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Gewerkschaftssekräter zur BV einladen?

E
Erdenbürger
Jan 2018 bearbeitet

Hallo, bei uns hat bisher der  BR immer die Tarifverhandlungen für ein Haustarif mit der GF durchgeführt und meine Einwände wurden vom Gremium nicht beachtet , daher habe ich darauf bestanden die letzte ausgehandelte Betriebsvereinbarung, die auch die Gehälter beinhaltet durch einen Fachanwalt zu Überprüfen.......Der RA hat die Betriebsvereinbarung als sehr schlecht bewertet und alle nochmal aufgeklärt, dass wir teilweise rechtswidrig gehandelt haben....Da nun die neuen Verhandlungen für ein Haustarifvertrag anstehen und alle anderen BRM die Rückmeldung des RA dazu ignorieren wollten, habe ich, wie vorher auch im BR Gremium angeküngigt die Gewerkschaft um Hilfe gebeten......Diese hat nun ihre Hilfe angeboten, aber leider wollen die anderen BRM keine Hilfe von der Gewerkschaft, weil es den Betriebsfrieden mit der GF stören könnte.....Nun haben meine BR Kollegen Angst, dass die Mitarbeiter dieses Jahr überhaupt keine Gehaltserhöhung bekommen, weil sie jetzt nicht mehr Tarifverhandlungen führen dürfen. Das jetzt alle sauer auf mich sind, kann man sicher auch verstehen....leider habe ich innerlich Aufgegeben zu erklären, dass wir es nicht dürfen, weil es nunmal nicht erlaubt ist..... Jetzt bin ich am überlegen den Gewerkschaftssekräter zur unsere nächsten Betriebsversammlung einzuladen.......Dieses wollte ich schon letztes Jahr gemacht haben, hatte aber auf die Einwände meiner BR Kollegen Rücksicht genommen und es sein lassen, jetzt stellt sich die Frage für mich wieder, soll ich den Gewerkschaftssekräter zur nächsten BV einladen, damit er uns alle nochmal erklärt, warum wir keine Tarifverhandlung führen dürfen?..........Ich bekomme zur Zeit die volle Abneigung von meinen BR Kollegen zu  spüren, doch jeder weist auch, dass die Mitarbeiter bei uns nicht gerade gut bezahlt werden. L. G. aus HH

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Community-Antworten (10)

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Kölner

21.09.2012 um 23:19 Uhr

@Erdenbürger Tja. Mit Zitronen gehandelt! Oder auch: Spatz in der Hand oder Taube auf dem Dach?

Wenn ich AG wäre, würde ich mir ab sofort auch überlegen - vor allem bei einem mangelhaften Organisationsgrad - überhaupt noch eine Lohnerhöhung rauszuhauen. Das wäre es dann.

H
Hoppel

21.09.2012 um 23:25 Uhr

Ein Betriebsrat kann nie und nimmer einen verbindlichen Haustarifvertrag mit dem AG verhandeln. Was zum Teufel geht da bei Euch ab??

Und wie ist es denn um die Tarifbindung und um den gewerkschaftlichen Organisationsgrad in Eurem Betrieb bestellt?

Als Gewerkschaft würde ich übrigens nicht nur Hilfe anbieten sondern gnadenlos dazwischen grätschen! Informiere die im Betrieb vertretene GW, wann die nächste Betriebsversammlung statt findet. Außerdem hat jede im Betrieb vertretene GW ein Zutrittsrecht zum Betrieb.

K
Kölner

21.09.2012 um 23:34 Uhr

@Hoppel Und dann? Ich halte sehr viel von Gewerkschaften, aber manches Mal ist es ehrlicher, wenn ein Ergebnis in Verhandlungen mit dem AG bekommt; MIT der Gewerkschaft erreicht man nicht selten GAR NICHTS.

Man kann das ganze auch Eingruppierungsrichtlinie o.ä. nennen - dann kann man das ganze sogar im Rahmen einer Regelungsabrede vereinbaren.

N
Nubbel

22.09.2012 um 00:56 Uhr

puh, ist das nicht eine zitrone auf dünnem eis?

P
poiuz

22.09.2012 um 03:06 Uhr

Wir haben auch so einen "Tarif.

