Hilfe bei Bossing /Beweisbarkeit neuer Krankheit bei AU
Guten Tag,
ich bitte in meiner Aussichtslosigkeit dringend um Hilfe/Tipps oder Ratschläge. Die Mail ist sehr lang, ich wäre IHnen über eine Rückmeldung umso dankbarer.
Ich arbeite seit 2 Jahren in einem Unternehmen, das mehr als 10 Arbeitnehmer, aber keinen Betriebsrat hat. Zu Beginn meiner Zeit dort stellte sich relativ schnell fest, dass meine direkte CHefin mich nicht leiden kann und mich das auch schnell spüren ließ. Ich versuchte das zu ignorieren quasi drüberzustehen und meinen Job zu erledigen. Die Situation spitzte sich aber immer mehr zu. Von der anfänglich fehlenden Chemie ging es über zu mich schikanierenden, mich vor Kollegen diskreditierenden und klein machenden HAndlungen. ICh wehrte mich nicht dagegen, sondern versuchte noch freundlicher zu sein und noch mehr zu arbeiten, in der Hoffnung, dass sie meine Arbeit anerkennen und mich in Ruhe lassen würde... Es spitzte sich aber immer mehr zu. Ich wurde von wichtigen Terminen ausgeschlossen, hinter meinem Rücken wurden immer mehr Gerüchte erzählt (zB. dass ich Krankheiten vortäuschen würde), meine Arbeit und Leistung wurde abgewertet und bemängelt etc.
Mittlerweile hatte es den Punkt erreicht, dass das anfänglich unterschwellige Straing in offensichtliche Mobbinghandlungen überging. Meine CHefin hatte sogar ihre Angestellten dafür, die quasi die Arbeit für sie verrichteten, damit sie sich nicht die Finger schmutzig machen musste. Ich wurde unter der stark psychisch emotionalen Belastung krank und hatte immer mehr Fehltage durch stressbedingte Krankheiten.
Im Personalgespräch machte ich professionell und ohne in die Opferrolle zu steigen auf die Missstände aufmerksam, sowohl vor meiner Chefin als auch vor der Hauptchefin, die gleichzeitig Personalerin ist und bat um Abhilfe. Aber es kam anders, denn ich wurde nach dem Gespräch quasi für VOGELFREI erklärt und mit Arbeit zugemüllt und noch mehr schikaniert und kontrolliert, Urlaube wurden nur mit unfassbar langen Disskussionen gewährt und selbst im Urlaub wurde ich 10 Mal in einem Zeitfenster von 3 Stunden angerufen, um mich mit einem Vorwand zur Arbeit zu holen, weil man mir die Arbeit von Kollegen auferlegen wollte.
Deshalb beschloss ich zum Arzt zu gehen und in diese kriegsähnliche Situation Ruhe zu bringen und ließ mich krank schreiben. Ich informierte mich auf diversen Plattformen über Mobbingfälle und was man dagegen tun könne. Ich war zu dem Zeitpunkt aber derart psychisch erkrankt und hatte keine Kraft mehr diesen Kampf zu führen. Ich beauftragte deswegen einen Fachanwalt für Arbeitsrecht damit zunächst einmal eine Unterlassung des Mobbings durch die Chefin in die Wege zu leiten. Das Unternehmen ignorierte es und schmetterte das Schreiben ab mit der Floskel "keine Ahnnung, wir wissen von nichts". Daraufhin ließ sich mein Anwalt viel Zeit (meiner Meinung nach zu viel Zeit) um ein zweites konkreteres Schreiben aufzusetzen und mitzuteilen, dass die Fronten derart verhärtet seien und man doch lieber die Arbeitsverhältnis auflösen solle. Jetzt reagiert meine CHefin nicht mehr und spielt quasi wieder mit mir, in dem Sie auf Anrufe/ Emails etc nicht reagiert, um mich dahingehend zu bewegen, dass ich selbst kündige und sie feinsauber raus ist aus der Thematik. Ich bin mittelerweile im Krankengeld und tue ihr deswegen auch nicht mehr weh.
Mein Anwalt hat mir am Telefon nun erklärt, dass das ganze aussichtslos sei, der KAmpf mich unnötig Kraft und Geld kosten würde und ich es mir doch bitte überlegen solle, ob ich diesen KAmpf noch will. Er betonte dabei, dass meine Branche sehr klein sei und es mich meinen Ruf kosten könne. Und zudem meine Chefin eine zu harte Nuss sei. Ich denke er hat kein wirkliches Interesse an der weiteren Verfolgung.
Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ich habe über die Jahre viele Gedächtsnisprotokolle geführt und Emails gesammelt von Kollegen, die mir geschrieben haben und mcih trösten wollten, wenn meine Chefin mich wieder einmal angeschrien hat und alle anderen es bis zum Ende des Flurs gehört haben. Ich habe Screenshots von den Anrufen im Urlaub und ärztlich all meine psychsomatischen Krankheiten dokumentieren lassen.
