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Benachtiligte Arbeitnehmerin

N
Nacktwiesel
Jul 2019 bearbeitet

Hallo zusammen, ich bin neu im BR, unser Gremium ist allerdings auch nur von Neulingen besetzt.

Eine Mitarbeiterin (Außendienst, Verlagswesen) kam auf mich zu und beschwerte sich über Ihren Abteilungsleiter. Dieser würde (geringfügig) sexuelle Anspielungen loslassen. Außerdem stelle er sich vor einen Kunden anstatt die (ebenfalls geringfügigen) sexuellen Anspielungen anzuprangern und dem Kunden mal zu sagen: "So geht´s nicht." Die Kollegin ist im übrigen nicht auf die Anspielungen eingegangen. Daraufhin hat sich der Kunde bei Ihrem Abteilungsleiter beschwert; er wolle einen anderen Ansprechpartner (nach knapp zwei Jahren fiel ihm ein, die Chemie würde nicht stimmen …) Anstatt den Kunden zurechtzuweisen und die Eier in der Hose zu haben, sich mal gemeinsam an einen Tisch zu setzen, hat der Kunde jetzt einen neuen Ansprechpartner und die Kollegin einen umsatzstarken Kunden weniger. Zwar hat sie vom Kollegen, der ihren alten Kunden jetzt betreut, zum Ausgleich einen anderen Kunden bekommen, jedoch ist dieser nicht so umsatzstark. Die Kollegin wird seitdem vom Abteilungsleiter nur noch kurzgehalten, auch dessen Vertretung ist meiner Kollegin gegenüber "eiskalt" und fast schon unfreundlich. Jetzt stehen noch Zielgespräche für 2019 an und die Kollegin frage nach Unterstützung des BRs. Gemäß BetrVG darf der BR ja an solchen Gesprächen teilnehmen. Alles nicht so einfach für einen Neuling im BR; soll ich da alleine mit rein und erstmal alles zur Kenntnis nehmen? In wie fern darf ich denn kritische Fragen stellen und die Missstände, die hier jetzt herrschen, zur Sprache bringen? Die Kollegin hat Angst, es könne in dem Gespräch eine Kündigung ausgesprochen werden …

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Community-Antworten (16)

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kratzbürste

08.07.2019 um 16:08 Uhr

Naja - eine Kündigung würde ja zuvor eine Anhörung des BR erfordern. Aber du gehst natürlich allein mit. Du darfst auch mitreden. Spreche das vorher mit der Kollegin ab. In erster Linie bist du natürlich Zeuge und fertigst am besten ein Gesprächsprotokoll an.

B
BRHamburg

09.07.2019 um 08:24 Uhr

Und noch ein persönlicher Tipp. Du solltest dir klar machen, das es keine " geringe Sexuelle Belästigung" gibt. Den was Du damit aussagst ist: Die soll sich nicht so anstellen! Die Kollegin fühlt sich belästigt und nur das ist der Maßstab.

E
ExBoMa

09.07.2019 um 08:25 Uhr

Das ein MA zu einem Personalgespräch gebeten wurde und dachte, es ginge um eine Gehaltserhöhung, dann aber die Kündigung erhalten hatte, ist bei uns schon vorgekommen. (Die Trennung wurde dann zum Schluss für den AG recht teuer)

Hier gibt es mehrere Themen:

  1. Sexuelle Anspielungen durch Vorgesetzte und Kunden: Hier würde ich der Mitarbeiterin empfehlen, mit einem RA Kontakt aufzunehmen. Des weiteren solltet Ihr nach Rücksprache mit der Kollegin auf Eure GL/GF zugehen und den Fall ansprechen. Nach §85 BetrVG ist das eine Beschwerde eines MA und Ihr müsst beim AG auf Abhilfe hinwirken. Agiert hier als Gremium.

  2. Das Gespräch: Nehmt mit zwei BRs teil und macht Euch Notizen. Besprecht zuvor mit der Kollegin, ob Ihr erst mal eine passive Rolle einnehmen sollt, oder Euch aktiv beteiligen sollt. Aus meiner Erfahrung hilft schon die Anwesenheit des BR. Manchmal ist es in solchen Gesprächen gut, zwischendurch dem AG bei Bedarf "den Wind aus den Segeln zu nehmen" und dem MA etwas "Zeit zum Überlegen" zu verschaffen.

