Controller als Betriebsrat - wie sind die Meinungen dazu?
Hallo,
ich bin als Controller beschäftigt und möchte gerne in den Betriebsrat. Ich stehe jetzt auf der Wahlliste, mein direkter Vorgesetzter findet das nicht so klasse hat aber bisjetzt nichts schriftlich oder so verfaßt. Alles unter 4 Augen.
Würden Sie sagen das ein Controller generell nicht in den Betriebsrat gehen sollte. Welche Möglichkeiten oder sogar Konsequenzen kann der Arbeitsgeber ziehen bzw. anwenden. Ich möchte einfach meine soziale Kompetenz weiter verbessern bzw. neu anregen, da ich als Controller doch oft nur die Zahlen sehe.
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
Gruß Jörg
Community-Antworten (6)
13.03.2006 um 09:00 Uhr
Hallo elchico,
falls Sie als Controller nicht die Kriterien eines "Leitenden Angestellten" nach § 5 BetrVG erfüllen, also z.B Chef der Controllingabt. mit eigenen Personalbefugnissen zur Einstellung und Entlassung sind (ist nur ein Kriterium), können Sie auch Mitglied eines Betriebsrates sein. Warum sollte ein Controller das nicht dürfen. Jedem Betriebsrat tut ein Arbeitnehmer mit ausgeprägter Zahlenkenntnis (Geschäftszahlen) und -verständnis gut. Der BR muß dann nur darauf achten, daß Sie im BR Mitglied sind und der Chef nicht darauf reiten darf, daß Sie ja schon alle Zahlen kennen. Aber das ist schon fast wieder ein neues Thema.
Also rein in den BR!
13.03.2006 um 09:46 Uhr
Die Gefahr ist dennoch hoch, dass der Chef Dir das Leben als "Controller im BR" schwer machen wird. Controller wissen halt in der Regel viel viel mehr über das operative Geschäft und die strategischen Ziele eines Betriebes als einem Chef lieb sein kann. Der Chef wird darauf drängen - wenn er Dir das zutraut -, dass Du einiges an Wissen für Dich behälst. Es könnte aber auch sein, dass Du zukünftig nicht mehr alles bearbeiten darfst und kannst. Vielleicht sogar aus einigen Planungen ausgeschlossen wirst. Ich habe vor kurzem in einer ähnlichen Situation erlebt, dass ein Controller wichtige prospektive Daten und Fakten nicht mehr haben und damit arbeiten durfte; natürlich war es die Angst, dass er die strategische Ausrichtung der Firma viel zu früh dem BR bekannt gibt oder die "wirkliche Lage des UN" bekannt wird.
Es wird ein sprichwörtlicher und sinnhafter "Spagat" werden, der hier zu vollziehen sein wird. Man muss sich bewusst machen, dass ein Controller in der Regel ein Mitglied der Stabsabteilung ist, der nicht nur schöne Dinge verkündet und macht, sondern auch unangenehme Entscheidungen der Chefetage mit "harten Fakten/Zahlen/Kennziffern" unterfüttert.
Ich kann mir vorstellen, dass ein BR sich über ein solches BRM freuen wird und von ihm profitiert. Andererseits wird der Argwohn exorbitant wachsen, wenn diesem Kollegen unterstellt werden kann/wird, dass er Daten und Wissen gegenüber dem BR "zurückhält"!
13.03.2006 um 14:53 Uhr
moin elchico,
generell finde ich es gut, daß möglichst alle abteilungen auch im BR abgebildet werden. ich stimme aber im fall eines Contollers mit dem geschätzten kollegen kölner überein. das könnte der berühmte "zwischenallenstühlensitzer" werden, mal abgesehen davon, daß der dann amtierende BR nicht mehr das vertrauen bei den kollegen genießen könnte, weil ein vermeintliches "u-boot" im gremium sitzt. solltest du den br also unterstützen wollen, würde ich dir von einer kandidatur abraten. die zu erwartenden persönlichen repressalien hat ja kölner schon deutlich gemacht. das wissen eines derartig ausgebildeten kollegen kann natürlich von großem nutzen sein, z.b. im wirtschaftsausschuß. aber du könntest auch als nicht BR ohne weiteres auf einladung des BR als interner sachverständiger geladen und damit dein wissen weitergeben. da kommt das wohlwollen des chefs aber auch wieder zum tragen...
gruß, packer
13.03.2006 um 14:58 Uhr
Danke "packer" für die Schätzung!
Das mit dem "uboot" finde ich sehr gut und sollte aus Sicht der Belegschaft ebenfalls Berücksichtigung finden!
13.03.2006 um 18:49 Uhr
Hallo Jörg,
ich bin auch Controller (gewesen) u. seit 10 Monaten freigestellter BRV eines 9er BR. Viele Chefs haben anfängliche Probleme damit, aber das sollte dich nicht daran hindern, Betriebsratstätigkeit auszuüben. Frag nicht nur: Was kann ich für mich tun, sondern was kann ich für meine Kollegen/innen tun.
Außer Zahlen gibt es auch Buchstaben. g Stell dich auf u. lass dich wählen!!
Viel Erfolg!
Gruss Devil
13.03.2006 um 20:43 Uhr
@ devil:
finde ich gut, daß sich hier ein betroffener positiv meldet. ich denke als starker charakter kann man das auch durchaus bewältigen. wäre ja nich der erste eiertanz im leben der glatt läuft :)
also Jörg, abwägen und entscheiden. wenn ja, wünsch ich dir viel erfolg!
packer
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