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Was hat der Arbeitgeber davon wenn er Corona Prämie ausschüttet?

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Tomekimmerja
Feb 2022 bearbeitet

Hallo zusammen. Ich bin im Industriezweig tätig und unsere Firma ist trotz ihrer knapp 350 Mitarbeiter nicht an tarifliche Lohnerhöhungen gebunden. Aufgrund der gesetzlichen Mindestlohn Erhöhung, hat man jetzt alle freiwilligen Zulagen ( Leistungsprämie, Fahrkosten Erstattung ) auf das Grundgehalt gelegt, um somit der Mindestlohn Anpassung zu entgehen. Auch haben wir, wie vergleichsweise andere Firmen mit weniger Mitarbeitern, noch keine Coronaprämie bekommen. Wenn man samstags volle 8 Std. im Betrieb arbeitet, bekommt man die Stunden auf sein Zeitkonto gut geschrieben und zusätzlich, aber auch nur bei vollen 8 Std arbeiten, eine Coronaprämie von 50€. Anderweitig werden die Stunden nicht entlohnt. Jetzt zu meiner Frage....

.... Warum sollte der Arbeitgeber denn überhaupt eine Coronaprämie zahlen?? Was hat er davon? Keiner verschenkt doch Geld, nur weil er es darf. Irgendeinen Vorteil muss es doch für den Arbeitgeber geben???

Achso... und ich bin schon 22 Jahre im Betrieb und verdiene weniger als vor 20 Jahren. ?

Gruß, Frank

285012

Community-Antworten (12)

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takkus

14.02.2022 um 21:01 Uhr

Sorry, aber in dieser Frage erkenne ich nicht den geringsten Bezug auf eine Betriebsratstätigkeit.

Allerdings rate ich dir, nimm das Geld und mach dir nicht zu viele Gedanken. Es haben Berufsgruppen Coronaprämien bekommen, bei denen ich mich auch Frage: für was?!? Die großen Gesundheitskonzerne wollen an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Coronaprämie zahlen, solange sie es nicht refinanziert bekommen.

Am Anfang von Corona wurde auf den Balkonen geklatscht, dann waren die Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen unheimliche systemrelevant. Danach gab es eine Coronaprämie die über das Krankenhausfinanzierungsgesetz gezahlt wurde und der Arbeitgeber bei der Verteilung am längeren Hebel saß. Danach waren die Gesundheitsberufe noch unheimlicher systemrelevant und es sollte erneut eine Coronaprämie geben. Die wurde von Karl Lauterbach zurückgezogen. Mittlerweile hört man von dieser Coronaprämier nichts mehr, aber Mitarbeitende in Gesundheitsberufen müssen künftig geimpft sein. Wenn sie das nicht sind, werden sie u. U. mit Bußgeldern und Beschäftigungsverboten belangt. Frag mal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen ob die sich auch Gedanken machen, warum sie eine Coronaprämie bekommen. Diese sind einfach nur froh, wenn sie überhaupt etwas bekommen. Diese Kolleginnen und Kollegen haben es einfach nur verdient!!!!!!!

S
seehas

15.02.2022 um 07:41 Uhr

Der Vorteil des Arbeitgebers beim Zahlen einer Coronaprämie ist der, dass die Prämie zu 100 % bei den Beschäftigten ankommt. Wenn der Arbeitgeber sonst 100 € extra bezahlt gehen bei den Beschäftigten ca. 20 % Sozialversicherung und ein indiviueller Steuerbetrag davon weg, es bleiben also etwa 55,- bis 70,- € übrig. Der Arbeitgeber muss noch den Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung entrichten, ebenfalls etwa 20 %, das bedeutet Kosten von ca. 120,- € für eine Nettoprämie von 60,- €. Das ist ein schlechter Wirkungsgrad.

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Relfe

15.02.2022 um 07:51 Uhr

... Warum sollte der Arbeitgeber denn überhaupt eine Coronaprämie zahlen?? Was hat er davon? Keiner verschenkt doch Geld, nur weil er es darf. Irgendeinen Vorteil muss es doch für den Arbeitgeber geben???

weil er so steuerfrei den MA einen Bonus ausschütten kann. der Vorteil ist MA die bessere Laune haben, leistungsbereiter sind und bleiben, MA-Bindung an das Unternehmen, schätzungsweise wird der AG das auch irgendwie steurrechtlich zu seinen Gunsten zumindestens teilweise anrechnen lassen können.

Der AG verschenkt kein Geld, er investiert Kapital in sein wichtigestes Arbeitsmittel: der Mitarbeiter. Und er macht das mit einer Gewinnerwartung aus o.g. Gründen.

Ihr habt einen Betriebsrat? wenn ja, dann müsste es eine BV zur Coronaprämie geben?

R
RudiRadeberger

15.02.2022 um 10:04 Uhr

Er zahlt, um seine MA zu motivieren. Und weil es netto beim MA durchschlägt. Der AG müsste für dieses Netto unter anderen Umständen einen wesentlich höheren Betrag setzen.

Nicht zuletzt befindet er sich ja auch in Konkurrenz zu andern Arbeitgebern, Fachkräfte zu halten.

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Tomekimmerja

15.02.2022 um 11:17 Uhr

Danke für Eure Antworten bezüglich meiner Anfrage. Wenn ich das also richtig verstehe, hat der AG durch Zahlung einer Coronaprämie lediglich den Vorteil einer Eigenwerbung und MA Motivation. Abgesehen von kleinen steuerlichen Vorzügen. Da unsere Motivation darin besteht, dass wir jeden Montag einen kleinen Korb mit Obst für unseren Bereich mit 38 Mitarbeiter bekommen und uns wie die Tiere drum streiten müssen, nach dem Motto:" Wer zuerst kommt, malt zuerst", wird es wohl auch keine Coronaprämie bei/für uns MA geben. Außer die besagten 50€ für Samstag 8 Std arbeiten. Wertschätzung und Dankbarkeit, auch für langjährige MA gibt/gab es nicht.

