Führung des Gremiums als BRV?
Liebe Kolleginnen und Kollegen Betriebsräte,
Diese Frage beschäftigt mich schon seit längerem. Für uns alle ist die Betriebsratsarbeit ehrenamtlich. Jeder hat seinen eigenen Job, mit die Brötchen verdient werden müssen. Nichtsdestotrotz, haben wir uns aufgestellt und möchten gerne das Beste für die Kolleginnen und Kollegen. Die Betriebsratsitzungen sind keine Kaffeekränzchen und ich finde jeder sollte da Einsatz zeigen. Mich würde es sehr interessieren, wie die BRV´s ihre Truppe "führen". Ich weiß, das ist kein Management einer Abteilung, aber es ist doch im Interesse aller, dass die Betriebsratssitzungen möglichst fruchtbar ablaufen. Die gesamte Arbeit soll ja nicht beim BRV bleiben und die Mitglieder kommen einfach mal dazu.
Was wären Eure Vorschläge ein Gremium in die richtige Richtung zu "führen"? Wie sorgt ihr für Disziplin und Aufmerksamkeit bei den Betriebsratssitzungen? Nach welchen Kriterien arbeitet Ihr die Tagesordnung ab? Wie verteilt ihr mögliche Projekte und wie sorgt ihr dafür, dass es auch nachverfolgt wird?
Viele Grüße aus dem Südbaden
Community-Antworten (8)
15.01.2023 um 23:43 Uhr
In die Rolle muss man halt reinwachsen es gibt auch gute spezielle Seminare zu dem Thema. Projekte werden nicht vom BRV verteilt. Er ist ja nicht der BR Chef sowas wird auf die Tagesordnung gesetzt und das Gremium beschließt wer und wie.
16.01.2023 um 08:45 Uhr
Dem Gremium offen und ehrlich gegenüber sein hilft schonmal Vertrauen zu schaffen. Die Mitglieder mit einbinden, hier muss/sollte man ein Gefühl entwickeln wie die einzelnen "ticken". Bei Gesprächen mit dem AG sollte man sich an die Beschlüsse und besprochene Richtung des Gremium halten auch wenn man anderer Meinung ist. Der BR Vorsitzende sollte ein breites Fachwissen haben bzw sich zulegen.
Die TO wird der Reihe nach abgearbeitet. Top verschiedenes für alles andere. Wenn das Thema dort zu lange und komplex wird kommt es auf die TO der nächsten Sitzung damit man Zeit reservieren kann.(ausser es ist ein Notfall)
Es hilft das die BRs sich schulen zu lassen. BR 1-3 ist bei uns am Anfang Pflicht. Für die Vorsitzenden gibt es weiterführende Schulungen wie man z.B. Gremien leitet.
Wir haben festgelegt das ausser dem Vortragenden und dem Protokollschreiber niemand an seinem Laptop arbeitet. Das funktioniert ganz gut da wir nach 1-1,5 Stunden eine Pause von 10-15 Minuten einlegen.
Du wirst immer BRs haben die nur zur Sitzung wollen und ansonsten ausserhalb nicht viel mehr machen wollen. Ist halt so.
16.01.2023 um 10:43 Uhr
Hallo,
vor ähnlicher Situation stehe ich seit dem Jahreswechsel und Renteneintritt unsres BRV auch. Wie Moreno schon sagt, muss man da hineinwachsen und für den Lerneffekt vielleicht auch mal irgendwo anecken. Auf jeden Fall aber werde ich mir definitiv Unterstützung in einem entsprechenden Seminar holen, die Unterstützung und Zustimmung des Gremiums mal vorausgesetzt.
Ich muss dazu sagen, dass unser BR konstruktiv und auch kommunikativ ist und der Einsteig dadurch leichter fällt. Ansonsten wäre es nach fast 40 Jahre mit dem selben BRV wohl schwierig mit der Akzeptanz.
Vor der Wahl zum neuen BRV habe ich meine Rahmenbedingungen offen genannt, und die lauteten dass sich jedes Mitglied aktiv einbringt und die BR-Arbeit keine One-Man-Show sein soll, wo sich nur der BRV einbringt oder zur Ausarbeitungen bereit ist. Ich habe auch offen meine Erwartung geäußert, dass sich jeder für die aktive Ausübung des Ehrenamts hat aufstellen lassen, und sich niemand im besonderen Kündigungsschutz sonnt - das ist zumindest in dem Moment von allen bejaht worden.
Auch werden Tagesordnungspunkte gründlich diskutiert, bevor es zu einem Beschluss kommt. Jeder hat die Chance, sich zu äußern. Auch das verschafft Akzeptanz und fördert m.E. die Konstruktivität. Probleme bekommen meist die BRV, die sich in einer Sonderstellung bezüglich der Befugnisse sehen. Dabei ist der BRV lediglich der "primus inter pares" - also der erste unter gleichen.
Wird das dann doch ausgenutzt, und andere Alpha-Männchen wollen einen beeinflussen oder kleinhalten, dann darf man aber auch eine Linie ziehen und klipp und klar verdeutlichen, dass die Leitung der Sitzung dem BRV obliegt.
In welcher Form das stattfindet, hängt natürlich auch von der Zusammensetzung der Runde ab.
Wenn zum Beispiel eine Grüppchenbildung mit Smalltalks stattfindet und ausartet, habe ich eine Glocke auf dem Tisch stehen, die notfalls geläutet wird. So kann man mit ein wenig Humor die BRM wieder in die Sitzung zurückholen, um in der Tagesordnung weiterzukommen. Finden die Sitzungen eher hitzig oder humorlos statt, muss der BRV notfalls das Heft in die Hand nehmen, die Sitzung mit Nachdruck leiten und Redezeiten erteilen.
Die TOP werden chronologisch abgearbeitet und dauern so lange wie sie dauern. Wenn es Klärungsbedarf gibt, dann wird es auf die nächste Sitzung vertagt. Und zwar auch dann, wenn die GL zu einem bestimmten Punkt eine Rückäußerung erwartet. Auch dieses Rückgrat muss man ggf. erst entwickeln, zumindest ist das in meinem Fall so.
16.01.2023 um 20:25 Uhr
Vielen Dank an Alle für die Antworten! Das ist auf jeden Fall superhilfreich und gibt ein paar gute Denkanstöße!
16.01.2023 um 20:41 Uhr
Wichtig für mich war auch immer auf jeder Betriebsratssitzung stand in der Tagesordnung, Bericht Betriebsratsvorsitzender. Da ja erst einmal alles über den BRV läuft hat dieser dann unter den Punkt alle Unterrichtet was sich in der Woche getan hat.
17.01.2023 um 08:31 Uhr
@ Muschelschubser es gibt nicht nur Alphamännchen ?
Bei uns hat es sich eingebürgert einen Moderator zu benennen, der die Wortmeldungen steuert. Das verhindert, dass hitzige Diskussionen aus dem Ruder laufen.
17.01.2023 um 09:05 Uhr
@xyz68 Du hast natürlich vollkommen Recht. Über Jahrzehnte andauernden Sprachgebrauch muss man erstmal umtrainieren... ;-)
17.01.2023 um 10:54 Uhr
"Bei uns hat es sich eingebürgert einen Moderator zu benennen, der die Wortmeldungen steuert. Das verhindert, dass hitzige Diskussionen aus dem Ruder laufen."
Wie muss man sich das vorstellen? Laut BetrVG (§29) ist das die Aufgabe des BRV.
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