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Macht es Sinn ?

V
Vorreiter
Nov 2016 bearbeitet

Schönen guten Tag !

Ich würde gerne Meinungen einholen zu folgendem Problem:

mittelständischer Betrieb, ca. 200 Mitarbeiter, Dienstleistungsbranche, Mitarbeiter größenteils verteilt auf mehrere Objekte (Werkverträge, 24 Std-Schichtarbeit), die relativ selbstständig ihrem Geschäft nachgehen (Objektleiter "führen" im Prinzip ihre Leute eigenständig, Hauptsitz nur Verwaltung, Lohnabrechnung etc.)

große Probleme: Dienstpläne nach "Nasen-Prinzip", ständige Änderungen, keine planbare Schichtenfolge, ungerechte Verteilung der "zuschlagspflichtigen" Stunden, größtenteils "ahnungslose" Dienstplaner ohne zumindest Grundkenntnisse im ArbZG, keinerlei Rücksicht auf gesundheitliche Aspekte der Schichtarbeit, fehlerhafte Abrechnungen, trotz allgemeinverbindlichem Tarifvertrag werden gewisse Zuschläge nicht bezahlt und noch vieles mehr

Alle schimpfen (hinter vorgehaltener Hand), jeder kocht sein eigenes Süppchen, Vorgesetzte picken sich die Rosinen raus, die "Krümel" werden auf den Rest verteilt

Kurz und Gut, als Lösung brachte ich die Gründung eines BR ins Spiel, die meisten Kollegen lehnen dies jedoch ab (bringt nichts), auch fand ich niemand , der sich diesbezüglich großartig engagieren würde (Angst, gegen den AG zu agieren oder den Mund "offen" aufzumachen)

Ich weiß, daß ich mir letztendlich diese Frage nur selbst beantworten kann, aber Meinungen dazu würden mich schon interessieren :

Soll ich trotzdem eine BR-Wahl anleihern ? Es wird eine harte Kiste werden (AG springt bei dem Wort BR alleine schon an die Decke), zwei Kollegen würde ich wohl finden, die mit mir zusammen anfangen würden,

aber schon alleine die Wahl anzuleihern, durchzuführen, wird ein Kraftakt werden, geschweige denn danach, ordentliche BR-Arbeit zu machen der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist minimal (vielleicht 2%), so daß von der Seite keine Hilfe zu erwarten wäre (schon nachgefragt)

Soll man sich das antun ? oder gibt es eben Belegschaften, die man nicht zu ihrem "Glück" zwingen kann? oder wendet sich das Blatt, wenn erstmal ein BR exitiert ? oder arbeitet man sich zuletzt nicht mit diesem Kampf selbst auf?

Ich bin unschlüssig............

2.74204

Community-Antworten (4)

G
gironimo

05.05.2013 um 13:44 Uhr

Sicher kann man eine Belegschaft nicht zu ihrem Glück zwingen. Anderseits sollte man sich aber auch nicht von negativen Stimmen abbringen lassen.

Dennoch:Eine BR-Wahl einzuleiten bringt nur wirklich was, wenn man davon ausgehen kann, dass es Kandidaten geben wird.

Ganz zweifelsohne kann ein BR - der den nötigen Willen und die Nervenstärke mitbringt, viel bei Euch verbessern. Das wissen oft die AN nicht. Natürlich kommt es dann auch immer auf die gewählten BRs an. Da gibt es eben auch immer solche und solche.

Einige Punkte kann aber nur die Gewerkschaft (Entgelthöhe etc) regeln. Darum solltest Du in Erwägung ziehen, die Gewerkschaft mit ins Boot zu nehmen. Die kann Dir im Übrigen auch bei einer BR-Wahl hilfreich zur Seite stehen. Setzt natürlich voraus, dass es auch Mitglieder im Betrieb gibt.

Wenn Du selbst den Weg zur Gewerkschaft findest, kannst Du Dich zumindest mit dieser eingehend beraten.

