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Wie kann ich wieder Ruhe in die Belegschaft bringen?

P
Pitter
Feb 2020 bearbeitet

​Ich bin 1-köpfiger BR und habe hier kürzlich einen längeren Thread verursacht, indem es um die Kündigung eines Mitarbeiters ging.

Wir sind hier nur mit knapp 15 Mitarbeiter/-innen und somit sehr klein.

Vor ein paar Monaten hat ein MA gekündigt, da er über Monate quasi von der GF zu einer Kündigung genötigt wurde. Erst vor ein paar Tagen sollte versucht werden, einen MA außerordentlich (also fristlos) zu kündigen... dann aufgrund versäumter Fristen aber doch ordentlich... und im Moment ist alles wieder offen.

Gestern hat ein weiterer Mitarbeiter seine Kündigung der GF mitgeteilt - u.a. deshalb, weil er den Umgang mit dem Personal nicht mehr ertragen kann und weil er auch die gesamte Firmenpolitik für falsch hält.

Durch meinen Einsatz als BR, hatte ich in der letzten Woche die fristlose Kündigung des einen Kollegen verhindert. Daraufhin stehe ich als BR jetzt extrem unter Beschuss, weil diese Kündigung nicht fristlos durchgeführt werden konnte, da ich nicht meine Zustimmung gegeben habe (und weil die GF Fristen versäumt hatte).

Nun wird mir ständig vorgeworfen, dass die GF "von mir enttäuscht sei", dass ich sie "hintergangen habe" und es kommen fast täglich irgendwelche Spitzen gegen mich. Erst vorgestern wurde mir vorgeworfen, dass ich als BR meine BR-Pflichten verletzt habe, indem ich Kolleg/-innen über die beabsichtigte Kündigung des MA informiert hätte. Dies klärte ich dann damit auf, dass ich der GF erklärte, dass der Mitarbeiter SELBST den Kollegenkreis informiert habe... aber zunächst wurde mal einfach eine Behauptung gegen mich aufgestellt.

Heute habe ich ein Gespräch mit der GF und deren Vertreter.

Darin möchte ich nun auch mal sagen, dass es wichtig ist, dass nun auch mal etwas Ruhe einkehrt, da viele MA verunsichert sind und natürlich auch Angst haben aufgrund der ganzen Kündigungs-Geschichten. Dabei ist es egal, WIE diese Kündigungen entstanden sind. Schon alleine DASS sie entstanden sind, bringt erhebliche Unruhe und Unsicherheit hier rein.

Was kann ich Eurer Meinung nach tun, um hier die GF "herunterzufahren" und zwar so, dass ich auch keinen Anlass für weitere Aggressionen gegen mich selbst gebe. Man muss bedenken, dass ich hier ja auch "normaler Mitarbeiter" bin und nicht nur BR.

Freue mich auf Eure Tipps.

Danke, Pitter

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Community-Antworten (18)

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Kjarrigan

06.02.2020 um 10:19 Uhr

  1. Mir scheint Dein Ag ist nicht richtig informiert. Gegen eine außerordentliche Kündigung kann der BR nur Bedenken äußern. Eine Zustimmungsverweigerung ist rechtlich nicht relevant. Der AG kann die außerordentliche Kündigung trotzdem aussprechen ohne die Zustimmung zu ersetzen. Ob Du dieses dem Ag aber mitteilen möchtest liegt in deinem Ermessen.
  2. In dem Gespräch würde ich dem GF mal erklären, dass es deine "Rolle" als BR und BRV ist die Kollegen zu unterstützen (oft sogar, obwohl du ganz persönlich vielleicht andere Ansicht bist) - Du hast sozusagen den "HUT" BR auf und versucht diese Rolle bestmöglichst zu spielen. Er als GF spielt doch auch seine Rolle (z.B. privat kann er ja durchaus Verständnis für die Sorgen / Probleme eines MA haben - die Geschäftslage oder andere Zwänge zwingen ihn aber den MA trotzdem zu entlassen) eben weil er der GF ist Letztlich ist ein BR so ein wenig wie ein Strafverteidiger, der einen Mandanten verteidigen muss, obwohl alle wissen, das der Mandant die Tat begangen hat und nun mal vertreten werden muss.
C
celestro

06.02.2020 um 10:35 Uhr

"Eine Zustimmungsverweigerung ist rechtlich nicht relevant. Der AG kann die außerordentliche Kündigung trotzdem aussprechen ohne die Zustimmung zu ersetzen. Ob Du dieses dem Ag aber mitteilen möchtest liegt in deinem Ermessen."

