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News- Mitbestimmung

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ridgeback
Jan 2018 bearbeitet

Wenn es nach dem Willen der EU geht, wird es zukünftig eine weitere Unternehmensform geben – die „Europäische Privatgesellschaft“, kurz SPE. Diese Unternehmensform, so das Argument aus Brüssel, soll kleinen und mittleren Unternehmen Chancen auf dem Binnenmarkt eröffnen. Gemeint ist der europäische Markt.

Der Haken an der Sache:

Mit dieser Gesellschaftsform, wenn sie kommt, wie geplant, lassen sich die deutschen Mitbestimmungsrechte spielend leicht aushebeln. Der Grund: Nach den jetzigen Plänen soll in Bezug auf die betriebliche Mitbestimmung das sogenannte Sitzland-Prinzip gelten. Das bedeutet:

Nicht das Land, in dem ein Betriebsteil tätig ist, gibt durch seine Gesetze die Spielregeln bei der betrieblichen Mitbestimmung vor, sondern das Land, in dem die Unternehmensmutter sitzt.

Beispiel: Ein deutscher Unternehmer gründet in England eine SPE und eröffnet in Deutschland eine Produktionsstätte mit 100 Mitarbeitern. Dann gibt es in der deutschen Produktionsstätte keine Mitbestimmungsrechte nach dem deutschen Betriebsverfassungsgesetz, sondern „nur“ nach dem britischen Recht.

Pfiffige Unternehmer brauchen sich also nur ein europäisches Land mit wenig Mitbestimmungsrechten auszusuchen – und schon bleiben die Arbeitnehmerrechte in Deutschland außen vor.

Hand aufs Herz:

Das ist ein Bärendienst für die Harmonisierung der Arbeitnehmerrechte. Das Konzept ermöglicht es den Unternehmen, Mitbestimmung zu vermeiden.

Überhaupt scheint das Thema „Mitbestimmung“ derzeit wieder stärker ins Visier der Politik zu geraten – obwohl sich doch gerade im Krisenjahr 2009 gezeigt hat, dass in Unternehmen, in denen es einen Betriebsrat gibt, die Krise wesentlich besser verkraftet wurde, als in Betrieben ohne. Eben weil nicht nur von einer Seite einseitige und oft die Belegschaft demoralisierende Entscheidungen getroffen werden können, sondern weil es um ein Miteinander geht …

Insofern ist auch der Vorstoß des neuen Wirtschaftsministers in Sachen „Mitbestimmung“ nicht ganz verständlich. Er will die Aufsichtsräte verkleinern – um den Einfluss der Arbeitnehmervertretungen zurückzudrängen.

Zum Glück rudert er schon wieder zurück – doch beide „Ansätze“, der aus der EU und der des Ministers zeigen: Gerade in Bezug auf das gut funktionierende System der betrieblichen Mitbestimmung ist nichts beständig, es sei denn, Betriebsräten und Gewerkschaften gelingt es, wieder und wieder und wieder die Angriffe abzuwehren.

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Community-Antworten (7)

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Kriegsrat

11.11.2009 um 19:18 Uhr

@ ridgeback

du schaffst es , einem den ganzen tag zu versauen..... glückwunsch ;-))

darum war unser AG heute wohl den ganzen tag nicht zu erreichen, der ist schon unterwegs nach england;-))

oder wo ist jetzt wieder der haken bei deinem beitrag ????

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ridgeback

11.11.2009 um 19:22 Uhr

kriegsrat, kein Haken. Hatte es in den Newslettern.;-))

K
Kriegsrat

11.11.2009 um 19:30 Uhr

ach so, ridgeback, kein haken, wie konnte ich nur ;-))

ich hatte es heute im kreuz, aber das gehört ja wohl nicht hierher ;-))

ist denn EU-mässig auch irgendwas geplant, mitbestimmungstatbestände EU rechtlich zu vereinheitlichen ? so eine art europäisches betriebsverfassungsgesetz ? oder wollen die nur die flucht aus zu arbeitnehmerfreundlichen regelungen unter dem deckmäntelchen der einheit unterstützen ? wer ist denn der zuständige kommissar für diese dinge ? gibt es noch ein letztes restchen hoffnung ?

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ridgeback

11.11.2009 um 19:36 Uhr

kriegsrat, die Fragen kann ich Dir leider noch nicht beantworten.

I
Immie

11.11.2009 um 19:40 Uhr

...Die Mitbestimmung soll ähnlich dem Verfahren bei der Europäischen Aktiengesellschaft geregelt werden...

Und da läuft das seit 2004 so:

...Die – besonders in Deutschland ausgeprägte – Arbeitnehmermitbestimmung folgt nationalem Recht. Können sich hierbei die Firmenleitung und die Arbeitnehmer nicht auf ein bestimmtes Mitbestimmungsmodell einigen, greift eine Mindestbestimmung der EU-Richtlinie – entsprechend dem höchsten bisherigen Mitbestimmungsgrad in einer der beteiligten Gesellschaften, aus denen die SE hervorgegangen ist...

S
sankti

12.11.2009 um 00:10 Uhr

schon heute ist es doch sehr leicht die Mitbestimmungsregeln zu umgehen. Also eigentlich nichts wirklich neues. Gibt es bei uns leider auch. Da werden Se und Ltd gegründet und wir als AN schauen durch die Finger. IG Metall ist hier nur wenig bis gar nicht hilfreich! Jeder Sekretär sagt was anderes und wenn man dann mal bohrt kommt nur heiße Luft. Politische Unterstützung ist von denen in dem Punkt Unternehmensmitbestimmung wohl nicht mehr zu erwarten. Außer es geht um die Gewerkschaftsbosse selbst die Porsche aus den Gremien bei VW drücken will. Dann werden sie flott.

Bei dem Thema hab ich einen MegaHals!

S
Spartacus

12.11.2009 um 00:28 Uhr

@ all,

was wundert ihr euch??? Jetzt kommen sie ,die Geister die ich rief(wählte) !! ok,nicht ich ,aber die Mehrheit der "Bürger" und die interessiert sich nicht für Mitbestimmung :-(

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