W.A.F. LogoSeminare
Dieser Beitrag ist vor 9 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Arbeitszeitverstoß?

W
Wonder
Jan 2018 bearbeitet

Hallo zusammen,

Ein Kollege aus der Produktionsplanung lässt bei kritischen Projekten ab und zu (ca. an 1-2 Tagen im Monat) nach seiner Arbeitszeit sein Mobiltelefon eingeschaltet, um bei unerwarteten Problemen für die Kollegen der Spätschicht erreichbar zu sein. Zwei Mitglieder des Betriebsrats, die in der Produktion arbeiten, haben nun eine E-Mail gesehen, die er außerhalb seiner Arbeitszeit auf dem Mobiltelefon geschrieben hat. Sie haben für die nächste BR-Sitzung den Tagesordnungspunkt "Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz durch Kollegen XY" vorgeschlagen mit dem Ziel, dass der Arbeitgeber dieses Verhalten (Heimarbeit, Bereitschaftsdienst, Arbeitszeitverstoß) sofort unterbinden soll. Ich habe mit dem Kollegen aus der Produktionsplanung gesprochen und er hat mir gesagt, dass er bei besonderen Projekten freiwillig sein Mobiltelefon eingeschaltet lässt, um den Kollegen der Spätschicht in Ausnahmefällen helfen zu können. Müssen wir hier als Betriebsrat aktiv werden? Natürlich soll außerhalb der Arbeitszeit nicht gearbeitet werden. Aber es kommt (nachweislich) nur sporadisch vor und der Kollege scheint sich dabei gut zu fühlen. Vom Arbeitgeber wurde er dazu nie aufgefordert, aber auch nicht gebremst.

1.395011

Community-Antworten (11)

M
Moreno

27.10.2016 um 23:26 Uhr

Auch ein Betriebsrat kann seine Überwachungspflicht übertreiben!

E
Erbsenzähler

28.10.2016 um 08:59 Uhr

Mein Mobiltelefon ist auch abends an und Kolleginnen und Kollegen aus dem Außendienst rufen mich als BRV (selten) an, um Probleme zu besprechen. Würden deine Kollegen mich jetzt auch ansch... Sorry, ich sehe das genauso wie Moreno.

B
BRHamburg

28.10.2016 um 09:29 Uhr

Ich würde das nicht ganz so locker sehen. Es ist ja nett das er bei Problemen den Kollegen helfen will. Nur muss aus meiner Sicht dafür eine Absprache mit dem Arbeitgeber getroffen werden. Die Gefahr die ich hier sehe ist das der Arbeitgeber diese Freiwilligkeit bei anderen Mitarbeiter einfordert. Ob man auch über eine Art Vergütung sprechen sollte hängt vom Aufwand der Hilfestellung ab.

G
gironimo

28.10.2016 um 09:30 Uhr

Es wird erst dann zum Problem, wenn der AG die ständige Erreichbarkeit als Normalfall erwartet.

Z
Zappelmann

28.10.2016 um 10:12 Uhr

Die Gefahr die ich hier sehe ist das der Arbeitgeber diese Freiwilligkeit bei anderen Mitarbeiter einfordert. Macht er aber nicht.

Ach, Leute, machts nicht so kompliziert. Schnappt ihn euch, teeren und federn und dann durch den Betrieb treiben. Am Besten mit allen, die in der Freizeit ein Telefon besitzen und das auch noch anhaben!

P
Pickel

28.10.2016 um 11:22 Uhr

Erbsenzähler, du solltest dir noch einmal klar machen, dass du ein Ehrenamt bekleidest. Dein Fall ist in keiner Weise vergleichbar.

Ansonsten bin ich beim (hier überraschend konstruktiven) Moreno. Wer aus so kleinen Fliegen Elefanten machen möchte, muss sich auch nicht wundern, wenn der AG jedes kurze Privatgespräch auf dem Gang abmahnt. Beides ist lächerlich!

A
AlterMann

28.10.2016 um 13:39 Uhr

Man kann den Vorfall ja zum Anlass nehmen und nachforschen, wie oft solche Tätigkeiten außerhalb der Arbeitszeit eigentlich anfallen. Vielleicht ist es eher ein Einzelfall, dann würde ich als BRM gar nix machen wollen. Möglich ist aber auch, dass solche "ehrenamtlichen" Bereitschaften bereits stillschweigend sehr häufig vorkommen. Dann sollte man über Lösungen nachdenken.

Z
Zappelmann

28.10.2016 um 13:49 Uhr

@AlterMann:

ab und zu (ca. an 1-2 Tagen im Monat)

Da ist nichts zu forschen.

P
Pjöööng

28.10.2016 um 13:51 Uhr

Was will der BR denn hier eigentlich erreichen?

Und was werden die Konsequenzen sein die der Arbeitgeber und der "Kollege aus der Produktionsplanung" ziehen könnten?

Werden mit diesen Konsequenzen die Ziele des BR erreicht?

A
AlterMann

28.10.2016 um 18:35 Uhr

Zappelmann, Du hast ja Recht, das steht da. Ich meine was anderes: Wenn das jetzt bei dem einen Kollegen zufällig auffällt, könnte es immerhin sein, dass das Problemchen gesamt betrachtet gar nicht so klein ist. Ich würde also die Augen offen halten, wo denn im Betrieb evtl. noch außer der Reihe gearbeitet wird. Aber ein Fass würde ich nur aufmachen, wenn im Betrieb solche Verhaltensweisen häufig vorkommen, und auch das nur, wenn man sich über das Ziel einer Intervention im BR vorher einig ist.

W
Wonder

29.10.2016 um 14:40 Uhr

Hallo an alle,

vielen Dank für Eure Meinungen zu diesem Thema. Ich denke mal, Pjöööng hat fast die gleichen Fragen gestellt, die ich mir auch stelle: Was bezwecken die beiden Kollegen aus dem BR wirklich? Sind das auch die Ziele des gesamten Betriebsrats? Und was wird mit einer "Aktion" bei dem betroffenen Kollegen aus der Produktionsplanung und auch bei der Geschäftsführung erreicht. Ich bin mal gespannt, wie sich das in der BR-Sitzung darstellt. Ich selbst tendiere dazu, aus dieser Mücke zunächst mal keinen Elefanten zu machen sondern in aller Ruhe zu prüfen, ob es sich hier tatsächlich nur um einen Einzelfall handelt oder ob es doch (versteckt) häufiger solche Tätigkeiten gibt.

Nochmals Danke für Eure Antworten.

Ihre Antwort