Schulische Ausbildung und daraus abgeleitete Fähigkeit unternehmerische Fähigkeiten zu beurteilen.
Ich schreibe gerade eine Masterarbeit zum Thema: "Welchen Einfluss hat eine betriebliche Mitbestimmung (Betriebsräte) und kann die für die Entwicklung des Unternehmens problematisch sein? Dabei untersuche ich, da mir aufgefallen ist, dass extrem wenige Akademiker im Betriebsrat sitzen, welche schulische Ausbildung die Betriebsräte in deutschen Unternehmen haben, und ob die Ausbildung die sie haben adäquat ist, um unternehmerische Entscheidungen bsp. Einstellung bzw. Kündigung eines Mitarbeiters, Arbeitszeitregelung, Standortwechsel, Fusionierungen mit anderen Unternehmen etc. zu beurteilen.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Eure Erfahrungen schildert und solltet Ihr selbst in einem Betriebsrat sein eine Ehrliche Meinung wie Ihr darüber denkt und vielleicht was Ihr für eine Ausbildung habt.
Ich bedanke mich schon vorab für Eure Hilfe
Community-Antworten (8)
06.04.2011 um 14:02 Uhr
Aus meinem Gremium kann ich dir sagen, daß die meisten Mitglieder schon an den Grundzügen der PC-Handhabung scheitern bzw. keinerlei rechtliches Basiswissen haben und vor allem sich dieses auch nicht aneignen wollen. Für mich persönlich ist es die erste Amtszeit, ich habe mich wählen lassen, da ich daran etwas ändern wollte, aber es ist schlicht eine Katastrophe bei so wenig versammelter Bereitschaft und leider auch Intelligenz etwas zu bewegen.
Sorry, aber so sieht es bei uns aus.
06.04.2011 um 14:09 Uhr
@Barth Also Akademiker ist nicht gleich jemand der qualifiziert ist eine Bilanz zu lesen. So einfach kann man sich das nicht machen. Akademiker sind oft Einzelkämpfer durch ihr Studium und oft nicht so Teamplayer. Oft waren es nur kurze Intermezzos im BR, weil es ihnen nur um die Arbeitsplatzerhaltung bei Stellenabbau ging. Auch kann man jemanden mit oder ohne Ausbildung nicht einfach unterscheiden. Meine Erfahrung ist es, dass es auf den Charakter und die Lehrnfähigkeit sowie Lehrwille ankommt. Es gibt viele Schulungen zu den jeweiligen Themen. Die müssen nur besucht werden. Bei uns im Gremium gibt es Chemielaboranten, kfm. Angestellte, "Ungelehrte" usw. Da merkt man nicht den Unterschied nach den Schulungen und durch die jahrelange Betriebsratstätigkeit.
Man merkt, dass du ein Theoretiker bist, denn die Ausbildung hat nicht gleich etwas mit dem Verstehen von Unternehmensentscheidungen zu tun. Es zählt nur die Erfahrung und jeweils ein guter Schulungsstand. Denn Stillstand bei der Bildung ist ein Rückschritt. Was nützt etwas Theoretisches, was man vor zwanzig oder dreizig Jahren gelehrt hat und nie umgesetzt hat? Gar nichts. Natürlich hat sich meine Ausbildung zum Industriekaufmann und der später hinzugefügte Betriebswirt bei mir etliches einfacher gemacht.
06.04.2011 um 16:24 Uhr
@ Mundwerker: Mir ist sehr wohl klar was betriebliche Mitbestimmung bedeutet. Jedoch ist meine Aufgabe nicht Stellung für eine Partei zu beziehen sondern das Thema kritisch zu hinterfragen. Zu dem Einwand das Deutschland auf Grund von betrieblicher Mitbestimmung die erfolgreichste Exportnation ist, könnte man nun auch das erfolgreiche China als Beispiel bringen wo es mit größter Wahrscheinlichkeit kein Betriebsrat in der Form gibt, wie wir Ihn in Deutschland haben. Die Bedingungen die zum Teil in China herrschen stehen natürlich auf einem anderen Blatt. Oder die Schweiz ist auch ein sehr erfolgreiches Land und hat auch eine andere Form der betrieblichen Mitbestimmung. Ich bedanke ich mich für deinen Beitrag und allen die mir bisher geantwortet haben.
06.04.2011 um 16:41 Uhr
Hallo wir sind ein 9er Gremium, davon 1 Studierter Betriebswirt, 2 Ausgebildete Köche, 2 Examierte Pflegekräfte und 4 Berufsfremde aber mit Ausbildung.Beispiel Gelernte Frisör jetzt im Service. Ja wir können Entscheiden ob jemand was ist oder er so schlecht Arbeitet das er die Papiere bekommt. Wir hinterfragen alles und suchen Lösungen für Probleme. Wir Kämpfen für Eltern die in Teilz. gehen genauso wie Wiedereingliederung bei langer Krankheit. Helfen dem Schwerbehinderte Vertreter und Unterstützen Ihn genauso wie die Jugend und Ausbildungs Vertretung. Wir Überwachen den Arbeitsschutz und die Bestimmungen. Unser WISSEN holen wir auf Seminaren die Ausreichen Angeboten werden und sehr Wichtig sind. Wir sind alle in Verschiedenen Abt. und somit immer vorne dabei. Probleme die wir nicht Lösen können holen wir uns Hilfe, sei es beim Architek oder RA. Auch solche Forums sind Super wichtig. Ich hoffe dies hilft weiter. Wir Kämpfen nicht für Uns sondern für die Mitarbeiter.
