des BR Thema waren, sondern nur noch sein Aushang am Schwarzen Brett.
Obwohl Richter H... nach ausgiebiger Prüfung eingeräumt hatte, dass die betriebsöffentliche Verlautbarung des BR keine Falschbehauptungen enthalten hatte, gab er dem Antrag des Arbeitgebers schließlich statt. Die BR-Auflösung sei beschlossen worden, argumentierte Richter H... in seiner mündlichen Begründung, weil die Arbeitnehmervertreter sich mit Formulierungen wie »auf Biegen und Brechen« in einer unangemessenen Weise geäußert hätten.
»Die Entscheidung ist völlig absurd«, lautet der Kommentar von BR-Anwältin Ede. Die Betroffenen sind wütend: »Wenn Betriebsräte der Freiheit beraubt werden, die Wahrheit am Schwarzen Brett zu veröffentlichen, dann brauchen die Arbeitnehmer in diesem Land keine Vertretung mehr.« Während die Kollegen von einem »Skandalurteil« sprechen, übt sich die zuständige Gewerkschaft ver.di in Zurückhaltung: »Wir müssen erst mal abwarten, bis die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt«, mahnt Sekretär Ingo B. zur Geduld. Eine Reaktion, die für die Arbeitnehmervertreter wenig hilfreich ist. Denn ihnen läuft die Zeit davon: Ihr Betrieb wird zum Jahresende stillgelegt – Air Berlin hat den Vertrag mit Acciona gekündigt.
Solch einen Fall gab's vorher noch nicht Ob es zur Verhandlung über die Beschwerde, die der BR beim Landesarbeitsgericht Hamburg einlegen will, überhaupt noch kommen wird, ist somit fraglich. Zwar bleiben die Arbeitnehmervertreter im Amt, bis die Entscheidung rechtskräftig wird. Aber die Chance, sich noch während ihrer Amtszeit zu rehabilitieren, ist ihnen verwehrt.
Einen vergleichbaren Fall habe es in der 29-jährigen Geschichte der Kanzlei Bertelsmann und Gäbert, in der sie beschäftigt ist und die bundesweit Arbeitnehmer und Betriebsräte vertritt, nicht gegeben, berichtet Anwältin Barbara Ede. »Sollte diese Rechtsprechung Schule machen«, warnt die Juristin vor gravierenden Folgen, »dann können Betriebsräte künftig weder ihren vom Betriebsverfassungsgesetz vorgeschriebenen Pflichten nachkommen noch ihre Rechte wahrnehmen.«
Gruß Brazzo
24.10.2009 um 03:00 Uhr
interessanter Fall. Ich würde aber gerne beide Seiten der Geschichte kennen. Leider kenne ich auch die Kanzlei des BR und deren Darstellung von Sachverhalten in Prozessen und würde daher auch lieber erst einmal das Urteil lesen
24.10.2009 um 09:05 Uhr
***die zuständige Gewerkschaft ver.di in Zurückhaltung: »Wir müssen erst mal abwarten, bis die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt« ***
Genauso ist es ! Das VERDI nicht dabei war wundert mich ? Hat BR-Anwältin Ede Einspruch eingelegt und geht der Br in Berufung (Berufung) ?
MFG TRoisdorfer
24.10.2009 um 22:23 Uhr
Nöchte mich der Meinung von Paula anschliessen. Leider istes auch war, das sage ich aus eigener Erfahrung, das kein ArbG in der BRD aus irgendwelchen Gründen auch immer, seinen Finger aus dem H. nimmt. Ichkann dem BR nur raten jetzt nicht klein bei zu geben,dann hat verloren.
Grüssle
25.10.2009 um 18:55 Uhr
Liebe Forumteilnehmer,
die schriftliche Urteilsbegründung ist am 21.10.09 beim BR eingegangen. Selbstverständlich wird der BR in Berufung gehen. Ich gebe Euch völlig Recht. Man sollte auch die andere Seite hören bzw. die Urteilsbegründung lesen. Hierzu werde ich in den kommenden Tagen das Aktenzeichen des Falles bekannt geben. So haben dann die Interessenten die Möglichkeit sich genauer zu informieren.
Eins ist klar, der BR wird nicht aufgeben, selbst wenn er gerade wegen der Schließung der Station sich in den Interessen - und Sozialplanverhandlung befindet. Dieses Urteil darf einfach nicht hingenommen werden.
Gruß Brazzo
26.10.2009 um 16:22 Uhr
Hallo Leute,
hier für die Interessierten das Aktenzeichen des Auflösungsfalles:
29 BV 28/08 Zuständig für den Fall ist das Arbeitsgericht Hamburg
Die Berufung wird nächste Woche eingereicht.
Kollegiale Grüße Brazzo
26.10.2009 um 16:38 Uhr
Na, mal gucken, ob die Entscheidung veröffentlicht wird. Wobei die bislang veröffentlichten Urteil in HH doch neckisch sind: Seiner Chefin "Klei mi ann Mors" ins Gesicht zu sagen, ist kein Grund für eine fristlose Kündigung. Auch wenn die Äußerung ungehörig ist. Insbesondere gegenüber einer Dame.
29.10.2009 um 15:50 Uhr
Auch hier habe ich mal Nachgefragt wie es sich mit diesem Urteil verhält. Die Aussage der Referenten und der Mediengestalter war so das es an der Form der Aussendarstellung liegt das der Richter so entschieden hat. In einer Berufungsverhandlung würden aber gute Chancen für den BR bestehen. Nun muß ich mich Weiterbilden lassen.
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