Der Betriebsrat als Anlaufstelle bei Fragen und Problemen

Für den Betriebsratsvorsitzenden und jedes einzelne Betriebsratsmitglied bieten Beratungen auch die Möglichkeit, zusätzliche Informationen über betriebliche Vorgänge zu erhalten, um dann ggf. auf noch nicht bekannte Zustände und Vorgänge reagieren zu können.

Kurz gefasst:

  • Beratungsursache ist fast immer ein Problem, das von einer Person nicht allein geregelt werden kann.
  • Ziel der Beratung ist die gemeinsame Problemlösung.
  • Dies kann auch bedeuten, den Ratsuchenden mit neuen Informationen oder durch gemeinsames Entwickeln eines Planes in die Lage zu versetzen, teilweise das Problem selbst zu bewältigen.
  • Wichtig ist, nicht nur für, sondern mit dem Ratsuchenden zu agieren, wobei auch der Betriebsrat Aufgaben übernehmen kann - aber möglichst nicht alles.

    Grundsätze für den erfolgreichen Beratungsverlauf

    1. Zuhören und Problemstellung erfassen
      Nur Verständnisfragen stellen, viele Notizen machen, Problem und Beteiligte gliedern.
    2. Nicht sofort bewerten, nicht widersprechen
      Erst alles erzählen und erklären lassen, die Auffassungen erfragen.
    3. Absichten und Ziele gemeinsam festlegen
      Was hat welche Auswirkungen, wie würde der Arbeitgeber reagieren?
      Kurz- und mittelfristige Ziele gemeinsam festlegen.
    4. Handlungsschritte verabreden
      Die erkannten Probleme nacheinander abhandeln, dabei Realisierungschancen der unterschiedlichen Schritte abschätzen. Was soll zuerst und von wem unternommen werden? Den Ratsuchenden einzelne Aufgaben erledigen lassen, sofern er dazu in der Lage ist. Ansonsten muss der Betriebsrat stellvertretend tätig werden, damit der Beschäftigte sein Recht erlangt.
    5. Probleme, Ziele, Ergebnisse und Vorgehensweise aufschreiben
      Die machbaren kleinen Schritte positiv hervorheben. Termine der nächsten Maßnahmen festlegen und klären, wann die gegenseitige Information über die Ergebnisse erfolgen soll.

    Viel diskutiert und nichts geschieht

    Damit das nicht passiert, sind die verabredeten konkreten Schritte und die anschließende gegenseitige Information bereits bei Abschluss des ersten Gespräches festzuhalten. Nicht selten ergeben sich neue Aspekte, die berücksichtigt werden müssen, oder das BR-Gremium sieht die Sache anders als das beratende Betriebsratsmitglied.

    Tipp: Um für den Betriebsrat deutlich werden zu lassen, ob seine Vorgehensweise effektiv war, sollte das Beratungsgespräch anhand folgender Fragen später noch einmal beurteilt werden:

    • Was verlief in dem Gespräch positiv?
    • Wobei und warum gab es Probleme?
    • Was kann künftig wie verbessert werden?

    Wenn Beschäftigte sich nicht selbst helfen können

    In der Regel gehen Beschäftigte zu einem Betriebsrat ihres Vertrauens, da dieser über fundierte Kenntnisse zu Tarifen, Gesetzen und betrieblichen Regelungen verfügt. So kann der Betriebsrat eine objektive Einschätzung der Situation treffen und weitere notwendige Schritte oder Ansätze zur Lösung des Problems empfehlen und einleiten. Je nach Umstand kann der Betriebsrat die Notwendigkeit abwägen, ob ein Anwalt oder die Gewerkschaft zur Lösung eines Problems hinzugezogen werden sollte.

    Tipp: Der Betriebsrat sollte mit einem Rechtsanwalt seines Vertrauens (Fachanwalt für Arbeitsrecht) oder mehreren Anwälten für unterschiedliche Themenbereiche zusammenarbeiten und stets deren Blankovollmachten vorrätig haben, damit der Ratsuchende sofort unterschreiben kann.

    Zu klären ist, ob der Ratsuchende Gewerkschaftsmitglied ist und der Rechtsschutz von der Gewerkschaft übernommen wird oder eine Rechtsschutzversicherung inklusive Arbeits- und Sozialrecht besteht.

    Der Betriebsrat sollte den Anwalt bzw. den Rechtsschutzsekretär unterstützen, indem er klärt, welche betrieblichen und persönlichen Hintergründe bestehen sowie welche Tarifbestimmungen und Betriebsvereinbarungen tangiert sind.

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