W.A.F. LogoSeminare

Lohnrunde 2008 im Metallbereich - Wie kann der BR gegensteuern?

L
lan-kan
Jan 2018 bearbeitet

Die IG Metall hat bei uns zum Streik aufgerufen. Der Organisationsgrad ist bei uns recht hoch und als Automobilzulieferer haben wir in den letzten Tarifrunden auch immer wieder gerne unsere Streikbereitschaft demonstriert. Nachdem unserer Firma auch nicht gerade zu den kleinen in der Branche zählt war das auch recht effektiv.

Nun sollen wir wieder raus vor die Werkstore. Die Mannschaft will aber nicht. 8% mag für ein UNternehmen wie Siemens oder Daimler kein Problem sein uns wird es aber das Genick brechen. Wir kennen aus dem WA die Zahlen und es ist wirklich sehr kritisch bei uns. Da ist keine Luft mehr. Das wissen auch die Kollegen. Die letzten Monate hatten wir immer mächtig Dampf in den Abteilungsversammlungen weil die Leute einfach Angst um den Job haben.

Unser Gewerkschaftssekretär versucht nun Stimmung für die Lohnrunde zu machen und auch die IG Metallfraktion im BR ist sehr aktiv.

Können wir als BR hier die Bedenken der MA unterstützen. Wie können wir den Wahnsinn stoppen. Einen Streik überlebt unser Unternehmen wohl kaum und auch die Lohnforderungen sind jenseits von Gut und Böse. Wie können wir als BR aktiv werden?

4.22007

Community-Antworten (7)

R
Rapper22

11.11.2008 um 11:40 Uhr

Hallo lan-kan,

laut BetrVG hat der BR bei Tarifstreitigkeiten "die Füße still zu halten", also selbst nicht in den Arbeitskampf einzugreifen. Ihr könnt nur durch Gespräche oder Abteilungsversammlungen die Kollegen über die wirtschaftliche Situation informieren, damit sich alle ein Bild machen können. Ihr könnt die Kollegen dann auffordern, selbst zu entscheiden, was sie tun. Arbeit oder vielleicht Untergang.

MfG

Rapper22

P
pit47

11.11.2008 um 12:42 Uhr

Hallo lan-kan, ich stimme der Antwort von "Rapper22" zu, es muss jeder Kollege selbst entscheiden, ob er in den Streik tritt oder nicht. Aber ich gebe zu bedenken, ein Lohnverzicht bzw. keine Lohnerhöhung hat am Ende kein Unternehmen gerettet, es dient nur der Gewinnmaximierung der AG`s. Und ich denke, bei einer Forderung von 8% wird am Ende 4% herauskommen.

N
nordman

11.11.2008 um 13:01 Uhr

Ich sehe das genause wie Pit47. Wir machen das Spiel schon lange mit. Auch wir sind Zulieferer der Automobilindustrie. Sämtliche Aktionen der vergangenen Jahre wie unbezahlte Arbeitszeiterhöhung, Verzicht auf Sonderzahlungen bis hin zu kurzfristig angeordneten Betriebsruhen haben letztendlich nichts gebracht. Die aktuelle Krise trifft uns knüppelhart. Wir trennen uns gerade von Stammpersonal, weil keine Arbeit mehr da ist. Also der ganze Verzicht war umsonst. Deshalb stehe ich hier und heute voll und ganz hinter der Forderung von 8%. Wenigstens habe ich dann bis zu meiner Kündigung (die bestimmt bald kommt) gerechten Lohn für meine Arbeit bekommen.

L
lan-kan

11.11.2008 um 14:46 Uhr

die Mitarbeiter haben wir ja schon informiert. Die Banken haben massiv die Kreditlinien gekürzt. Wir haben auch schon gegengesteuert. Befristungen laufen aus, Leiharbeiter werden nicht weiter beschäftigt. Wir reden mit dem Arbeitgeber gerade über Altersteilzeit, Nutzung von AZ-Konten und Kurzarbeit.

In einer solchen Situation sind die Reden der Gewerkschaft wie von einem anderen Stern! Die Kollegn sind innerlich zerrissen da sie ja bewußt in die Gewerkschaft gegeangen sind. Ich zähle ja auch dazu. Nur es bringt uns nicht wenn bei uns gestreikt wird um die große Automobilindustrie zu beeindrucken. Die Kollegen dort haben dann vielleicht mehr Geld und bei uns läuft die nächste Welle der Rationalisierung.

Bei uns läuft die Zusammenarbeit mt dem AG recht gut und die Sache die Nordman beschreibt gab es bei uns nicht aber jetzt ist es leider sehr ernst. Was mich persönlich stört ist, dass die Gewerkschaft unsere Situation überhaupt nicht beachtet. Da ist man nur scharf drauf bei Daimler die Bänder anzuhalten weil keine Teile von uns mehr da sind. Das geht recht fix da wir just-in-time Module ans Band liefern.