Allgemein: "...Anstatt den Kunden zurechtzuweisen und die Eier in der Hose zu …" -> Verwende solch eine Rhetorik niemals unbedacht gegenüber dem AG oder öffentlich außerhalb Eures BRs. Manche BRs nutzen solche Rhetorik in Einzelfällen aus strategischen Gründen. Dazu bedarf es aber Erfahrung. Ich selber halte das ehr nicht für zielführend.

N
Nacktwiesel

09.07.2019 um 12:54 Uhr

Hallo. Vielen Dank für die schnellen Antworten! @Kratzbürste: Bei uns wird der Betriebsrat gerne mal übergangen und erst hinterher informiert.

@BRHamburg: also, "sie sahen gestern wieder scharf aus" und "musste den ganzen Abend an Sie denken" finde ich geringfügiger als die Trump-Methode und handgreiflich zu werden. Ich unterscheide da schon für mich persönlich.

@ExBoMa: Danke für den Hinweis, die GL - auf Wunsch der Kollegin - auf die Missstände hinzuweisen und auf Abhilfe zu drängen. Der Einwand mit den Eiern ist gerechtfertigt; ich wollte lediglich hier im (anonymen) Forum nicht um den heißen Brei formulieren sondern kurz und knapp die Problematik darstellen. Dass das nicht zielführend sein kann bei Interaktion zwischen BR und wem auch immer, ist klar. Nichtsdestotrotz Danke für den Hinweis :-)

P
Pjöööng

09.07.2019 um 13:01 Uhr

-also, "sie sahen gestern wieder scharf aus" und "musste den ganzen Abend an Sie denken" finde ich geringfügiger als ... -

"geringfügiger"? Was Donald T. macht ist also "geringfügig" und solche aggressiven Sprüche sind noch geringfügiger?

Aus meiner Sicht sind diese "Sprüche" absolute Grenzüberschreitungen! Da will ich gar nicht wissen welche Handbewegungen er evtl. noch bei dem zweiten Spruch gemacht hat. Einfach nur widerlich!

Na, ich weiß nicht ob Dein Standpunkt noch in die heutige Zeit passt. Aber vielleicht sieht die Welt anders aus wenn man ein Nacktwiesel ist.

Ich würde mir an Stelle der Kollegin jedenfalls jemand anderes als Unterstützung holen.

N
Nacktwiesel

09.07.2019 um 13:19 Uhr

@Pjöööng Die Aussagen des Kunden kamen in Form von E-Mail; also ohne Handbewegungen. Die Kollegin kennt den Kunden seit Jahren, kann die Bemerkungen durchaus einschätzen und hat diese für sich ignoriert und ist nicht darauf eingegangen. Sie kann damit also durchaus umgehen und möchte diesbezüglich auch keine Handlung des BR. Dass diese Äußerungen nicht gehen, ist eindeutig Fakt. Aber wenn wir da nichts machen sollen, müssen wir das akzeptieren. Das Trump geringfügig ist, das haben Sie so interpretiert.

Wenn man mit etwas gesundem Menschenverstand durch die Gegend geht und keine verklemmte Jungfer ist, kann eine im Leben stehende Frau mittleren Alters durchaus differenzieren, wie eine Äußerung oder Anspielung zu bewerten ist.

Mein Username hat in dieser Diskussion keinerlei Einfluss auf deren Inhalt; ich hätte mich auch "Sonnenblume", "Lucifer" oder "gnöööjp" nennen können …

P
Pjöööng

09.07.2019 um 14:02 Uhr

  • Eine Mitarbeiterin (Außendienst, Verlagswesen) kam auf mich zu und beschwerte sich über Ihren Abteilungsleiter. Dieser würde ... sexuelle Anspielungen loslassen. Außerdem stelle er sich vor einen Kunden anstatt die ... sexuellen Anspielungen anzuprangern und dem Kunden mal zu sagen: "So geht´s nicht." Die Kollegin ist im übrigen nicht auf die Anspielungen eingegangen. Daraufhin hat sich der Kunde bei Ihrem Abteilungsleiter beschwert; er wolle einen anderen Ansprechpartner (nach knapp zwei Jahren fiel ihm ein, die Chemie würde nicht stimmen …) Anstatt den Kunden zurechtzuweisen und die Eier in der Hose zu haben, sich mal gemeinsam an einen Tisch zu setzen, hat der Kunde jetzt einen neuen Ansprechpartner und die Kollegin einen umsatzstarken Kunden weniger -

Sag mal, merkst Du wirklich nichts? Da gibt es diesen Kunden mit dem widerlichen Altherrengehabe. Warum erzeugt er diese für Frauen offensichtlich unangenehme Situation? Vermutlich um Macht über sie auszuüben.

