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Kündigungsfristen bei Eigenkündigung

P
pummelfee
Aug 2019 bearbeitet

Liebe Forum-TeilnehmerInnen, ein Kollege aus dem Betriebsrat möchte nach jetzt 5 Jahren zügig das Unternehmen verlassen. In seinem Vertrag steht eine Kündigungsfrist von 6 Wochen zum Quartalsende. Nach einem Blick in BGB § 622 "Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen", kamen wir zunächst zu dem Schluss, dass die Frist (wir haben keinen Tarifvertrag) 4 Wo zum Monatsende bzw. zum 15. sein müsste, die Vereinbarung im Arbeitsvertrag also zu nachteilig für den Kollegen ist. Aber mitnichten, nach Rechtsauskunft muss der Kollege (verhandeln geht natürlich immer) sich an die Frist halten. Warum gibt es den 622 dann eigentlich? Beziehungsweise, heisst das, das individuelle Fristen unbeschränkt vereinbart werden können?

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Community-Antworten (11)

C
celestro

23.08.2019 um 15:35 Uhr

So eine Frist ist ja normalerweise keine Einbahnstrasse. Mag JETZT für ihn negativ sein, aber hätte ihn der AG gekündigt, würde er es sicher nicht toll finden, wenn der AG ihn schneller los werden wollen würde. ODER?

P.S. Außerdem sollte man den § mal bis zum Ende lesen. Sprich durch TV dürfen andere Fristen vereinbart werden ... und einzelvertraglich darf die Frist NICHT kürzer werden. Im Umkehrschluss aber eben halt auch länger.

P
Pjöööng

23.08.2019 um 15:39 Uhr

"Warum gibt es den 622 dann eigentlich?"

Gegenfrage: Warum gibt es das Mindestlohngesetz eigentlich? Wenn doch jeder Arbeitgeber auch mehr zahlen darf?

Der § 622 BGB gilt vor Allem dann, wenn nichts vereinbart wurde und er setzt auch Schranken für Vereinbarungen. Er schützt insbesondere den Arbeitnehmer davor, von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt zu werden.

R
RoterFaden

23.08.2019 um 17:04 Uhr

Sofern im Arbeitsvertrag keine Klausel steht in der Art wie "im übrigen richten wir uns nach dem Tarifvertrag xy" (auch wenn das Unternehmen von Haus aus nicht Tarifgebunden ist), sollte der Kollege die Karte "Günstigkeitsprinzip" ziehen können und darf mit der kürzeren Frist ausscheiden. Evtl. bei der Gewerkschaft nachfragen...

S
seehas

23.08.2019 um 17:15 Uhr

Es ist ohne Probleme möglich im Arbeitsvertrag andere Fristen zu vereinbaren. Die gelten dann auch. das einzige was nicht gilt ist wenn der AN eine längere Frist einhalten muss als der AG.

P
Pjöööng

23.08.2019 um 17:17 Uhr

Da ist nix mit "Günstigkeitsprinzip", da die gesetzliche Regelung ja die Vereinbarung längerer Kündigungsfristen zulässt.

P
pummelfee

23.08.2019 um 17:58 Uhr

Vielen Dank für die Antworten. Unser Denkfehler war wohl: längere Kündigungsfristen für Arbeitnehmerkündigungen können nur im Tarifvertrag vereinbart werden.

Habe ich das nun richtig verstanden: Längere Fristen sind möglich, aber maximal analog zu den Fristen für Arbeitgeberkündigungen (in unserem Falle bei ca 5 Jahren Betriebszugehörigkeit, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats?

P
paula

23.08.2019 um 18:09 Uhr

Dazu §626 Abs. 6 BGB. Da ist keine Begrenzung durch TV drin. Daher kann das auch individualvertraglich geregelt werden

C
celestro

23.08.2019 um 18:16 Uhr

"Längere Fristen sind möglich,"

richtig!

"aber maximal analog zu den Fristen für Arbeitgeberkündigungen (in unserem Falle bei ca 5 Jahren Betriebszugehörigkeit, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats?"

Verstehe ich nicht! Es darf länger sein, als dort steht. Nur wäre es nicht in Ordnung, wenn die Frist für den AG (um den AN zu kicken) dann länger ist, als die Frist, mit der der AN dann ausscheiden darf.

P.S. Wobei eine Frist von 10 Jahren ggf. vor Gericht auch keinen Bestand hätte.

G
ganther

23.08.2019 um 19:52 Uhr

Und das verstehe ich jetzt nicht. Geht es auch verständlicher?

L
Levent

25.08.2019 um 02:14 Uhr

Levent Gümüşpala

X
XYZ68

26.08.2019 um 10:31 Uhr

Solange die Fristen für die Arbeitgeberseite nicht kürzer als für die Arbeitnehmerseite sind und die Mindestfrist nicht unterlaufen werden, kann es im Arbeitsvertrag so vereinbart werden. Und ja, man sollte es nicht glauben, aber auch Arbeitnehmer müssen sich an Verträge halten. Im Zweifel kann man immer noch einen Aufhebungsvertrag anstreben.

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