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Dieser Beitrag ist vor 17 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Muss die Pflege wirklich alles machen - kann eine Krankenschwester oder ein Pfleger, die Übertragung von "ärztlichen" Tätigkeiten, z.B. Blutabnahme, ablehnen?

K
klinik
Okt 2020 bearbeitet

Hallo Mitstreiter,

kann eine Krankenschwester oder ein Pfleger, die Übertragung von "ärztlichen" Tätigkeiten, z.B. Blutabnahme, ablehnen? Bei uns häufen sich Überlastungsanzeigen aus dem PED. Es ist kaum noch Zeit für den Patienten da. Auch gibt es einen deutschlandweiten Ärztemangel, so dass es immer mehr Schnittstellen zwischen den Pflegenden und den Ärzten entstehen. Kann mir jemand helfen zu dieser Thematik? Ich habe schon einiges an Infomaterial, aber ich suche speziell die Ablehnungsmöglichkeiten von delegierten Arbeitsanweisungen des Aztes an den Pflegenden.

Danke im Voraus. Ich würd mich auf rege Beteiligung freuen

6.265011

Community-Antworten (11)

RW
rainer w

03.12.2008 um 11:57 Uhr

@klinik Gibt es denn keine genaue Stellenbeschreibung?

K
klinik

03.12.2008 um 12:03 Uhr

@rainer w,

doch gibt es alles bei uns, aber jeder der aus der Pflege kommt weiss dass es immer mehr Schnittstellen gibt zwischen Pflegenden und Ärzten. Mir geht es speziell darum, der Belegschaft sagen zu können das Sie nicht alles machen müssen, was man an sie heranträgt.

Auch delegierte Tätigkeiten müssen zumutbar und machbar sein. Ich persönlich sehe bei uns das Problem darin, dass es seit Jahrzehnten einen fließenden Prozess der Vermischung von Tätigkeiten, z.B. Blutabnahme ect.. Aber noch nie gab es soviele nicht besetzte Pflegestellen, weil niemand da ist.

K
Kölner

03.12.2008 um 14:03 Uhr

@Klinik Könnte § 81 BetrVG nicht hilfreich sein? und Über die Haftungsfrage nach § 823 BGB müsste man auch mal nachdenken...

G
Galaxy

03.12.2008 um 14:23 Uhr

@klinik

um was geht es Dir genau? Weil vermischen von Tätigkeiten, ok, kenne ich aus der Pflege auch. Die Frage ist, wie löse ich das Problem?

Eine Möglichkeit wäre ja, die "Pflege" übernimmt "ärztliche Tätigkeiten" wie z.B. Blutabnehmen ( Voraussetzung dafür ist eine Schulung der Pflege, Arzt überprüft ob Pflege dass kann, delegiert dann "runter"...) DAFÜR übernimmt aber zum Beispiel eine "Stationssekretärin" Tätigkeiten der Pflege, wie "Ausfüllen von RÖ-Anforderungen, Terminierung von Untersuchungen, etc."...

Dann muss man sich nur noch streiten, wie nun die Kosten verteilt werden...... ( 50% ärztlichen Budget und 50% Pflegebudget??)

Denn so wie du es beschreibst, ist dies zur ein "zuballern" der Pflege mit "Pflegefremden Tätigkeiten" ohne irgendwo für eine Entlastung der Pflege zu sorgen, und dies ist der falsche Ansatz. Die Pflege muss endlich wieder dahin kommen, ihre qualifizierte Ausbildung anzuwenden und auszuführen, da stimme ich dir vollkommen zu.

R
ridgeback

03.12.2008 um 20:29 Uhr

K
klink

04.12.2008 um 08:10 Uhr

@galaxy,

es geht mir darum einen Weg zu finden unserer PDL zu erklären, dass Geld verdienen allein nicht alles ist, sondern Arbeit auch etwas mit wohlfühlen am Arbeitsplatz zu tun hat. Sicherlich, ich höre schon die Kritiker.

Aber das Hauptgreuel, sind mir die Mitarbeiter die ackern wie die Pferde untereinander meckern wie schlimm es doch ist, und wenn am Wochenende wieder Ersatz gesucht wird, als erste die Händer heben. Versteht jemand dieses Procedere? Wir sind als BR vor Ort, wir geben eine monatliche Zeitung heraus, ver.di ist aktiv bei uns , wir haben Vordrucke für Überlastungsanzeigen erstellt und verteilt.------Aber es passiert nichts!!!!!! Ich frag mich was KANN DER BR NOCH MACHEN???

K
Kölner

04.12.2008 um 08:26 Uhr

@klinik Warum soll der BR mehr machen? Hat nicht Ver.di den Slogan herausgegeben "Mein Frei gehört mir!"?

Ich sehe das so: Jeder ist doch seines eigenes Glückes Schmied und wer in der Pflege arbeitet hat sowieso ein gewisses Stigmata (nennt sich mitunter auch Helfersyndrom) mit sich herum zu schleppen. Demnach kann ein BR oft nur in der Funktion des Warners/Rufers in der Wüste auftreten - nicht mehr, nicht weniger. Wer dann aber einerseits meckert wegen zuviel Arbeit und andererseits sofort einspringt wenn Not am/an Mann/Frau ist, der hat es eben nicht anders verstanden.

