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Chef wird in Einzelgesprächen ausfallend / Teilzeit arbeitende Mutter

W
Wedel
Jan 2018 bearbeitet

Mindestens ein Mal im Jahr finden Einzelgespräche zwischen der GL und den Mitarbeitern (ca. 60), statt.

Wie soll man reagieren, wenn in diesen Einzelgesprächen sich einer der GL nicht mehr im Griff hat, d. h. ausrastet, ausfallend und unsachlich wird.

Das ist schon mehrfach vorgekommen und ich habe es selber vor Kurzem in meinem Gespräch erlebt.

Ich habe vor meiner Elternzeit Vollzeit gearbeitet, arbeite seit September 2005 wieder in der Firma (über 13 Jahre), bin also eine in Teilzeit arbeitende Mutter und zudem im BR. Die Firma wollte mich nicht wieder nehmen und mir eine Abfindung zahlen. Ich blieb aber hartnäckig und habe auf meinen Job bestanden.

Es ging in diesem Gespräch um meine Krankheitstage bzw. um die meines Sohnes. Mein Sohn erkrankte in meiner Elternzeit an Leukämie und hat dadurch keine Infekte durchmachen können wie ein gesundes Kind. Diese holt er durch den Kindergarten jetzt nach und muss daher aufgrund von Krankheit auch mal zu Hause bleiben. Der Vater und ich leben zusammen, er hatte mir im letzten Jahr seine 10 Tage bei Krankheit des Kindes schon übertragen müssen, weil ich mit meinen 10 Tagen nicht mehr ausgekommen bin.

In diesem Gespräch mit der Geschäftsleitung warf man mir vor, mein Sohn wäre 20 Tage krank, dann bin ich auch noch krank und habe noch 30 Tage Urlaub, würde ich schon ein viertel Jahr in der Firma fehlen.

Mein Chef wurde regelrecht ausfallend, so dass ich nur noch geweint habe.

Nach diesem Gespräch fühlte ich mich als in Teilzeit arbeitende Mutter diskriminiert, eingeschüchtert und genötigt, meinen Sohn trotz Kranksein, in den Kindergarten gehen zu lassen.

Muss man sich das gefallen lassen und welche Möglichkeiten habe ich, mich dagegen zu wehren?

Mein Chef macht übrigens keinen Hehl daraus, dass er Kinder und Teilzeit arbeitende Mütter ablehnt.

9.005021

Community-Antworten (21)

H
harald

25.02.2007 um 19:55 Uhr

regelmäßige einzelgespräche unterliegen der mitbestimmung man könnte eine bv machen in der geregelt ist was besprochen wird, daß der br anwesend ist usw. in deinem fall könntest du ein genaues gedächtnissprotokoll des gespräches schreiben. macht der cheff öffentlich kund daß er frauen mit kindern ablehnt könnte man das agg anwenden. am besten gehst du mal zu deiner gewerkschaft und lässt dich beraten. das problem sprengt m.e. den rahmen des forums.

K
Kölner

25.02.2007 um 20:46 Uhr

@harald Die Gewerkschaft wird hier kaum helfen...und Dein viel zitiertes AGG ist m.E. eine völlig verfehlte Empfehlung.

@Wedel Es ist zweifelsohne schlimm, was Dir privat und beruflich widerfahren ist und aktuell geschieht. Und dennoch - auch wenn Du mich jetzt steinigst - es wird dringend nötig sein, dass Du Dir ein dickeres Fell zulegst. Genau genommen beklagt Dein Chef Deine Fehltage. Nicht mehr und nicht weniger. Das kann man jetzt emotional beschissen finden oder auch nicht. Aber - ernsthaft - was kann Dir denn geschehen?

P
paula

25.02.2007 um 21:12 Uhr

@harald

so einmal im Jahr wird doch der Chef mit seinen MA reden dürfen ohne, dass das gleich mitbestimmungspflichtig wäre. Man könnte es auch Führung nennen!!!

