Interessenskonflikt - wie handhabt ihr das?
Es wird eine Sekretärin (Fr. Mai) eingestellt. Am 02.02. tritt Fr. Mai ihre Stelle an. Der BR wird nicht informiert. Am 09.02. in der Sitzung stellen wir fest, dass sich eine "fremde Person" (Fr. Mai) im Unternehmen befindet. Betriebsrätin Fr. Sommer, die eine direkte Kollegin von Frau Mai ist, sagt, sie kennt diese Frau nicht, kann keine Infos geben. Am 21.02. fällt einem anderen BR-Mitglied die Bestellung vom 01.02. an eine Zeitarbeitsfirma in die Hände; Fr. Sommer hat die Bestellung gemacht - Gegenstand der Bestellung: Sekretärin (Fr. Mai).
Was hättet ihr von Fr. Sommer erwartet ?
Danke im voraus - bin gespannt! Grüße von taubenblau
Community-Antworten (15)
22.02.2007 um 15:23 Uhr
Ich hätte von frau Sommer nichts anderes erwartet, wie das was jetzt auch passiert ist.
Eine Sekretärin hat eine Vertrauensstellung gegenüber ihrem Vorgesetzten. Es wird ihr sehr schwer fallen über Arbeitsinterna gegenüber dem BR Auskunft zu geben ohne in einen gewissenskonflikt zu kommen.
Der BR hat es doch gar nicht nötig diese Informationswege zu nutzen. Offizielle Anfrage an den AG und fertig und die sekretärin ist außen vor und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben.
22.02.2007 um 15:40 Uhr
@RamsesII
das natürlich auch :-)))) aber vielleicht hat sie das und der Chef ist ein bekennender Ignorant....
22.02.2007 um 15:57 Uhr
hallo ihr beiden, danke für die antwort. klar ramsesII - info an den vorgesetzten, er soll einreichen. das wollten die aber bewusst nicht. somit hat paula nicht unrecht: ignorant.
was mich so wütend macht, ist das massive abstreiten. ein hinweis, man habe ja schließlich einen job ... (das versteht doch auch wirklich jeder) oder sonst irgendwie eine bemerkung - das hatte ich persönlich mir erwartet.
statt dessen ein anlügen der andren BR-Mitglieder ??!
das ist doch genau das, was der AG sich wünscht ... ein Gremium, dass nicht mal untereinander ehrlich ist ??
22.02.2007 um 16:08 Uhr
@taubenblau, solche und ähnliche "Gewissenskonflikte" gibt's wahrscheinlich mehr als man denkt....
Betriebsrätin Fr. Sommer und Angestellte Fr. Sommer... Sie hatte sicherlich das Problem, wem sie Vorrang gibt...
NUR! Ein interninterner 4 - Augen - Hinweis zur rechten Zeit an den BRV hätte ihr so einige Peinlichkeiten erspart!
22.02.2007 um 16:21 Uhr
@taubenblau
Ich kann Deine Verärgerung absolut verstehen. Aber was gerade passiert ist in meinen Augen schlimmer als die von dir genannte "Unehrlichkeit". Ihr habt jetzt ein Vertrauensproblem. das wir Euch aber noch öfters passieren. Wir haben z.B. einen Mitarbeiter der Personalabteilung und einen Mitarbeiter unser Organisationstruppe im BR. wir würden die nie nach Personalsachen oder geplanten Umstrukturierungen fragen. Die können uns keine Antwort geben. Und ob sie das unter 4 Augen machen??? Wohl eher nicht, da sie keinen Anschein erwecken wollen, dass auf diesem Kanal etwas läuft. Die beiden hätten dann das Problem, dass die Vorgesetzten sie aus allen nur halbwegs kritischen sachen herausnehmen und sie eigentlich den Job nicht mehr ausfüllen können.
Die Sekretärin ist hier in einer nicht zu beneidenen Position. Habt ihr vielleicht schon mal mit Ihr gesprochen wie sie sich bei der Frage aus dem Gremium gefühlt hat? Vielleicht würde es ja helfen wenn man das einmal unter 4 Augen oder auch im Gremium thematisiert und das klar gestellt wird, dass in einem solchen Konflikt es ok ist wenn man schweigt und der offizielle Weg an die GL hier der einzige Ausweg ist.
22.02.2007 um 17:06 Uhr
@taubenblau
Ich frage mich, was sich solche Mitarbeiter/innen denken, wenn Sie sich zur BR Wahl aufstellen lassen ? Der Interessenkonflikt ist doch vorprogrammiert. Solche Personen sollten das BR Mandat besser sein lassen.