Dann gibt es da den Vorgesetzten der auch nicht besser ist, vermutlich aus den selben Beweggründen und diesen Kunden dabei auch noch unterstützt.

Jetzt kommt diese Kollegin zu Euch und beschwert sich über die sexuellen Belästigungen und Du machst daraus ein "geringfügig" und "sie kann damit also durchaus umgehen"? Klar, deshalb ist sie ja auch auf Euch zugegangen und hat sich beschwert...

  • Wenn man mit etwas gesundem Menschenverstand durch die Gegend geht und keine verklemmte Jungfer ist, kann eine im Leben stehende Frau mittleren Alters durchaus differenzieren, wie eine Äußerung oder Anspielung zu bewerten ist. -

Oha! Frauen die sich von solchen Bemerkungen belästigt oder verletzt fühlen sind also "verklemmte Jungfern"?

Mit Dir haben sie tatsächlich den Bock zum Gärtner gemacht. Da scheinen ja wirklich widerliche Sitten bei Euch im Betrieb zu herrschen, aber immerhin machen alle mit.

M
Milchknilch

09.07.2019 um 14:45 Uhr

Was mich an dieser inzwischen ewigen Diskussion um sexuelle Belästigung stört ist, dass Frauen als hilflose Opfer dargestellt werden. Das sind sie aber in aller Regel nicht. Wenn man einen dummen Spruch aufgetischt bekommt, kann man ganz einfach einen dummen Spruch zurücklassen und die Sache ist in aller Regel geklärt. Hört doch bitte mal auf, Frauen abzusprechen, dass sie mündige Bürger sind, die nicht permanent einen Beschützer brauchen. Willkommen im Zeitalter der Gleichberechtigung!

Die Sprüche hätte sich der Kunde bzw. der Abteilungsleiter sparen können. Punkt. Das gehört denen von Seiten des Betriebsrates auch in aller Deutlichkeit gesagt. ABER: Nicht hinter jedem anzüglichen Satz steckt gleich eine böse Absicht. Niemand von uns war in den entsprechenden Situationen dabei und kann das abschätzen. Vielleicht sind die Herren auch einfach "Saubauern" (wie man bei uns in Bayern sagt), die einfach eine total unbeholfene und dumme Art haben, Komplimente zu machen. Wir wissen es nicht. Man muss da jedenfalls keinen Staatsakt draus machen. Einfach direkt ansprechen und gut.

Manchmal glaube ich echt, die Welt ist komplett verrückt geworden...

P
Pjöööng

09.07.2019 um 14:56 Uhr

"... inzwischen ewigen Diskussion um sexuelle Belästigung ..."

Was willst Du uns mit dieser Formulierung sagen? Dass man schon viel zu lange über dieses Thema "diskutiert" und endlich damit aufhören soll?

Was mich an Deinem Beitrag stört ist, dass Du den Frauen vorschreiben willst, wie sie zu reagieren haben, dass Du verkennst dass nicht jede Frau gleichermaßen in der Lage ist auf solch einen Angriff passend zu reagieren. Was Du im Grunde genommen sagst ist doch: "Liebe Frauen, wenn Ihr auf solch einen Angriff nicht richtig reagiert, dann seid Ihr doch selber schuld!"

Und das mit der bösen Absicht: Wenn ich jemanden verletze ist es für die Verletzung unerheblich ob ich es mit Absicht gemacht habe, oder nicht. Auch unbeabsichtigte Verletzungen sind Verletzungen. Und man sollte hier auch mit dem Täter bitte nicht milder umgehen als mit dem Opfer. Der Mensch ist in der Lage sich anzupassen.

