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Minus-Stunden

BX
Brainy X
Jun 2018 bearbeitet

Ich bin seit 30 Jahren bei einem kirchlichen AG beschäftigt, und habe dort einen unbefristeten Arbeitsvertrag von 30 Stunden wöchentlich. Nach einer Beurlaubung bin ich nun wieder im Betrieb, wurde jedoch einer anderen Abteilung zugewiesen. Ich habe erst jetzt (nach 4 Wochen) erfahren, dass ein Arbeitszeitkonto geführt werden soll und dort bei niedriger Auftragslage Minusstunden anfallen werden, die später nachgearbeitet werden müssen. Mein “alter” Vertrag lautet auf 30 Wochenstunden, die ich auch bereit bin zu arbeiten. Ich bin jedoch nicht bereit, phasenweise Vollzeit zu arbeiten. Eine Änderung zu meinem alten Vertrag habe ich bisher nicht erhalten. Sind Minusstunden erlaubt? Was kann ich tun?

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Community-Antworten (7)

C
celestro

03.06.2018 um 18:20 Uhr

eine solche Änderung würde Deine Zustimmung erfordern, sofern Sie rechtlich überhaupt zulässig ist (hier soll das Risiko der schwankenden Auftragslage komplett auf Dich abgewälzt werden)

S
samira

03.06.2018 um 19:42 Uhr

Gabt ihr eine Mitarbeitervertretung? Die solltest Du fragen.

BX
Brainy X

03.06.2018 um 21:29 Uhr

Ja, es gibt eine MAV. Bezüglich der Arbeitszeitkonten soll es wohl zu einer Dienstvereinbarung kommen, diese gibt es noch nicht. Für mich stellt sich die Frage, ob ich dieser überhaupt zustimmen müsste. Zu meinem Fall (alter Dienstvertrag) konnte ich bisher noch keine Auskunft bekommen.

G
Giftzwerg

03.06.2018 um 22:30 Uhr

BAG, 13.12.2000 - 5 AZR 334/99 - dejure.org

[27] (2) Durch die Ermöglichung eines negativen Zeitkontos wird auch gegen bestehende tarifliche Regelungen nicht verstoßen. Wenn die Arbeitnehmer weniger als die tariflich vorgesehene Wochenarbeitszeit leisten, gleichwohl aber auf deren Basis vergütet werden, stellt dies für sie zunächst einen Vorteil dar. Wird dieser Vorteil später dadurch aufgezehrt, daß die Arbeitnehmer im entsprechenden Umfang ohne zusätzliche Vergütung länger als die tarifliche Wochenarbeitszeit arbeiten, liegt darin keine tarifwidrige Benachteiligung. Der ursprüngliche Vorteil wird vielmehr lediglich ausgeglichen. Die Situation wird auf den tariflichen Regelzustand zurückgeführt.

[28]Notwendige Voraussetzung für das Ausbleiben einer tarifwidrigen Schlechterstellung ist allerdings, daß die Arbeitnehmer selbst über die Entstehung und den Ausgleich eines negativen Kontostandes entscheiden können. Dies betrifft sowohl die Entscheidung darüber, ob überhaupt ein negatives Guthaben entstehen soll, als auch darüber, wann und wie es ggf. ausgeglichen werden soll. Könnte dies der Arbeitgeber bestimmen, würde gegen den Anspruch der Arbeitnehmer auf Einhaltung der tariflichen Wochenarbeitszeit unter Vergütung jeder geleisteten Arbeitsstunde verstoßen.Im übrigen unterliegt die Ermöglichung eines negativen Zeitguthabens gem. § 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG der Mitbestimmung des Betriebsrats.

P
paula

04.06.2018 um 01:50 Uhr

man sollte aber bedenken, in welchem Zusammenhang dieses Urteil ergangen ist. Ansonsten finde ich eine Aussage über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen des AGs ohne Kenntnis des Arbeitsvertrages, des geltenden Tarifvertrages und sonstiger Vereinbarungen schon sehr gewagt....

Ich würde mal einen Anwalt oder den Rechtsschutz der Gewerkschaft befragen

H
hansimglueck

04.06.2018 um 09:50 Uhr

Einer Dienstvereinbarung musst du nicht zustimmen. Sie gilt - wie ein Gesetz im Betrieb.

C
Challenger

04.06.2018 um 13:30 Uhr

Wenn Ihr unter das Bundespersonalvertretungsgesetz fallt, oder eines der Landespersonalvertretungsgesetze, dann gilt das hier :

2.1 Zulässiger Inhalt nach dem Bundespersonalvertretungsgesetz

Das Bundespersonalvertretungsgesetz und einige Landespersonalvertretungsgesetze insbesondere süddeutscher Länder (z. B. § 73 Abs. 1 Bayerisches Personalvertretungsgesetz) erlauben Dienstvereinbarungen nur zur Regelung von im Gesetz ausdrücklich aufgeführten mitbestimmungspflichtigen Angelegenheiten. Nicht der Mitbestimmung unterliegende Sachverhalte können daher nicht durch Dienstvereinbarung geregelt werden; das Gleiche gilt für zwar mitbestimmungspflichtige Sachverhalte, für die das Gesetz jedoch nicht die Möglichkeit der Regelung durch Dienstvereinbarung vorsieht. Treffen Dienststelle und Personalrat in solchen Angelegenheiten dennoch eine "freiwillige Dienstvereinbarung", so ist diese Abmachung unwirksam Quelle : Dienstvereinbarungen | TVöD Office Professional | Öffentlicher Dienst ... https://www.haufe.de › Öffentlicher Dienst › TVöD Office Professional

Vorraussetzung jedoch ist, dass dem weder ein Gesetz, noch eine Bestimmung eines Tarifvertrages entgegensteht

@ paula man sollte aber bedenken, in welchem Zusammenhang dieses Urteil ergangen ist. Ansonsten finde ich eine Aussage über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen des AGs ohne Kenntnis des Arbeitsvertrages, des geltenden Tarifvertrages und sonstiger Vereinbarungen schon sehr gewagt....

Minusstunden sind nach §615 BGB unzulässig, wenn sie vergütungsfrei nachgearbeitet werden müssen. Unerheblich davon, ob dies arbeitsvertraglich so geregelt wurde.

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