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Dieser Beitrag ist vor 19 Jahren entstanden. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich seitdem geändert haben.

BR-Erfahrungen in Werbeagentur?

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Ganjane
Nov 2016 bearbeitet

Hallo, ein paar meiner Kollegen und ich befinden uns derzeit in der Gründungsphase eines Betriebsrats. Die Liste steht, die Wahl ist in 10 Tagen. Ich glaube, daß wir uns in einer besonderen Situation befinden weil:

  1. wir eine Werbeagentur sind, in der z. B. Überstunden als selbstverständlich und gewissermaßen als eine Art Auszeichung hingenommen werden
  2. unsere Belegschaft wenig Akzeptanz für einen Betriebsrat aufweist (O-Ton: Wofür brauchen wir den denn eigentlich?)
  3. unsere Geschäftsführung sich erwartungsgemäß dagegen wehrt, indem sie ausgesuchte Wahllistenkandidaten mit nicht näher beschriebenen Mitteln derart unter Druck gesetzt hat, daß wir jetzt nur noch fünf statt der ursprünglichen acht Kandidaten sind (ich weiß, es sollten eigentlich mehr sein, aber siehe Punkt 2 plus Angst vor der Geschäftsführung = nur noch fünf auf der Liste. Laut unserem Anwalt geht das auch bei 110 Mitarbeitern)

Meine Frage: Habt ihr Erfahrungen mit einem BR in der Werbebranche? Die Grundaussage unserer GF lautet: "Wir haben uns doch alle lieb und brauchen keinen BR". Wir sind auch alle miteinander nicht gewerkschaftlich organisiert. Allerdings gibt es aktuelle Veränderungen im Kundenstamm, die viele beunruhigen, und möglicherweise stehen auch Entlassungen bevor. Und eine Mail, die von der Personalabteilung versehentlich an den Gesamtverteiler der Agentur ging (!) und in der es um den Kampf gegen den BR ging, hat alle ziemlich aufgewühlt. Ich lese mich gerade mühsam in BetrVG ein und frage mich z. B., wie wir den ganzen Haufen hier viermal im Jahr von den laufenden Projekten wegholen und versammeln können. Leider hat keiner auf der Liste wirklich Erfahrung... und die Werbung ist ein hartes Pflaster ohne Tradition in diesen Dingen.

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Community-Antworten (4)

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Konrad

12.06.2007 um 14:51 Uhr

Hallo vorweg bin nicht in einer Werbeagentur beschäftigt. Möchte aber auf Paralellen zur BR Gründung bei der SAP AG hinweisen. Da waren angeblich auch alle AN "glücklich", man verdient relativ gut, alle sind eine große Familie und gegen BR zumal sich auch die Vorstände Kagermann /Hopp öffentlich gegen BR ausgesprochen haben. Heute hat SAP wie es im BetrVG vorgegeben ist einen BR, auch wenn etliche davon Arbeitgeberhörig sind, so gilt auch die gesetzliche Grundlage für Alle. Inzwischen hat sich der Sturm der Entrüstung gelegt.

Wichtig ist den passenden "Ton" bei der privilegierten und unetnschlossenen Belegschaft zu treffen. Hier der Link: http://www.sapler.igm.de/demokratie/betriebsrat.html mit evtl. nützlichen Tipps

T
tramdriver

12.06.2007 um 18:13 Uhr

Ihr dürft euch nicht entmutigen lassen. Wir sind in der IT und Telekommunikationsbranche. Auch bei uns gab es diese Diskussionen. Der O-Ton des Geschäftsführers war damals "Meine Tür steht immer offen für sie!", freiwillige Überstunden, freiwillige Nachtarbeit, freiwillige Sonntagsarbeit und jederzeit in Bereitschaft sein war Usus.

Heute ist dieser Geschäftsführer Geschichte, der neue BR wurde letztes Jahr mit überwältigender Wahlbeteiligung von über 90% gewählt und ist eigentlich in der Mitarbeiterschaft etabliert und akzeptiert. Keine Panik.

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Rosenheimer

12.06.2007 um 18:49 Uhr

Ich bin BR in einem IT-Unternehmen und Deine drei Punkte gelten auch bei uns.

Es muss geil sein ( anders lässt es sich nicht erklären ), wieso unentgeldlich länger gearbeitet wird und selbstverständlich am Wochenende und auch gesetzlichen Feiertagen gearbeitet wird.

Eigentlich hättet Ihr schon viel früher Aufklärung über die Vorteile eines Betriebsrates bringen müssen und 10 Tage vor der Wahl ist ziemlich knapp. Abgesehen davon, daß man mit BR bei einem Konkurs z.B. einen Sozialplan aufstellen kann, bei Kündigungen der BR angehört werden muss, jegliche Personalveränderung vom BR genehmigt werden muss, kann ich schon verstehen, warum die Geschäftsleitung keinen haben will.

Aber gerade hier sollte doch ein normal intelligenter Mitarbeiter hellhörig werden und sich fragen, warum die Geschäftsleitung so massiv dagegen vorgeht. Und ein BR hat für die Mitarbeiter sehr viele Vorteile und keine Nachteile. Und man muss nicht gewerkschaftlich organisiert sein.

Aber wenn Deine Kollegen weiterhin alles alleine regeln wollen, dann nur zu. Aber ich weiß jetzt schon, wer davon den Vorteil hat.

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Ganjane

12.06.2007 um 20:57 Uhr

Dank euch für die Ermutigungen und die Ratschläge. Ich hatte gerade noch ein paar Kollegen hier stehen, die mir bestätigten, diese versehentliche Mail der Personalchefin (und ich dachte immer, die sind Pro-Mitarbeiter) hat allgemein wirklich für Furore gesorgt, weil die Belegschaft jetzt weiß, daß da Kampagnen gegen uns laufen. Das war für den BR eine gute Propaganda und hat viele auf einmal sensibilisiert. Man bestärkt sich jetzt gegenseitig darin, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen... so nach dem Motto: Jetzt erst recht!

Ich bin sehr gespannt, welche Quote wir erreichen und ob das alles auch klappt. Wir bilden uns alle in der kurzen Zeit so gut wie möglich weiter, und ich hoffe, daß sonst niemand aus unserem kleinen Grüppchen ins Wanken gerät.

Gruß, G

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