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Personelle Angelegenheiten

1.716 Aufrufe | vor 8 Jahren

Darf ein Arbeitnehmer in einen 600 KM entfernten Betriebsteil versetzt werden?

Mein Mandant und ich, wir kämpften gegen seine Kündigung und dem Arbeitgeber war schon ziemlich zu Beginn der Verhandlung klar, dass diese Kündigung unwirksam war. Und die Richterin riet ihm doch sehr an, eine nicht zu geringe Abfindung zu zahlen. Ja, wie ging das Ganze aus? Der Arbeitgeber fing an rot anzulaufen wechselte die Hautfarbe, sagte dann nehme ich jetzt die Kündigung zurück, aber ich muss den Kollegen, den Mitarbeiter, leider versetzen, denn ich brauchte ihn unbedingt 600 Kilometer entfernt. Ich weiß, dass es für ihn schwierig ist, er hat ja auch ein kleines Kind und sie haben ja auch gerade ein Haus gekauft, aber ich brauche genau diese Mitarbeiter, den ich eben noch entlassen wollte, aufgrund seiner großen Brillanz. Ja, da steht man da und stellt sich die Frage: geht das? Tatsächlich ist der erste Blick immer der in den Arbeitsvertrag. Eine Versetzung ist nur dann möglich, wenn der Arbeitgeber sich den Versetzungsvorbehalt bei Abschluss des Arbeitsvertrages vorbehalten hat. Das ist allerdings in den meisten Arbeitsverträgen tatsächlich der Fall. Irgendwo steht immer der Passus, der Arbeitnehmer ist verpflichtet seine Arbeit auch in anderen Niederlassungen des Arbeitgebers zu erbringen. Ist dann kein Betriebsrat vorhanden, dann bestehen tatsächlich kaum rechtliche Möglichkeiten sich gegen diese unbeliebte Versetzung zur Wehr zu setzen, denn der Betriebsrat hat die Möglichkeit einer jeden Versetzung zu widersprechen, wenn ein gesetzlich anerkannter Grund dafür vorliegt, zum Beispiel wenn die Versetzung den Kollegen benachteiligt. Es wäre in unserem Fall ohne weiteres der Fall gewesen. Dann darf der Arbeitgeber nicht versetzen, es sei denn er holt sich vorab die Zustimmung des Arbeitsgerichts. Und den Gang, den scheuen dankbarerweise die meisten Arbeitgeber. Das heißt der Betriebsrat hat bei der Durchführung von Versetzungen ein ganz, ganz starkes Mitspracherecht, sollte das verantwortungsvoll ausüben. Ja, in meinem Fall gab es leider keinen Betriebsrat, aber der Fall nahm trotzdem ein gutes Ende, wir haben uns dennoch einigen können.

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Kollektives vs. individuelles Arbeitsrecht
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