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Dieser Beitrag ist vor 4 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

Fehlender Kandidat

V
Verzweifelter
Mrz 2022 bearbeitet

Hallo, nach den Betriebsratswahlen würde ich gerne als Betriebsratsvorsitzender kandidieren. Ich bin seit 3 Jahren stellv. Betriebsratsvorsitzender und der Vorsitzende kandidiert gar nicht mehr für den Betriebsrat, weil er unsere Firma verlassen wird (nicht wegen des Betriebsrats, er zieht bald weg). Ich gehe davon aus, dass ich der einzige Kandidat für den Posten sein werde, weil es kein anderer machen will. Hauptsächlich, weil es mit einer Freistellung verbunden ist. Ich habe mit einigen der Kandidaten für die Wahl gesprochen, keiner will aber für den Posten des Stellvertreters kandidieren. Alle wollen lieber in ihrem bisherigen Job weiter arbeiten und nicht auch freigestellt werden. Das wäre das eine mögliche schlechte Szenario, es gäbe dann keinen Stellvertreter und soweit ich weiß, geht das nicht. Das zweite mögliche schlechte Szenario wäre, dass sich nach einer sicher langen Diskussion dann doch noch jemand meldet und kandidiert. Dieser Kandidat würde dann sicher gewählt weil er der einzige wäre. Es gibt aber Personen auf der Kandidatenliste, mit denen ich den Vorsitz überhaupt nicht machen kann. Es hat Leute auf der Liste, mit denen ich nicht zusammen arbeiten kann. Das hat sich in den letzten vier Jahren gezeigt (1 Jahr BR, dann 3 Jahre Stellv.). Ich müsste dann sofort wieder zurücktreten, was ja aber auch blöd wäre. Falls es wichtig ist: Wir sind 9 Betriebsräte und uns gibt es überhaupt erst seit 4 Jahren. Vielleicht liegt es daran, dass wir mit sowas keine Erfahrung haben. Gibt es jemanden, der auch so ein Problem hat? Ich will halt nicht, dass wir nach 4 Jahren Betriebsrat wieder betriebsratslos sind.

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Community-Antworten (6)

C
celestro

08.03.2022 um 22:10 Uhr

Hast Du irgendwelche Zahlen falsch angegeben?

Wenn Ihr 9 BRM seit, dann ergibt sich aus § 9 BetrVG:

"Der Betriebsrat besteht in Betrieben mit in der Regel

201 bis 400 Arbeitnehmern aus 9 Mitgliedern,"

und aus § 38 BetrVG:

"Von ihrer beruflichen Tätigkeit sind mindestens freizustellen in Betrieben mit in der Regel

200 bis 500 Arbeitnehmern ein Betriebsratsmitglied,"

Ihr habt also grundsätzlich erst einmal nur Anspruch auf 1 (komplette) Freistellung. Das muss NICHT der BRV sein ... aber es wäre wohl sinnvoll. Wenn Du Dich also freistellen lassen würdest, wäre da keine Freistellung mehr übrig (egal für wen).

Und auch der stellvertretende Vorsitzende müsste NICHT automatisch freigestellt sein, selbst wenn Ihr noch eine Freistellung zur Verfügung hättet.

Also ist das Thema jetzt noch ein Problem?

Ach ja ... man kann sich nicht immer alles aussuchen, was man gerne hätte. Die BRM wählen aus Ihrer Mitte den BRV und den BRV-S. Man kann den Vorsitz gleich wieder hinschmeißen, wenn "die falsche Person" Stellvertreter wird. Aber das sollte man sich gut überlegen.

M
Moreno

09.03.2022 um 09:53 Uhr

Du musst ja nicht mit Deinem Stellvertreter ins Bett hopsen. Wenn Du verhindert bist übernimmt er Deine Aufgaben und wenn Du da bist ist er wieder ein ganz normales BRM und sowieso bei den Sitzungen dabei! Natürlich immer besser wenn BRV und Stellvertreter ein gutes Team sind da gibt es auch Seminare wie solche Zusammenarbeit gut gestaltet werden kann.