E
ExBoMa

09.07.2019 um 15:12 Uhr

Nacktwiesel, ich gehe mal davon aus, dass Du zur männlichen BRs gehörst. Ob Du schon ausreichend reagiert hast, kann man hier aus meiner Sicht nicht bewerten, da man dazu die gesamte Situation mit allen Randbedingungen kennen müsste. Von Angriffen auf Fragestellern (oder anderen Antwortgebern) halte ich auch nicht viel, aber aus der Antwort von Pjöööng kann man vielleicht schließen, dass es gut wäre, wenn sich ein weibliches BR Mitglied einfach mal mit der Kollegin unterhält und mögliche Unterstützung durch den BR bespricht. Das Thema ist wirklich eines der sensibelsten Themen, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Vielleicht liegt bei Euch ja auch ein grundsätzliches Problem vor und keine Kollegin traut sich, etwas zu sagen.

Bei solchen Themen würde ich aber (so wie Du auch schon) nie vorgehen, wenn es die betreffende Person ausdrücklich nicht möchte. In dem Fall würde ich aber den Kontakt zur Person halten und die Situation genau beobachte um dann ggf. schnell der Person Hilfe anbieten zu können.

M
Milchknilch

09.07.2019 um 15:32 Uhr

@Pjöööng:

Es wäre nett, wen Du mir nicht Worte in den Mund legen würdest, die ich weder gesagt, noch gemeint habe...

Für mich sind Frauen und Männer VOLLSTÄNDIG gleichberechtigt. Sie haben aber auch die gleichen PFLICHTEN! Das ist der einzige und relevante Punkt, um den es mir in dieser Debatte geht. Man kann doch nicht permanent Rücksicht auf die persönlichen Befindlichkeiten eines jeden Menschen nehmen. Wie soll ich die auch wissen, wenn ich jemanden nicht besonders gut kenne? Ich bin ein sehr direkter Mensch, mit viel Empathie, aber direkt. Ich finde, das ist gerade als Betriebsrat sehr hilfreich. Das gefällt auch einigen nicht. Ist halt so, Menschen sind verschieden.

Nicht dass ich hier falsch verstanden werde: Sexuelle Belästigung geht gar nicht und muss je nach Härtegrad auch geahndet werden. ABER man sollte auch bitte die Kirche im Dorf lassen. Ich kenne nicht eine einzige Frau, die sich von so einem lächerlich dummen Spruch wie: "Du siehst heute aber scharf aus" aus der Bahn werfen lässt.

Zum Thema selbst: Einfach mal mitgehen auf das Gespräch und erst mal als stiller Zuhörer dabeisitzen. Man merkt schnell wenn der Mitarbeiter Hilfe braucht, dann kann man ihm oder ihr beispringen.

P
Pjöööng

09.07.2019 um 15:41 Uhr

Milchknilch,

welche Worte habe ich Dir in den Mund gelegt, die Du nicht gesagt hast? Ich habe mit "copy/paste" zitiert, so dass es eigentlich ausgeschlossen sein sollte dass dort nun etwas anderes steht als Du geschrieben hattest.

Aber ich denke wir sollten es gut sein lassen. Deine Wahrnehmung von der Wirklichkeit unterscheidet sich doch extrem von dem was ich wahrnehme. Alleine schon die VOLLSTÄNDIGE Gleichberechtigung ist ja nun wirklich noch nicht realisiert.

E
ExBoMa

09.07.2019 um 17:15 Uhr

Pjöööng, Du bringst hier oft inhaltlich gute Antworten. Manchmal wäre es wünschenswert eine andere Rhetorik zu verwenden. Mit Deinen Fragen "Was willst Du uns mit dieser Formulierung sagen? Dass man schon viel zu lange über dieses Thema "diskutiert" und endlich damit aufhören soll?" -> unterstellst Du indirekt Milchknilch den Inhalt Deiner Frage.

Dann: "Was mich an Deinem Beitrag stört ist, dass Du den Frauen vorschreiben willst, wie sie zu reagieren haben, dass Du verkennst dass nicht jede Frau gleichermaßen in der Lage ist auf solch einen Angriff passend zu reagieren. Was Du im Grunde genommen sagst ist doch: "Liebe Frauen, wenn Ihr auf solch einen Angriff nicht richtig reagiert, dann seid Ihr doch selber schuld!""" Der letzte Satz ist auch eine Unterstellung, mal abgesehen davon, dass die Ursprungsfrage von Nacktwiesel hier im Vordergrund stehen sollte und nicht das Kommentieren anderer Antworten. ...es sein denn, die sind inhaltlich offensichtlich falsch.

