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MA beeinflusst BR-Mitglied in seiner Tätigkeit - Hättet ihr auch so gehandelt?

W
Wolpi
Jan 2018 bearbeitet

Hallo erstmal an alle!

Zur Vorgeschichte: Bei uns im Unternehmen haben letzten Freitag die BR-Wahlen stattgefunden. Der gesamte Wahlverlauf war mehr als harmonisch, ich selbst habe als Mitglied es amtierenden BR zusammen mit einem Kollegen (nennen wir ihn A) die gleiche Stimmzahl erreicht.

Man muss vielleicht noch erwähnen, daß bis dato die Zusammenarbeit innerhalb des Gremiums und auch mit der Geschäftsleitung sehr harmonisch und von gegenseitigem Respekt geprägt war.

Überraschend am Wahlausgang war lediglich, daß der Kollege A, der die gleiche Stimmenanzahl wie ich erreicht hat zum ersten mal für den BR kandidiert hat und faktisch von 0 auf 100 in den BR gewählt wurde, was so in der Vergangenheit bei knapp 80 Wahlberechtigten aus verschiedenen Arbeitsgebieten bei uns im Haus noch nie da war.

Mir ist nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu Ohren gekommen, daß dieser Ergebnis nicht von ungefähr kommt. In unserem Berrieb ist ein MA tätig (nennen wir in B), der in ca. 2 bis 3 Jahren für eine Führungstätigkeit eingeplant ist. Dieser MA wollte an sich selbst für den BR kanidieren, hatte schon Pläne, selbst dem Vorsitz zu übernehmen und hat geäussert, wenn er BR-Vorsitzender ist würde sich im Unternehmen mal einiges ändern, er wurde aber dann durch unseren Chef auf den evtl. Interessenkonflikt, der sich aus der Tätigkeit als BR mit der Führungstätigkeit ergeben könnte hingewiesen, worauf der MA seine Kanidatur zurückgezogen hat.

Der Mitarbeiter B hat daraufhin den Kollegen A für die BR-Wahl vorgeschlagen und hat im Vorfeld massiv Stimmung für den Kollegen A gemacht, gleichzeitig auch massiv Stimmung gegen den amtierenden BR-Vorsitzenden gemacht. Ob hier ein Verstoß gegen §20 BetrVG vorliegt kann von Seiten des amtierenden BR nicht bewiesen werden. Moralisch verwerflich ist es allemal.

Im Anschluss an die Wahl hat der Kollege B den Kollegen A massiv bedrängt, er müsse sich gegen die anderen gewählten BR-Mitglieder bei der Wahl zum Vorsitzenden durchsetzen. Dies wird von uns als massiver Eingriff von aussen in die Arbeit des BR gewertet, wir wollen das so nicht dulden.

Erschwerend kommt hinzu, daß der Kollege B verschiedenen Kollegen gegenüber Kritik am Führungsstil seiner Vorgesetzten geäüßert hat und heute schon beginnt, Posten mit Versprechungen zu verteilen, die auch nach der Beförderung nicht in seinem Aufgabengebiet liegen. Weiterhin plant er bereits jetzt das "Abschiessen" von Kollegen, die ihm nicht in den Kram passen.

Diese gesamten Äußerungen in Zusammenhang mit dem versuchten Eingriff in die Arbeit des BR haben uns als BR dazu genötigt, die Geschäftsführung über all diese Dinge aufzuklären, da wir den Betreibsfrieden ganz massiv gefährdet sehen und hier von Seiten des BR ein Eingreifen nötig schien, auch in Anbetracht dessen, daß sich der Kollege durch all seine Tätigkeiten für eine Führungskraft disqualifiziert hat.

Morgen steht nun ein Gespräch zwischen Kandidat A, Mitarbeiter B, Mitgliedern des alten und neu gewählten BR, der Geschäftsführung sowie den kritisierten Führungskräften an. Wir wissen schon heute, daß A und B alle Vorwürfe von sich weisen werden und uns als BR die Schuld an der jetzigen Situation zuschieben wollen.

Hättet ihr unter den gegebenen Umständen auch so gehandelt? Mir liegt im Moment der Gedanke schwer im Magen, daß durch dieses Gespräch morgen wohl die eine oder andere Karriere den Bach runtergeht...

