Gewerkschaft gründen die 2010te - was sind dafür die Vorraussetzungen?
Hallo
mich würde auch (ernsthaft) interessieren, wie man in unserem netten Rechtsstaat eine Gewerkschaft gründet. Leider findet man im WWW nicht gerade viele vernünftige Antworten auf diese Frage und diejenigen, die hier im Forum bereits gleiches in Erfahrung zu bringen suchten, wurden auch nur mit Klugscheißerei (sorry) und dummen Witzen bedacht. Wenn mir also endlich mal jemand verraten kann, was die Vorraussetzungen dafür sind, eine Gewerkschaft zu gründen - ohne Sprüche wie: "gibt's davon nicht schon genug?" oder "unterstütze lieber die vorhandenen..." (das ist nämlich nicht die Frage!), wäre ich sehr dankbar
MfG Knusperstange
Community-Antworten (18)
02.01.2009 um 19:55 Uhr
@Knusperstange Mich würde interessieren, wieso du eine solche Frage stellst - das wäre interessant. Fühlst du dich von deiner GEW nciht gut vertreten?
Hier dennoch ein Link vielleicht hilft er dir
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/62718.html
Eine eigene GEW zu gründen halte ich für hmmm, das sage ich lieber nciht... Ich habe bei sowas mit Blick auf die frühere GNBZ, mit Blick auf die "christlichen" oder mit Blick auf Siemens usw immer Bauchschmerzen und ein gewisser Übelkeitsreiz überkommt mcih. Allerdings ist das meine persönliche Meinung.
02.01.2009 um 20:02 Uhr
@Knusperstange, kleine Info findest Du hier: http://berufundchance.fazjob.net/s/Rub8EC3C0841F934F3ABA0703761B67E9FA/Doc~EBB0573CD2D594B03B246163F5B0DBE41~ATpl~Ecommon~Scontent.html
02.01.2009 um 21:39 Uhr
@Knusperstange, ergänzend zu meinen Vorschreibern, zur Gründung einer eigenen GEW wird dir niemand helfen, weil weder die bestehenden GEW noch der AG ein Interesse daran haben, dass du eine eigene GEW gründest.
GG Art. 9 (1) Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden. (3) 1Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet....
Gegründet wird idR durch Eintrag im Vereinsregister beim Amtsgericht.... Du brauchst dazu eine Satzung.... und den nötigen finanziellen Hintergrund...
03.01.2009 um 04:13 Uhr
@all Nunja, ob der AG vielleicht nicht doch Interesse hätte eine "eigene" GEW zu haben lasse ich dann mal im Raum stehen. Beispiele hierfür gibt es ja leider :-(( aus diesem Grund habe ich ein etwas ungutes Gefühl bei dieser Frage.
Aber ich hoffe ich leide nur unter Verfolgungswahn...
03.01.2009 um 15:59 Uhr
Hallo
Erstmal vielen Dank für die Antworten. Wie ich sehe, verhält es sich mit der Gründung einer Gewerkschaft genauso, wie mit vielen Grundrechten in Deutschland: Eigentlich ist es ganz einfach aaaaaaaaber....
@Don Johnson: Ich kann Dich beruhigen: Ich bin definitiv nicht daran interessiert, den Arbeitgebern noch ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie uns untergraben können! Zu Deiner anderen Frage: Ich bin in einem Bereich des Gesundheitswesens tätig, den man getrost als Stiefkind bezeichnen kann und - ja - die für uns zuständige Gewerkschaft (verdi) ist Lichtjahre davon entfernt, uns vernünftig zu vertreten. Dazu müßten deren Funktionäre schon mal ein bißchen mehr "Bodenhaftung" behalten haben. (V.a. in Sachen Schichtarbeit, Feiertagsarbeit, Arbeitsbereitschaft, etc.). Ich meine, es ist schon bezeichnend, wenn unser Geschäftsführer nach dem letzten Tarifabschluß mirgegenüber den hämischen Spruch kommen läßt: "Na, da habt Ihr Euch ja von Eurer eigenen Gewerkschaft ordentlich verarschen lassen!"
Ich bin kein großer Freund von Globalisierung - und das gilt auch für Gewerkschaftsarbeit. Wenn man viele Gewerkschaften zusammenfaßt, wie damals bei der Gründung von verdi (ich war übrigens früher in der Druckbranche tätig), dann kann man sicher mit mehr Kampfkraft an den Verhandlungstisch gehen und spart außerdem Verwaltungskosten (ein sehr unternehmerischer Gedanke, übrigens) - das geht jedoch zu Kosten eines Gewissen know hows für die Arbeitsumstände meiner Basis. Und erinnern wir uns: Die meisten Gewerkschaften wurden nicht als Großgewerkschaften gegründet, sondern als Interessensvertretungen ganz bestimmter Berufsgruppen. Das sind sogar diejenigen - sofern noch existent - die auch heute noch halbwegs vernünftige Abschlüsse aushandeln (siehe GDL).
