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Umgang mit schwierigen Blockierern

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Commander_Keen
Feb 2023 bearbeitet

Hi zusammen,

ich schlage mich momentan im 9er Gremium als BRV mit einigen BR Mitgliedern herum die dafür sorgen, dass die Stimmung in den Sitzungen so schlecht ist, dass im Grunde kaum noch jemand Lust hat, mitzumachen. Bei uns im Betrieb läuft es tatsächlich eigentlich richtig gut, wirtschaftlich und auch was die betriebliche Mitbestimmung angeht. Mit dem neuen BR seit April letzten Jahres geht die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der GL aber langsam abwärts, da besagte Gremiumsangehörige einen Konfrontationskurs fahren wollen, immer die entsprechende Passage aus dem Gesetzbuch vorlesen und sich gar nicht erst um "vertrauensvolle Zusammenarbeit" bemühen möchten. Besagte Gremiumsangehörige sind auch so gestrickt, dass sie ihre direkte Kollegen alleine lassen wenn sie zur BR Sitzung sollen, auch wenn dort gerade aufgrund besonderer Umstände "die Hütte brennt" und kurzfristig seitens der Vorgesetzten keine organisatorische Möglichkeit bestand. Besagte Gremiumsangehörige lassen sich auch gerne 6 Wochen im Jahr für Seminare freistellen, weil es ja ihr gutes Recht ist. ich versuche im Gremiums als BRV immer zu vermitteln, dass wir auch für die KollegenInnen da sind, welche die BR-MitgliederInnen vertreten und dass wir als Gremium auch handlungsfähig bleiben wenn man mal nicht teilnimmt weil man den Kollegen nicht alleine lassen möchte. Dies immer und nur unter der Prämisse, dass die Handlungsfähigkeit des BR nicht eingeschränkt wird. Intern wird es dann teilweise seitens dieser Gremiumsangehörigen persönlich, ohne direkt beleidigend zu werden. Da fallen dann Bemerkungen wie "Du sitzt da lustig im BR Büro.." oder "ich wäre auf Schmusekurs mit der GL" etc. Da ich "leider" aus der Verwaltung komme und nicht aus dem operativen Bereich wird mir auch vorgehalten, dass ich ja gar nicht wüsste was im Werk passiert und wie es ist im Schichtdienst körperlich zu arbeiten. Was im Prinzip ja stimmt. Das Schlimme an der Sache ist, dass diese Gremiumsangehörigen dafür sorgen, dass die anderen resignieren und Sachen durchwinken, nur um Ruhe zu haben. Wie sind da Eure Erfahrungen? Wie geht Ihr damit um und habt Ihr Tipps? Ich nehme die toxische Stimmung tatsächlich mit nach Hause. Angetreten bin ich als BRV mit dem Anspruch, Dinge voranzubringen; dafür habe ich meinen alten Arbeitsplatz verlassen, bei dem ich sehr zufrieden war und bei dem ich als Führungskraft Personalverantwortung hatte. Jetzt fange ich an, den Wechsel zu bereuen.... Sorry für den langen Thread, hatte auch eine therapeutische Komponente :-)

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Community-Antworten (18)

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Muschelschubser

06.02.2023 um 13:35 Uhr

Es ist wirklich schwierig, vor allem aber sehr individuell.

Ich würde mal einen TOP mit aufnehmen "Zusammenarbeit im BR" oder vielleicht provokanter "Umgangsformen im BR".

Hier würde ich als BRV mal ganz konkret die Vorstellungen über die interne Zusammenarbeit zur Diskussion stellen, und wie man gegenüber der GL auftreten möchte.

Vorab würde ich aber meine Vorstellungen als BRV ganz deutlich äußern. Für mich würde insbesondere im Fokus stehen, dass die harte Linie eigentlich an letzter Stelle eines Eskalationsverfahrens stehen sollte. Natürlich kommt es auch darauf an, wie gut oder schlecht das Klima schon ist.

Es sollte jedem BRM aber folgendes bewusst sein: Wenn man in jeder Konfrontation sofort die Arbeitsgesetze zückt, dann wird es schwierig sein, z.B. mal gemeinsam mit der GL eine BV auf den Weg zu bringen. Man fördert damit sicherlich nicht die vertrauensvolle Zusammenarbeit und somit die Bereitschaft der GL, in einen konstruktiven Dialog mit dem BR zu gehen. Aber auf konstruktiver Ebene und auf argumentative Art und Weise erreicht man m.E. stets am meisten für die Belegschaft.

Wenn das alles nicht fruchtet, dann kannst Du als BRV ja auch mal Deinen Hut in den Ring werfen und ganz provokant fragen ob das jemand besser hinbekommt.