@wedel wie ist denn Deine eigene Fehltagesituation? Vielleicht ist das der Stein des Anstosses. Um den Druck herauszunehmen könnte ja auch Dein Mann sich mal "Kindkrank" melden. Sicher bis dazu gesetzlich nicht verpflichtet, aber wenn die mit der Situation mit Deinem Chef schlecht umgehen kannst wäre das ja evtl. auch ein Ausweg.

Du könntest evtl. noch eine offizielle Beschwerde beim BR machen. Aber wird das bei der Ausgangssituation etwas bringen? Du kennst Euren Betrieb und Euren BR schließlich am Besten

W
wedel

25.02.2007 um 21:23 Uhr

@paula Das Problem ist, dass mein Mann in derselben Firma (aber in einem anderen Bereich) in Vollzeit arbeitet und es von der GL ausdrücklich gewünscht wurde, wenn unser Kind krank ist, ich als Teilzeitkraft zu Hause bleiben soll.

P
paula

25.02.2007 um 21:29 Uhr

@wedel

wenn das so ist, dann würde ich dieses Entgegenkommen aber auch dem Chef in der Auseinandersetzung aufzeigen

W
wedel

25.02.2007 um 21:44 Uhr

@paula

Das interessierte die GL herzlich wenig.

Ich bin außerdem in der Firma die erste Mitarbeiterin, die nach der Elternzeit dort wieder angefangen hat, zu arbeiten.

Mittlerweile sind 2 Kolleginnen in der Elternzeit, die werden genau das gleiche Problem haben...

F
Fayence

25.02.2007 um 22:11 Uhr

wedel,

ich vertrete schon den Standpunkt, dass es einem Vorgesetzen generell möglich sein muss, ein 4 Augengespräch mit seinen Mitarbeitern führen zu können!

Wenn jedoch eine solche Gesprächssituation an der Tagesordnung ist, würde ich ein BRM meines Vertrauens zu diesem Gespräch hinzuziehen! Es dürfte doch mit Sicherheit um einen, der unter §81 oder §82 BetrVG benannten Inhalte gehen oder etwa nicht?

W
wedel

25.02.2007 um 22:28 Uhr

@Fayence

Ich möchte erst mal klarstellen, dass ich grundsätzlich dafür bin und es auch wichtig finde, dass die GL Gespräche mit den Mitarbeitern führt.

Es war allerdings kein 4-Augengespräch sondern ein 6-Augengespräch (wir haben 3 GL), 2 GL waren bei diesem Gespräch.

Das ein Gespräch stattfindet, wird dem jeweiligen Mitarbeiter erst paar Minuten vorher mitgeteilt (Taktik von der GL?). Die GL kann sich gut vorbereiten, der Mitarbeiter nicht.

M
Mona-Lisa

25.02.2007 um 22:32 Uhr

@wedel, ist ne beliebte Taktik von verschiedenen AG's... Was hindert allerdings einen Mitarbeiter, nach dieser Einladung, die sehr wahrscheinlich telefonisch erfolgt, umgehend den BR anzurufen und ihn zu bitten, an diesem Gespräch teilzunehmen?

S
sphinx

25.02.2007 um 22:32 Uhr

Hallo Wedel,

Deine Situation ist schwierig. Du hast 2 Möglichkeiten, entweder du gehst deinen Weg weiter, d. h. du hast dich beim Erhalt deiner Stelle schon durchgesetzt und bist BR
oder du lässt dich durch diesen be...##....... Vorgesetzten zum Aufgeben bewegen....

Tu ihm bitte nicht den Gefallen! Bereite dich auf seine Ausfälle vor und bedenke ,auch wenns schwerfällt,...lächeln ist die beste Art jemandem die Zähne zu zeigen.

Er kann dir nichts, aber schreib schön demonstrativ auf , was er sagt und nimm jemand mit...

