Tarifvertrag soll Standorte benachteiligen.
Hallo liebe Kollegen,
ich (Betriebsratsvorsitzender) arbeite in einem deutschlandweit bekannten Unternehmen mit 20+ Standorten und ca. 1800 Mitarbeiten. Der alte Tarifvertrag läuft aus und die Verhandlungen haben begonnen. Aufgrund der Kurzlebigkeit meiner Branche stehen uns nicht viele Leute für den Arbeitskampf zur Verfügung und speziell für unseren Standort sehe ich leider schwarz. Unsere Gewerkschaft, eine namhafte deutsche Gewerkschaft, hat sich, aufgrund des schwachen Arbeitskampfes vor einigen Jahren, entschieden im neuen TV Standorte mit geringer Beteiligung finanziell im zu benachteiligen. Das ist für die Kollegen die sich in den kleinen Standorten engagiert haben nat. überaus ärgerlich.
Kommen wir zu der essenziellen Frage. Ich habe in wenigen Tagen ein 4 Augen Gespräch mit dem Vertreter der namhaften Gewerkschaft und möchte mich gegen diese Regelung aussprechen, weiß aber nicht sicher worauf ich mich berufen soll, da ich hier keine Kollision mit der Tarifeinheit, oder dem AGG erkenne, sondern nur eine effektive Methode den Arbeitskampf vollständig zu kompromitieren.
Ich hoffe Ihr könnt mir helfen. LG Chris
Community-Antworten (4)
12.11.2015 um 19:24 Uhr
Man sollte sich zuerst von der Illusion frei machen, dass Gewerkschaften Verbände sind, die zuerst nach sozialen Gesichtspunkten agieren. Das Gegenteil ist meist der Fall: die Gewerkschaften selber sind heute mittlerweile ebenfalls profitorientiert und setzen sich für die AN ein, die Ihnen per Abgabe den Profit verschaffen. Es widerspricht dabei allen marktwirtschaftlichen Interessen einer Gewerksvhaft, die Sparten mit geringem Organisationsgrad denen mit hohem Ertrag gleichzustellen.
Bestes Beispiel ist doch Verdi bei der Post: die deutsche Post zahlt schon deutlich mehr als viele wirklich skandalöse Wettbewerber. Dennoch findet der Arbeitskampf nicht da statt, wo er am bittersten notwendig ist, sondern da, wo Mitgliedsbeiträge generiert werden.
12.11.2015 um 22:38 Uhr
Man sollte für die Gewerkschaften Verständnis haben: Bei einer geringen Organisationsquote können Gewerkschaften mittels Arbeitskampf kaum höhere Löhne durchsetzen. (und die ist bei den "skandalösen Wettbewerbern" deutlich schlechter als bei der Post). Eine Gewerkschaft kann es sich aber schlicht nicht leisten, einen Tarifstreit krachend zu verlieren. Dan hält sie lieber die Füße still.
Trotzdem verstehe ich den Sachverhalt von ChrisMelone noch nicht: Wie kann man denn einen Tarifvertrag erstreiten, in dem einzelne Standorte benachteiligt werden? Ich habe gerade keine Vorstellung, wie man das regeln könnte.
Wir haben bei uns einen Tarifvertrag, bei dem die Gewerkschaftsmitglieder Zusatzurlaub bekommen. Die Mitglieder finden das gut, immerhin haben sie sich im Arbeitskampf ja auch engagiert. Vielleicht wäre eine ähnliche Regelung ja auch hier passend?
13.11.2015 um 09:29 Uhr
Die Gewerkschaft ist keine Versicherung, in der man einzahlt und eine Gegenleistung bekommt. Sie ist ein Interressenverband. Die Stärke der Gewerkschaft "gute" Tarife auszuhandeln, liegt in der Stärke der Mitglieder. Darum wird man überall dort, wo wenig Mitglieder etwas erkämpfen wollen nur wenig Erfolg haben.
Will man einen neuen Tarif erkämpfen, muss man an erster Stelle erst einmal Mitstreiter gewinnen.
13.11.2015 um 14:21 Uhr
@ ChrisMelone
Worin genau soll denn diese Banachteiligung der Standorte bestehen ? Könnte helfen, Dir bei der Suche nach einer Lösung behilflich zu sein. Wenn es um die hier bereits genannte Regelung geht, daß Gewerkschaftsmitglieder mehr erhalten, als Nicht-Mitglieder, so muß ich Dir allerdings sagen, daß die Gewerkschaft ja nunmal die Interessen Ihrer Mitglieder vertritt. Und wer genau das der Gewerkschaft zum Vorwurf macht, der sollte vielleicht mal überlegen, ob er / sie sich vielleicht den falschen Bösewicht ausgesucht hat.
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