In Einzelfall ist zu klären, was denn wirklich „geheim“ ist und was nicht.
Wir haben auch im BR Mitglieder die arbeiten in „Vertrauensstellungen“ als Controller und Administrator. Wir nutzen auch den legalen offiziellen Dienstweg, aber wenn oben eine Sache vollkommen daneben geht, weiß BRV zu mindest Bescheid.
22.02.2007 um 17:44 Uhr
@konrad
Es handelt sich um eine Gradwanderung. Ich würde diesen Personen aber nicht gleich Nahelegen wollen, dass sie sich nicht aufstellen lassen.
Ich denke jetzt mal an unsere zwei Kandidaten. Die kriegen das sehr gut hin, da klar ist, dass die über die Internas nichts Richtung BR spielen. Das ist akzeptiert im Gremium da offen damit umgegangen wird. Das interessante an der Sache ist aber dass diese MA ein Fachwissen und Gespür mitbringen dass viele BR-Kollegen nicht haben. Diese Kollegen sind auch sehr hilfreich wenn es darum geht Zusammenhänge zu erkennen. Wir als Gremium wollen sie wirklich nicht missen. Es muss aber klar sein, wie sie ihre Rolle sehen
23.02.2007 um 11:12 Uhr
@paula
Zitat: "Ich hätte von frau Sommer nichts anderes erwartet, wie das was jetzt auch passiert ist."
Mir würde da wie taubenblau der Kragen platzen!
Ich denke in so einem "Weichei" BR Gremium kann man wirklich nicht viel erreichen, das drückt sich aus an deinen sicherlich rechtlich korrekten Antworten aus, deshalb lehnst du auch alternative Handlungsmöglichkeiten immer ab. Die gibt es !
Entweder bin für eine Sache BR-Arbeit voll und ganz oder lasse es sein.
Wir haben im Gremium seit der letzten Wahl auf solche Bewerber durch intensive Gespräche bewußt verzichtet, alle BR Mitglieder sind in der Gewerkschaft, wir haben durch den neuen geradlinigen Kurs die Tarifbindung wieder erreicht!!
Bitte nicht persönlich nehmen. Gruß Konrad
23.02.2007 um 11:26 Uhr
@Konrad
Das nehme ich nicht persönlich, denn ich denke jeder muss hier seinen Weg finden.
Interessant finde ich die Aussage zu Deinem Gremium. Alle auf Linie gebracht und der gradlinige Kurs ist eingeschlagen. Ich habe hier ein anderes Verständnis von BR-Arbeit. Es handelt sich schließlich um einen demokratischen Prozess und das spannende ist doch gerade auch unterschiedliche Fraktionen im Gremium zu haben. Eine Belegschaft ist eigentlich nur im äußersten Fall homogen und die Unterschiede in den Reihen der Beschäftigten sind doch gerade das Schöne.
Was soll aber heißen:
"... im Gremium seit der letzten Wahl auf solche Bewerber durch intensive Gespräche bewußt verzichtet..."
Wie verzichtet man auf solche Bewerber? Ich dachte es könne sich hier jeder zur Wahl stellen oder habt ihr die Wahl beeinflußt ... wehe wenn so was ein AG macht... finde ich nicht korrekt wenn es das ist an was ich jetzt denke!!
23.02.2007 um 19:47 Uhr
@paula "Wie verzichtet man auf solche Bewerber?" Na so wie es jede demokratische Fraktion ganz legal macht, man spricht potienzielle Kollegen/-innen an, die in das Gremium passen, die sich an Betriebsversammlungen trauen was zu sagen. Andere melden sich sowieso nicht, und eine Person aus dem Umfeld der GL von der wir schon wußten, dass Sie "vorgeschickt" wurde, haben wir das mit dem oben erwähnten Interessenkonflikt klar und deutlich in Gesprächen, davon überzeugen können, sich besser nicht aufzustellen. Bei uns gibt es auch unterschiedliche Meinungen aber wir brauchen wirklich keine "GL- Fraktion" oder sogenannte "freien Betriebsräte"AUB, die einen "Schmusekurs" oder "Angst und Sorge BR" die meist nur dir Interessen der GL vertreten..