P
Pjöööng

09.07.2019 um 17:52 Uhr

ExBoMa, für Dich mag es wünschenswert sein (Du solltest hier aber auch nicht unterstellen dass es generell wünschenswert wäre).

Milchknilch wird sich sicherlich etwas dabei gedacht haben, dass er hier die Übertreibung der "ewigen" Diskussion als Stilelement gewählt hat. Für mich legt es die von mir genannte Interpretation nahe und ich habe lediglich nachgefragt ob ich das was er damit sagen wollte auch richtig verstanden habe. Wobei mir eine andere Interpretation des Wörtchen "ewig" in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht einfällt. Und wenn ich dann nachfrage, dann gebe ich ihm die Möglichkeit zu erklären was er zum Ausdruck bringen wollte. Ist doch nur fair. Da brauchst Du mir doch nicht zu unterstellen, ich wollte Milchknilch etwas unterstellen!

"Der letzte Satz ist auch eine Unterstellung" Nö! Wenn man etwas über das nachdenkt was Milchknilch hier schreibt, dann kann man nur zu dieser Interpretation kommen. Aber auch das könnte Milchknilch ja geraderücken.

Ob ich andere Antworten kommentiere, das musst Du schon mir überlassen, dafür brauche ich Deine Kommentare nicht. Und für mich gibt es nunmal Dinge die ich so nicht stehenlassen kann. Das ist Gedankengut welches heute wirklich nicht mehr existieren sollte. Wir sind hier nicht mehr in den 50er oder 60er Jahren, zum Glück!

E
ExBoMa

10.07.2019 um 09:06 Uhr

Hallo Pjöööng,

Danke für die konstruktive Antwort! Das Forum "lebt" von unterschiedlichen Meinungen und Lösungsansätzen. Und wenn ich mal total daneben liegen sollte, weis mich in der Art und Weise gern darauf hin.

X
XYZ68

10.07.2019 um 10:52 Uhr

zurück zum Thema Wenn ich als Außendienstmitarbeiterin von einen meiner umsatzstärksten Kunden "blöde Anmachsprüche" bekomme, würde ich den Schutz durch meinen Vorgesetzten erwarten. Den Kunden so zu antworten, wie ich es im Normalfall machen würde, hätte die Konsequenz, die es hier dann auch hatte - ich verliere einen guten Kunden und somit Provision. Ich gehe davon aus, das die Kollegin ihren Kunden kennt und die Konsequenzen erahnt hat. Grade wenn der Chef ähnlich tickt, wie es anscheinend hier der Fall ist (nur eine Vermutung), war das Gespräch mit der Bitte um Hilfe auch wirklich ein Hilferuf. Da es ja anscheinend eine Mail gab, würde ich als Betriebsrat hier dringend das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und darauf dringen, dass solches Verhalten entsprechend reglementiert wird.

Zum Gespräch würde ich die Kollegin begleiten und ggf. eingreifen. Natürlich würde ich mich vorher mit der Kollegin besprechen. Grade als neuer Betriebsrat ist es wichtig, euch auch schulen zu lassen.

Sollte der Arbeitgeber den Fehler machen eine nicht beim Betriebsrat angehörte Kündigung auszusprechen dann gibt es doppelt Feuer: Die Kollegin sollte umgehend Kündigungsschutzklage einreichen und ihr einen Unterlassungsanspruch bei Gericht erwirken (falls es schon öfter vorgekommen ist)

Und für die lieben Kollegen, die darüber streiten, was eine sexuelle Belästigung ist empfehle ich folgenden Link: https://www.onpulson.de/lexikon/sexuelle-belaestigung/

Es liegt immer im Auge des Betrachters, aber in einen Abhängigkeitsverhältnis (und das ist ein Arbeitsverhältnis) gibt es genug Frauen und auch Männer, die die Verbalen Belästigungen schlucken aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes. Der eine hat ein dickes Fell und ihm macht es wirklich nichts aus, dem anderen geht es unter die Haut und er lässt es sich nur nicht anmerken, auch um Sprüche wie … hab dich nicht so.... ist doch nicht so gemeint... sei nicht so prüde... zu vermeiden. Häufig genug steht nicht der Täter sondern das Opfer am Pranger.

Der Kollegin wünsche ich Kraft und den Betriebsräten, die sie unterstützen auch.

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