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Dieser Beitrag ist vor 19 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

80/20 Gehaltsmodel gekoppelt an Ziele - was wenn BR diese Änderungskündigungen nicht unterschreibt?

V
vip3k
Jan 2021 bearbeitet

Hallöchen @ all,

unser Chef will uns allen in der Firma ein neues Gehaltsmodell vorstellen. "80/20" D.h.: Jedem sein Gehalt (100%) wird aufgeteilt in 80% Pflichtanteil und 20% "kann-erreicht-werden", gekoppelt an Ziele. Nun stellt sich das als verschlechterung da und ich als BR-Vorsitzender würde die Änderungskündigung nicht unterschreiben, kann mir und den folgenden AN bei nicht unterschreiben etwas passieren?

Gruß VIP3K aus Hessen

9.123022

Community-Antworten (22)

G
Gasmann

15.10.2006 um 13:09 Uhr

Tachchen, habt Ihr in Eurem Betrieb keinen Tariefvertrag? Dann hätte sich das Modell fast erledigt. Bei uns gibt es etwas ähnliches als Nebenabrede. Da können die Mitarbeiter zusätzlich zum Tariflich festgelegten Lohn/Gehalt einen Bonus dazuverdienen. Folge: Einige sind sogar am Samstag oder Sonntag da und verstoßen sehr oft gegen das Arbeitszeitgesetz und und scheffeln riesige Mengen mitbestimmungsflichtige Überstunden. Überlegt Euch was Ihr da vorhabt.

V
vip3k

15.10.2006 um 13:16 Uhr

Hallo gasmann,

nein, einen TarifV haben wir nicht. IT-Branche eben.... das ist sehr lobenswert, das Ihr euch zusätzlich zu dem T etwas dazuverdienen könnt, bei uns sieht das so aus: seit 5 Jahren keine Gehaltserhöhung, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, keine VWL. Nun soll das Gehalt von 100% in 2 Teile gebracht werden. Fix 80% (die sind VON den 100%, nicht 80 = 100!!!!) die restlichen 20% sollen, um auf seine ehemaligen 100% zu kommen, dazuverdient werden. Diese Regelung wird dann an Ziele geknöpft. Also, eine ganz linke Angelegenheit um Lohnkosten zu sparen. Der Firma geht es nicht schlecht, also, rot wird nicht geschrieben, es könnte zwar besser sein, aber Perso-Abbau hatten wir nun auch schon wieder gehabt mit einem klassischen "Umbau" einer Abteilung ;-(

Gruß

L
Lotte

15.10.2006 um 14:00 Uhr

vip3k, was der AG da versucht ist ja wohl leider gang und gäbe, aber verhinderbar.

Ihr solltet die MA auffordern, keine Änderungskündigung zu unterschreiben, Ihr solltet Euren WA einschalten und Ihr solltet schleunigst eine BetrV organisieren auf der auch der AG Stellung beziehen muss.

In einer Kündigungsschutzklage müsste der AG seine Finanzen offen legen und beweisen, dass es dem UN so dreckig geht, dass ihm keine andere Möglichkeit als die der Änderungskündigung bleibt.

Und die Sorge um Deine eigene Kündigung solltest Du mit Verlaub hinten an stellen, denn vor dem BRM gehen erstmal viele andere. Um die solltet Ihr Euch sorgen.

P
paula

15.10.2006 um 16:23 Uhr

ich denke hier gehen ein paar sachen durcheinander. stelle jetzt mal ein paar vermutungen an

zunächst wird der AG wohl versuchen mit änderungsverträgen das ganze zu regeln und vielleicht erst in einem zweiten schritt mittels änderungskündigung. einvernehmlich bekommt er das ja viel leichter hin.

bei einer änderungkündigung hätte er vor dem arbeitsgericht wohl kaum eine chance. das vorliegenden vergütungsmodell ist ja wohl nicht auf kostenreduzierung angelegt sondern es geht um lohndifferenzierung und strategische ausrichtung gesteuert über entlohnung. da ist aber wohl kaum ein grund im sinne des § 1 KSchG.

wie sieht es eigentlich mit dem MBR nach § 87 Abs. Ziff. 10 BetrVG aus...