Zitat AG: " Wer mit den Umständen hier im Betrieb nicht zufrieden ist, kann gerne gehen. Die Türen zum verlassen der Firma werden nicht abgeschlossen und er hält auch niemanden davon ab. Wir sollen froh sein, Arbeit zu haben".

Unser Betrieb ist der Caravan-Industrie angelehnt und auch wir haben mit der Coronasituation durch Materialversorgung zu kämpfen, aber bei 3 Geschäftsführern und einem Inhaber, kann es so schlimm nicht sein. Arbeit war bis jetzt immer da, gerade weil es im Camping/Caravan Bereich immens angezogen hat.

Irgendwie habe ich leider den Absprung verpasst und nun mit über 50, auch den Mut nicht mehr dazu.

Gruß, Frank aus Iserlohn (Heide) ?

R
Relfe

15.02.2022 um 11:27 Uhr

wenn alleine eurer Bereich 38 MA hat, dann habt ihr sicher einen BR?

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Tomekimmerja

15.02.2022 um 12:38 Uhr

Hallo Relfe,

mit Angestellten sind wir ca. zusammen 350 MA. Im Jahre 2001 ist der Betrieb aus der IG Metall ausgestiegen. Also seit dem keine tariflichen Lohnerhöhungen mehr bekommen. Wenn du mehr Lohn haben willst, ist das wie gegen Windmühlen kämpfen und am Ende hast du 20 Cent mehr Stundenlohn. Ist kein Scherz. Bis vor kurzem habe ich noch 10,80€ Stundenlohn gehabt... nach 21 Jahren Betriebsangehörigkeit... Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Überstunden Zuschläge wurden 2008 gestrichen und für neue Mitarbeiter der Jahresurlaub von 30 auf 25 Tage verkürzt. Heute aktuell, bekommen neue MA nur noch 20 Tage im Jahr.

Da jetzt eine Mindestlohn Erhöhung kommt, hat der AG die sonst monatlich gezahlten freiwilligen Zulagen (Bei jedem MA unterschiedlich hoch 40-500€), Leistungsprämie (0,59€ pro Std) und ein Fahrkostenpauschale von 17,50€ auf das Grundgehalt gelegt und somit steigt natürlich auch der Stundenlohn auf das Grundgehalt gesehen. Am Ende kommt aber nicht mehr raus, im Gegenteil. Hab dadurch noch 20€ Netto eingebüßt, wegen Steuern. In den 20 Jahren, kam immer mal der Gedanke einen Betriebsrat zu gründen auf, aber Niemand hat sich wirklich getraut oder kannte sich damit aus....bis heute.

So sieht es leider aus.

C
celestro

15.02.2022 um 12:48 Uhr

Krass ... das nach den Änderungen 2008 sich noch niemand dafür eingesetzt hat, das es einen BR gibt. Jetzt wird es aber Zeit ...

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Relfe

15.02.2022 um 13:08 Uhr

warum gründest Du dann keinen BR? Was kann Dir den noch Schlimmeres passieren als das Du gewählt wirst und das dürfte für Dich wohl eher eine Verbesserung sein, wenn ich deine Schilderungen so lese.

Wie das ohne Betriebsrat und ohne Gewerkschaft läuft, durftest Du ja jetzt 20 jahre erleben. Und ich meine das nicht "sarkastisch" oder hämisch, das würde ich mir bei der Situation die Du schilderst nicht erlauben.

T
Tomekimmerja

15.02.2022 um 13:35 Uhr

Die MA die 2008 gesetzlich gegen diese Veränderungen vorgegangen sind und das Weihnachts- und Urlaubsgeld aus Gewohnheitsrecht eingeklagt haben, sind nach und nach entlassen worden. Alles dort läuft mit Einschüchterungstaktik. Wenn du den Mund auf machst, sei es bei Vorgesetzten oder nur vor den Mitarbeitern, dann wirst Du rigoros gemobbt. Petzen gibt es immer und dann findest du dich als Produktionsmitarbeiter, aus erziehungstechnischen Gründen in einer anderen Abteilung mit Strafarbeit und Wechselschicht wieder. Auch ich bin 4 Jahr durch die Hölle da gegangen und musste in psychologische Behandlung. Aus familiären und privaten Gründen, konnte ich damals nicht kündigen und außerdem war das zu einem Zeitpunkt, wo es wirklich kaum Arbeit gab.

Was ich damit sagen will... eigentlich hält es Niemand lange da aus und die neuen MA geben sich die Klinke in die Hand. Hauptsächlich auch nur ungelernte Leiharbeiter die sonst keine Firma haben wollte. Ergo findest Du niemanden der die Ambitionen hat oder bereit ist, auf lange Sicht, einem BR beizutreten oder zu gründen.

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XYZ68

15.02.2022 um 14:04 Uhr

In solchen Fällen hilft vielleicht wirklich nur noch die Abstimmung mit den Füßen. Also in aller Ruhe was Neues suchen und dann gehen. Wenn es niemanden gibt, der zu kämpfen bereit ist, kann der Arbeitgeber sich viel leisten. Ansonsten benötigt man drei gleichgesinnte und Unterstützung durch die Gewerkschaft. Dabei muss einen aber auch bewusst sein, dass es eine harte Zeit werden wird. Ich kann mir gut vorstellen, das dieser Arbeitgeber alles probieren wird.

R
rtjum

15.02.2022 um 16:02 Uhr

vernünftige AG nehmen auch gerne erfahrene MA mit Ü50. erst was neues suchen und dann kündigen.

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