A
azrael

05.05.2013 um 14:08 Uhr

firmen, die so "wirtschaften" wie du es beschreibst, konkurieren letztendlich mit firmen die sich an all diese "beschränkungen/auflagen" halten.

die aussage der meisten firmenchefs vor der gründung eines BR, dass es zu nachteilen für die belegschaft kommt wie kündigungen usw. sind kurzsichtig und verdeutlichen damit eigentlich, dass der chef nicht in der lage ist, die firma mit diesen auflagen konkurenzfähig zu halten. ergo: er währe unfähig bzw. unwillig. das betriebsrisiko wird auf die belegschaft verlagert und schuldige werden gesucht.

eine firma in der von dir beschriebenen größe wird früher oder später jedoch nicht umhin kommen, sich an die gesetze zu halten. alleine der weg dahin wird darüber entscheiden, ob sie sich unter gleichen bedingungen durchsetzen kann.

je mehr leute sich diesem prinzip der verlagerung des betriebsrisikos entgegen stellen, desto besser für alle beschäftigten. ihr habt es selbst in der hand.

mfg

H
Hoppel

05.05.2013 um 15:14 Uhr

@ Gironimo

Bei einem Organisationsgrad von ca. 2 % wird die Gewerkschaft hier rein gar nichts tun. Den Versuch, die GW mit in´s Boot zu nehmen hat der Threadstarter ja bereits gestartet und auch die entsprechende Antwort erhalten.

Hmmm ... was soll denn die GW hier noch bzgl. der Entgelthöhe regeln? Hast Du überlesen, dass hier ein allgemeinverbindlicher TV zur Anwendung kommt?

@ Vorreiter

Grundsätzlich gibt es immer wieder die Situation, dass AN nur darauf warten, dass couragierte KollegInnen einfach mal den Versuch starten, Probleme im Betrieb anzugehen. Aber so wie Du Euren Betrieb beschreibst, habe ich Zweifel, dass ein BR von den KollegInnen mitgetragen würde.

Ihr müsstet entweder 7 oder sogar 9 BRM wählen und am besten noch über ein paar Ersatzmitglieder verfügen, um eine möglichst langfristige kontinuierliche BR-Arbeit leisten zu können.

Von den geschilderten Problemen könnt Ihr als BR längst nicht alles angehen. Wenn z.B. ein allgemeinverbindlicher TV greift und Deine KollegInnen ihre Ansprüche aus diesem TV nicht individualrechtlich durchsetzen wollen, kann daran auch ein BR nichts ändern.

Aber auch ohne BR könntest Du dem AG ein bisschen Feuer unterm Hintern machen. Kann man z.B. der ein oder anderen Behörde einen entsprechenden Tipp zukommen lassen ...

Verstöße gegen das ArbZG können vollkommen unabhängig von einem BR durch die Gewerbeaufsicht geahndet werden.

Werden Leistungen, wie z.B. Zuschläge, nicht ordnungsgemäß gezahlt, wird sich der AG irgendwann in´s eigene Fleisch schneiden. Spätestens dann, wenn z.B. eine Sozialversicherungsprüfung in´s Haus steht.

Google mal: Mindestarbeitsbedingungen Gesetzliche Regelungen

G
gironimo

05.05.2013 um 17:40 Uhr

Hoppel,

Nein - ich habe nichts überlesen.

Ich würde dennoch zur Gewerkschaft gehen. Es soll ja schon vorgekommen sein, dass durch positives handeln der Organisationsgrad gestiegen ist. Ob das hier auch klappt, ist wahrscheinlich eine Frage der Erfahrungen der Kollegen vor Ort.

Ich wollte im Übrigen im Bezug auf die Frage deutlich machen, dass sich nicht alle Probleme mit einem BR lösen lassen. Bei Tarifproblemen sind nun mal die Gewerkschaften am Zuge.

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