Tariföffnungsklausel
Hallo,
jedes Jahr steht bei uns die Verhandlung bzw. Entscheidung an, ob die Tariföffnungsklausel erneut verlängert wird.
Wir sind ein KMU (~ 35 MA) innerhalb einer Unternehmensgruppe in der Chemiebranche. Wir konnten unseren Umsatz innerhalb von 10 Jahren von 6 auf 10 Mio. Euro steigern.
Dennoch wird Jahr für Jahr die Tariföffnungsklausel genutzt, um Gehälter zu drücken:
40 Stunden statt 37,5 Stunden laut Tarif ohne Tarifausgleich. Absenkung der Jahresleistung auf 80% statt der 95% laut Tarif. Zudem soll die Öffnungsklausel dieses Jahr direkt für 2017 und 2018 abgesegnet werden (um die unbeliebte Entscheidung vor der BR Wahl 2018 aus dem Weg zu haben und eine Wiederwahl nicht zu gefährden).
Die Unternehmensmutter rechnet uns mit der Wegnahme von Produktionen, Investitionen usw. künstlich klein, was unser Betriebsrat auch immer wieder so bestätigt.
Jedoch hat dieser bzw. die restlichen Mitglieder 0 Ahnung von BWL. Der GF wird einfach so glauben geschenkt, selbst die Gewerkschaft gibt sich machtlos. Des Weiteren glaube ich, dass unser BR bzw. unsere Belegschaft wegen Überalterung einfach Angst vor einen Unternehmensumzug hin zur Mutter oder vor Rationalisierungen hat.
Was könnte ich hier machen außer zu versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten?
Vielen Dank für euren Rat!
Community-Antworten (5)
14.10.2016 um 20:17 Uhr
Aus Deiner Frage heraus entnehme ich das Du AN bist und kein teil eures BR. Wen möchtest Du denn überzeugen? eurer BR oder die 35 MA, und zu welchem Ergebnis möchtest Du kommen? Wie groß ist denn euer Mutterkonzern? gibt es ein Wirtschaftsausschuss? Ich vermute ja!
14.10.2016 um 21:12 Uhr
Du solltest der IG BCE Dampf unter dem Hintern machen (falls Du Mitglied bist). Ich finde derartige Klauseln ein Unding, wenn ein Unternehmen, dem es gut geht eine derartige Regelung "missbrauchen" kann.
14.10.2016 um 23:41 Uhr
"Du solltest der IG BCE Dampf unter dem Hintern machen (falls Du Mitglied bist)."
Dazu müßte man erst einmal wissen, wieviele Personen in der Firma überhaupt in der Gewerkschaft sind. Bei 1-2 wird die Gewerkschaft nämlich vermutlich nicht gegen die Mehrheit im Betrieb ankämpfen.
15.10.2016 um 12:13 Uhr
Sorry für die späte Antwort, bin zur Zeit auf Lehrgang in der Provinz mit eingeschränktem Internetzugang.
Ich möchte sowohl Gewerkschaft als auch BR und Kollegen überzeugen sich gegen diese Farce aufzulehnen. Jeder weiß, dass künstliche Gründe für die Tariföffnung durch die Konzernmutter generiert werden. Diese hat erst seit kurzem einen BR am Standort selbst mit knapp 800 MA, nach dem die Gewerkschaft mit Gang vor das Arbeitsgericht gedroht hat. Es gibt keinen Konzern BR. Soweit ich weiß auch keinen Wirtschaftsausschuss und schon gar keinen für unseren Standort.
Mit unseren Gewerkschaftsvertretern bin ich unzufrieden, da diese sich auch nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung lediglich dazu raten, "es darauf ankommen zu lassen". Heißt, die GF droht mit Schließung der Produktionsstätte und Verlagerung zur Konzernmutter. Mehr kommt von der Gewerkschaft nicht und unser BR möchte eben dies nicht, da unser Altersdurchschnitt über 40 oder sogar 50 liegt und die meisten eben keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hätten. Von daher wird diese Konfrontation gescheut, O-Ton BRV: "Wieso sollte ich mir mein Karriereende noch versauen bzw. erschweren?"
Von 35 MA sind etwas 15 in der gewerkschaftlich organisiert, der Rest ist stiller Nutznießer, sogar ein Teil unseres BR ist nicht in der Gewerkschaft.
Es ist einfach frustrierend zu sehen, wie leichtfertig unser BR und die Gewerkschaft unser Geld verschenken. Es sind in der untersten Entgeltgruppe 200€ pro Monat, ich selbst habe während meiner Betriebszugehörigkeit bereits einen schönen fünfstelligen Betrag der GF gespendet.
Das muss ein Ende haben.
15.10.2016 um 12:31 Uhr
Hallo Maulwurf. Da hast Dir eine harte Kiste zugelegt, wenn Du alleine dagegen vorgehen möchtest. Euer Mutterkonzern sollte schnellstens einen Wirtschaftsausschuss bilden. Dieser Ausschuss muss nicht zwingend aus BRM bestehen, das können auch einfache AN sein. Nur da wäre es ratsam ,welche in dem Ausschuss zu haben, die sich mit Bilanzen auskennen. Geeignete Kandidaten wären da sehr gut BWL Studierte. Schau mal im Internet : Gründung eines Wirtschaftsausschuss, da findest Du viele nützliche Tipps. Und lass den Kopf nicht hängen. BR Arbeit ist auch frustrierend und kann manchmal ziemlich demotivierend sein. Ansonsten wüsste ich jetzt nicht mehr wie ich Dir weiter helfen könnte. Vielleicht haben Kollegen von mir noch paar nützliche Tipps. Ich wünsche Dir sehr viel Erfolg und gutes gelingen.
Und pass auf Dich auf, dass Du daran nicht zugrunde gehst. Ein gesundes Mittelmaß sowie eine klare Struktur wie Du vorgehst empfehle ich Dir.