23.02.2007 um 19:54 Uhr
@Konrad Es ist schon sehr bedauerlich - um nicht zu sagen: verwerflich - mit dem roten Aushängeschild "Gewerkschaftsmitglied" andersdenkende Menschen aus dem Gremium BR herauszuhalten. Nimmt man es ganz genau, so könnte man gar von "BR-Inzucht" oder Wahlmanipulation bei Euch reden. Ich bin mir aber fast sicher, dass Du das nicht gemeint hast!
23.02.2007 um 20:08 Uhr
Konrad,
ich empfinde Deine Haltung ebenfalls als ziemlich bedenklich! Ob ein BRM Rückgrat hat oder nicht, hängt doch nicht von der innehabenden Position ab! Ich kenne leider auch BRM in "nicht leitender" Position, die ihr Fähnlein nach dem Winde oder vor allem nach ihrem Eigeninteresse ausrichten!
Im Vergleich zu denen, gehen unsere BRM, die in verantwortlicher Position und nah der GF tätig waren oder noch sind, wesentlich verantwortungsvoller mit ihrem BR-Mandat um!
23.02.2007 um 21:19 Uhr
@Konrad
Ich finde es interessant, dass Du das Wort "demokratisch" in den Mund nimmst. Demokratie lebt von der Pluralität und genau das versucht ihr auszuschalten. Mein Weg wäre das nicht aber anscheinend ist er bei Euch im Betrieb machbar.
Ich kenne auch Betriebe in denen das so gelebt wird. Aber ich kenne einige wo genau diese Position dazu geführt hat, dass sich eine starke Opposition im Betrieb gebildet hat und die Gewerkschaftsfraktion weg vom Fenster war.
Ich war auch gewerkschaftlich engagiert und schon einiges gesehen. Wir für unseren Betrieb haben erkannt, dass der GL auch Partner sein. Ohne das Vertrauen was die GL in uns hat und wir in die GL hätten wir vieles nicht bewegen können. Wenn man wirklich Betriebspartner ist kann man viel erreichen für die Mitarbeiter und das Unternehmen. dazu gehört natürlich ein AG der das auch so sieht und der Verantwortung für seine MA übernimmt.
Aber ich glaube das ist nicht Deine Welt und Du verstehst mich jetzt auch nicht so richtig. Wahrscheinlich sind wir genau so ein Gremium wie Ihr nicht sein wollt.
23.02.2007 um 22:52 Uhr
Danke für die Antwort an @Kölner, @Fayence, @Paula, das Forum lebt von der Vielfalt der Meinungen, insofern ist Eure Ansicht auch Ok.
Bei uns wechselt der Geschäftsführer öfters, die Geldgeber wollen nur Rendite sehen, sonst nichts!! @Kölner wir laufen nicht mit dem „roten Aushängeschild“ durch den Betrieb, die kommen alle von Alleine. Tatsache ist wir brauchen die Gewerkschaft und die Beratung leider oft. Ich wiederhole mich: wir haben mit deren Hilfe den Tarifanschluß wieder geschafft. Es ist vollkommen legitim mit BR Kandidaten die vor und Nachteile eines BR Mandants zu besprechen. Bedenklich halte ich vielmehr wenn „Kandidaten“ der GL vorgeschickt werden, die bisher immer gegen BR waren. Das ist Wahlmanipulation. @Fayence: bei uns herrscht ein rauer Wind, da braucht man Rückrat. @paula: Die GL ist zur Zeit kein guter Partner im Sinne der „vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Wir würden das uns wünschen, aber erpressen, lassen wir uns nicht, von „Betrieblichen Bündnissen“ nur zu Lasten der Belegschaft machen wir nicht mit. Bei uns sind die AUB´s und „freien BR“ ALLE der Gew. beigetreten, weil eben von deren „Vertreter“ in dieser Sache Null und Nichts kam. Einen Streik dürfen nur eben Gew. organisieren und sonst niemand. Gruß Konrad
23.02.2007 um 23:19 Uhr
"Einen Streik dürfen nur eben Gew. organisieren und sonst niemand."
Konrad,
dann seid Ihr hoffentlich auch in der Lage zwischen dem Mandat als BRM, Eurer Eigenschaft als Gewerkschaftsmitglied und dem Streikrecht einer Gewerkschaft ganz sauber unterscheiden zu können!!! Der §74 BetrVG lässt grüssen!
Und Deinen Vorwurf einer "Wahlmanipulation" , naja, ich erspare mir dazu einen Kommentar! Da lasse ich lieber die Vielfalt anderer Meinungen gelten.
Gruß Fayence
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