Achja... dein Sohn ist natürlich das Wichtigste und geht immer vor..

Alles Gute!

W
wedel

25.02.2007 um 22:43 Uhr

@Mona-Lisa

Ja, die Einladung erfolgte telefonisch. Wir hatten letzte Woche eine BR-Sitzung und haben das natürlich auch angesprochen. Ich bin ja nicht der einzige Fall, anderen Kollegen geht es ebenso. Man hört es nur hinterher, was so alles von der GL losgelassen wurde. Es bleibt ja auch jedem frei, einen BR zu diesen Gesprächen hinzuzuziehen.

Wir haben in dieser Sitzung abgemacht, dass, wenn wieder ein Gespräch mit mir geführt wird, ich meine Kollegin (auch im BR) hinzuziehen werde.

@sphinx

Meine Situation ist schwierig, aber ich habe ausdauernd um die Wiedereinstellung gekämpft und gebe nicht auf.

Vielen Dank für die lieben Worte :-)!

F
Fayence

25.02.2007 um 22:50 Uhr

wedel,

noch ein Grund mehr ein solches Gespräch, in welchem es doch z.B. um die Beurteilung der Leistungen etc. pp gehen wird, unter diesen Vorraussetzungen NICHT alleine führen zu wollen!

Es wäre jedoch wichtig, sich mit dem hinzugezogenen BRM im Vorfeld abgesprochen zu haben, dass das BRM das Gespräch im Falle einer Entgleisung stellvertretend für den Mitarbeiter abbricht!!!Eine solche Vorgehensweise sollte im Vorfeld innerhalb des Gremiums erörtert werden!

L
Lotte

26.02.2007 um 09:01 Uhr

wedel, wenn es grundsätzlich Schwierigkeiten mit der GL in MA Gesprächen gibt, wäre es vielleicht auch nicht schlecht, wenn sich der BR einmal in diese Richtung schulen lassen würde?

F
Fayence

26.02.2007 um 09:48 Uhr

Lotte,

an welche Richtung denkst Du denn und an welche Schulung (für das gesamte Gremium?)?

L
Lotte

26.02.2007 um 10:07 Uhr

Fayence, das müsste man schon gut verpacken...;-)

-Kommunikation in der Betriebsratsarbeit -Gesprächs- und Verhandlungsführung für einzelne und -Coaching des Gremiums für alle (hier hilft sicher der jeweilige Anbieter bei der Themenfindung)

B
Bergmann

26.02.2007 um 10:18 Uhr

@ Lotte ,

vielleicht als Ergänzung --

-Erziehung schwieriger Vorgesetzte -Mobbing/Bossing -Abhärtetraining für BR´s -Einzelkämpferausbildung für BR´s

K
Kölner

26.02.2007 um 10:20 Uhr

@all Eher und sinnvoller - wenn der Vorgesetzte sich daruf einlässt: Mediation!

L
Lotte

26.02.2007 um 10:22 Uhr

Kölner, hört sich nicht so an, als ob der AG von wedel für so etwas offen wäre.

Wenn doch, würde ich dem AG ja vorschlagen, dass er selbst mal solch eine Ausbildung macht, dann hätte sich das Thema wohl auch erledigt ;-))

F
Fayence

26.02.2007 um 10:23 Uhr

Kölner,

möchtest Du eine neue Karriere als Mediator starten?

B
Bergmann

26.02.2007 um 10:27 Uhr

@ Kölner ,

erzähl mal wie du als Mediator das machen würdest

--beim intoleranten Chef --beim verwirrten BR

K
Kölner

26.02.2007 um 10:31 Uhr

@Fayence Ich und Mediaton? Da hätten harald, Heini und taunus sicherlich kein Verständnis für... :-)

@all Wenn man sich die Mediationsrichtlinien mal ansieht, könnte eine Mediation des BR auch eine Art "coaching" für selbigen sein. Dann könnte wedel vielleicht adäquater reagieren.

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