Der AG musste aber die Anhörungsfrist des BR abwarten und der BR hat diese nicht verkürzt. Bzw. der AG hatte die fristlose Kündigung dann abgeblasen.

Und genau das würde ich selbstbewusst dem AG mitteilen. Das ER die Sache verbockt hat.

P
Pitter

06.02.2020 um 10:56 Uhr

Danke Euch. Hier geht es aber jetzt eher um die Auswirkungen NACH dieser Aktion. In der Belegschaft existiert Unruhe und auch z.T. Ängste... Und im Moment ist alles, was ich als BR sage, für die GF ein Angriff und diese ständigen Unterstellungen bezüglich meiner Reaktion auf die geplante fristlose Kündigung hören ja auch nicht auf. Aber ich möchte das ganze natürlich nicht eskalieren lassen, denn das würde weitere Unruhe bringen.

LG Pitter

P
Pjöööng

06.02.2020 um 10:59 Uhr

Nicht so sehr über die Vergangenheit sprechen, sondern über die Zukunft.

"Was erwarten Sie dennin Zukunft von mir als Betriebsrat?" Allerdings sollte man dann auf die verschiedenen möglichen Antworten vorbereitet sein...

P
Pitter

06.02.2020 um 11:29 Uhr

...danke für die Antwort. Aber damit würde ich ja eher meinen "Hut" als BR abgeben, wenn ich ihr eine solche Frage stelle. Sie ist ja offenbar der Meinung, dass ich ihr gegenüber loyal sein muss. Und... was soll sie wohl von mir erwarten, wenn ich sie das so frage? Natürlich dass ich mehr in IHREM Interesse arbeite. Daher würde ich sicher eine solche Frage eher nicht stellen wollen :-)

LG Pitter

S
seehas

06.02.2020 um 11:47 Uhr

Ich kann durchaus die Frage stellen: "Was erwarten Sie von mir als BR?" Und dann klarstellen, dass der BR kein Organ der Geschäftsführung ist, sondern die Interessen der Beschäftigten vertritt, was nicht immer identisch sein muss. Wenn die GF vom BR "enttäuscht" ist, dann kann ich als BR damit leben. Wenn die Beschäftigten vom BR enttäuscht sind, dann macht mir das Sorgen.

P
Pjöööng

06.02.2020 um 12:18 Uhr

"Und... was soll sie wohl von mir erwarten, wenn ich sie das so frage? Natürlich dass ich mehr in IHREM Interesse arbeite."

"Meinen Sie wirklich dass das die Aufgabe des Betriebsrates ist? Wozu soll denn die Belegschaft einen Betriebsrat wählen, wenn dieser nur die Interessen des Arbeitgebers vertritt?"

Aber klar, Du kannst auch hingehen, Dir eine kalte Dusche abholen und wieder gehen. Ich würde versuchen die Gesprächsführung in die Hand zu nehmen.

P
Pitter

06.02.2020 um 13:07 Uhr

Danke Euch. Gespräch ist schon vorbei und ich hatte den "Hut" auf :-) Lief besser als erwartet und auch ohne weiteren Streit oder Vorwürfe. Aber Eure Empfehlungen waren hilfreich dabei...

