Nur mal so als Argumentationshilfe..
auch für den Plagegeist

Auch Chefs profitieren vom Betriebsrat
04. Feb 11:02

Sie vermitteln bei Konflikten und schaffen Vertrauen: die Betriebsräte
Foto: dpa

Betriebsräte sind unentbehrlich für eine gute Zusammenarbeit. Wirtschaftsforscher fanden zudem heraus: Unternehmen, in denen es die Arbeitnehmervertreter gibt, sind produktiver als andere.

Betriebsräte gibt es in vielen deutschen Unternehmen. Zwar sind sie in Zeiten der New Economy etwas aus der Mode gekommen. Doch zahlreiche Studien belegen, dass die betriebliche Mitbestimmung gut ist - für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. «Der Betriebsrat kann helfen, Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung aufzubauen», sagt Uwe Jirjahn, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hannover.

Die Mitarbeiter seien produktiver und innovativer, wenn zwischen ihnen und der Chefetage der Betriebsrat steht. «Betriebsräte sind Vertrauenspersonen, die dem Management ermöglichen, neue Strategien zu vermitteln - positiv oder negativ», sagt Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. So könne eine Geschäftsführung zum Beispiel Sparmaßnahmen in Unternehmen, die keinen Betriebsrat haben, nur schwer an den Mann und die Frau bringen. «Gibt es betriebliche Mitbestimmung, sind die Angestellten eher bereit, Entscheidungen mitzutragen - auch wenn sie wehtun.»

Arbeitnehmer und Arbeitgeber stehen an zwei gegensätzlichen Polen: «Der Chef will, dass man viel arbeitet und wenig kostet. Der Arbeitnehmer hingegen will möglichst wenig für viel Lohn arbeiten.» Das sei grundsätzlich das Problem - und das Spannungsfeld, in dessen Mitte sich die Betriebsräte befinden. «Aber sie sind von beiden Seiten anerkannt und akzeptiert», sagt Zwick. «Der Betriebsrat hat eine Pufferfunktion, die ganz wichtig ist.» In vielen Bereichen haben die Arbeitnehmervertreter ein Mitspracherecht: sowohl in der Arbeitsorganisation, bei der Vergabe von Fortbildungen als auch bei Kündigungen und Neueinstellungen.

Höhere Löhne, höhere Produktivität

Großer Vorteil der Betriebsräte ist zudem, dass sie aus dem Kreis der Arbeitnehmer kommen. «Damit haben sie ein besseres Verständnis der einzelnen Bereiche als das Management», sagt Zwick. Der Ökonom Bernd Frick aus Witten nennt die Mitbestimmung ein «Erfolgsmodell». Die Forscher vom ZEW haben außerdem herausgefunden, dass Unternehmen mit Betriebsrat deutlich höhere Löhne zahlen. «Bei vergleichbaren Unternehmen liegen die Löhne im Schnitt um gut zehn Prozent höher», sagt Zwick. Zudem ist die sogenannte Lohnspreizung geringer, der Unterschied zwischen den Vergütungsgruppen also.

Wirtschaftsforscher Uwe Jirjahn weist darauf hin, dass Unternehmen mit Betriebsrat oft überdurchschnittlich produktiv arbeiteten: «Je weniger Verteilungskämpfe auf Unternehmensebene auszufechten sind, desto besser gelingt die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmervertretern und Management, wenn es darum geht, Produkte oder Produktionsabläufe zu verbessern oder Marktanteile zu erobern.»

Die Personalfluktuation ist in mitbestimmten Betrieben zudem geringer, gleichzeitig sind die Chefs eher gewillt, ihren Mitarbeitern Weiterbildungen zu genehmigen. Die Arbeitnehmer wiederum sind in diesen Unternehmen eher bereit, eine leistungsorientierte, variable Vergütung zu akzeptieren. «Sie haben den Eindruck, dass der Betriebsrat sicherstellt, dass sie dabei nicht von der Firmenleitung übervorteilt werden», sagt Zwick. (Von Verena Wolff/dpa)