Was noch weitere genannte Punkte angeht:

1.) Alleinlassen von Kollegen in der Abteilung: Hier muss die GL in der Tat irgendwie für Ersatz sorgen. Dahinter muss keine böse Absicht stecken. §37 regelt ganz klar die Freistellung, und wenn man sich hier immer erst vorher absprechen möchte, dann läuft der BRV Gefahr der falschen Ladung und somit der ungültigen Beschlussfassung.

2.) Seminarbesuche Woraus leiten die BRM 6 Wochen Schulungsanspruch pro Jahr her? Ich bin bei 3 Wochen je BRM und Amtszeit.

C
Commander_Keen

06.02.2023 um 13:45 Uhr

Danke erst mal für die Antwort :-)

" 2.) Seminarbesuche Woraus leiten die BRM 6 Wochen Schulungsanspruch pro Jahr her? Ich bin bei 3 Wochen je BRM und Amtszeit. " Zitat: "Laut Gesetz gibt es keine zeitliche Beschränkung"... Die 6 Anträge für die 6 Seminare stehen auf der nächsten Tagesordnung, sind also noch nicht durch. Es sind auch keine Grundlagenseminare.

G
ganther

06.02.2023 um 14:43 Uhr

erst einmal sind die Kollegen gewählt und positionieren sich eben. Das sie mit dem Gesetz wedeln ist ihr gutes Recht. Es ist halt die Frage was man unter vertrauensvoller Zusammenarbeit versteht. Da kann man ja auch unterschiedlicher Meinung zu sein. Die Kollegen sehen es offensichtlich anders und dürfen es auch artikulieren.

Seminare müssen erforderlich sein. Das entscheidet das Gremium und bei Spezialseminaren sehe ich keinen individuellen Anspruch eines Kollegen.

Wenn Du unzufrieden bist, dann thematisiere es. Aber der BR muss sich nicht mögen und ich kenne einige Gremien bei denen es sehr unterschiedliche interne Strömungen gibt. Nicht ungewöhnlich. du bist persönlich anscheinend auf einer Linie näher an der AG Linie. Das ist nicht verwerflich, aber es kann eben auch anders gesehen werden

So ist halt Demokratie

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DummerHund

06.02.2023 um 15:09 Uhr

Was das Auftreten oder Verhandlungen mit dem AG betrifft hieß es bei uns immer " Eine Hand wäscht die Andere. Und beide Hände waschen das Gesicht" Es ist immer ein geben und ein nehmen und dennoch muss es am Ende des Tages für Beide passen. Grundlage ist und bleibt dazu aber zunächst einmal Gesetze und Verordnungen. Hat man diese kann man schauen ob man bei einigen Themen darauf beharren muss oder ob man da Spielraum hat damit zu arbeiten. Was BR-oder Ausschusssitzungen oder auch nur einfache BR Arbeit betrifft, so breche ich mal eine Lanze für deine Kollegen. Die BR Arbeit geht nun mal vor den arbeitsvertraglichen Verpflichtungen. Das hat da wenig mit zu tun das man damit die anderen Kollegen in Stich lässt. Euer AG weiß das er einen Betriebsrat im Haus hat, das Sitzungen und BR Arbeit während der Arbeitszeit zu erledigen sind und das er dafür verantwortlich ist dies zu kompensieren, in Form von mehr Personal oder aber Arbeit und Arbeitsabläufe dementsprechend zu planen. Siehe hierzu auch § 92 BetrVG. Was die Seminare betrifft, Grundlagenseminare wie BR 1-3 oder Arbeitsrecht sollte schon jedes BRM besuchen. Bei weiteren Semis sollte man dann schon schauen. Schriftführer z.B. sollte schon ein Semi zur Schriftführung besuchen. Stehen schwere Verhandlungen oder Themen wie z.B. Zeiterfassung an sollte auch da mindestens eiN BRM ein entsprechendes Semi besuchen. Nur eine entsprechende Wahlloses Seminarbuchen sollte man nicht betreiben nur weil es das Gesetz vielleicht zu lässt. Handelt man als BR so kann man von oben her irgendwann nicht mehr auf Augenhöhe war genommen werden.

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enigmathika

07.02.2023 um 12:05 Uhr

"Ich versuche im Gremiums als BRV immer zu vermitteln, dass wir auch für die KollegenInnen da sind, welche die BR-MitgliederInnen vertreten und dass wir als Gremium auch handlungsfähig bleiben wenn man mal nicht teilnimmt weil man den Kollegen nicht alleine lassen möchte." Du sagst also Deinen BR-Kolleg:innen allen Ernstes, dass sie nicht unbedingt in die BR-Sitzungen kommen müssen, sondern lieber ihre betriebliche Arbeit erledigen sollen? Kein Wunder, dass man Dir mit Paragraphen vor der Nase herumwedelt.