Ja, eigentlich ist das nicht erlaubt, aber was ist die Alternative? Die Gewerkschaft tut nix, wenn nicht mind. 80% organisiert sind. Solange der AG sich daran hält ist doch alles in Ordnung und wenn er oft genug nach dem "Tarif" zahlt entsteht auch ein Anspruch aus betrieblicher Übung, was solls also.

H
Hoppel

22.09.2012 um 09:42 Uhr

@ Kölner

Mein Verhältnis zu Gewerkschaften ist ambivalent, aber es kann nicht angehen, dass sich ein BR erpressbar macht. Und genau das scheint hier der Fall zu sein.

Außerdem steht geschrieben, dass diese AN nicht besonders gut verdienen und ein RA diese BV als teilweise sehr schlecht tituliert hat. Da scheint dieser BR ja noch nicht einmal gut zu verhandeln. Wer weiß, in welchen Punkten die AN dieses Betriebs noch über den Tisch des Hauses gezogen werden.

Zumindest sollte sich dieses BR-Gremium einmal anhören, was an gewerkschaftlicher Unterstützung möglich wäre bzw. was für die KollegInnen erreicht werden kann. Dass der Betriebsfrieden (wohlgemerkt in Bezug auf die GF) gestört werden könnte, darf den BR hier nicht interessieren.

R
rechtbekommen

22.09.2012 um 11:16 Uhr

Mit Eingruppierungsrichtlinien kann ich aber keine Loehne (???) festlegen nur Regeln. Jeder AN also auch BRM kann die Nichtigkeit einer BV feststellen lassen. Es ist schon erschreckend wie manche BR handeln. Wohl ohne das BetrVG zu beachten oder offenbar gar zu kennen. Dann wohl auch dem AG gelegen sind und dieses dann ggf zum Nachteil der Beschaeftigten. Dann Regelungen.aushandeln welche Nichtigkeit auch nicht einklagbar sind. Wenn hiet dann sogar der AG problemlos den Anwalt zahlt, kann man davon ausgehen, dass er Virteile hat von einem solchen BR, ggf AG-BR

G
gironimo

22.09.2012 um 12:33 Uhr

Wer sich mit der Rechtsfolgepyramide, dem Tarifvertragsgesetz und dem BetrVG (§ 77 Abs. 3 ) befasst hat, weiß dass der BR keinen Haustarif abschließen kann. Um dies zu erklären bedarf es keines Gewerkschaftssekretärs (sondern Grundlagenschulung für Betriebsräte).

Dennoch: Auch der BR ist zur vertrauensvollen Zusammenarbeit verpflichtet (§ 2 BetrVG) und dazu gehört aus meiner Sicht auch, dass man mit dem Gewerkschaftsvertreter spricht - insbesondere, wenn es um Tarife geht.

L
Lotte

22.09.2012 um 13:38 Uhr

Erdenbürger, die im Betrieb vertretene Gewerkschaft hat auf jeden Fall das Recht, an allen BetrVers teilzunehmen (§ 46 BetrVG). Du solltest Deine Gewerkschaft also auf jeden Fall über den Zeitpunkt informieren.

Ob eine Gewerkschaft bei Euch etwas erreichen kann, hängt dann auch manchmal vom jeweiligen Gewerkschaftssekretär und seinen Engagement ab (leider). Dass die Gewerkschaft 80 % Organisationsgrad verlangt ist nicht wahr, aber meist wollen sie schon 30-50%, da ansonsten die Durchsetzungskraft sehr gering ist. Es gibt aber durchaus Betriebe, in denen die IG Metall und auch verdi mit 15% Organisationsgrad gute TV verhandelt hat.

Oft ist es auch so, dass jemand, der beständig in seiner Meinung ist mehr KollegInnen hinter sich hat, als er das selbst glaubt. Vor allem, wenn sie merken, dass Du ja vorwärts willst zu besseren Bedingungen und keine Verschlechterungen anstrebst. Der Gewerkschaftssekretär kann auch nochmal deutlich machen, dass ein guter TV mehr Vorteile bringt als nur Lohnerhöhungen.

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Erdenbürger

22.09.2012 um 14:43 Uhr

Danke, für eure Hinweise und Tipps, ich bin so froh, dass es euch hier im Forum gibt.

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