Ich brauche dringend Hilfe, da ich nicht weiß, ob mein Fall in solchen Mobbing-/Bossingsachen wirklich aussichtslos sei oder ob es evtl an der mangelnden Lust meines Anwalts liegt. Ich weiß, dass die Beweislast bei solchen Fällen beim Arbeitnehmer liegt und es sich meistens sehr schwer darlegen und beiweisen lässt, insbesondere, dass die Taten systematisch erfolgten. Meine Kollegen werden sicher nicht aussagen, solange sie dort noch arbeiten.
Ich wäre dankbar, wenn Sie mir eine Einschätzung geben könnten und bedanke mich schonmal vorab für die Rückmeldung.
Viele Grüße
Community-Antworten (6)
18.05.2020 um 17:50 Uhr
Hier kennt niemand Ihre Kollegen und / oder Ihre Situation. Von daher weiß ich ehrlich gesagt nicht, was Sie hier konkret für eine Antwort erwarten.
18.05.2020 um 19:02 Uhr
Du könntest einen zweiten Anwalt aufsuchen und ihn um seine Einschätzung bitten. Ausserdem könntest du eine Mobbingberatungsstelle aufsuchen.
Aber mal Hand aufs Herz. Was erwartest du von der Chefin? Das sie plötzlich lieb und nett ist. Und wie funktioniert dann die Zusammenarbeit. Ich würde mir einen neuen Job suchen und mit dem neuen Vertrag in der Tasche dann doch über einen Aufhebungsvertrag verhandeln. Da wird auch dein Anwalt wieder wach.
19.05.2020 um 02:26 Uhr
Zunächst einmal bleibt festzuhalten, das Dein Anwlt eine Flasche ist. Alles Weitere morgen.
19.05.2020 um 02:34 Uhr
Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing am Arbeitsplatz als solches ist nicht strafbar. Jedoch können einzelne Handlungen des Mobbenden die Schwelle zur Strafbarkeit überschreiten. So kann im Einzelfall der Straftatbestand der Beleidigung, der üblen Nachrede, der Körperverletzung etc. erfüllt sein. Dann sollte gegen den Mobbenden ein Strafantrag bei der Polizei gestellt werden. Oft bleibt das Verhalten des Mobbenden aber unterhalb der Strafbarkeitsschwelle, wie es etwa bei sozialer Ausgrenzung, ständiger Arbeitskontrolle oder häufiger unberechtigter Kritik der Fall ist.
Hat der Betroffene den Eindruck, dass es sich dabei um ein systematisches Vorgehen handelt, sollte er ein Mobbingtagebuch führen, in dem er die einzelnen Vorfälle nach Tag und Uhrzeit notiert und eventuelle Beweismittel (z.B. Zeugen, E-Mails etc.) festhält.
Auch entstandene Gesundheitsbeeinträchtigungen und Arztbesuche, die wegen der Mobbingvorfälle stattfinden, sollten dokumentiert werden. Denn nur so kann der Betroffene den Vorwurf des Mobbings ausreichend darlegen und beweisen, wenn er den Mobbenden auf Zahlung von Schadensersatz oder Schmerzensgeld verklagt. Diese Pflichten haben Arbeitgeber
Der Betroffene sollte unverzüglich seinen Arbeitgeber und – falls vorhanden – den Betriebsrat informieren. Denn der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmern. Das bedeutet, dass er das Persönlichkeitsrecht, die Gesundheit und die Ehre seiner Arbeitnehmer (Art. 1 und 2 des Grundgesetzes - GG) schützen und sie vor psychischer Belastung bewahren muss.
Bei Kenntnis von Mobbingvorfällen muss er deshalb wirksame Maßnahmen ergreifen. Das können z. B. Mitarbeitergespräche (auch mit Zeugen), Abmahnungen, Versetzungen oder auch Kündigungen sein. Eine Kündigung des Mobbenden kann unter Umständen auch fristlos erklärt werden, z. B. wenn Gesundheitsschäden beim Betroffenen eingetreten sind. Bleibt der Arbeitgeber trotz Kenntnis von den Mobbingvorwürfen untätig, kann der Betroffene auch von ihm Schadensersatz (z. B. für Therapie- oder Rechtsverfolgungskosten) und Schmerzensgeld verlangen.
Praxistipp: Wer von Mobbing betroffen ist, sollte daran denken zu prüfen, ob sein Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ein für ihn geltender Tarifvertrag eine Ausschlussfrist enthält. Denn diese Ausschlussfristen gelten nach Meinung des BAG auch für Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche wegen Mobbings. Allerdings mit einer Besonderheit zugunsten des Betroffenen: Die Ausschlussfrist wegen einer systematischen, sich aus mehreren einzelnen Handlungen zusammensetzenden Verletzungshandlung beginnt laut BAG grundsätzlich erst mit der zeitlich letzten Mobbinghandlung.