Ich würde mich wirklich über Meinungen freuen...

Gruß

4.629014

Community-Antworten (14)

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Wolpi

23.03.2006 um 12:01 Uhr

über 100 mal gelesen und keiner hat eine Meinung?`Kommt schon...

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pit47

23.03.2006 um 12:12 Uhr

Hallo Wolpi, keine Meinung äußern ist auch eine Meinungsäußerung.

W
Wolpi

23.03.2006 um 12:13 Uhr

Hallo Pit!

Thx für den netten Einwurf...;-)

Mir liegt der ganze Käse nur echt schwer im Magen...

R
rainerzwo

23.03.2006 um 12:33 Uhr

Nun gut, juristisch sehe ich keinen Beschwerdeanlass. Kollege B kann nicht als Führungskraft bewertet werden, weil er das (wenn auch momentan) nicht ist.

Mögliche Probleme schon im Vorfeld anzusprechen ist oft nicht falsch.

Im Extremfall kann die BR-Arbeit zusätzlich belastend werden: Wenn jedes Vertrauen zum gewählten Kandidat fehlt, kann das nur die Rausekel-Geschichte sein:

Alle anderen BR-Mitglieder stimmen sich immer im Vorfeld der Sitzungen ab um diese Vorgehensweise durchzuziehen:

  • Auf der BR-Sitzung wird nur abgestimmt.
  • Alle Personen aus dem Vorgesprächt stimmen immer geschlossen für das, was sie intern aubaldowert haben
  • Diskussionsbeiträge gibt es nicht, bei Unklarheiten nur Vertagungsanträge. Mit dem "Outlaw" wird grundsätzlich nicht diskutiert.
P
Pit51

23.03.2006 um 12:33 Uhr

Hallo Wolpi,

es schwer, was vernünftiges, aufbauendes, helfendes dazu zu sagen (läge mir auch sehr schwer im Magen)!

Von mir nur eine Frage, die sich mir spontan aufgedrängt hat: den BR-Vorsitzenden wählt ihr doch. Da sollte doch der Kollege A keine Mehrheit bekommen - oder haben Deine Mitstreiter zuwenig Rückgrat bzw. eine ganz andere Sichtweise der Situation?

W
Wolpi

23.03.2006 um 12:45 Uhr

Danke Rainerzwo und Pit51 für eure Antworten!

Ich stimme Rainerzwo voll zu, allerdings war die Arbeit im Gremium bis dato von gegenseitigem Respekt und Kollegialität geprägt. Da werde ich wohl umdenken müssen!

Und zu Pit: Natürlich werden wir "dieses Mal" den Vorsitzenden im Gremium wählen, in der Vergangenheit haben wir es so geregelt gehabt, daß das Mitglied mit der höchsten Stimmenzahl auch den Vorsitz übernommen hat - natürlich nur, wenn die Eignung gegeben war und mit Zustimmung des Gremiums.

Kollege A ist der Meinung, er muss Vorsitzender werden, weil ihn doch soooo viele Leute gebeten haben, er solle dieses Amt übernehmen.

Meine Kolleginnen/Kollegen im BR sehen die Situation wie ich, spannend bleibt jetzt nur das Gespräch morgen, wo wir wohl erstmal massiven Vorhaltungen ausgesetzt sein werden....

R
rainerzwo

23.03.2006 um 13:28 Uhr

Natürlich werden wir "dieses Mal" den Vorsitzenden im Gremium wählen

Ich glaube, juristisch gesehen MUSS der Vorsitz JEDESMAL gewählt werden. Das ist fester Bestandteil der konstituierenden Sitzung und ohne einen offiziell gewählten Vorsitz ist der BR juristisch nicht so ganz sicher. Im Endeffekt ist das das gleiche - man darf sich ja bei der Vorsitz-Wahl auch an Stimmenanzahl der BR-Wahl orientieren...- muss aber nicht: Denn man ist - finde ich - irgendwo schon verpflichtet, wenigstens einen arbeitsfähigen BR hinzukriegen. Und arbeitsfähig ist der BR nur, wenn die Mehrheit der BR-Mitglieder auch hinter dem Vorsitz steht.

