Gewerkschaftsabstimmung über Sanierungstarifvertrag
Hallo, unser BR ist im Moment sehr verwirrt und weiß nicht so ganz weiter.
Ich hatte vor kurzem bereits eine Frage zur Insolvenz und tarifvertraglichen Änderungen gestellt. Damals ging es "nur" um die Stundung der Jahressonderzuwendung für 1 Monat.
Inzwischen überschlagen sich jedoch in der Firma die Ereignisse. Am Montag nach der Zustimmung zur Stundung hatten wir eine Belegschaftsversammlung in der die Geschäftsführung die Belegschaft informierte, dass die Zahlung im Juni nicht erfolgen kann und es im Anschluss weitere Gespräche mit dem BR, der GF und der Gewerkschaft geben wird.
Im ersten Gespräch informierte der Geschäftsführer den BR, dass es an weitere tarifvertragliche Leistungen geht. Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich, Verzicht auf die Jahressonderzuwendung, Verzicht auf die Tariferhöhungen. Und das alles für die nächsten 3 Jahre.
Sollte diesem nicht zugestimmt werden, kommt kein Investor und die Banken verlängern die Kreditlinie nicht, d. h. Insolvenz. Der Forderungskatalog wurde angeblich von den Banken und dem möglichen Investor aufgestellt, schriftlich hatten und haben wir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts. Zusätzlich geht es beim Einstieg eines Investors noch um ca. 80 Arbeitsplätze, die abgebaut werden sollen.
Am jetzigen Montag hat dann das Gespräch mit BR, GF, Anwälten beider Parteien und dem Gewerkschaftssekretär stattgefunden, in welchem der GEW-Sekretär den Arbeitgeber informierte, dass es keinen Sanierungstarifvertrag ohne Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder geben werde, außerdem werde nicht verhandelt, wenn es zusätzlich um Arbeitsplatzabbau ginge.
Seitdem läuft die GF und die GL durch unser Unternehmen, setzt die Mitarbeiter unter Druck, dass sie doch unbedingt und sofort in die GEW eintreten müssen, sie könnten doch ihr Schicksal nicht den wenigen GEW-Mitgliedern überlassen. Und sie müssten sich unbedingt laut Gehör verschaffen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Es gäbe nur die Entscheidung allen geforderten Maßnahmen zuzustimmen, oder den Arbeitsplatz zu verlieren.
Der Tenor bei den Mitarbeitern ist allerdings, die Insolvenz zu riskieren, damit die Führung endlich ausgetauscht wird und es wieder vorwärts geht. Wir haben tatsächlich in den letzten beiden Wochen einen enormen Zuwachs an GEW-Mitgliedern zu verzeichnen.
Meine Fragen an euch wären jetzt:
Was haltet ihr davon, habt ihr so etwas schon einmal in euren Unternehmen erlebt, dass die GF so eine enorme Propaganda für den BR und für die GEW macht?
Wie seht ihr die Chancen, dass Unternehmen in der Insolvenz wieder in ruhige Fahrwasser zu bringen? Die Auftragslage ist sehr gut, wir haben mehr Aufträge, als wir bewältigen können, das Problem liegt einzig und allein bei den liquiden Mitteln, welche nicht vorhanden sind um die Lieferanten zu bezahlen...
Bisher hat der BR noch keine Unterlagen über die finanzielle Situation, Bankenforderungen etc. erhalten, soll aber die Kollegen beraten.
Was haltet ihr von der Situation? Sorry, wenn das alles ein wenig konfus und lang geworden ist, aber wir stehen im Moment unter einem enormen Druck. Für Antworten bin ich euch sehr dankbar.
LG
Sonnenscheinchen
Community-Antworten (4)
02.07.2009 um 01:09 Uhr
@Sonnenscheinchen, ich gehe mal davon aus, ihr seit über 100 MA. Was sagt denn der WA dazu?
02.07.2009 um 01:29 Uhr
Hallo ridgeback,
dem WA wird seit Monaten vorgeschwärmt, wie toll die Zahlen sind, das man optimistisch ist, zum Geschäftsjahresabschluss die schwarze Null zu erreichen, erst in den letzten 3 Wochen hat es sich dramatisch verschlechtert... Die Zahlen zeigten einen klaren Aufwärtstrend. Als Grund wird immer wieder der Liquiditätsengpass und der Druck der Banken genannt.
LG
Sonnenscheinchen
02.07.2009 um 01:45 Uhr
@Sonnenscheinchen, man könnte ja mal in Erwägung ziehen, ein Sachverstädigen zu bestellen.
03.07.2009 um 00:19 Uhr
ich würde mir die wirtschaftliche Situation auch genau anschauen. Wie ist denn die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft?
Auf die Insolvenz würde ich nicht unbedingt bauen... das könnte auch zum Totalschaden werden...
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