Quelle :
www.arag.de › ... › sonstige Mobbing am Arbeitsplatz: Fünf wichtige Gerichtsurteile
19.05.2020 um 11:34 Uhr
Kampfschein hat hier sehr viele richtige Ratschläge gegeben. Ergänzend möchte ich nur anfügen: Dringend einen anderen Anwalt beauftragen! Hilfe bei einer Mobbing-Hotline suchen, da gibt es im Internet eine gute Auswahl. In der Regel endet Mobbing am Arbeitsplatz damit, dass der gemobbte den Arbeitsplatz räumt. In der Regel ist die Situation so verfahren, dass ein vernünftiges Miteinander nicht mehr möglich ist. Nur sehr selten werden vorgesetzte Mobber wirklich zur Rechenschaft gezogen. Wichtig ist es, aus dieser Situation ohne große eigene Schäden herauszukommen. Mit guter Beratung ist eventuell noch ein Schmerzensgeld und/oder eine Abfindung drin. Hier geht es dann nicht nur ums Geld, sondern zumindest ein Stück weit um die Genugtuung, dass auch die Gegenseite nicht ganz ungeschoren davonkommt.
19.05.2020 um 14:11 Uhr
Zitat (Challenger): "Zunächst einmal bleibt festzuhalten, das Dein Anwlt eine Flasche ist. Alles Weitere morgen."
Du kennst diesen Anwalt aus verschiedenen anderen Fällen? Oder worauf basiert Deine Erkenntnis?
Lia_, was sind Deine Erwartungen an den Anwalt?
- Soll er dafür sorgen dass das Mobbing am Arbeitsplatz aufhört? Wenn es bei Dir im Betrieb niemanden an entscheidender Stelle gibt der Dich unterstützt, dann wird er das nicht schaffen! (Und wenn es denjenigen gibt, wirst Du in aller Regel keinen Anwalt dafür brauchen)
- Willst Du dass er die Beendigung Deines Arbeitsverhältnisses gegen Zahlunge einer Abfindung erreicht?
- Willst Du Schadenersatz? Das ist in der Regel auch einfacher gesagt als tatsächlich erreicht, denn der Schaden muss sowohl von der Ursache, wei auch von der Höhe genau nachgewiesen werden.
Ich lese aus Deinem Beitrag dass Du das schon jahrelang mitmachst und heute langzeitkrank bist. Du hast Deine Gesundheit also schon ruiniert. Wenn Du ehrlich zu Dir selber bist, musst Du wahrscheinlich eingestehen dass Du das viel zu lange mitgemacht hast und schon viel viel früher hättest die Reissleine ziehen müssen. Und jetzt läufst Du Gefahr, nur weil Du ja schon so viel eingesetzt und verloren hast, noch mehr zu verlieren. Kann es denn noch eine Zukunft an Deinem Arbeitsplatz geben? Solltest Du nicht diese Geschichte möglichst schnell beenden um nach vorne schauen zu können?
Verwandte Themen
Hilfe Mobbing/Bossing !!!!!!!!!
ÄlterHallo Kollegen/innen Wir (unser BR) hat folgendes Problem: Ein "Leitender Angestellter" betreibt unserer Meinung nach "Mobbing/Bossing" mit einer unserer MA. z.B.: Er legt dem BR eine Liste mit Rek
Semianrteilnahme: Betriebliche Notwendigkeit, oder eine Behinderung der BR-arbeit oder Bossing
ÄlterIch bin neu im BR und soll per Beschuss an der Fortbildung BetrVG 1 (BR1) nächste Woche Montag teilnehmen. Dies wurde bereits in einem Fortbildungsplan auch per Beschluss dem Arbeitgeber vorgelegt. Di
Schadenersatz/Schmerzensgeld bei Bossing
ÄlterHallo, am 16.04.2019 um 10.30 Uhr findet im Saal 216 vor dem Arbeitsgericht Berlin die Verhandlung des ehemaligen BR-Vorsitzenden in Berlin gegen einen deutschlandweit vertretenden großen Immobilienk
Datenschutz, Bossing, Betriebsratsbehinderung oder Kündigung?
ÄlterHallo, wir sind ein Team aus 7 BR Mitgliedern, bis vor kurzen war noch alles im Rahmen. Wir hatten 2 E-Mail- Adressen eine von einem kostenlosen Anbieter die über einem https: Webmailer lief und eine
Bossing / Löschen von Emails / Drohung
Hallo Zusammen, ich habe einen Fall zu schildern, der meines Erachtens ein sehr schweres Vergehen ist. Dennoch hätte ich gerne Eure Meinung dazu: Der Vorgesetzte einer Mitarbeiterin aus HR hat während