Natürlich kann ich verstehen, daß die großen Gewerkschaften kein gesteigertes Interesse daran haben, fachlich kompetente "Konkurrenz" zu bekommen (Machtverlust!) - das ist aber ebenfalls weder ein demokratischer noch ein sozialer Gedanke. Und wenn man den Verdacht haben muß, daß die zuständigen Gew-Funktionäre mit den AG klüngeln, dann ist es allerhöchste Zeit für Alternativen - und da sehe ich keine!
Ich hoffe, ich bin keinem hier zu sehr auf den Schlips getreten
Gruß Knusperstange
03.01.2009 um 21:14 Uhr
@Knusperstange
wäre es da nicht einfacher, selbst bei der GEW verdi aktiv zu werden um so die Interessen besser einbringen zu können. Weiter auch möglichst alle KOll. zum Eintritt zu bewegen. Denn je stärker eine GEW also je mehr Mitglieder um so besser kann sie handeln.
Heute eine Neue GEW zu gründen und diese auch als Tariffähig zu installieren und dann noch als Verhandlungspartner beim AG. ist eine nicht einfache Aufgabe.
03.01.2009 um 21:17 Uhr
@Bärbel1 Gemau das will Knusperstange warum auch immer nciht....
03.01.2009 um 21:33 Uhr
Wer eine GEW neu gründen will hat eigene interessen, das behaupte ich!
03.01.2009 um 22:53 Uhr
@Don Johnson ja, man kann den Eindruck gewinnen, dass er selbst mit den AG klüngeln will. Besonders da er ja nicht dargelegt hat im Rahmen von Mitarbeit in Verdi das zu ändern was ihm offenbar missfällt. Leider hat er dieses, was ihm missfällt ja auch noch nicht so recht begründet. Es scheint nur den Eindruck zu haben, dass er mit dem Tarifabschluss nicht zufrieden ist, wie und wieso und warum auch immer. Aber man kann auch den Eindruck gewinnen das er uns vermitteln will, dass er es besser gekonnt hätte.
Weiter schein er zu glauben, Gewerkschaftsarbeit wäre eine ganz einfache Sache.
04.01.2009 um 05:02 Uhr
@Bärbel1 Jepp, sehe ich so wie du.
@Knusperstange Du sprichst die GDL an. Auf dem Seminar AR2 habe ich einige Transnet und auch GDLer kennen lernen dürfen. Selbst die GDLer waren sooo zufrieden mit ihrem TV Abschluß nciht. Aber das ist ein anderes Thema. Eine GEW ist nur so stark wie ihre Mitglieder. Wenn die Verdi bei euch keinen guten Abschluß hinbekommen hat (es handelt sich da sicher um einen HTV), dann könnte es doch tatsächlich an dem Organisationsgrad liegen. Denkst du allen erstes, du könntest bessere Abschlüsse mit einer eigenen GEW hinbekommen? Auch wenn du das alles hin bekommst mit der Gründung, müßtest du auch Verhandlungsführer haben, die geschult sind - oder fällt es dir so in den Schoß dass du sagen kannst du wärst besser als die von Verdi? Wenn Dein AG dir sowas sagt, denkst du nicht, er will vielleicdht Politik machen gegen eure GEW? Wenn du nciht zufrieden bist mit der Arbeit der Verdi, warum bringst du dich da nciht mehr ein? Jeder der Mitglied einer GEW ist, kann sich so viel und so gut er kann dort einbringen (zumindest habe ich es bei der IGM so erfahren). Vielleicht solltest du dir darüber mal Gedanken machen. Nur gemeinsam sind wir stark und um so mehr wir in der GEW sind, um so stärker sind wir, bzw ist die GEW. Klar um so größer sie ist, umso mehr kann es sein, dass sich die GEW von der Basis entfernt, aber wenn sich Leute angagieren (auch als VL) umso näher rückt sie wieder zur Basis. Das zumindest ist meine Meinung.
04.01.2009 um 18:55 Uhr
Spar die Arbeit und den Ärger, geh zu www.medsonet.de ! Bring dich aktiv ein - da haben dann alle was davon!
Viel Erfolg!
04.01.2009 um 20:03 Uhr
Alexa, DAS IST JA WOHL NICHT DEIN ERNST????? http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=3371110/1is2mtu/index.html
Das sollte jeder lesen, bevor er sich einer Gewerkschaft anschließt, die mit der DHV zusammenarbeitet
04.01.2009 um 20:45 Uhr
@ Alexa, sorry...das geht ja garnicht! Darf ich dich bitten, deine Empfehlung noch mal zu überdenken.....