W
Wolpi

23.03.2006 um 13:48 Uhr

Vielleicht hab ich mich etwas undeutlich ausgedrückt...in der Vergangenheit war es so, daß auf Grund der schon mehrfach angesprochenen harmonischen Zusammenarbeit in der Vergangenheit bei der Wahl des Vorsitzenden die Anzahl der abgegebenen Stimmen in die dann nicht geheime Wahl zum Vorsitzenden Einfluß gefunden hat. Vorgehensweise war dann so: "Der XY hat die meissten Stimmen, willst du Vorsitzender machen? Wenn keiner was dagegen hat macht der XY den Vorsitzenden!"

Voraussetzung war natürlich, daß der XY auch für den Posten geeignet war, was in der Vergangenheit nie ein Problem war, da es sich immer um Mitglieder gehandelt hat, die dem Gremium schon länger angehört haben und wussten, was der Vorsitzende zu tun hat.

T
tom

23.03.2006 um 14:03 Uhr

Herr wolpi, hier ein Tip zum weiteren procedere: dringend sollten Sie auch noch recherchieren, wer Ihrer Kollegen für Herrn A votierte, um dann Gespräche mit dem AG wegen weiterer Karriereplanung folgen zu lassen. (Schon lästig - diese geheimen Wahlen!)

W
Wolpi

23.03.2006 um 14:12 Uhr

Hallo Tom!

Kann Ihnen leider nicht folgen...sorry!

F
Fayence

23.03.2006 um 15:24 Uhr

Hallo Wolpi, schlage vor, im Rahmen der konstituierenden Sitzung stellt ein BR-Mitglied den Antrag auf geheime Wahl des BRV. Diesem Antrag muss statt gegeben werden! Eine offene Wahl scheint mir in Eurer Situation wenig Sinn zu machen.

Gruß Fayence

RI
Ramses II

24.03.2006 um 00:52 Uhr

Mann oh Mann!

Euer BR ist um Dich nicht zu beneiden!

P
Pit51

24.03.2006 um 09:50 Uhr

Nochmals etwas Senf von mir dazu:

  1. Warum habt ihr eigentlich nicht erst die konstituierende Sitzung gemacht - mit der Wahl von "Nicht-A" als Euren Vorsitzenden und tretet danach als neuer Betriebsrat der Unternehmensleitung gegenüber?

  2. Und warum steht in Deinem Text als Aspekt Eures Gesprächs mit der Geschäftleitung etwas von "daß sich der Kollege ... für eine Führungskraft disqualifiziert hat"? Ihr seid doch nicht die Berater der Geschäftsleitung in deren ureigensten Dingen!

E
Edelweis

24.03.2006 um 10:57 Uhr

Zunächst einmal möchte ich mich den Äußerungen von Tom und Ramses II anschließen, ich befürchte jedoch dass sich in dem BR noch mehr von "dieser Sorte"tummeln. Das Gremium ist wirklich zu bedauern. Wahrscheinlich ist "Kollege"Wolpi ob des kometenhaften Aufstiegs des Kollegen A bei der Wählergunst auch noch persönlich gekränkt. Stimmungsmache, natürlich im Rahmen, gehört zu jedem Wahlkampf. Der Ausdruck "harmonische Zusammenarbeit" und gegenseitiger Respekt kann vieles beinhalten z.B. alle,einschließlich der AG sind sich einig und die BR-MG nicken im Gremium alles ab. Da kommt es zu keiner Disharmonie und alle haben sich lieb. So ähnlich war es auch bei uns und jeder der es anders sieht, ist ein "Outlaw". Außerdem sollte man die Wähler nicht unterschätzen, nur wegen "leerer"Versprechungen in weiter Zukunft werden die wenigsten A gewählt haben. Ich wünsche A viel Glück und empfehle Wolpi, falls es mit der Karriere im Betrieb nicht klappt, Bewerbungen an die diversen Nachrichtendienste, die können solche Leute brauchen, ein guter BR m.E. nicht. So jetzt habe ich mit alles von der "Seele" geschrieben.Gruß Edelweis

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