V
vip3k

15.10.2006 um 20:06 Uhr

Hallo paula,

Danke für die Info. So weit ich es absehen kann, wird der AG an unsere BV, als Gaste, das neue Lohnmodel den Kolleginnen und Kollegen vorstellen und somit schon einmal auf die anstehenden Änderungskündigungen hinweisen. Da es sich hierbei um die Frage eines Bestandteiles des Arbeitsvertrages handelt, sind wir schon einmal infomiert worden.

Mhhhh, BetrVG §87 Abs. Ziff 10, sagt doch aus, wenn wir mit dem neuen Model nicht einverstanden sind, stimmen wir der ganzen sache nicht zu? Gut, dann werden wir das doch einfach mal so machen, weil auf 20% meines Gehaltes wollte ich nicht verzichten und meine arbeit ist nicht "messbar"

Wenn wir der ganzen Sache nicht zustimmen, sind wir dann zu Verhandlungen verpflichtet? Es steht noch die 40 Stundenwoche ohne Lohnausgleich im Raum......

L
Lotte

15.10.2006 um 20:21 Uhr

vip3k,

sag mal, geht es Dir hier nur um Dich oder geht es um Deine Kollegen, die Du als BRM vertrittst?

Meinst Du mit BV Betriebsversammlung? Dort solltet Ihr die Kollegen darüber aufklären, dass sie keinesfalls einer Änderung ihrer Verträge zustimmen sollen. Wenn der AG Lohnkürzungen und die Verlängerung der AZ mit Euch verhandeln will, müsst Ihr Euch erstmal nicht darauf einlassen. Holt Euch kompetente Unterstützung seitens der Gewerkschaft ins Boot oder nutzt Euren Anwalt.

V
vip3k

15.10.2006 um 21:50 Uhr

Lotte,

wo denkst Du hin, natürlich denke ich in "Ich-Form" für die Kolleginnen und Kollegen. Das ist mein Job!!!! Das ganze mit unserer Anwältin zu besprechen war auch schon unsere Idee. Nun war ich allerdings 2 Wochen nicht in der Firma und fahre Morgen früh für ein paar Tage ins Ausland, klar, für die Firma. Dann könnte ich aber der Stellvertrehterin die Aufgabe erteilen sich weiter um die angelegenheit zu kümmern.

Wenn ich alle aufkläre die Änderungskündigung nicht zu unterschreiben, schlage ich dann nicht Parole gegen unseren Chef? Uns wurde schon einmal gedroht den Standort einfach zu schließen weil wir, der BR, dem Vorstand ein Dorn im Auge sind. von 50 Standorten sind wir der Einzigste mit BR aus früheren Zeiten..... Eine Schließung könnte der Vorstand gut mit einer Zusammenlegung mit einem anderen Standort verkaufen der gerade mal 40km entfernt liegt.........

Ich glaube wir sollten hier doch eher Aufklärungsarbeit leisten oder?

L
Lotte

15.10.2006 um 22:07 Uhr

vip3k,

Da bin ich ja beruhigt...

Man kann von Ferne so schlecht raten, aber wäre es nicht fatal, wenn einige aus Angst vor Kündigung unterschreiben würden?

Man kann geschlossen oft viel mehr erreichen als man denkt, haben das gerade bei Kollegen in einem großen Konzern erlebt, die übrigens zu Hauf die Sprechstunde des BR besuchten und so die Produktion lahmlegten

K
Kölner

16.10.2006 um 01:04 Uhr

@all Es ist nicht immer die allerschlechteste Idee, AN einen Teil des Gehaltes "variabel" zu stellen. Natürlich wird es dem - verständlicherweise - Besitzstandsdenker damit nicht gut gehen. Nur: Mitunter verdienen dann manche AN in so einem Splittsystem das, was sie auch wirklich arbeiten.