Das einzig Schlimme daran ist, dass es AG und deren Vertreter zusätzlich sehr gut verstehen, noch eine Tonne Moralin ('die arme Kranke auf Zimmer 4 fragt nach Ihnen', 'der Patient wäre ohne ihren Einsatz nicht versorgt') auszuschütten.

So gesehen kann sich ein BR zwar gut über diese Dinge beklagen, aber wer nicht will, der hat schon. Dann wiederum gäbe es m.E. bessere/wichtigere Baustellen - eine davon könnte die wirtschaftliche Situation fast einer jeden Klinik sein, oder die soziale Kompetenzen der Chefärzte, oder die leistungsgerechte Bezahlung, oder die Ausgliederung, oder die MVZ, oder die Ausstattung der Zimmer, oder oder oder....

K
klinik

04.12.2008 um 08:59 Uhr

@Kölner,

du hast ja Recht. Aber das ist so frustrierend. Und Rufer in der Wüste..... davon bin ich schon heiser, vom rufen. Tja und ganz nebenbei noch das Tagesgeschäft im BR.

Danke, dass man mal woanders Luft ablassen konnte.

PS: Dein Thread war ein Bsp. für "positiven Schreibstil" ;-))

G
Galaxy

08.12.2008 um 12:48 Uhr

@klinik

ich kann deinen Frust sehr gut verstehen, bei uns ist es so ähnlich, wir "predigen" immer und immer wieder "Mein Frei gehört mir" und daß ein DP für BEIDE Seiten verbindlich ist, aber daß "Helfersyndrom" wie es Kölner beschreibt ist größer als der Frust, schon wieder einzuspringen. Zu dem "Helfersyndrom" gegenüber den Patienten kommt ja noch daß "Mitleidssyndrom" frei nach dem Motto: Wenn ich jetzt nicht einspringe, dann ist meine arme Kollegin ganz alleine und dies will ich nicht! Die MA wollen einfach nicht begreifen daß die PDL hier immer wieder ihre Klaviatur runterspielt und dann, wenn immer noch keiner einspringen will, damit droht, den nächst besten zwangs zu verpflichten, spätestens dann sagt einer "freiwillig" ok, ich mache den Dienst. Ich habe in 18 Jahren Klinikalltag inclusive 14 Jahren BR-Tätigkeit, davon seit 2,5 Jahren freigestellt noch NIE erlebt, daß diese Drohung war gemacht wurde. Wie denn auch, es gibt schlichtweg keine Zwangsverpflichtung, und der "Bus", der direkt vor dem Krankenhaus verunglückt und eine Massenanzahl von Verletzten verursacht ist in dieser zeit auch noch nicht verunfallt. Du siehst, es ist überall gleich, du bist nicht alleine mit deinem Frust, darum die Möglichkeit der gleichmässigen Verteilung von "Schnittmengen", nach unten abgeben und von oben übernehmen(Antwort 106996). Wir haben damit vor einem Jahr angefangen, auf Pilotstationen sowas auszuprobieren, und es funktioniert. Examiniertes Pflegepersonal bekam eine "Auffrischung" zum Thema Blutabnahme inclusive Praxisanleitung, der Stationsarzt hat sich davon überzeugt, daß es die MA können, nun wird es gemacht. Dafür wurde auf der Station eine Stationssekretärin eingestellt, diese wird zur Hälfte aus dem Pflegebudget und zur Hälfte aus dem ärztlichen Budget bezahlt, nimmt die organisatorischen Dinge größtenteils ab, und wir haben erreicht: Der Chirurg kommt früher in den OP, kann damit effektiver arbeiten.... Die Schwester hat mehr Zeit für den Patienten.... 1 neue Stelle für die Stationssekretärin.... und das ganze Kostenneutral, denn durch die frühe Präsenz des Chirurgen im OP konnten mehr Fälle DRGmässig abgerechnet werden, dadurch Mehreinnahmen für unser Krankenhaus..... Läuft bisher nur in der Chirurgie, für die Internisten versuchen wir gerade dasselbe oder ähnliches zu erreichen.....

Also, die Hoffnung nicht verlieren und weiter der "Rufer in der Wüste" sein oder wie sich evtl. der Kölner ausdrücken würde "Es kütt, wie es kütt"

Galaxy

K
klinik

08.12.2008 um 15:48 Uhr

@Galaxy,

wir sind ein psychiatrisches Krankenhaus, mit 4 Stationen Neurologie (Abrechnung nach DRG). Ich werde deine Anregung aufnehmen. Entscheidend ist nur dass in den Arztstellen, nach Psych-PV in der Psychiatrie, auch Stellenanteile locker gemacht werden.

G
Galaxy

08.12.2008 um 15:59 Uhr

@Klinik Es gibt einen guten Artikel zum Thema "Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten" im "Infodienst Krankenhäuser" Ausgabe 43 vom Dezember 2008 mit der Stellungnahme von Verdi zu diesem Thema, müsstest du auch bekommen, oder? Ver.di ist doch aktiv bei euch....

Viel Glück bei deinem Vorhaben

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