Gruß, Pitter

D
DummerHund

06.02.2020 um 16:52 Uhr

@ Pitter Zum Schluss noch mal, weil du das Wort "Loyalität" erwähntest. Vor 25 Jahren, etwa ein Betrieb eurer Größe. ( Chef lud mich zu sich ins Büro ein(warum, wieso, weshalb weiß ich nicht mehr). Jedenfalls meinte er auch er erwarte ein gewisses Maß an Loyalität. Ich habe ihm nur gesagt: "Herr xy, sie machen monatl. ca. einen Umsatz von 25.000 DM Umsatz mit ihrem Betrieb, wobei meine genannte Summen fiktiv sind. Für sie und ihre Familie bleiben davon, damit sie ein schönes sorgenloses Leben führen können 10.000 DM über. Dafür müssen sie aber jeden Tag hier im Betrieb sein. Nu komme ich daher und biete ihnen 20.000 DM monatl. für sie und ihre Familie und sie können zu hause auf der Couch liegen bleiben...….. wo wäre ihre Loyalität ihren MA gegenüber." Ich erinnere mich nur noch das der Chef große Augen bekam, leicht rote Wagen bekam und ein bissl in seinem Ledersessel runter rutschte. Das Verhältnis zwischen uns ist bis heute hin noch so gut,(auch wenn ich mittlerweile ca. 500 km weiter weg wohne) da wenn ich dort in der nähe mal laden muss noch immer gerne gesehen bin und mit dem Truck dort übernachten und dessen Sozialräume nutzen kann. Was ich sagen will, begegne deinen Gegenüber auf Augenhöhe und er lernt dicht Wertschätzen. Denn nicht muss gleich immer alles Negativ sein.

P
Pjöööng

07.02.2020 um 12:04 Uhr

Von mir hätte es für dieses Ansinnen eine fristlose Kündigung gegeben!

D
DummerHund

07.02.2020 um 13:42 Uhr

Ist wohl auch eher nur in kleinen Betrieben (unter 20 MA) möglich, wo das Verhältnis Chef -MA noch ein ganz anderes ist/sein kann. ……….morgens Anschiss abholen und abends zusammen an der Theke stehen...……. ;-)

C
celestro

07.02.2020 um 15:32 Uhr

"Von mir hätte es für dieses Ansinnen eine fristlose Kündigung gegeben!"

Für welches Ansinnen?

D
DummerHund

07.02.2020 um 16:16 Uhr

@celestro

"Erstellt am 07.02.2020 um 14:32 Uhr von celestro "Von mir hätte es für dieses Ansinnen eine fristlose Kündigung gegeben!"

Für welches Ansinnen? "

Ich für mein Teil bin da jetzt mal von ausgegangen, das dies sich auf meine Anekdote bezog. Auch wenn mir in der Vergangenheit aufgefallen war das @pjöööng eigentlich zu vermeiden versucht in Threads wo ich mich Äußere auch zu schreiben.

C
celestro

07.02.2020 um 16:35 Uhr

Ich denke auch, das sich der Kommentar auf Deine Anekdote bezieht. Aber ich weiß auch absolut nicht, was für ein Ansinnen da drin stecken soll, welches man mit einer fristlosen Kündigung beantworten könnte.

D
DummerHund

07.02.2020 um 16:48 Uhr

Gottes Wege sind unergründlich ;-)

P
Pjöööng

07.02.2020 um 18:45 Uhr

Der Arbeitgeber verlangt von einem BRM "Loyalität" und dieser antwortet in einer etwas umständlichen Geschichte: "Chef! Loyalität ist käuflich!"

Kann man in Ordnung finden, muss man aber zum Glück nicht.

C
celestro

07.02.2020 um 22:33 Uhr

Es ist aber die Wahrheit. Und mich würde wundern, wenn ein Gericht eine fristlose Kündigung durchwinkt, nur weil der BR deutlich macht, das Loyalität käuflich ist.

D
DummerHund

07.02.2020 um 23:16 Uhr

@celestro

Gehen wir meinen Text doch noch mal durch:

"Chef lud mich zu sich ins Büro ein" Ich hatte nirgend wo was geschrieben das er mich als BR zu sich rief( war ich seiner Zeit noch nicht. Denke das war so 1993 rum).

Der eigentliche Grund betraf einen Kollegen von mir, der in meiner Kolonne war. "warum, wieso, weshalb weiß ich nicht mehr" und ich habe meinem Chef dann halt dies so an den Kopp geknallt. Hat aber unser gutes Verhältnis zu einander keinen Abbruch getan. Wir haben uns einer Zeit auch schon mal quer über drei Rolltore angeschrien und abends war wieder alles in Butter. War halt so in der kleinen Isolier und Aspahltbau Firma. Umgekehrt konnte der Chef aber auch genau so austeilen. Deshalb schrieb ich: "Was ich sagen will, begegne deinen Gegenüber auf Augenhöhe und er lernt dicht Wertschätzen. Denn nicht muss gleich immer alles Negativ sein. "

Alles andere ist hinein Interpretiert und ich weiß nicht was @pjöööng da gelesen hat.

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