L
Lotte

16.10.2006 um 01:14 Uhr

Kölner, aber man könnte ja auch auf die 100% noch was draufpacken... warum das wohl keiner macht... eigentlich hätte ich ja erwartet, dass Du noch etwas zu der Sprechstunde schreiben würdest... ;-))

K
Kölner

16.10.2006 um 12:14 Uhr

@Lotte Offensichtlicher Streik der Belegschaft, der wiederum unter dem Namen "Sprechstundenbesuch auf einen Schlag" firmiert? Leicht für einen AG durchschaubar; für ein ArbG auch.

M
Mona-Lisa

16.10.2006 um 12:17 Uhr

@Kölner, ich nenn diese "Sprechstunde" das Recht des MA, sich beim Betriebsrat zu informieren.

Und noch was, das funktioniert!

K
Kölner

16.10.2006 um 12:21 Uhr

@Mona-Lisa Alle AN kommen auf einen Schlag in die Sprechstunde? Und warten dann darauf, dass sie aufgerufen werden? Wenn ich AG wäre, wäre das ein gefundenes Fressen, um entsprechend zu handeln - das funktioniert dann auch!

M
Mona-Lisa

16.10.2006 um 12:34 Uhr

@Kölner, ganz so läuft das nicht. Wir sind ja schliesslich nicht beim Arzt. Wir hatten schon Abteilungen, die sich (mit ein paar Ausnahmen) beim Vorgesetzten abmeldeten, und geschlossen beim Betriebsrat einmarschiert sind. Was will ein AG dagegen unternehmen?

P
packer

16.10.2006 um 16:11 Uhr

hi vip,

ihr scheint ja ein paar baustellen zu haben. üblicherweise, ohne tarifvertrag in eurer branche, wird dann das ganze über eine betriebsvereinbarung geregelt. solltet ihr euch aber auf den tarifvorbehalt des §77 (3) BetrVG berufen, halte ich es für sinnvoll über einen haustarif zumindest nachzudenken. hier habt ihr als kompetenten partner die gewerkschaft mit im boot. das setzt aber einen relativ hohen organisationsgrad voraus.

gruß, packer

K
Kölner

16.10.2006 um 19:54 Uhr

@packer Ziehst Du die Gewerkschaftshose auch mal aus? ;-)

L
Lotte

16.10.2006 um 20:11 Uhr

packer,

" ...das setzt aber einen relativ hohen organisationsgrad voraus."

Habe glaube ich schon mal erwähnt, dass unsere Gewerkschaft auch bei nur 10% organisierten Gewerkschaftern Haustarife verhandelt hat.

Kommt vielleicht auch auf die Größe des Betriebs an...

L
Lotte

16.10.2006 um 20:13 Uhr

Kölner,

es überrascht Dich wahrscheinlich nicht, dass ich in Bezug auf die Sprechstunde eher Mona-Lisas Meinung teile... ;-))

K
Kölner

16.10.2006 um 20:18 Uhr

@Lotte Ich sach mal so: Ver.di wird immer unglaubwürdiger! Sie kümmert sich im ein oder anderen Betrieb wirklich rührend um ihre Beitragszahler, lässt andere wiederum am langen Arm verhungern. Hinsichtlich eines HT kommt zum anderen auch auf die "herausragende Stellung des UNs" an der am besten noch Signalwirkung für andere Betriebe hat.

Und hör mir auf mit Mona-Lisa... :o)

L
Lotte

16.10.2006 um 21:01 Uhr

Lieber Kölner ;-),

kommt es nicht wie überall darauf an, wie die Menschen in bestimmten Fachbereichen der Gewerkschaft gestrickt sind? Wir haben halt einen sehr engagierten Gewerkschaftssekretär...

Das ist wie bei der katholischen Kirche, da kannte ich auch mal einen sehr engagierten Kaplan, der sich intensiv um die Jugend kümmerte, aber ich kenne auch Gemeinden, wo Jugend in den Gedanken der Hauptamtlichen nicht vorzukommen scheint...

M
Mona-Lisa

17.10.2006 um 00:27 Uhr

@Kölner, sei nicht so frech!

P
packer

17.10.2006 um 16:35 Uhr

@kölner

ick zieh die hose erst aus, wenn in köln bier getrunken wird... und mit bier mein ich auch bier!

greetz vom packer :)

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