K
Kjarrigan

09.03.2022 um 10:03 Uhr

Warum machst Du dir nen Kopf über ungelegte Eier? Du weisst doch noch gar nicht wie die Wahl ausgeht und wer in den BR kommt. Wenn die Wahl vorbei ist siehst du doch wer im BR ist und wer nicht.

Dann wird ein BRV gewählt und ein StBRV. und es wird über die Freistellung verhandelt.

Und selbst wenn dein "befürchteter" Kollege Stellvertreter wird - na und.? Er vertritt dich, wenn du verhindert bist.

Beschlüsse fasst das ganze Gremium - nicht ein BRV oder der Stellvertreter alleine.

Und vielleicht mal überlegen ob man im Interesse der Belegschaft nicht die persönlichen Animositäten zurückstellen sollte / kann.

V
Verzweifelter

09.03.2022 um 10:17 Uhr

Hallo celestro, du hast recht. Es wird ab Mai nur noch 1 Freigestellter sein, da inzwischen nur noch 380 Leute hier arbeiten. Dann könnte es mir vielleicht gelingen, jemanden doch noch zu überreden, Stellvertreter zu werden. Ich habe mir überlegt, ob es vielleicht an mir liegt, dass sich da keiner bereit erklärt. Deshalb werde ich mich erstmal nicht mit einer Kandidatur zum Betriebsratsvorsitzenden vordrängeln. Vielleicht will es ja jemand anders machen und findet dann einen Stellvertreter. Ich verstehe schon, dass es kein Wunschkonzert ist, aber das Amt sollte schon Spaß machen. Und das geht nur mit jemandem, mit dem man sich gut versteht.

R
Relfe

09.03.2022 um 11:05 Uhr

"aber das Amt sollte schon Spaß machen. Und das geht nur mit jemandem, mit dem man sich gut versteht. " so ganz verstehe ich deinen Gedankengang nicht. Du wirst doch immer mit allen BRM irgendwie zusammenarbeiten müssen, da mcht es doch keinen Unterschied ob der stellv BRV nun dein "Liebings-BRM" ist oder nicht. Den "Querulanten" wirst Du deswegen ja nicht los und die Auseinandersetzung kommt sowieso, spätestens bei der nächsten Sitzung. Und vielleicht denken die "Querulanten" ja auch: bei dem BRV habe ich keine Lust auf stellv BRV, dann erledigt sich das Problem von selbst.

Ich persönlich habe sogar lieber einen stellv BRV der nicht "meine Linie" fährt, dann ergeben sich meist in der Abstimmung mit dem stellv BRV bereits Diskussionen und Ansichten, die man ggf. gar nicht mehr im Gremium "ausstreiten" muss. Und man hat Zeit vor der Sitzung darüber nachzudenken und sich vorzubereiten auf "Streitthemen" mit dem stellv BRV.

Das Amt darf natürlich Spaß machen, aber ohne Reibung entsteht keine behagliche Wärme :-) und man bleibt in seinem eigenen Trott hängen

T
Tessahossa

09.03.2022 um 11:14 Uhr

Moin Verzweifelter. Zeig doch mal Selbstvertrauen. Lass dich zum BRV wählen und gut. Als BRV ist man Erster unter Gleichen, d.h. was die eigentliche BR-Arbeit angeht, sind alle gleichgestellt. Bei euer Betriebsgröße gibt es bestimmt so viel zu tun, dass nicht nur der BRV und sein Stelli die Arbeit schaffen können. Leite das Team, verteile die Arbeit (auch an dich) und repräsentiere den BR nach außen hin. Und nur, wenn Du mal verhindert bist, muss der Stelli ran. Ich würde mir den BR-Vorsitz nicht dadurch kaputt machen, dass ich vielleicht mit dem einen oder anderen nicht so gut kann.

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