Die Kollegen fragen schon bei uns an ob wir nicht die Gewerkschaft aus dem Betrieb werfen können. In der letzten Abteilungsversammlung kam der Vorschlag aus der Mannschaft der AG möge aus dem Verband austreten. Das lehnte dieser ab aber das zeigt doch was wir hier für ein Problem haben

Der Tarifvertrag ist sehr wichtig aber leider gibt es keine Basisdemokratie mit dem solche Forderungen aufgestellt werden. Es ist ein Wahnsinn was da passiert. Herr Huber redet ja gerne über die Gewinne der Großindustrie. Er hat Recht dass man hier die MA beteiligen muss. Aber nicht alle Firmen stehen so gut da.... Leider!

D
DonJohnson

11.11.2008 um 16:52 Uhr

Ein schwieriges Problem, aber auch stimme Nordmann zu. Ich kann mir auch nciht vorstellen, dass die IGM mit 8% durch kommt, ich persönlich gehe von 5% oder 4% mit Einmalzahlung aus. Ich weiß auch nicht warum die IGM bei euch in Ungnade gefallen ist. Wenn es euerm Betrieb nicht gut geht, warum tritt der AG dan nciht aus dem Verband aus? dann kann die IGM einen HTV mit im abschließen, der näher an euren direkten Möglichkeiten ausgehandelt ist. Außerdem denke ich, kann man mangelnde Basisdemokratie nciht vorwerfen. Ich weiß nciht wie es in deiner BR Arbeit ist, aber macht euer Gremium immer alles für jeden MA richtig? Oder sind die einen dafür und die anderen für was anderes? Für ein Kollektif einen richtigen Abschluß zu schaffen der alle glücklich macht ist nicht möglich. Und im jetzigen Tarifstreit ist es ebenso. Die IGM kann doch nciht weil es ein paar Firmen nicht so gut geht andere AN deshalb vernachlässigen und die schlechter da stellen. Aus diesem Grund ist es jedem AG überlassen aus seinen Verband auszutreten. Dann und erst dann kommt die IGM direkt zu euch und verhandelt mit ihm für euern Betrieb. Wenn euer AG das aus welchem Grund auch immer nciht möchte, will er vieleicht nur nicht alles auf den Tisch legen (reine Vermutung meiner Seits), oder er hat kene Lust mehr (auch reine Vermutung). Dass ihr als Zulieferer von Daimler interessant für einen Streik seid, ist doch klar. Dieses Just in time... Was erreicht der AG dadurch? Lager sind klein und Lager kostet Geld. Just in time hilft also Kosten zu sparen. Die Zulieferer werden teilweise massiv unter Druck gesetzt (wenn nicht beim Abgabetermin da, Konventionalstrafe usw). Aber das ist in meinen Augen jetzt mal Unternehmerrisiko und wenn er dadurch bestreikt werden kann, soll und muß die IGM das machen. Fazit von meinem geistigen Erguss: Vielleicht geht es euerm AG gar nciht so schlecht (sonst würde er aus dem AG Verband austreten wie so viele andere). Wenn es nach den AG geht, gibt es keine Lohnerhöhung sondern lieber 10% minus!

K
Konrad

11.11.2008 um 16:57 Uhr

@lan kan Ansichten klingen eher nach „Arbeitgebergetöse“ und unnötiger Panik, wer als BR davon redet aus dem Verband aus zutreten und sich von Gewerkschaften trennen möchte muss sich fragen wer dann für die Interessen der Belegschaft bei Lohn und Gehalt in Zukunft vertreten soll? Der BR ganz bestimmt nicht!!! Ein paar sachliche Fakten: Die Lohnforderung 8% wurde von den Mitglieder der IG Metall im Sommer demokratisch beschlossen Eine Forderung ist noch lange kein Abschluss, zumal IG M signalisiert hat, die Laufzeit zu verlängern könnte! Panik und Sorge um den Job ist ein schlechter Ratgeber, ein Verzicht und Stimmung gegen Gew., rettet keinen Arbeitsplatz! Auch bei uns sieht es seit kurzem nicht mehr gut mit Aufträgen aus, dennoch vertreten wir, dass unsere organisierten Leute (wenn sie wollen) auf die Straße für mehr Lohn gehen. Das betriebliche interne Problem kann man auch mit IG Metall in Form eines Sanierungs- TV lösen, wenn Arbeitgeber bedarf nachweisen kann.

D
DonJohnson

11.11.2008 um 18:23 Uhr

@ Konrad Besser kann man es nicht ausdrücken!

Respekt

Ihre Antwort