Für die Seminarbesuche ist jeweils ein Beschluss notwendig. Wenn also die Mehrheit des Gremiums der Ansicht ist, dass für "besagte Kollegen" der Besuch des Seminars erforderlich ist, dann ist das eben so. Du kannst vor der Beschlussfassung Deine gut begründeten Gegenargumente vorbringen, den Beschluss verhindern kannst Du aber nicht.

M
Moreno

07.02.2023 um 12:19 Uhr

Commander Keen Hmmm kann es sein, dass Du dachtest als BRV der Vorgesetzte von den anderen BRM zu sein? Vertrauensvolle Zusammenarbeit bedeutet nicht Gesetze zu umgehen sondern vernünftig innerhalb der Gesetze zusammen zu arbeiten.

Woraus leiten die BRM 6 Wochen Schulungsanspruch pro Jahr her? Ich bin bei 3 Wochen je BRM und Amtszeit. Zitat Muschelschupser Das verwechselst Du aber die Anspruchsgrundlagen von §37 Abs. 6 und Abs.7

D
DummerHund

07.02.2023 um 12:29 Uhr

Sind die 6 Termine denn pro BRM oder insgesamt? Nachtrag: Meine die, die aktuell vorliegen.

I
IlkaB

07.02.2023 um 14:29 Uhr

Vielleicht solltest du dich einem Seminar zu der Tätigkeit als BRV entsenden lassen. BR-Arbeit hat Vorrang vor der betrieblichen Tätigkeit. Und was die Weiterbildung angeht: wenn die Seminarinhalte für die Tätigkeit in Ausschüssen und Projektgruppen erforderlich sind, sind die Seminare gerechtfertigt, auch wenn es keine Grundlagenseminare sind. Wenn die Mehrheit der Betriebsräte der Entsendung zustimmt, dann ist das so auch wenn es dir nicht gefällt. Du bist als BRV nicht der Boss, sondern der Erste unter Gleichen...

J
Junge

08.02.2023 um 06:07 Uhr

Kann den TE voll verstehen. Nach dem geschriebenen scheint das Klima ok, der AG ok, nun kippt das Ganze. Weshalb? Weil nun Personen im Gremium sind, die nun jedes Wort auf die Goldwaage legen und mit Gesetzen um sich schlagen.

Was passiert dadurch? Druck erzeugt immer Gegendruck und was bringt es, rein gar nicht, lose lose.

Wenn MA entscheiden, aufgrund Arbeitsaufkommen, nicht zum Seminar zu fahren? Ja und, Arbeitsaufkommen bzw. Kundenaufträge sind die Grundlage jeglichen Handelns einer Firma. Respekt vor dieser Entscheidung und fahr zum nächsten Seminar oder tausch dich mit Kollegen aus.

M
Moreno

08.02.2023 um 09:45 Uhr

Junge solche Leute wie Du sind der Grund warum BRM sich auf Gesetze berufen um ihr Ehrenamt richtig auszuführen!

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DummerHund

08.02.2023 um 10:10 Uhr

@Junge Gesetze sind nun erst einmal die Grundlage für einen BR. Wäre dem Nicht so, könnte sich auch jedes BRM ein Micky Maus Heft mit in die Sitzung bringen.

J
Junge

08.02.2023 um 10:58 Uhr

Falsch, die Grundlage eines BR's ist eine existierende Firma. Ohne diese kein BR, bedeutet ohne Kunden, keine Firma.

Man sieht ja, dass in der Firma vom TE die Stimmung kippt, folglich sind die Handlungen des BR's nicht zwingend förderlich.

T
takkus

08.02.2023 um 12:24 Uhr

Naja- ich sehe jetzt nicht das die Stimmung kippt. ich lese nur eine subjektive Einschätzung/ Wahrnehmung/ Aussage. Aber wenn Du mehr weist.....

R
rtjum

08.02.2023 um 12:44 Uhr

Klausur des kompletten Gremiums mit einem Mediator

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enigmathika

08.02.2023 um 12:54 Uhr

mir scheint, blaupunkt ist wieder da... ;-)

D
DummerHund

08.02.2023 um 13:05 Uhr

@ Enigmathika Jedes Forum braucht einen Blaupunkt. Zaubert einen immer ein lächeln im Gesicht. ;-)

M
Muschelschubser

08.02.2023 um 13:36 Uhr

@Enigmathika Eine ähnliche Bemerkung konnte ich mir vor einigen Tagen auch nicht verkneifen. ;-) Wortlaut und Inhalt sind sich erschreckend ähnlich, einzig die Duz-Kultur unter Betriebsräten scheint er kapiert zu haben.

D
DummerHund

08.02.2023 um 13:45 Uhr

@Enigmathika Lyrisch Ausgedrückt: So tun als ob ist eine Kunst die mir zur 2. Natur wurde. Wer bin ich magst du fragen. Ich bin nicht Jedermann nicht jedes Gesicht das dir begegnet. Und doch, wer bin ich wirklich.

Ich werd ja noch ganz ramondisch ;-)

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