06.04.2011 um 17:45 Uhr
. . . die Gründe, warum Akademiker wohl eher selten im BR sind, wurden oben schon ganz plausibel von Mundwerker dargestellt (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Und von Tulpe wurde ebenfalls ganz richtig dargestellt, dass ein BR gar nicht unbedingt enorm viel Kenntnisse haben muss, denn man kann sich schließlich jederzeit Sachverständigenrat einholen. Viel wichtiger ist doch, dass ein BR immer daran denkt, von wem und für was er gewählt wurde, sowie einen gesunden Menschenverstand und ein gesundes Rechtsempfinden hat, gepaart mit Konfliktbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit. Die Grundlagen für das Tagewerk lernt man auf Seminaren und dann holt man sich im Bedarfsfall externe Hilfe hinzu. Am besten macht sich das deutlich, wenn man mal schaut, was der Fitting in RN 10 zum §107 BetrVG zur fachlichen Eignung eines Wirtschaftsausschussmitgliedes schreibt, nämlich dass weniger die Beherrschung der Bilanzkunde und besondere volks- und betriebswirtschaftliche Kenntnisse erforderlich sind, als vielmehr praktische Erfahrungen im Betrieb, die zum Verständnis der wirtschaftlichen, finanziellen und technischen Gegebenheiten ausreichen. Besonders Wert wird auf gesunden Menschenverstand, Zuverlässigkeit, Loyalität und Diskretion gelegt. Und das trifft fast wortgleich auf BRM zu . . .
06.04.2011 um 20:08 Uhr
@all folgendes an der Frage irritiert mich (und somit auch eure Antworten auf die Frage: Dabei untersuche ich, da mir aufgefallen ist, dass extrem wenige Akademiker im Betriebsrat sitzen, welche schulische Ausbildung die Betriebsräte in deutschen Unternehmen haben, und ob die Ausbildung die sie haben adäquat ist, um unternehmerische Entscheidungen bsp. Einstellung bzw. Kündigung eines Mitarbeiters, Arbeitszeitregelung, Standortwechsel, Fusionierungen mit anderen Unternehmen etc. zu beurteilen. Ein Gremium nimmt keinen Einfluß auf unternehmerische Entscheidungen!!!
- Bei Einstellungen überprüfen wir, ob An dadurch unter anderem benachteiligt werden könnten - Stichwort 99. Die Qualifikation oder ähnliches beurteilen wir nicht. Gründe der Zustimmungsverweigerung sind dem 99 zu entnehmen und sind abschließend aufgelistet
- Arbeitszeitregelungen etc sind auch keine Unternehmerische Entscheidung. sowie alles andere im 87er. Wer also das Wesen BR analysieren möchte, sollte erstmal sehen, in welchen Dingen der BR ein MBR hat - nämlich in sozialen Bereichen. Mit der unternehmerischen Freiheit hat das aber auch gar ncihts zu tun. Wir schauen dem AG auf die Finger, dass er Gesetze und Verordnungen einhält, dass er die sozialen Gesichtspunkte nciht aus den Augen verliert.
Kurzum, wir sind das "gute Gewissen" der AG und aus diesem Grund in der Tat hilfreich einen Betrieb gewinnbringend aufzustellen. Ein glücklicher AN ist ein guter und vor allem produktiver AN. Leider vergessen das AG´s viel zu oft, und dann müpssen wir halt ran!
Wir sind nicht mehr und nciht weniger, wir sind die "Robin Hood" der Neuzeit, wir sind die "Sklavenbefreier" der Neuzeit...
Wir sind, wie schon gesagt, das gute (soziale) Gewissen des AG!
Laut BetrVG darf ein BR nciht mal in die operativen Geschäfte des BR einfluss nehmen, es sei denn, der AG handelt wider Gesetze oder Verordungen...
So, ich denke, mehr ist nciht dazu zu sagen, außer, dass wir die dafür nötige Bildung aus Seminaren, Büchern oder Foren wie diese beziehen... Das ist auch nciht ungerecht, da jeder AG drauf bedacht sein sollte, einen gut ausgebildeten BR zu haben - genauso wie gut ausgebildete AN!!!
06.04.2011 um 20:24 Uhr
Oh, ich werde alt, habe noch was vergessen...
Der Titel dieses Threads lautet: "Schulische Ausbildung und daraus abgeleitete Fähigkeit unternehmerische Fähigkeiten zu beurteilen."
Wir Betriebsräte beurteilen nciht die unternehmerischen Fähigkeiten - zumindest nicht mehr als alle anderen AN auch, die immer mal schimpfen warum das und das so und so ist und das produziert wird usw... Auch wir sind ja nur AN und bilden uns sicher eine Meinung über Entscheidungen der GF, das allerdings hat nichts mit unserem Ehrenamt zu tun...
06.04.2011 um 22:37 Uhr
Vielen Dank nochmals an alle für die vielen und vor allem schnellen Antworten.
Wie ich gelesen habe, habe ich da ganz schön eine Diskussion angefacht. Der eine oder andere mag wohl mit der Formulierung meiner Fragen etwas unglücklich sein bzw. kann ich raus lesen, ich hätte ein falsches Verständnis über die Arbeit der Betriebsräte. Diesen Eindruck möchte ich von mir weisen da ich sehr wohl die Arbeit der BR schätze. Und ich es sehr bewundernswert finde das Leute sich sozial engagieren und nicht nur nach sich selbst schauen.
Aber wie ich oben schon erwähnt habe, möchte ich das Thema kritisch bearbeiten und dazu benötigt es nun mal ein paar kritische Fragen.
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