04.01.2009 um 21:40 Uhr
Nun die "Neutralität" von SWR-Report ist ja hinlänglich bekannt. ;)
Die von Knusperstange dargestellte Problematik ist aber leider kein Einzelfall. Es gibt sehr viele Leute die sich bei der Allmächtigkeit mancher Organisation unwohl fühlen, und/oder letztlich mit ihren Themen und Problemen nicht ernst genommen werden. Das Argument sich dort zu engagieren kommt dem Anstoß gleich, einen Supertanker vom Kurs abzubringen. Es gibt zudem Branchen, da läuft aus dem Hause verdi nichts mehr. Wo keine BR-/AR-Sitze oder üppige Lohnabschlüsse locken, da bewegt sich nicht viel. Da hängt das Ehrenamt dann in der Warteschleife wenns um Unterstützung geht.
Aber: Bevor hier noch eine Organisation gegründet wird, soll sich Knusperstange mit seinem Engagement doch zumindest dort einbringen, wo es sinnvoller investiert ist.
04.01.2009 um 21:50 Uhr
Ich finds schon amüsant, wie hier in einem BR-Forum eines freien Fortbildungsanbieters so eifrig rund um das Reizthema Gewerkschaft diskutiert wird.
Zum Glück gibts Betriebsräte, die sich selbst zu helfen wissen und auch deswegen nicht zum Spielball der GL werden. Uns spielt auch keine Gewerkschaft gegen die GL aus oder redet uns in die Beschlüsse für unsere Firma rein.
Wer ne Gewerkschaft gründen will, muss zu viel Zeit haben. Und wer etwas für die Mitarbeiter in seinem Betrieb tun will, der kann das auch im BR (oder notfalls in einer der vorhandenen Gewerkschaften).
05.01.2009 um 14:17 Uhr
Alexa, ich halte es für ein Gerücht, dass ein Engagement in einer der christlichen Gewerkschaften, die unter dem Dachverband des DHV in den letzten Jahren wie Pilze aus den Boden gesprossen sind, sinnvoll sein soll. Empfehlenswert ist auch ein Beitrag von Panorama http://daserste.ndr.de/panorama/media/cgb2.html
05.01.2009 um 17:51 Uhr
Hallo
@Don Johnson: Glaubst Du ernsthaft, ich hätte in diesem Forum um Rat gefragt, wenn ich eine solche Gew gründen wollte, wie mir hier unterstellt wird und hätte sie nicht schon längst gegründet?????
@Bärbel1: Was sollen die ganzen Anfeindungen - wir kennen uns doch nicht einmal! Natürlich kann ich mir sehr wohl vorstellen, daß ein solches Vorhaben kein Zuckerschlecken würde aber andererseits ist es vermutlich auch keine Hexerei. Und - Ja - ich glaube tatsächlich, daß ich (natürlich nicht allein) zumindest für meinen Bereich Rettungsdienst mehr erreichen könnte, als es verdi bisher getan hat. Man siehe nur den glorreichen letzten Tarifabschluß mit dem DRK.
Es ist schon irgendwie ulkig:
-
Wenn ich einen neuen Verein gründen wollte, würde man mir vermutlich einfach sagen: "Ja, da mußt Du da und da hingehen und Dich eintragen lassen. Punkt."
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Wenn ich eine neue Firma gründen wollte, würde keiner sagen: "Meinst Du nicht, da gibt es genug von?"
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Selbst wenn ich eine neue Partei gründen wollte, würde vermutlich niemand sagen: "Die sind doch alle gut genug, bring Dich lieber in einer bereits vorhandenen ein!"
Aber wenn man die heilige Kuh etablierte Gewerkschaften antastet, dann wittern alle Verrat und man kann nicht gerade auf viele konstruktive Tipps hoffen (@pirat: Danke für einen der wenigen). Aber die Hexenjagd ist garantiert!
Zerreißt Euch von mir aus weiter das Maul über mich, wahrscheinlich war es wirklich keine so gute Idee. (Ich fürchte nur die AG lachen sich eins ins Fäustchen, während wir uns hier noch über die Farbe von Scheiße streiten)
Viel Spaß noch
Knusperstange
05.01.2009 um 18:13 Uhr
Knusperstange, ich glaube kaum, dass es bei dieser Diskussion darum geht, irgendjemanden anzufeinden, auf dem Schlips zu treten oder nur die "etablierten" Gewerkschaften zu unterstützen.
Ich glaube, dass es gefährlich ist, wenn die AN sich in viele kleine Einzelgewerkschaften spalten lassen. Sicher sind die etablierten Gewerkschaften nicht das gelbe vom Ei und an vielen Stellen zu verbessern. Aber zum Glück gibt es auch dort engagierte Gew-Sekretäre, auch dort gibt es gute Ideen und viele Menschen mit großem Engagement. Viele AN haben die Schwächen der etablierten Gewerkschaften erkannt. Vielleicht ist es an der Zeit, diese anzupacken und zu verändern. Von innen heraus.
Denn sei mal ehrlich: Wieviel Zeit würdest Du benötigen um eine tragfähige Gewerkschaft aufzubauen, die von AG und AN gleichermaßen akzeptiert würde, Fachwissen hat, Streikfähig ist, tariffähig ist...?
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